Knochenbett

Kay Scarpettas 20. Fall
 
 
Hoffmann & Campe (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 11. September 2013
  • |
  • 512 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-455-81227-5 (ISBN)
 
Der zwanzigste Fall für Kay Scarpetta, "eine der ungewöhnlichsten Krimiheldinnen". Der Spiegel
Eine verschwundene Paläontologin, von der nur noch das Foto ihres abgeschnittenen Ohrs existiert. Und die Mumie einer Frau, die im Bostoner Hafen gefunden wird. Dr. Kay Scarpetta bekommt es mit einer ebenso düsteren wie bizarren Mordserie zu tun, die sie selbst in größte Schwierigkeiten bringt.
Kay Scarpetta ist als Zeugin im Prozess gegen einen Öl-Tycoon geladen, dem der Mord an seiner spurlos verschwundenen Ehefrau vorgeworfen wird. Wenige Stunden zuvor musste die berühmte Rechtsmedizinerin noch unter schwierigsten Umständen die mumifizierte Leiche einer Frau aus dem Bostoner Hafen bergen. Handelt es sich bei der Toten um die vermisste Industriellengattin? Diese Frage stellt sich auch die Anwältin des Angeklagten, die alles daran setzt, Scarpettas Reputation zu untergraben. Fieberhaft beginnt die Rechtsmedizinerin mit der Untersuchung der Mumie. Daneben machen ihr noch ganz andere Probleme zu schaffen: Ihr Chefermittler Pete Marino gerät unter Mordverdacht, und ihr Ehemann Benton Wesley scheint sich von ihr abzuwenden. Steuert Kay Scarpetta auf eine berufliche und private Katastrophe zu?
  • Deutsch
  • Hamburg
  • |
  • Deutschland
  • 2,16 MB
978-3-455-81227-5 (9783455812275)
weitere Ausgaben werden ermittelt

Drei


Der äußere Rand des Ohrs, die Ohrmuschel, ist offenbar säuberlich vom Bindegewebe des Schläfenmuskels abgetrennt worden.

Ich habe das Bild so stark vergrößert, wie es möglich war, ohne dass alles verschwimmt. Die sichtbaren Ränder der Schnittwunde wirken scharf und regelmäßig. Ich kann weder bleiche Stellen noch einen Hinweis darauf erkennen, dass das durchtrennte Gewebe umgestülpt oder eingesackt ist, was ich erwarten würde, hätte die Amputation lange nach dem Tod stattgefunden – zum Beispiel, wenn das Ohr von einer einbalsamierten Leiche an der medizinischen Fakultät stammen würde. Das Ohr und das Blut auf der Zeitung sind offenbar neueren Datums.

Allerdings kann ich nicht feststellen, ob es sich um Menschenblut handelt, und mit Ohren ist es eine schwierige Sache. Sie sind nicht besonders stark durchblutet, weshalb es durchaus möglich ist, jemandem vor oder nach dem Tod das Ohr abzuschneiden und es wochenlang zu kühlen. Auch dann würde es auf einem Foto noch so frisch aussehen, dass ich unmöglich feststellen könnte, ob das Opfer bei der Amputation noch gelebt hat.

Das Bild ist für meine Zwecke absolut ungeeignet, wie ich Lucy erkläre. Ich muss das Ohr selbst untersuchen, die Schnittränder auf körperliche Reaktionen überprüfen und die DNA mit dem National DNA Index (NDIS) und dem Combined DNA Index System (CODIS) abgleichen, nur für den Fall, dass der Besitzer ein Vorstrafenregister hat.

»Ich habe bereits aktuelle Fotos von ihr gefunden, und zwar ziemlich viele auf verschiedenen Webseiten. Einige sind entstanden, als sie in diesem Sommer in Alberta gearbeitet hat«, lässt Lucy sich aus meinem Bad vernehmen. Wir sprechen so laut, dass wir einander verstehen können. »Aber wir können aus offensichtlichen Gründen keinen Eins-zu-eins-Abgleich vornehmen. Ich muss die Größe und den Winkel noch richtig anpassen, doch die gute Nachricht ist, dass das Übereinanderlegen zumindest eines gebracht hat: Wir können nicht ausschließen, dass sie es ist. Ich habe dir die Datei geschickt«, fügt sie hinzu. »Damit du die Vergleiche allen Teilnehmern deiner Besprechung zeigen kannst.«

»Bist du so gegen fünf zurück?«

»Mir war nicht klar, dass ich eingeladen bin«, übertönt sie die Geräusche des nächsten sich in Produktion befindlichen Espresso.

»Natürlich bist du das.«

»Und wer sonst noch?«

»Einige Agents von der Außenstelle in Boston. Douglas, glaube ich.« Damit meine ich Douglas Burke, eine FBI-Agentin, deren Vorname leicht zu Missverständnissen führt. »Keine Ahnung, wer noch. Und Benton.«

»Ich habe keine Zeit«, entgegnet Lucy. »Nicht, wenn sie dabei ist.«

»Deine Anwesenheit wäre wirklich hilfreich. Was hast du denn für ein Problem mit Douglas?«

»Alles. Nein, danke.«

Da meine Nichte zu Anfang ihrer Karriere als Ermittlerin beim FBI und beim ATF vor die Tür gesetzt worden ist, hegt sie nicht unbedingt freundschaftliche Gefühle für diese Bundesbehörden. Mich bringt das manchmal in die Bredouille, denn schließlich ist mein Mann Criminal Intelligence Analyst, oder Profiler, beim FBI, während ich einen besonderen Reservistenstatus im Verteidigungsministerium innehabe. Also sind wir beide Teil eines Systems, das sie ablehnt und verachtet, der Strafverfolgungsbehörden des Bundes, die sie abgewiesen und gefeuert haben.

Um es kurz zu sagen, Lucy Farinelli, meine einzige Nichte, die ich großgezogen habe wie eine eigene Tochter, findet, dass Regeln etwas für Minderbemittelte sind. Sie hat als Agent mit dem Feuer gespielt, und sie tut es auch jetzt als Computergenie. Wenn es sie nicht gäbe, wäre mein Leben öde und leer.

»Wir haben es mit jemandem zu tun, der ziemlich gerissen ist.« Sie kommt mit zwei Kaffeegläsern und einem kleinen Edelstahlkrug aus dem Bad.

»Das klingt gar nicht gut«, erwidere ich. »Dass du jemanden für gerissen hältst, hat Seltenheitswert.«

»Ein hinterhältiger Mensch, der zwar in vielerlei Hinsicht schlau, aber auch zu sehr von sich selbst überzeugt ist, um zu bemerken, was er alles nicht weiß.«

Sie schenkt starken, süßen Espresso mit einer hellbraunen Schaumschicht darauf ein. Die coladas hat sie sich angewöhnt, als sie vor vielen Jahren in der Außenstelle des ATF in Miami beschäftigt war. Bevor sie in eine üble Schießerei verwickelt wurde.

»Die Adresse BLiDedwood ist ziemlich verräterisch.« Sie stellt ein Glas und den Krug neben meine Tastatur.

»Mir sagt sie nichts.«

»Billy Dedwood«, erklärt sie.

»Okay.« Ich lasse das auf mich wirken. »Und das ist wer?«

Lucy umrundet meinen Schreibtisch und tippt auf die Granitplatte hinter mir, so dass die beiden Videoschirme darauf zum Leben erwachen. Bildschirmschoner leuchten rot, golden und blau auf, die Insiginien des CFC und des AFME nebeneinander, ein Hermesstab mit der Waage der Justitia und Spielkarten, Paare von Achtern und Assen, das Blatt des toten Mannes, das Wild Bill Hickok angeblich in der Hand hielt, als er 1876 während eines Pokerspiels erschossen wurde.

»Das Logo des AFME.« Sie zeigt auf das Kartenspiel auf dem Computerbildschirm. »Wild Bill Hickok, auch Billy genannt, wurde in Deadwood, South Dakota, umgebracht. Und was es bedeutet? Tja, Tante Kay, ich hoffe nur, dass es kein Mensch aus deiner Vergangenheit ist.«

»Was bringt dich denn auf diesen Gedanken?«

»Zum Beispiel, dass derjenige eine vorübergehende kostenlose E-Mail-Adresse benutzt hat, die sich innerhalb von dreißig Minuten von selbst löscht, also praktisch in Luft auflöst?«, entgegnet Lucy. »Gut, das ist nicht so ungewöhnlich, weil jeder x-Beliebige so etwas tun könnte. Hinzu kommt aber, dass diese Person dir die E-Mail durch einen kostenlosen und anonymen Server hat zukommen lassen. In diesem Fall war es ein ganz besonders gut abgesicherter, dessen Host-Name nicht zu ermitteln ist. Standort ist Italien.«

»Also kann niemand auf die Mail antworten, weil das vorübergehende Konto nach dreißig Minuten gelöscht wird und nicht mehr existiert.«

»Richtig.«

»Und niemand kann die IP aufspüren und herausfinden, von wo aus die Mail verschickt worden ist«, folge ich ihrem Gedankengang.

»Genau darauf verlässt sich der Absender.«

»Und wir sollen annehmen, dass die Mail von jemandem in Italien stammt.«

»In Rom«, ergänzt sie.

»Doch das ist nur ein Trick.«

»Richtig«, erwidert sie. »Wer auch immer dir diese Mail geschickt haben mag, er war um halb sieben Uhr gestern Abend unserer Zeit ganz sicher nicht in Rom.«

»Was ist mit der Schriftart?« Ich betrachte noch einmal die Betreffzeile der Mail.

 

ZU HÄNDEN VON MEDICAL EXAMINER KAY SCARPETTA

 

»Hat die eine Bedeutung?«, erkundige ich mich.

»Sehr retro. Erinnert an die Fünfziger und Sechziger. Die großen, quadratischen Buchstaben mit den abgerundeten Ecken sollen den Fernsehgeräten jener Zeit ähneln. Deiner Zeit«, hänselt sie mich.

»Bitte nimm mich so früh am Morgen nicht auf den Arm.«

»Eurostile wurde von dem italienischen Schriftendesigner Aldo Novarese entwickelt«, fährt sie fort. »Die Schrift wurde ursprünglich für eine Schriftgießerei in Turin namens Nebiolo entworfen.«

»Und was heißt das deiner Ansicht nach?«

»Keine Ahnung.« Sie zuckt die Achseln.

»Eine mögliche Verbindung nach Italien?«

»Das bezweifle ich. Ich glaube, der Absender ist davon ausgegangen, dass du die wahre IP-Adresse nicht aufspüren kannst«, erwidert sie, und ich weiß, was jetzt gleich kommt.

Und was sie getan hat.

»In anderen Worten«, spricht sie weiter, »dass wir den tatsächlichen Ort, von dem sie stammt, nicht in Erfahrung bringen können, nämlich …«

»Lucy«, falle ich ihr ins Wort. »Ich möchte nicht, dass du solche Schritte unternimmst.«

Sie hat es bereits getan.

»Diese anonymen kostenlosen Angebote gibt es zuhauf«, fährt sie fort, als könnte sie kein Wässerlein trüben.

»Ich will nicht, dass du dich in irgendeinen anonymen Server in Italien oder sonst irgendwo einloggst«, teile ich ihr rundheraus mit.

»Die Mail wurde dir von jemandem geschickt, der Zugriff auf das LAN-Netzwerk am Logan Airport hatte.«

»Die Mail kam vom Bostoner Flughafen?«

»Der Videoclip wurde dir aus dem LAN-Netzwerk am Logan Airport geschickt, das sind mal gerade verdammte zehn Kilometer von hier«, bestätigt sie. Also ist es kein Wunder, dass sie dahinter jemanden vermutet, den wir kennen.

Ich denke an Bryce Clark, meinen Verwaltungschef, an Pete Marino und an einige andere Forensikexperten in diesem Gebäude. Ein paar Mitarbeiter des CFC waren letzte Woche auf der Jahrestagung der International Association for Identification in Tampa, Florida. Alle sind gestern gemeinsam zurück nach Boston geflogen, und zwar um dieselbe Zeit, als die anonyme Mail ans CFC gesendet wurde.

»Irgendwann gestern Abend, kurz vor sechs«, erklärt Lucy, »hat sich die betreffende Person in das kostenlose Netzwerk am Flughafen eingeloggt, wie es jeden Tag Tausende von Fluggästen tun. Das bedeutet aber nicht, dass der Absender der Mail sich tatsächlich in einem Terminal oder an Bord eines Flugzeugs befunden hat.«

Derjenige hätte auch in einem Parkhaus sein können, fährt sie fort, auf einem Gehweg, in einem Wassertaxi, auf einer Fähre am Hafen oder sonst irgendwo innerhalb der...

»Wie man Krimis schreibt, weiß Cornwell. So spannend und grausig zugleich
(diese Autopsien!) hat sie's aber lange nicht mehr getan.«
 
»In dem neuen Roman von Cornwell
muss der zwanzigste Fall von Kay Scarpetta, die von den Medien als eine der
ungewöhnlichsten Krimiheldinnen gefeiert wird, gelöst werden.«
 
»Patricia Cornwell ist es
[.] wieder mal gelungen, einen Fall über mehr als 450 Seiten spannend zu
halten.«

Dateiformat: EPUB
Kopierschutz: Wasserzeichen-DRM (Digital Rights Management)

Systemvoraussetzungen:

Computer (Windows; MacOS X; Linux): Verwenden Sie eine Lese-Software, die das Dateiformat EPUB verarbeiten kann: z.B. Adobe Digital Editions oder FBReader - beide kostenlos (siehe E-Book Hilfe).

Tablet/Smartphone (Android; iOS): Installieren Sie bereits vor dem Download die kostenlose App Adobe Digital Editions (siehe E-Book Hilfe).

E-Book-Reader: Bookeen, Kobo, Pocketbook, Sony, Tolino u.v.a.m. (nicht Kindle)

Das Dateiformat EPUB ist sehr gut für Romane und Sachbücher geeignet - also für "fließenden" Text ohne komplexes Layout. Bei E-Readern oder Smartphones passt sich der Zeilen- und Seitenumbruch automatisch den kleinen Displays an. Mit Wasserzeichen-DRM wird hier ein "weicher" Kopierschutz verwendet. Daher ist technisch zwar alles möglich - sogar eine unzulässige Weitergabe. Aber an sichtbaren und unsichtbaren Stellen wird der Käufer des E-Books als Wasserzeichen hinterlegt, sodass im Falle eines Missbrauchs die Spur zurückverfolgt werden kann.

Weitere Informationen finden Sie in unserer E-Book Hilfe.


Download (sofort verfügbar)

9,99 €
inkl. 19% MwSt.
Download / Einzel-Lizenz
ePUB mit Wasserzeichen-DRM
siehe Systemvoraussetzungen
E-Book bestellen