Jerry Cotton - Folge 2801

Im Zeichen der 13
 
Jerry Cotton (Autor)
 
Lübbe (Verlag)
1. Auflage | erschienen am 22. Februar 2011 | 64 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-8387-0777-8 (ISBN)
 
Wir kamen an den Tatort in Spanish Harlem. Auf dem Tätowierstuhl eines Tattoo-Studios saß noch das Opfer - von Kugeln durchsiebt. Der Tote war ein Mitglied der "Mara 13", einer berüchtigten Gang, gewesen, der sich gerade eine Träne hatte stechen lassen - das Zeichen für einen Mord. Nun begann der Kreislauf von Rache und Rache für die Rache, dem wir vom FBI Einhalt gebieten mussten, doch bis es soweit war, flossen noch viele "Tränen"...
Luebbe Digital Ebook
1. Aufl. 2011
Deutsch
0,66 MB
978-3-8387-0777-8 (9783838707778)
383870777X (383870777X)
"(S. 5-6)

»Ah, ist das scharf!«, meinte Phil und verzog das Gesicht. Wir saßen in einer Filiale von Tapas Mexicanas, einer Kette mit Latino Fast Food in Spanish Harlem. Auch wenn ansonsten in diesem Teil New Yorks Puertoricaner, Exilkubaner und Einwanderer aus anderen lateinamerikanischen Ländern den Ton angaben, waren die Gäste hier durchaus bunter gemischt. Das lag wohl an der unmittelbaren Nähe der Columbia University, die wie eine Insel des weißen, angelsächsisch-protestantischen Amerika in diesem Latino-Stadtteil wirkte. Eigentlich warteten wir auf einen Informanten namens Norman Garcia. Aber Garcia war schon seit einer halben Stunde überfällig und normalerweise konnte man sich, was die Pünktlichkeit betraf, auf ihn verlassen.

Garcia besaß einen Friseursalon zwei Straßen weiter. Jeden Tag um fast genau 18.00 Uhr ging er in diese Filiale von Tapas Mexicanas, um seine Portion Chili zu essen. In unregelmäßigen Abständen sprachen ihn dann Kollegen unseres Field Office dort an. Garcia war Anfang siebzig, ein alter Mann, der seine Altersversorgung während des letzten Banken-Crashs verloren hatte und darum gezwungen war, seinen Laden so lange weiterzuführen, bis er keine Schere mehr halten konnte. Vor drei Jahren waren er und seine Frau bei einer Schießerei zwischen den rivalisierenden Gangs Mara 13 und Mara 18 schwer angeschossen worden.

Die beiden waren völlig unbeteiligt gewesen. Seitdem humpelte Norman Garcia. Seine Frau hatte es schlimmer erwischt: Sie war ihren Verletzungen erlegen. Seitdem hatte Garcia keine Angst mehr. Vor niemandem. Regelmäßig versorgte er uns mit Informationen aus dem Umkreis dieser weltweit operierenden Gangs, die von der FBI-Zentrale in Washington inzwischen als transnationale kriminelle Bedrohung eingestuft wurden. Drogenhandel, Prostitution, Glücksspiel, Waffen, Schutzgeld und illegale Müllentsorgung – alles, womit sich viel Geld verdienen ließ, gehörte zum Geschäftsfeld dieser straff organisierten Gangs, die für ihre Verschwiegenheit, ihre außergewöhnlich brutalen Einstiegsrituale und vor allem ihren kompromisslosen Umgang mit jedem, den sie für einen Verräter hielten, bekannt waren. Äußerlich waren sie an ihren Tätowierungen erkennbar. Einer solchen Gang gehörte man sein Leben lang an.

Die einzige Möglichkeit des Ausstiegs war der Tod oder das Zeugenschutzprogramm des FBI. Allerdings traute Letzterem kaum einer. Es war ausgesprochen schwierig, verdeckte Ermittler einzuschleusen. Eigentlich kamen dafür nur angeworbene Gang-Mitglieder in Frage, die aussteigen wollten. Aber so etwas war selten – und davon abgesehen hatten die Betroffenen dann zumeist nur noch eine sehr kurze Lebenserwartung, wenn ihr Doppelspiel aufflog. Das Risiko ging kaum jemand ein. Die einzelnen Untergruppen der Gangs bestanden ausschließlich aus Mitgliedern, die in denselben Straßenzügen groß geworden waren und sich oft seit frühester Kindheit kannten. Jemand, der von außen kam, hatte keine Chance, sich ihr Vertrauen zu erwerben.

Richtig dazu gehörte man erst, wenn man sich seine erste Träne verdient hatte – das Zeichen dafür, dass man bereit gewesen war, für die Gang zu töten. Manchmal wurden dafür willkürliche Opfer ausgesucht – aber für den Täter gab es dann kein Zurück mehr. Der erste Mord kettete ihn auf ewig an die Gang. An seine Mitwisser und Komplizen. Wie eine in das Fleisch geritzte Kriegsbemalung trugen sie ihre Tätowierungen, und jeder, der sie ansah und einigermaßen Bescheid wusste, wie die Dinge in Spanish Harlem liefen, konnte ihnen ansehen, was sie auf dem Kerbholz hatten. Das verbreitete Angst. Und genau darauf kam es Gangs wie Mara 13 an."

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