Jerry Cotton Sonder-Edition 98 - Krimi-Serie

Die Gierigen
 
 
Bastei Lübbe (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 12. Februar 2019
  • |
  • 80 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7325-7656-2 (ISBN)
 
Die Gierigen

Sie planten das ganz große Ding. Drei Millionen Dollar waren ihr Einsatz, zwanzig Millionen ihr Gewinn. Jedenfalls glaubten sie das. Aber dann kam die Gier. Und der Tod. Und dann kamen wir, Phil und ich ...

2

Meine Hand krampfte sich um den Hörer, als Powells Worte in mein Gehirn drangen. Ich verdeckte die Muschel und rief Phil zu: »Bradbeers Tochter ist verschwunden!« Dann sagte ich zu Lieutenant Powell: »Gibt es Anhaltspunkte?«

Powell seufzte wieder. »Da leben ein paar Figuren in einer großen Wohnung am Strand, nicht weit von Bradbeers Villa entfernt. Sie sind als Bradbeers Leute bekannt. Ich habe mit ihnen gesprochen. Bradbeer soll gestern Abend an Bord seiner Jacht gegangen sein. Nur er, seine Tochter und ein Mann namens Joseph Baird. Mehr wissen sie nicht - angeblich.«

»Wir kommen trotzdem rüber, Lieutenant. Lassen Sie nach der Jacht fahnden .«

»Schon geschehen. Die Coast Guard sucht nach ihr mit Booten und Hubschraubern. Nach der Jacht und den beiden Vermissten.«

»Fein. In einer Stunde sind wir bei Ihnen.«

Durch den Holland Tunnel fuhren wir nach New Jersey rüber, kämpften uns durch Jersey City, bis wir den Highway erreichten, der in einem Bogen den nördlichen Teil der Stadt Bayonne berührt. Die Polizeibehörde mit dem Büro des Sheriffs und den Abteilungen der Kriminalpolizei waren in einem weitläufigen Gebäude aus braunem Sandstein in der Second Street West nahe der Bayonne Bridge untergebracht. Von der Newark Bay her wehte eine frische Brise herüber, Möwen kreisten lärmend über den Landungsstegen. Die Sonne schien und verlieh der kleinen Stadt einen freundlichen Glanz.

Phil und ich kletterten aus meinem roten Jaguar. Mein Freund reckte sich und blinzelte in die Sonne. »Ich möchte ein Boot mieten und einfach rausfahren. Fischen, schwimmen, faulenzen .«

»Erst wenn wir den gefunden haben, der Bradbeer in den Bach geworfen hat«, entschied ich und ging auf die Eingangsstufen zu.

Phil folgte notgedrungen. Ich fragte mich zum Büro Lieutenant Powells durch und klopfte dann an die Glasscheibe in der Tür zu seinem Office.

James Powell mochte so um die Mitte dreißig sein. Er war schlank, fast mager und wirkte dadurch riesengroß, als er sich aus seinem Sessel stemmte, um uns zu begrüßen. Er reichte mir eine knochige Hand und verzog das hagere Gesicht zu einem freundlichen Grinsen. »Nennen Sie mich einfach Jim.«

»Okay, ich heiße Jerry, mein Kollege Phil. Gibt's was Neues?«

Powell schüttelte den Kopf. »Nichts. Ich habe vor drei Minuten noch mit der Zentrale der Küstenwache gesprochen. Die Streifenbeamten klappern sämtliche Jachthäfen ab. Wenn Sie mich fragen, die Jacht ist abgesoffen, und seine Tochter und dieser Joseph Baird sind auch tot. Bradbeers Leiche ist an Land geschwommen, die anderen beiden sind vielleicht unter Deck eingeschlossen.«

Ich nickte zögernd, der Gedanke lag natürlich nahe. Irgendjemand von Bradbeers Konkurrenten hatte die günstige Gelegenheit ergriffen, als Bradbeer ohne seine Leibwache unterwegs war. Sie hatten die Jacht geentert, die Besatzung und seine Tochter umgebracht und das Boot versenkt.

»Aber es muss eine Spur geben«, meinte Phil. »Bradbeer wird nicht ohne Grund allein - das heißt ohne seine Jungs - abends ausgelaufen sein.«

»Das glaube ich auch nicht«, stimmte Powell zu. »Wir müssen seine Gorillas noch einmal vernehmen.«

Ich nickte. »Okay, brechen wir auf.«

Wir fuhren in Powells geräumiger Polizeilimousine nach Westen. Powell verließ die Hauptstraße und bog in einen schmalen Weg ein, der an flachen Bungalows und weißen Villen in weitläufigen Parks vorüberführte. Links öffnete sich die Newark Bay.

»Diese Gegend hier heißt Robbins Reef. Hier wohnen nur Leute, die mehr als zweihunderttausend im Jahr verdienen. Sehen Sie dort«, er wies mit ausgestrecktem Arm aus dem Fenster, »hier besitzt jeder mindestens eine Jacht, viele sogar zwei oder drei.«

Hinter schützenden Wällen aus Holzplanken lagen Hunderte von Booten aller Größen vertäut. Segeljachten, offene Motorboote, schwere Kreuzer. Auf dem glitzernden Wasser der Bucht zogen weiße Segel dahin.

»Das ist Bradbeers Villa«, sagte Powell plötzlich und wies auf eine breite Auffahrt. Er fuhr vorbei. Ich erhaschte einen flüchtigen Blick auf ein schneeweißes, zweistöckiges Gebäude mit umlaufendem Balkon. »Wir fahren zuerst zu Bradbeers Leuten.«

Zweihundert Yards weiter stoppte der Lieutenant vor einem neuen Hochhaus, einem dieser typischen Paläste aus Glas und Beton, wie sie reihenweise überall dort entstehen, wo Wasser und frische Luft zu verkaufen sind. Die Mieten in diesen Hütten können sich mit denen am New Yorker Central Park durchaus messen.

Wir stiegen aus und betraten die kühle Empfangshalle. Powell steuerte zielsicher auf einen der Fahrstühle zu, der uns in wenigen Augenblicken in den elften Stock hinaufbeförderte. Er presste seinen Daumen auf den Klingelknopf neben der Tür, die in Messingziffern die Zahl 1107 trug.

Wir warteten. Nichts rührte sich. Powell schellte Sturm, dünn hörten wir das Läuten auf dem Gang. Mir schwante etwas.

»Die Burschen sind weg«, sagte ich. »Was sollen sie auch noch hier? Sie suchen sich einen neuen Boss oder machen sich selbstständig.«

Powell nickte grimmig. »Ich habe einen Fehler gemacht«, bekannte er.

»Sie hätten nichts machen können«, tröstete ich ihn. »Kennen Sie die Namen der Männer?«

»Zwei kenne ich. Kommen Sie bitte mit.« Wir fuhren wieder in die Halle hinunter. Powell führte uns eine halbe Treppe tiefer ins Tiefparterre, stieß eine Eisentür auf, blieb vor einer anderen Tür stehen und klopfte. Die Tür flog auf, ein älterer Mann, unrasiert und mit wirren grauen Haaren, steckte seinen Kopf heraus.

»Was wollen Sie?«, fragte er unfreundlich.

»Sie sind der Hausverwalter?« Powell zeigte ihm seine Dienstmarke. »Die Bewohner aus Apartment elf-null-sieben sind nicht da. Haben Sie die Männer gesehen?«

»Sicher. Die sind vor einer Stunde abgefahren, ziemlich eilig sogar. Die kommen nicht wieder.«

»Woraus schließen Sie das?«, fragte Powell weiter.

»Jeder schleppte einen Koffer, deshalb.«

»Wie viele waren es?«

»Vier.«

»Wer hatte das Apartment gemietet?«

»Mister Bradbeer. Die Leute waren bei ihm angestellt. Fragen Sie bei Mister Bradbeer. Ich weiß von nichts.« Er wollte uns die Tür vor der Nase zuschlagen.

»Stopp!«, zischte Powell scharf. Der Verwalter erstarrte. »Die Männer hatten Wagen? Wie viele? Zulassungsnummern, Fabrikate, los, los, strengen Sie Ihr Gedächtnis etwas an!«

»Mein Kopf ist kein Computer. Da waren zwei Schlitten in der Tiefgarage. Schwarz, lang, in Bayonne zugelassen. Einer war ein Cadillac. Mit dem fuhr Mister Bradbeer. Den anderen Wagen benutzten die Männer.« Powell starrte den Verwalter finster an, doch es nutzte nichts. »Bestimmt, Officer, mehr weiß ich nicht.«

Ohne ein weiteres Wort wandte sich Powell ab. »Ich frage bei der Zulassungsstelle nach«, verkündete er gelassen.

Mit Powells Dienstwagen fuhren wir zu Bradbeers Villa. Langsam rollte die Limousine mit knirschenden Reifen über den weißen Kies auf das weiße Haus zu. Powell stoppte genau vorm Eingang, und wir stiegen aus. Powell ging auf die Haustür zu, während ich zur Ecke schlenderte, um einen Blick auf den hinteren Teil des Grundstücks zu werfen. Überrascht blieb ich stehen, als ich den Wagen entdeckte. Es war ein kompakter Ford Falcon, grau, zweitürig. Meine Augen fielen auf das Nummernschild - der Wagen kam aus New York. Interessiert trat ich näher und legte meine Hand auf die Motorhaube. Sie war noch warm.

Und dann hörte ich das Peitschen eines Schusses, hell und klar. Das Geräusch musste aus dem Haus gekommen sein. Ich entdeckte ein offenes Fenster im Erdgeschoss, nur wenige Schritte von mir entfernt. Ich spurtete los, erreichte das Fenster, packte das Fensterbrett und wollte, das Überraschungsmoment ausnutzend, über die Brüstung flanken. Ich sah die Bewegung, die Umrisse einer Gestalt, die unwahrscheinlich schnell reagierte. Dann dröhnte ein Schuss, die Kugel schlug neben meinem Kopf in den Rahmen, riss Splitter aus dem Holz, die über mein Gesicht fetzten.

Ich bremste den Schwung meines Körpers und ließ mich einfach rückwärts fallen. Ich schlug hart mit dem Rücken auf den Boden, Dornen eines Rosenstrauches stachen durch meinen Anzug.

Elegant wie ein Raubtier erschien plötzlich ein Mann über mir, sprang über die Fensterbrüstung und landete auf mir. Bevor ich auch nur meine Arme zur Abwehr erheben konnte, landete eine steinharte Faust an meinem Kinn. Mein Kopf ruckte zurück, und tausend Sterne tanzten vor meinen Augen. Ein zweiter Hieb explodierte auf meiner Nase, der Schmerz drang bis ins Gehirn, dann ebbte er plötzlich ab, als ich in Finsternis versank.

***

Claudia beruhigte sich langsam unter Hammonds sanften Händen. Sie lag immer noch an seiner Brust, ihre Schultern zuckten hin und wieder. Hammond drückte die junge Frau behutsam nieder und bettete sie auf die Decken. Sie öffnete die Augen, die rot und verweint aussahen, und blickte den Mann ernst an. Hammond beugte sich herab, berührte mit seinen Lippen flüchtig ihren Mund. Sie schloss die Augen und schien zu warten.

Hammond küsste sie, zart zuerst, dann härter und fordernd. Claudia wehrte sich nicht, wie er zunächst erwartet hatte. Nach einigen Sekunden erwiderte sie den Kuss. Hammond atmete heftiger. Er hatte seine Finger in ihre Schulter gegraben, und die Kleine wand sich wohlig unter dem Griff. Hammonds Hand glitt herab, seine Finger tasteten unter den Pullover, strichen über glatte Haut, bis sie gegen die Geldbündel stießen, die Claudia unter ihrem...

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