Under Your Skin. Halt mich fest

 
 
Ullstein Ebooks in Ullstein Buchverlage
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 13. Januar 2017
  • |
  • 416 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-8437-1405-1 (ISBN)
 
Harper Connelly führt ein vermeintlich unbeschwertes Leben in Miami. Doch sie trägt eine schmerzhafte Erinnerung an ihren Ex-Freund mit sich: Narben auf ihrem Rücken. Harper will endlich wieder im Bikini an den Strand gehen, sich frei von der Vergangenheit machen. Trent Andrews ist für seine kaschierenden Tätowierungen bekannt. Als sie ihn zum ersten Mal sieht, spürt sie sofort eine überwältigende Anziehung. Auch Trent ist übermannt von seinen Gefühlen für diese verletzliche Schönheit, die plötzlich vor ihm steht. Doch Harper fällt es schwer sich fallen zu lassen. Dann merkt sie, dass Trent nicht nur unglaublich attraktiv ist, sondern dass es da noch etwas gibt. Langsam beginnt sie, ihm zu vertrauen. Auch das Tattoo wird von Sitzung zu Sitzung schöner - ein großes Schwert in Flammen. Bis plötzlich SMS auftauchen, die nur von einem stammen können: Harpers Ex. Schafft er es ein zweites Mal ihr Leben zu erschüttern?
weitere Ausgaben werden ermittelt
Scarlett Cole arbeitete als Marketingleiterin einer großen Einzelhandelsfirma in Kanada, bevor sie sich voll und ganz dem Schreiben widmete. Sie lebt in Toronto.

Kapitel 1

Der blaue Briefumschlag des United States Penitentiary aus Marion, Illinois, war immer noch verschlossen und lastete schwer auf Harper Connellys Gemüt. Er steckte, seit sie am Vortag ihre Post aus dem Briefkasten geholt hatte, in ihrer Handtasche. Aus den Augen, aber nicht aus dem Sinn. Solange sie den Umschlag noch nicht geöffnet hatte, konnte sie weiterhin so tun, als wäre alles in Ordnung. Sobald sie den Finger unters Briefkuvert schob und es aufriss, würde sie es nicht mehr ignorieren können, dass sie Entscheidungen fällen musste.

Sie stand an einer Fußgängerampel auf der Collins Avenue, wartete auf Grün, stopfte den Brief noch tiefer in ihre Handtasche und beobachtete ein junges Paar, das auf der gegenüberliegenden Straßenseite stand und sich ausgiebig küsste, wobei er mit seinen Händen ihr Gesicht umfasste und sanft mit dem Daumen über ihre Wange strich. Harper guckte wieder weg und versuchte, das leere Gefühl in ihrer Brust zu ignorieren. Wusste sie überhaupt noch, wie sich das anfühlte, diese erste Verliebtheit? Es war schon eine Ewigkeit her, dass sie erlebt hatte, wie man völlig berauscht war und tagein, tagaus mit dieser einen Person zusammen sein wollte. Diese Zeit, in der es schier unmöglich war, die Finger voneinander zu lassen, in der man sich gegenseitig anzog wie zwei Magnete.

Die Ampel wurde endlich grün, Harper atmete fast erleichtert auf, rückte ihre Tasche auf der Schulter zurecht und lief über die Straße, wobei sie nicht anders konnte, als dem jungen Paar noch einen Blick zuzuwerfen. Irgendwie musste sie heute den Tag auf der Arbeit überstehen, ohne als nervliches Wrack zu enden. Danach konnte sie mit ihrem Briefumschlag in der Tasche gepflegt zusammenbrechen.

Völlig in Gedanken versunken, überquerte sie die Straße, als jemand in sie hineinlief. Harper zuckte zusammen. Ein lautes Summen breitete sich in ihrem Kopf aus, kalter Angstschweiß bildete sich auf ihrem Rücken und rann die Wirbelsäule hinunter. Ihr Herz klopfte so stark, dass sie dachte, ihr Brustkorb würde gleich explodieren, und mit zitternden Händen hielt sie ihre Handtasche fest.

Sie wirbelte herum. Ein weißhaariger Herr mit einem winzigen Hund, der aussah wie eine angeleinte Ratte, murmelte eine fahrige Entschuldigung. Harper versuchte, sich zu beruhigen und eine freundliche Antwort darauf zu geben, aber ihr Mund war so trocken, dass sie nichts sagen konnte. Sie hoffte, dass er ihr angedeutetes Lächeln als Entschuldigung annehmen würde.

Es war doch nur ein alter Mann mit seinem kleinen Hund, redete sie sich selbst gut zu, lehnte sich gegen die nächste Straßenlaterne und versuchte, ihren wild gewordenen Puls wieder unter Kontrolle zu bringen, indem sie bei jedem Ein- und Ausatmen bis fünf zählte. Das hatte rein gar nichts mit dem Brief zu tun, der sich in ihre Handtasche und ihre Gedanken gebrannt hatte. Oder mit einem Häftling, der Tausende von Meilen entfernt sicher verwahrt war. Harper sah der gebeugten Gestalt hinterher, wie sie die palmengesäumte Straße entlanglief, bis sie in die unbefestigte Nebenstraße abbog, die zur Uferpromenade von Miami Beach führte.

Trotz der schwülen Hitze fröstelte Harper. Sie hatte sich immer noch nicht an das Wetter gewöhnt, was sie nach all dieser Zeit eigentlich selbst nicht verstand. Zu Hause wäre es jetzt sechs bis sieben Grad kälter. Sie fröstelte noch stärker und blickte auf ihre Hände, auf ihre zuckenden Finger, die sich panisch und unkontrolliert schlossen und wieder öffneten.

Das Pärchen, das sie vorhin beobachtet hatte, lief händchenhaltend an ihr vorbei. Harper sah ihnen sehnsuchtsvoll nach. Diese einfache, vertraute Geste war für sie undenkbar. Das wusste sie, auch ohne dass ein Zusammenstoß mit einem Fremden sie daran erinnerte. Der Absender des Briefs hatte schon dafür gesorgt. Auch nach all den Jahren ertrug sie es nicht, berührt zu werden, nicht mal für eine Sekunde.

Harper zitterte immer noch, holte einen Kapuzenpulli aus ihrer Tasche und zog ihn an, in der Hoffnung, dass ihr wieder etwas wärmer wurde.

Sie bog in die Straße ein, die vom Meer wegführte, zog die Ärmel über ihre Hände und versuchte, ihr Herzrasen in den Griff zu bekommen, während sie langsam weiterging. Sie versuchte, sich auf die anmutigen Art-déco-Häuser zu konzentrieren, für die Miami berühmt war. Versuchte, sich davon zu überzeugen, dass sie nicht wieder fliehen und diesen wunderschönen Ort verlassen musste. Die atemberaubenden Fassaden und die dazugehörige Innenarchitektur mochte sie an der Küstenstadt besonders gern. Farben mit Namen wie Minzgrün, Buttercremegelb und Korallenrot zierten die schmuckvolle Symmetrie der Häuser, die vor allem nachts zur Geltung kamen, wenn die Neonlichter den Nachtschwärmern den Weg leuchteten. Harper stellte sich vor, wie sie aus einem der klassischen Bullaugenfenster nach draußen schaute und auf die riesigen Ozeandampfer wartete, die von weit her kamen und hier vor Anker gingen. Die extravaganten Ornamente und phantasievollen Vertäfelungen erzählten von einer Zeit, als die Reichen auf ihren Dachterrassen Champagner tranken und Charleston tanzten.

Die leichte Meeresbrise wehte ihr das lange, dunkelbraune Haar ins Gesicht. Mit einer Hand durchwühlte sie ihre Tasche, unbedingt darauf bedacht, den Briefumschlag nicht zu berühren, und zog eines der vielen Haargummis heraus, die sich in den Tiefen der Tasche tummelten. Während sie schnell ihr dichtes Haar zu einem unordentlichen Dutt im Nacken zusammenband, näherte sie sich dem kleinen Laden, in dem sie arbeitete.

José, ihr Chef, hatte schon die braune Markise über der Terrasse des Cafés ausgefahren, das nach ihm benannt war. Gleich würde der frühmorgendliche Ansturm beginnen.

Drea, die stellvertretende Geschäftsleiterin, saß auf einem der Tische, und die Sonne ließ ihr gestuftes, braunes Haar wie Gold schimmern. Sie waren beide 28 Jahre alt, aber Drea sah mit ihrer sonnengebräunten Haut und der zierlichen Figur jünger aus als die athletisch gebaute Harper.

Beim Anblick ihrer besten Freundin wich Harpers Panik großer Erleichterung.

»Guten Morgen, meine Liebe«, sagte sie und hoffte, Drea würde nicht merken, dass sie völlig außer Atem war.

Drea schaute ihr aus haselnussbraunen, zusammengekniffenen Augen entgegen. »Morgen, Harp.« Sie neigte leicht den Kopf.

»Alles okay mit dir?« Seit sie sich zum ersten Mal begegnet waren, hatten Drea und sie sich verstanden. Und so sehr Harper darauf bedacht war, ihr Privatleben privat zu halten, Drea hatte es doch geschafft, sich sanft in Harpers Leben einzunisten, und hatte ihr außerdem unmissverständlich klargemacht, dass es schon einer Zwangsräumung bedürfte, um sie wieder loszuwerden.

»Alles gut«, antwortete Harper beiläufig. »Du bist schon vor mir hier?«, fragte sie Drea, um sie vom Thema abzulenken. »Habe ich mich mit den Schichten vertan?«

»Nein, ich bin nur früh dran. Meine Tante hat mich heute Morgen gefahren, weil mein Auto noch bis zum Nachmittag in der Werkstatt ist.«

»Bereit für einen neuen Tag im Espresso-Paradies?« Harper nickte in Richtung Caféeingang.

Drea seufzte. »Hauen wir einfach ab und haben heute Spaß in den Florida Keys?«, flüsterte sie.

»Das hab ich gehört, Drea«, schnauzte José von drinnen und schloss die Tür auf, um die Frauen reinzulassen. »Du«, empörte er sich und zeigte auf Drea, »du kannst meinetwegen abhauen. Sie . lieber nicht!«

Lachend gingen die jungen Frauen hinein und nach hinten durch in den Personalraum, wo sie ihre Taschen ablegten.

»Ich kann die Liebe im Raum förmlich spüren, José«, murmelte Drea.

»Das habe ich auch gehört.« José lachte, und seine Stimme wurde weicher.

Das José's gehörte seit fast fünfzig Jahren zum festen Inventar von South Beach. Der ursprüngliche José kam immer noch jeden Tag vorbei, um seinen Kaffee zu trinken, obwohl sein Sohn José junior das Geschäft schon lange übernommen hatte. Das langgezogene, schmale Lokal war mehr als nur ein Café. Es bot Futter für die Seele, umgeben von cremefarbenen Wänden und hellem Holz.

José war damit beschäftigt, frisches Gebäck auf den langen Tresen zu häufen. Neben traditionellen kubanischen pastelitos gab es klassische Croissants und Zimtrollen. Drea hatte sich eine schwarze Schürze umgebunden und begann, die Kühlvitrinen mit leckeren Salaten und Sandwiches zu befüllen.

Harper lehnte sich über den Tresen, um die Espressoautomaten, Mixer und Kaffeemaschinen anzumachen. Sie zog das Tablett mit den leeren Metallkännchen zum Milchaufschäumen hervor und stellte es neben die Kaffeestation.

Ein paar Stunden später, nachdem der Mittagsansturm vorbei war, machte sie sich daran, die Tische abzuräumen, bevor der Nachmittagsandrang losging.

»Aber bedeutet das denn nicht einfach nur, dass sie Blut an den Händen hat?«, hörte sie jemanden sagen.

Mit automatischen Handbewegungen wischte sie einen Tisch ab und warf den jungen Mädchen am Nebentisch einen Blick zu.

»Sie sagt >Fort, verdammter Fleck<, aber ich glaube nicht, dass sie wirklich Blut an ihren Händen hat. Ich glaube nicht, dass sie wirklich jemanden umgebracht hat.«

Harper hielt inne. Macbeth, fünfter Akt, wenn sie sich nicht täuschte. Die Halluzinationen der manipulativen Lady Macbeth gehörten zu ihren Lieblingsszenen. Sie wollte den Mädchen helfen, aber sie hatte sich geschworen, dass Schulbücher und Anmerkungen Teil ihrer Vergangenheit waren und es für immer bleiben würden. Sie gehörten zu einem anderen Leben. Harper dachte an den blauen Umschlag, der sich in...

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