Catra Corbett: Wiedergeburt

Mein Weg aus der Sucht zum Ultramarathon
 
 
EGOTH-Verlag
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 12. April 2021
  • |
  • 272 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-903183-87-2 (ISBN)
 
Mit all ihren Tattoos und Piercings sieht sie aus wie Rockstar, und tatsächlich ist Catra Corbett ein Rockstar des Ultra-Laufsports. Sie ist die erste Amerikanerin, die mehr als hundert Mal über hundert Meilen oder mehr gelaufen ist, sie hält auch die schnellste bekannte Zeit für den 425 Meilen lange John Muir Trail, den sie in zwölf Tagen, vier Stunden und siebenundfünfzig Minuten bewältigt hat.
Und, unglaublich aber wahr, sie ist auch eine ehemalige Meth-Süchtige.
Sie dealt mit Drogen, landet im Gefängnis, weiß, dass es so nicht weitergehen kann, beginnt zu laufen: zuerst 10 Kilometer, dann Marathondistanzen und mehr. In "Wiedergeburt" begleiten wir Catra Corbett durch schwieriges Terrain und extremes Wetter, wenn sie von wilden Tieren gejagt wird und bei einem Trainingslauf fast stirbt, wenn sie Laufrekorde knackt und zu einer der weltbesten Ultraläuferinnen wird. Sie verliert Angehörige an die Drogen, will Selbstmord begehen, verliebt sich und wird mit gebrochenem Herzen zurück gelassen. und stellt sich schließlich der Vergangenheit, die zu ihrer Sucht geführt hat.

*

"Dies ist eine Geschichte, die Sie lieben und nie wieder vergessen werden."
(Christopher McDougall, Autor von "Born to Run" und "Natural Born Heroes")

"Catra Corbett erzählt eine Geschichte, in der ich manchmal nach Luft schnappte, mich fragte, ob sie überleben würde, und sie dann anfeuerte, als sie nacheinander alle Hindernisse überwand. Sie verkörpert Entschlossenheit und steht beispielhaft für eine wirklich seltene Leidenschaft für das Leben." (Charlie Engle, Bestsellerautor von "Running Man")

"Catra war eine große Inspiration für mich, meine eigenen Grenzen zu überschreiten und den damit verbundenen Prozess zu genießen. Sie ist wie ein lebendiger Regenbogen, voller Leben und Farbe. Ihre Leidenschaft und Liebe zum Laufen scheinen jeden Tag durch. Sie zeigt uns, was mit einem starken Willen und einem Herz aus Gold möglich ist! Ich danke ihr, dass sie ihr Leben und ihre Reise mit uns geteilt hat und ein herausragendes Vorbild ist. (Camille Heron, US-amerikanischer Ultralauf-Star)
  • Deutsch
  • Wien
  • |
  • Österreich
  • 3,14 MB
978-3-903183-87-2 (9783903183872)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Catra Corbett lebt und läuft mit ihren Dackeln in Fremont, Kalifornien (USA)

KAPITEL 1


BLUT, BLASEN UND VIELE, VIELE TRÄNEN


Skeptisch blickte der Sanitäter auf meine Füße. Mein Freund platzte mit der Frage heraus, die keiner stellen wollte.

"Das war's dann für dich, oder?", sagte Kevin zu mir.

Es war eine Frage, die mich richtiggehend wütend machte, doch zu diesem Zeitpunkt konnte ich ihm seine Reaktion nicht verdenken. Ich war gerade 60 Meilen gelaufen, zehn Meilen mehr als jemals zuvor, und hatte noch immer 40 Meilen vor mir. Kein Mensch hätte mir geraten weiterzumachen, wenn er den Zustand meiner Füße gesehen hätte. Verdammt, ich wusste ja selbst, dass es wahrscheinlich besser wäre aufzuhören.

Doch ich musste einfach weitermachen.

Kevin sah über die Schulter des Sanitäters, als dieser mir die Socken von den Füßen schälte. Beide holten tief Luft.

Auf meinen Fußballen hatten sich mehrere Blasen in der Größe einer Zwei-Euro-Münze gebildet, dazu waren meine Fersen mit Blasen übersät, und auch meine Zehen waren von vielen kleinen schmerzhaften, mit Flüssigkeit gefüllten Bläschen bedeckt. Eine der großen Blasen war bereits geplatzt und sonderte eine klare Flüssigkeit ab, die mir über die Ferse lief. Während Kevin dastand und fassungslos den Kopf schüttelte, begann der Sanitäter nun auch damit, die anderen Blasen zu öffnen.

Es war mein erstes 100-Meilen-Rennen, und es stand bereits fest, dass ich noch viel zu lernen hatte. Ich hatte einige Fehler begangen. So kam ich zum Beispiel fast zu spät zum Start, da ich mir noch in letzter Minute eine Taschenlampe in einem Supermarkt besorgen musste. Bis dahin war es mir nämlich nicht in den Sinn gekommen, dass ein 100-Meilen-Lauf bis tief in die Nacht und länger dauern könnte.

Und nun litt ich unter den Folgen meines schwersten Fehlers. Ich lief den Rocky Raccoon 100 in Huntsville, Texas, in einer Gegend, über die ich überhaupt nichts wusste. Ich selbst lebe ja in Kalifornien und hatte nicht die geringste Ahnung, dass die Luftfeuchtigkeit in Texas meine Füße wie einen mit Wasser vollgesogenen Schwamm anschwellen lassen würde. Ich hatte mehrere Paar Socken gekauft, denn ich wusste, dass man sie während eines Rennens öfters wechseln muss, aber ich hatte nicht gewusst, dass auch die Laufschuhe eine halbe Nummer größer sein sollten, um genügend Platz für meine geschwollenen Füße zu haben.

Da die Luft in Kalifornien viel trockener ist, hatte ich diese Probleme zuvor nicht gehabt. Auch hatte ich niemals zuvor Blasen bekommen. Doch nun verwandelten die Schuhe meine Füße in zartes Hamburgerfleisch.

Die Miene des Sanitäters verfinsterte sich, als er weiter an meinen Füßen zugange war. Obwohl er beim ersten Anblick meiner blasenübersäten Füße etwas erschrocken gewesen war, so war er ja Sanitäter bei einem Ultrarunnig-Wettbewerb und hatte wahrscheinlich schon viel Schlimmeres gesehen (das hoffte ich zumindest). Ich seufzte erleichtert auf, als die Flüssigkeit aus den bis zum Bersten vollen Blasen herausspritzte. Danach umwickelte er meine Füße mit Klebeband. Ja, dieses breite, silberne Klebeband, das man für Reparaturen im Haushalt verwendet, für undichte Wasserrohre oder kaputte Türgriffe. Bis zu jenem Moment wusste ich nicht, dass man damit auch nässende Blasen reparieren kann, doch das war nur eines der Dinge, die ich als Ultraläuferin noch zu lernen hatte. Das Klebeband fixierte die lose Haut der Blasen an meinen Füßen, und als ich aufstand, um zu sehen, wie es sich anfühlte, hatte ich das erste Mal seit Stunden wieder ein Gefühl der Erleichterung.

Also nein, Kevin, das war's noch nicht für mich.

Wie die meisten Leute hatte ich mit dem Laufen begonnen, um gesund zu werden. Ich tauschte nächtelange Raves gegen morgendliches Laufengehen, und obwohl ich den Rausch des Tanzens bis zum Morgengrauen vermisste, war es keine Option für mich, meine Laufschuhe in die Ecke zu stellen. Wie viele begann ich damit, einmal um den Häuserblock zu laufen, was mich beinahe umbrachte. Am nächsten Tag ging ich wieder und merkte, dass ich es diesmal etwas weiter schaffte, bevor ich wieder beinahe tot umfiel. Ultramarathons entdeckte ich erst einige Jahre, nachdem ich zur Läuferin geworden war, und das eher zufällig. Diese unfassbar langen Rennen zogen mich in ihren Bann. Sie waren die Lösung, die ich gesucht hatte, um mein Leben umkrempeln zu können.

Vier Jahre nachdem ich mit dem Laufen begonnen hatte, nahm ich an meinem ersten 100-Meilen-Rennen teil. Nur drei Monate zuvor hatte ich meinen zweiten 50-Meilen-Lauf im Napa Valley, in der Nähe meines Wohnorts im Norden Kaliforniens, hinter mich gebracht. Das Rennen hatte damals bei heftigem Regen stattgefunden, und ich war völlig durchnässt und zitterte am ganzen Leib, doch ich hatte Vertrauen in mich selbst. Ich wurde Letzte, aber viele weitaus erfahrenere Ultraläufer als ich hatten das Rennen aufgegeben. Ich war weitergelaufen. Also dachte ich, wenn ich bei miserablen Wetterbedingungen 50 Meilen laufen konnte, während ich (manchmal auch erfolglos) versuchte, den hüfttiefen Matschlachen auszuweichen, dann könnte ich auch 100 Meilen schaffen.

Das nahm ich zumindest an.

Den Rocky Raccoon wählte ich dann zufällig aus - ich las davon auf der Rückseite eines Ultraläufermagazins. Das war 1999, und zu jener Zeit gab es nur eine Handvoll 100-Meilen-Rennen im ganzen Land (mit Stand 2017 gibt es 17 100-Meilen-Läufe allein in Kalifornien). Ich hatte Glück, denn dieser UItratrail gilt als ein gutes Einsteigerrennen. Der Großteil des Laufes verläuft durch den Huntsville State Park, direkt im Norden von Houston. Nach fünf Runden durch Wald- und Sumpflandschaft hat man die 100 Meilen dann geschafft.

Für Neulinge im Ultrarunning ist diese Strecke besonders geeignet, denn sie geht nicht über Hügel oder Berge und nicht einmal über besonders felsiges Terrain, wie der Name vermuten lässt. Der Großteil der Strecke ist flach und breit und führt über weichen Boden. Ein holzig modriger Geruch hing in der feuchtschwangeren Luft, und es fühlte sich an, als wäre ich im Dampfbad. Die 20 Meilen lange Schleife schlängelte sich durch dichte, verwachsene Wälder, die die Sonne blockten, durch matschige Sümpfe und entlang von Seen voller Kreaturen, denen ich in Kalifornien nie zuvor begegnet war. Am Eingang zum Gelände wurde man von einem Schild begrüßt, auf dem stand: "In diesem Park gibt es Alligatoren." Großartig!

Ein weiterer Grund, warum diese Strecke bei Einsteigern so beliebt ist, ist das Rundenformat. Am Ende jeder Runde war da diese riesige Versorgungsstation in einem großen Zelt, so wie man es für spezielle Anlässe mieten kann. Dort konnten die Läufer essen und trinken, ihre Schuhe wechseln, sich umziehen, ihre wunden Stellen mit Vaseline behandeln und sich, natürlich, die kaputten und mit Blasen überzogenen Füße von einem Sanitäter mit Klebeband zusammenflicken lassen.

Wenn man das Zelt betrat, forderte ein Schild diejenigen, die sich übergeben mussten, auf, sich links zu halten. Ich gehörte nicht zu dieser Gruppe. Zumindest noch nicht.

Als ich aufstand und meine Füße wieder in die zu engen Schuhe zwängte, verschwanden die letzten Sonnenstrahlen hinter den Hügeln. Im Dickicht der Bäume war es bereits dunkel. Den Rest des Rennens würde ich in der Nacht laufen. Ich schaltete meine schwache Taschenlampe ein und sah ihren blassen Lichtkegel um die Bäume tanzen. Das erinnerte mich auf sonderbare Weise an mein altes Leben. Das Einzige, was noch fehlte, war der tiefe Beat der Tanzmusik, der durch meine Brust vibriert.

"Viel Glück", sagte der Sanitäter zu mir und versuchte dabei, seinen besorgten Blick zu verbergen. "Ich hoffe, das Klebeband hält."

Warum sollte das Klebeband denn nicht halten? Verwendet man es nicht so gut wie für alle Reparaturen?

Nun, ich würde es sowieso bald herausfinden, und so machte ich mich auf meine nächste Runde.

Runden zu laufen ist eher ungewöhnlich für so ein Langstreckenrennen. Meist bist du ganz allein da draußen in der Wildnis, vor allem bei Ultramarathons. Du kannst dich verirrt haben, am Verdursten sein oder irgendwo verletzt herumliegen, und die nächste Person, die dir helfen könnte, ist vielleicht mehrere Kilometer weit entfernt. Deswegen passen die Organisatoren immer auf, wenn du an einer Versorgungsstelle vorbeikommst. Wenn sie deinen Namen nicht von der Liste gestrichen haben, wissen sie, dass sie vielleicht nach dir suchen lassen müssen. Gelegentlich - speziell, wenn man schon ziemlich kaputt aussieht - fragen sie dich auch nach deinem Namen oder wiegen dich, um sicherzugehen, dass du nicht zu viel Gewicht verloren hast.

Doch das hier waren 20-Meilen-Runden auf einem mit leuchtend orangen Schildern gut sichtbar markierten Kurs. Diese Schilder waren auch in der Dunkelheit gut zu erkennen und dienten als eine Art Sicherheitsnetz für Anfänger wie mich. Das bedeutete, dass Hilfe in der Nähe war oder dass es eine Raststelle gab, oder eine Wasserstation, bevor du dich wieder auf den Weg machst.

Trotzdem, ein 100-Meilen-Lauf ist nie einfach. Zwar war der...

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