Sharpes Mission

 
 
Lübbe (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 16. September 2011
  • |
  • 464 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-8387-0525-5 (ISBN)
 
Portugal, 1809. Frankreich ist auf dem Vormarsch, die portugiesische Armee gnadenlos unterlegen. Auch die britischen Einheiten scheinen nicht mehr viel tun zu können, um die französische Invasion zu stoppen. Abgeschnitten vom Hauptfeld, schlägt sich Richard Sharpe durch ein Land, das kurz vor dem Kollaps steht. Seine Mission: die schöne Britin Kate Savage zu beschützen. Dabei wird er gejagt, von einem Feind, der alles daran setzt, ihm den Garaus zu machen. Sharpe kennt nur eine Antwort darauf: Widerstand leisten. Mit allen Mitteln und bis zum Tod.
1. Aufl. 2011
  • Deutsch
  • 1,28 MB
978-3-8387-0525-5 (9783838705255)
3838705254 (3838705254)
weitere Ausgaben werden ermittelt
"KAPITEL 10 (S. 218-219)

Kate saß in einer Ecke der Kutsche und weinte. Die Kutsche fuhr nirgendwohin. Es war nicht einmal eine richtige Kutsche, nicht halb so komfortabel wie der zerbrechliche, zweirädrige offene Einspänner der Quinta, der in Oporto gelassen worden war, und nicht so gut wie die, mit der ihre Mutter im März den Fluss überquert hatte. Wie sehr wünschte sich Kate jetzt, mit ihrer Mutter gefahren zu sein, doch stattdessen war sie ihren romantischen Gefühlen gefolgt und überzeugt gewesen, dass sie bei der Erfüllung ihrer Liebe auf goldenen Wolken und in grenzenlosem Glück schweben würde. Stattdessen befand sie sich in einer Mietskutsche aus Oporto, deren Lederverdeck undicht war, deren Federn knarrten und deren altersschwacher Hengst davor die Kutsche nirgendwohin zog, denn die fliehende französische Armee hing auf der Straße nach Amarante fest. Regen klatschte auf das Dach, sickerte an den Fenstern herab und tropfte auf Kates Schoß, doch sie nahm es kaum wahr, hockte nur in der Ecke und weinte.

Die Tür wurde aufgezogen, und Christopher streckte seinen Kopf herein. »Es wird gleich ein bisschen knallen«, sagte er. »Aber du brauchst nicht alarmiert zu sein.« Er schwieg einen Augenblick, hörte ihr Schluchzen und wusste nicht, was er sagen sollte. Dann konnte er es nicht mehr ertragen und schloss die Tür. Im nächsten Augenblick riss er sie wieder auf. »Sie zerstören die Geschütze«, erklärte er, »deshalb der Lärm.« Kate interessiert das kein bisschen. Sie fragte sich, was aus ihr werden sollte, und ihre Aussicht auf die Zukunft war so schrecklich, dass sie in noch mehr Tränen ausbrach, gerade als die ersten Geschütze Mündung gegen Mündung abgefeuert wurden.

Am Morgen nach dem Fall von Oporto war Marschall Soult von der erschreckenden Nachricht geweckt worden, dass die portugiesische Armee Amarante zurückerobert hatte und dass die einzige Brücke, die er mit seinen Geschützen, Lafetten, Munitions- und Versorgungswagen und Kutschen, mit denen er zu den französischen Festungen in Spanien zurückkehren wollte, deshalb in feindlicher Hand war. Einige Heißsporne hatten sich den Weg über den Fluss freikämpfen wollen, doch die Späher hatten berichtet, dass die Portugiesen in großer Stärke Amarante besetzt hielten, die Brücke vermint war und jetzt ein Dutzend Geschütze die Straße beherrschte.

Es würde Tage und bittere Gefechte dauern, bis zur Brücke vorzudringen, und dann würde es sie wahrscheinlich gar nicht mehr geben, denn die Portugiesen würden sie bestimmt sprengen. Und Soult hatte keinen einzigen Tag mehr zur Verfügung. Sir Arthur Wellesley würde aus Oporto vorrücken und ihn jagen, und das ließ ihm nur eine Wahl: Er musste alle fahrbaren Transportmittel aufgeben, alle Wagen und Geschütze. All das musste zurückgelassen werden, und zwanzigtausend Mann, fünftausend Personen Tross und viertausend Pferde und fast so viele Maultiere mussten ihr Bestes tun, um nach Norden einen Weg durch die Berge zu finden.

Doch Soult würde dem Feind nicht gute französische Geschütze zurücklassen, die sich gegen ihn wenden würden, und so wurden sie jeweils mit vier Pfund Pulver geladen und Mündung gegen Mündung gestellt. Kanoniere bemühten sich im Regen, die Ladungen zu zünden, und so feuerten die beiden Geschütze ineinander und sprangen in einer gewaltigen Explosion in Rauch und Flammen mit zerrissenen Rohren zurück. Einige der Kanoniere hatten feuchte Augen, als sie ihre Waffen zerstörten, einige andere fluchten, als sie mit Messern und Bajonetten die Pulversäcke zerschnitten, die im Regen zurückgelassen wurden."

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