Gehetzt

Thriller
 
 
Lübbe (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 11. November 2011
  • |
  • 480 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-8387-1060-0 (ISBN)
 
London. In einem Hotelzimmer des Ritz erwacht der ehemalige CIA-Agent Danny Shanklin - in der Hand ein Sturmgewehr, neben ihm die Leiche eines Mannes, den er noch nie zuvor gesehen hat. Noch völlig benommen stolpert er auf den Balkon und sieht das Unfassbare: Auf dem Platz vor dem Ritz liegen überall Leichen. Eine Limousine brennt, schreiende Menschen laufen ziellos umher. Sämtliche Einsatzkräfte der Londoner Polizei sind auf der Straße. Scharfschützen beziehen Stellung. Inmitten dieses Chaos sieht Danny plötzlich drei Menschen, die ganz ruhig wirken: Eine der Personen hält einen großen Gegenstand in der Hand - und Danny begreift: Dieser Gegenstand ist eine Fernsehkamera - und die ist genau auf ihn gerichtet ...
1. Aufl. 2011
  • Deutsch
  • 1,31 MB
978-3-8387-1060-0 (9783838710600)
3838710606 (3838710606)
weitere Ausgaben werden ermittelt

1

23:22 Uhr, Knightsbridge, London SW7

Die gertenschlanke Blondine, die neben Oberst Sykow im Fond des schwarzen Londoner Taxis saß, war zwar erst um die dreißig und damit halb so alt wie er, aber er fand sie dafür doppelt so schön wie seine Ehefrau zu ihren besten Zeiten. Als sie in der warmen Juninacht ausstiegen, hielt er ihr die Hand hin.

»Was bist du doch für ein Gentleman«, flötete sie und flocht ihre Finger, die in einem schwarzen Handschuh steckten, in seine Hand.

Sie hieß Hazel und war Schottin. Eine Glasgowerin, hatte sie ihm bei einem Cocktail in der schicken Bar, aus der sie kamen, erklärt. Sykow hatte die Stadt im hohen Norden nie besucht, aber Hazel sprach mit einem Einschlag, der ein bisschen wie ein osteuropäischer Akzent klang und ihm ein Gefühl von Heimat vermittelte.

Er bezahlte den Taxifahrer, ehe er sie zum beleuchteten Eingang des Appartementhauses führte, in dem er wohnte. Sie gingen durch die gläserne Tür und den Flur mit dem glänzenden Marmorfußboden zum Aufzug. Er gab einen Code in das Tastenfeld ein, und die Stahltür des Lifts glitt geräuschlos beiseite.

»Ladies first«, sagte er.

Sie rührte sich nicht, sondern erwiderte: »Wenn wir oben sind, werde ich etwas ganz Besonderes mit dir machen. Aber vorher musst du etwas für mich tun ...«

»Und was?«

»Ruf in deiner Botschaft an. Sag, dass du morgen nicht zur Arbeit kommst. Dass du dir einen Tag freinimmst.« Sie lächelte.

»Wieso?«

»Weil ich keine Frau für nur eine Nacht bin.« Ihre Lippen berührten beinahe seinen Mund; in ihrem Atem roch er Champagner und Kirschwasser. »Das heißt, morgen früh bleiben wir lange im Bett. Und dann wirst du mich zu einem sehr teuren Mittagessen ausführen.«

Zuerst hielt er es für einen Scherz. Doch auch als die Lifttür sich zu schließen begann, blieb sie reglos stehen.

Er drückte den Warteknopf. Hazels Eroberung hatte ihn zu viel Mühe gekostet, als dass er es jetzt noch riskiert hätte, von ihr stehen gelassen zu werden. Er zückte sein Handy, rief die Botschaft an und hinterließ auf dem Anrufbeantworter seines Sekretariats eine Nachricht.

Kaum hatte er aufgelegt, küsste sie ihn kurz und sanft, dann trat sie zurück und kicherte trunken. Dass sie ihren Kopf durchgesetzt hatte, freute sie offenbar über alle Maßen.

Ein charmanter Laut war das Kichern schon, räumte er bei sich ein, aber nichts, was ihre gemeinsame Nacht bestimmen sollte. Er hoffte, dass sie nicht zu viel getrunken hatte. Der Sex, den er im Sinn hatte, war weder schnell noch sanft. Tatsächlich war es gut möglich, dass Hazel die Nacht in keiner Weise genießen würde.

Sie traten in den Lift, und er drückte den Knopf mit der Aufschrift Penthouse. Zur Belohnung sah er, wie ein triumphierendes Lächeln um Hazels Lippen zuckte.

Diesen Ausdruck hatte er im Laufe der Jahre bei vielen Frauen gesehen. Privilegien und Macht, das wusste er schon seit Langem, waren die besten Aphrodisiaka. Besonders bei den jungen Frauen.

Das Penthouse stand eigentlich dem Geschäftsträger der Botschaft zu, aber der gegenwärtige Amtsinhaber war ein verheirateter Fußballfanatiker und wohnte mit seiner Familie in der unmittelbaren Nähe von Chelsea. Daher hatte Sykow das große Los gezogen. Als Militärattaché der russischen Botschaft in London stand er im Rang hoch genug, um das ungenutzte Dachgeschossappartement bewohnen zu dürfen.

Er betrachtete sich in der Spiegelwand des Lifts. Die tiefe Narbe auf der rechten Wange - ein Andenken an einen Messerkampf, den er als Junge in einer Moskauer Elektritschka bestanden hatte - ließ ihn neben dieser Schönen umso mehr wie das Biest erscheinen.

Vor drei Tagen hatte er sie in dem Café kennengelernt, in dem er gern zu Mittag speiste und das von der Botschaft aus direkt um die Ecke lag, in den Kensington Palace Gardens. Der Tag war warm gewesen, und sie trug eine dünne weiße Bluse, unter deren fast durchscheinendem Stoff sich - wie er zu seinem Entzücken feststellte - ihre kecken Brüste abzeichneten, da sie keinen BH anhatte. Sie ertappte Sykow dabei, wie er sie anstarrte. Sehr zu seinem Verdruss musste er den Blick abwenden.

Und ohne den Zwischenfall mit dem Handtaschenräuber wäre das alles gewesen. Der bärtige Obdachlose war entweder betrunken oder stand unter Drogen. Er kam in das Café und starrte mit aufgerissenen Augen umher, dann schlurfte er auf Hazel zu und riss ihre Handtasche vom Tisch.

Eigentlich hatte Sykow gar nichts unternommen. Er war zwar Soldat, aber in London nahm er eine Diplomatenstellung ein und hatte sich in alltägliche Auseinandersetzungen wie diese nicht einzumischen, da konnte das Opfer so attraktiv sein, wie es wollte.

Doch plötzlich stolperte der Räuber zur Seite und blieb mit dem Fuß an Sykows Stuhlbein hängen. Dadurch stürzten sie beide zu Boden.

Sykow kämpfte sich hoch - er wollte den ungewaschenen Degenerierten keineswegs überwältigen, sondern vor ihm zurückweichen. Der Obdachlose rappelte sich auf und floh auf die Straße. In seiner Panik ließ er Hazels Handtasche fallen, sodass Sykow sie ihr galant zurückgeben konnte.

Sie war außergewöhnlich dankbar. So dankbar, dass ihr völlig entfallen zu sein schien, dass der Oberst eben noch auf ihre Brüste gestarrt hatte. Sie erzählte, sie mache bei einer Firma in einem nahen Bürogebäude eine Fortbildung zur Buchhalterin. Sie bestand darauf, ihn am nächsten Tag zum Mittagessen einzuladen. Als Dank. Natürlich hatte er zugesagt.

Der Lift wurde langsamer und hielt. Die Tür öffnete sich auf einen schwarz-weiß gekachelten Korridor. Ohne aufgefordert worden zu sein, durchquerte Hazel ihn und trat in das indirekt beleuchtete Empfangszimmer.

Der Oberst verzog gequält das Gesicht, als er ihr folgte und bemerkte, welche tiefen Abdrücke ihre hohen Absätze in dem dicken grauen Teppich hinterließen - tiefe, halbmondförmige Dellen. Einen Augenblick lang überlegte er, ihr zu befehlen, auf der Stelle die Schuhe auszuziehen, doch dann beschloss er, sich lieber später den Spaß zu machen, sie dafür zu bestrafen.

Er beobachtete sie, während sie in stiller Ehrfurcht die Skulpturen auf den Schränkchen und die Ölgemälde an den Wänden betrachtete. Ganz eindeutig hatte sie solchen Reichtum noch nie aus der Nähe gesehen. Jetzt würde sie ihn auf keinen Fall mehr stehen lassen.

Das Lächeln, das sie ihm als Nächstes zuwarf, bestätigte seine Vermutung. Sie zeigte ihm damit, wie sehr es ihr hier gefiel, und das bedeutete seiner Meinung nach, dass sie alles tun würde, um bei ihm bleiben zu dürfen. Nacheinander spähte sie durch die Türen, die zu den einzelnen Zimmern führten. Er fragte sich, wie sie wohl aussehen würde, wenn sie auf dem Rücken läge.

»Warum fangen wir nicht hier an?«, fragte sie.

Zu seiner Freude hatte sie sich das große Schlafzimmer ausgesucht, das mit dem größten Bett. Er folgte ihr hinein und schaltete das Licht an, dann dimmte er es herunter.

Als sie ihre Handtasche auf das Doppelbett warf, bemerkte er, wie sie einen Blick auf die gerahmte Fotografie seiner Tochter warf, die an der Wand hing. Katarina war seine einzige Tochter. Ihm kam der Gedanke, dass sie ungefähr im gleichen Alter sein musste wie diese junge Schottin, die er mitgenommen hatte, um sie zu vögeln. Er empfand einen leichten Wonneschauer, weil ihm dadurch bestätigt wurde, dass in dem alten Hund noch immer Leben war.

Er konnte sich nicht mehr zurückhalten, trat hinter Hazel, schlang die Arme um ihre schlanke Taille und begann, ihr unbeholfen die Jacke aufzuknöpfen. Sie keuchte, als er grob ihre Brüste drückte - vor Lust? Oder vor Schmerz? Es war ihm eigentlich egal. Er zog ihr den Rock über die Hüften, schob die Hand in ihren Slip und zwischen ihre Schenkel.

Als sie sich zu ihm herumdrehte, hob er die Hand, um sie an ihrem kurz geschnittenen Haar zu packen und auf die Knie zu zwingen ... Aber Hazel hatte ihren eigenen Willen und löste sich von ihm.

»Warte«, sagte sie.

Der Oberst zitterte vor Verlangen. Sie kickte ihre Schuhe von den Füßen, schüttelte die Jacke ab und schlüpfte aus Rock, Bluse und BH.

»Was ist denn das Besondere, das du mit mir machen möchtest?«, fragte er. Dabei blickte er ihr nicht mehr ins Gesicht.

Sie trat näher und begann, seine schwarze Seidenkrawatte zu lösen. »Ich möchte etwas mit dir spielen.«

»Was denn?«

Sie lächelte, und ihre braunen Augen glitzerten dunkel. »Ein Fesselspiel ...«

Der Puls des Obersts beschleunigte sich. »Du magst es, wenn der Mann das Sagen hat, was?«

»Nein, eher umgekehrt ...«

Er riss die Augen auf. Sie wollte ihn festbinden?

»Das kann nicht dein Ernst sein«, sagte er.

»Es ist mir todernst.«

Die Vorstellung war natürlich absurd, doch sie war eindeutig anderer Meinung. Sie kniete sich vor ihn, zog ihm Hose und Unterhose bis zu den Knöcheln herunter und drückte ihn dann nach hinten, bis er sich auf die Bettkante setzte.

»Vertrau mir«, sagte sie. »An diese Nacht wirst du dich für den Rest deines Lebens erinnern.«

Am liebsten hätte er sie geschlagen. Sie am Boden festgehalten und mit Gewalt genommen. Sie für ihre Frechheit bestraft.

Doch als sie begann, mit der Zunge die Innenseite seines Schenkels zu bearbeiten, entschied er, dass es nichts schaden konnte, ihrem Vorschlag zuzustimmen. Sie hob die Hand und schloss die Faust um ihn. Sie trug noch immer ihre Lederhandschuhe. Er stöhnte vor Wonne.

»Danach kannst du mit mir alles machen, was du willst«, versprach sie. »Alles.«

Damit war es entschieden, sie sah es ihm an den Augen an.

»Leg dich auf den Rücken«, befahl sie.

Er tat, was sie wollte,...

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