Don Cavelli und der tote Kardinal: Die erste Mission

Ein Vatikan-Krimi
 
 
Don Cavelli (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 1. Mai 2020
  • |
  • 254 Seiten
 
E-Book | ePUB ohne DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-96148-974-9 (ISBN)
 
Ein dunkles Rätsel - und nur einer, der es lösen kann: Der Vatikan-Thriller »Don Cavelli und der tote Kardinal« von David Conti als eBook bei dotbooks. Der Wüstensand fühlt sich an wie glühende Kohlen, die Sonne brennt erbarmungslos herab. Der alte Kardinal hat keine Chance, dieser Hölle zu entkommen ... Geschichtsprofessor Don Cavelli ist vielen im Vatikan ein Dorn im Auge: Obwohl er kein Mann der Kirche ist, hat er dort genau wie seine Vorfahren lebenslanges Wohnrecht und genießt zahlreiche Privilegien. Cavelli hat nur wenige Vertraute, daher erschüttert die Nachricht vom Tod seines Freundes Eduardo Fontana ihn umso mehr: Was trieb den Kardinal in das Inferno der israelischen Wüste? Als Cavelli eine mysteriöse Botschaft zugespielt bekommt, beschleicht ihn ein dunkler Verdacht. Gemeinsam mit Pia Randall, der Nichte des Kardinals, beginnt er nachzuforschen - und kommt einer Verschwörung auf die Spur, die nicht nur Rom, sondern die ganze Welt erschüttern könnte ... Jetzt als eBook kaufen und genießen: Der packende Kriminalroman »Don Cavelli und der tote Kardinal« von David Conti - die erste Mission für den Detektiv wider Willen. Wer liest, hat mehr vom Leben: dotbooks - der eBook-Verlag.
  • Deutsch
dotbooks Verlag
  • 1,90 MB
978-3-96148-974-9 (9783961489749)
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David Conti wurde 1964 in Rom geboren und verbrachte dort - unterbrochen von einem mehrjährigen Aufenthalt in München - seine Kindheit und Jugend. Nach einem Studium der Theologie, Geschichte und Germanistik in Perugia, Yale und Tübingen, war er mehrere Jahrzehnte lang in verantwortlicher Position bei einer internationalen Institution in Rom tätig. Seit seinem beruflichen Ausscheiden aus dieser, verbringt er seine Zeit mit Reisen und dem Schreiben der »Don Cavelli«-Reihe. Er lebt abwechselnd in Castel Gandolfo, Zürich und Santa Barbara.

V


Es lief als Dauerschleife auf fast allen TV-Kanälen.

Der tote Kardinal in der Negevwüste.

Cavelli stand zusammen mit Schwester Felicia und sechs weiteren Schwestern im Fernsehraum von Mater Ecclesiae und schaltete mit der Fernbedienung durch die verschiedenen Sender, bis er bei CNN landete, das soeben mit seinem Bericht wieder von vorn begonnen hatte. Aus dem, was man bisher wusste, ergab sich folgendes Bild: Vor etwa neun Stunden hatte eine israelische Militärpatrouille auf einer Routinefahrt durch die Wüste Negev einen verlassenen Jeep Wrangler entdeckt. Bei der Überprüfung des Wagens hatte man festgestellt, dass der Tank leer und kein Reservekanister vorhanden war. Der Schlüssel steckte noch im Zündschloss. Bei einer sofort veranlassten Hubschraubersuche nach den Insassen des Fahrzeugs hatte man schließlich etwa zwei Kilometer weiter die Leiche des Kardinals entdeckt. Eine später eingeleitete Obduktion hatte bestätigt, was schon vermutet worden war: Der Kardinal hatte einen tödlichen Hitzschlag erlitten. Was den einundsiebzigjährigen Kirchenmann veranlasst hatte, allein und ohne Wasser durch die Wüste Negev zu fahren, war bislang völlig unklar. Offenbar hatte er am Vormittag das American Colony Hotel in Jerusalem verlassen, nachdem er zwei Nächte dort verbracht hatte, war dann mit einem Taxi zur nächsten Hertz-Autovermietung gefahren und hatte einen Geländewagen gemietet. Danach hatte ihn niemand mehr lebend gesehen. Bizarrer als all dies war nur noch die Tatsache, dass Fontana zum Zeitpunkt seines Todes seine Kardinalsrobe getragen hatte. Anhand des vatikanischen Passes, den er bei sich trug, hatte man ihn identifizieren können. Anhaltspunkte für ein Fremdverschulden oder gar ein Verbrechen gab es nicht.

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt musste man von einer tragischen Verkettung unglücklicher Umstände ausgehen ...

Cavelli ließ sich auf einen der billigen weißen Plastikstühle fallen, die in mehreren Reihen vor dem Fernseher aufgestellt waren. Hilfesuchend sah er zu den Schwestern auf. Das konnte nicht sein! Eduardo Fontana war ein guter Freund gewesen. Sein Apartment lag direkt unter dem von Cavelli. Oft hatten sie beide abends bei einem Glas Rotwein auf Cavellis riesiger Terrasse gesessen, die untergehende Sonne über dem Petersdom genossen, Schach gespielt und über alles Mögliche diskutiert. Zuweilen über ganz alltägliche, ja geradezu alberne Dinge, aber gelegentlich auch über Fragen des Glaubens. Cavelli war zwar Katholik, aber nicht wirklich religiös. Zumindest nicht vom Kopf her. Er dachte wie ein Agnostiker. Vielleicht hatte die Katholische Kirche mit allem recht - vielleicht aber auch nicht. Wer konnte das wissen? Auch Fontana behauptete nicht, etwas zu wissen, sondern nur, es zu glauben. Allerdings führte er - wie alle religiösen Menschen - sein Leben so, als ob er das, was er glaubte, auch wüsste, während die Agnostiker zwar sagten, sie wüssten nicht, welche Seite recht hätte, aber so lebten, als seien sie Atheisten, und die Atheisten wiederum wussten, dass sie diejenigen waren, die recht hatten, obwohl dieses Wissen auch nur ein Glaube war.

Die entscheidende Frage für Cavelli war: Wie entschied sich, wer an was glaubte? Schließlich konnte man sich seinen Glauben nicht aussuchen. In der Politik war es nicht anders. Die eine Seite war genauso fest von ihrer Wahrheit überzeugt wie die andere. Und dies sogar, obwohl in der Politik das meiste auf nachprüfbaren Fakten beruhte. Trotzdem lag es jenseits der eigenen Kontrolle, auf welcher Seite man stand. Niemand entschied sich absichtlich für ein Lager. Niemand beschloss willentlich, eine bestimmte Sache für wahr zu halten und ihr Gegenteil abzulehnen.

Cavelli beneidete Fontana um seinen Glauben. Tief in seinem Inneren war er überzeugt, dass ein Leben, das von diesem Glauben durchdrungen war, glücklicher war als eines ohne jeden Glauben. Während sein Kopf nur glauben konnte, was er für bewiesen hielt, fühlte er in sich eine Sehnsucht zu glauben.

»Wenn es einen Gott gibt, wie kann er zulassen, dass ein Mensch an ihn glauben möchte, es aber nicht kann?«, hatte er den Kardinal gefragt. Fontana hatte lange nachgedacht und dann mit einer geradezu anrührenden Ratlosigkeit zugegeben, dass dies eine Frage sei, auf die er keine Antwort wisse. Vor allem die schlichte Ehrlichkeit des Kardinals hatte Cavelli immer gemocht. Trotz seines hohen kirchlichen Titels war Fontana von seinem ganzen Wesen her immer ein einfacher Priester geblieben, der für alle da sein wollte, die Hilfe benötigten. Cavelli hatte mehr als einmal erlebt, wie Fontana darüber verzweifelte, dass seiner Zeit und seinen Kräften Grenzen gesetzt waren und er nicht überall helfen konnte, wo es ihm nötig schien. Gelegentlich war ihm anzumerken, dass er seine Ernennung zum Kardinal der Kurie als Unglück ansah. Denn seitdem musste er den größten Teil seiner Zeit auf Verwaltungsangelegenheiten verwenden, deren Notwendigkeit ihm zwar bewusst war, die ihm aber kostbare Zeit für seine seelsorgerischen Aufgaben raubten. Man spürte, dass er ein Mann war, der es sich nicht leicht machte, sondern der sich immer bemühte, das Richtige zu tun, ohne Rücksicht darauf, welche Konsequenzen dies für ihn selbst hatte. Unter den Mitgliedern der Kurie gab es einige, denen er suspekt war mit seiner zupackenden Art, der mehr an praktischer Problemlösung denn an einem geräuschlosen Betrieb des vatikanischen Regierungsapparats gelegen war. Auf der anderen Seite hatte es im Kardinalskollegium nicht wenige gegeben, die ihn durchaus bewunderten für seine Selbstlosigkeit, mit der er die Hilfe für die Bedürftigen anderen Interessen unterordnete.

Man spürte, dass diese Haltung, die man durchaus auch bei anderen Geistlichen finden konnte (da aber nicht selten in einer vordergründig behaupteten und nicht tief empfundenen Art) bei ihm echt war, man schätzte seine offene Art, seinen Sinn für Fairness und nicht zuletzt seinen gelegentlichen Hang zu leicht skurrilem Humor.

Zu Lebzeiten eines Papstes im Kardinalskollegium über einen möglichen Nachfolger zu diskutieren, war offiziell absolut tabu, aber dann und wann ließ man beim Mittagessen in einer gemütlichen Trattoria schon gerne mal die eine oder andere unschuldige Bemerkung fallen oder gab zu verstehen, dass man Sympathien für diesen oder jenen Kardinal hegte - oder eben auch das Gegenteil davon. Einem Mann, der schon als Kardinal seinen Kollegen das Leben schwer machte, würde man kaum Gelegenheit geben, dies - und dann in noch viel erheblicherem Maße - als Papst zu tun.

Als papabile galten nur solche Kollegen, mit denen man gut auskam und die man überdies respektierte. Eduardo Fontana war so ein Mann gewesen. Cavelli hatte dieses Thema eines Abends, als er schon ein Glas zu viel getrunken hatte, angeschnitten. Das Entsetzen auf Fontanas Gesicht war echt gewesen, und er hatte davon gesprochen, wie sehr er darum bete, dass dieser Kelch an ihm vorübergehen möge. Er fühle sich in jeder Weise zu schwach, diese geradezu übermenschliche Verantwortung auf sich zu nehmen. Cavelli hatte nicht anders gekonnt, als nachzufragen: »Aber was, wenn Sie doch gewählt werden? Was dann? Würden Sie ... ablehnen?«

Fontana hatte ausweichend geantwortet. »Johannes Paul I. hat es getan ...«

»Aber als man ihn drängte, hat er schließlich doch zugestimmt«, widersprach Cavelli.

Fontanas Stimme war kaum hörbar. »Das war sein Unglück!«

Cavelli nickte nachdenklich. Fontana hatte recht. Johannes Paul I. war bereits am dreiunddreißigsten Tag seines Pontifikats völlig unerwartet gestorben. Schnell hatte es Gerüchte gegeben, dass er vergiftet worden sei, aber das hatte sich als haltlose Verschwörungstheorie erwiesen. Albino Luciani - so sein bürgerlicher Name - hatte schon als Kardinal schwere gesundheitliche Probleme gehabt und war einfach von der riesigen Verantwortung als Papst vollkommen überfordert gewesen. Täglich hatte er gegenüber seinen engsten Mitarbeitern darüber geklagt, dass er dieses Amtes nicht würdig sei, und prophezeit, dass sein Pontifikat kurz sein würde, bis er schließlich buchstäblich unter der Last seiner Verantwortung zusammengebrochen war.

Fontana gestand Cavelli an diesem Abend, dass diese Bürde die einzige wirkliche Angst sei, die er im Leben hätte, und dass er zuweilen nachts schlaflos daliege, wenn er sich ausmalte, was ihm unter Umständen bevorstünde.

Die Offenheit, mit der Fontana ihm gegenüber sprach, hatte Cavelli sehr bewegt, zumal er vermutete, dass er der einzige Mensch war, mit dem Fontana so reden konnte. Die Verwandten des Kardinals - es existierten da wohl noch eine jüngere Schwester und deren Tochter - lebten in den Vereinigten Staaten, gegenüber seinen klerikalen Kollegen wäre solche Offenheit nicht angebracht gewesen, und Außenstehende hätten ihn wohl gar nicht verstanden. Nur Cavelli, der metaphysisch gesehen zwischen allen Stühlen saß, der einerseits vielleicht mehr als jeder andere Teil des Vatikans war, andererseits aber völlig unabhängig von der kirchlichen Hierarchie und der keine Berührungsängste gegenüber dem Klerus kannte, hatte genau das Verständnis aufgebracht, das den Kardinal Vertrauen schöpfen ließ. Sicher, der Kardinal war Jahrzehnte älter als er gewesen, aber es war keine Vater-Sohn-Beziehung gewesen. Nein, Donato Cavelli war womöglich der einzige echte Freund, den der Kardinal gehabt hatte.

Und umgekehrt war es vielleicht nicht viel anders.

Cavellis Eltern waren schon vor einigen Jahren verstorben, und außerhalb des Vatikans hatte er nie besonders enge Kontakte gehabt. An der Universität war er zwar bei seinen Studenten beliebt, und auch mit den anderen Dozenten kam er, zumindest oberflächlich, gut aus, aber wirkliche...

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