Waisen des Alls

Roman
 
 
Random House ebook (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 28. Januar 2011
  • |
  • 624 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-05364-2 (ISBN)
 
Der neuen Heimat droht Gefahr

Die Menschheit hat das All besiedelt - und dabei den Kontakt zur Erde verloren. Als auf ihrer neuen Heimat Darien ein mysteriöser Tempelkomplex entdeckt wird, müssen sich die Menschen mit den einheimischen Uvovo zusammentun. Doch die Uvovo verbergen ein Geheimnis: eine uralte, bösartige Intelligenz, die sie seit Jahrtausenden in dem Tempel gefangen halten. Und die finstere Rache geschworen hat...



Michael Cobley, geboren 1951 in Leichester, studierte Ingenieurswissenschaften an der Universität von Strathclyde. Als Herausgeber verschiedener Magazine und durch seine Kurzgeschichten machte er sich schnell einen Namen in der Fantasy-Literatur. 'Schattenkönige', sein erster Roman, war in Großbritannien auf Anhieb ein riesiger Erfolg. Cobley lebt und arbeitet in Glasgow.
  • Deutsch
  • 0,68 MB
978-3-641-05364-2 (9783641053642)
3641053641 (3641053641)
weitere Ausgaben werden ermittelt
"26 Kao Chih (S. 328-329)

Der Rückflug zur Heimatwelt der Roug dauerte in der schnelleren Hyperraumschicht 2 etwa drei Stunden, doch Kao Chih kam es viel länger vor. Die Ungeduld setzte ihm zu. Immer wieder ließ er seine Eindrücke von Scheiterhaufen Revue passieren, die bittere Armut, die Verzweiflung, den erniedrigenden Schmutz, die Menschen, die wie Tiere in einem Käfig lebten, während ihre Peiniger sie ausquetschten bis aufs Blut. Silveira hatte seine Kameraaufzeichnungen bereits in das System des kleinen Spionageschiffs überspielt und versprochen, den Anführern und Angehörigen der Menschensippe eine Kopie zur Verfügung zu stellen.

Eine weitere Kopie würden die Rougführer erhalten, als Erklärung für Qabakris Entscheidung, auf Scheiterhaufen zu bleiben. Ich hätte an seiner Stelle bleiben sollen, dachte Kao Chih. Er hatte auch bleiben wollen, doch Qabakri hatte ihn überredet, zurückzukehren und »Zeugnis abzulegen«. Dass Qabakri Zweifel an Silveiras Zuverlässigkeit hegte, war ihm nicht entgangen. Endlich meldete der Erdsphäre-Agent, sie würden jeden Moment im Randbereich des Heimatsystems der Roug aus dem Hyperraum austreten. Kurz darauf wurde Kao Chih von der wohlbekannten Übelkeit erfasst. »So, wir sind da.«

Kao Chih hatte vor dem Sprung die Augen geschlossen gehabt, und als er sie wieder öffnete, sah er Silveira, der sich über eine holographische Sternkarte des Busrulsystems beugte, sie mit dem Finger zoomte und darauf hin und her fuhr. Der Gasriese V’Harant war von Lichtpunkten und Ansammlungen roter und einiger weniger blauer Symbole umgeben. »Seltsam«, sagte der Agent. »Es scheint sich um einen systemweiten Notfall zu handeln. Die meisten Funkfeuer und Scanner waren beim letzten Mal nicht aktiv – es würde mich nicht wundern, wenn wir mit unserem Erscheinen …«

Ein schrilles Signal ertönte, dann meldete die nur selten zu vernehmende Stimme der Oculus Noctis: »Vollstreckungsaufseher Juthonag vom Hohen Index hat Ihnen eine Verfügung übermittelt. Entweder Sie antworten, oder Sie werden gewaltsam gestoppt.« »Wie lästig«, meinte Silveira. »Öffne einen Kanal.« »Ist offen.« Silveira blickte lächelnd zu Kao Chih hinüber, dann sagte er: »Hier spricht Captain Baltazar Silveira von der Raumflotte der Erdsphäre-Allianz. Womit kann ich Ihnen dienen?«

»Ihr Raumschiff ist uns nicht bekannt«, sagte eine tiefe, widerhallende Stimme. »Ihr Erscheinen zu diesem Zeitpunkt könnte leicht als unfreundlicher, potenziell feindseliger Akt betrachtet werden. Was ist der Grund für Ihren Besuch?« »Auf Anweisung Mandator Qabakris überbringen wir hoch wichtige Informationen.« Es entstand eine Pause, dann meldete sich wieder die tiefe, widerhallende Stimme. »Ich wurde angewiesen, Sie zum Krisennexus zu befördern. «

In der Nähe des Schiffes verzerrte sich der Raum, als unvermittelt ein gewaltiges V-förmiges Raumschiff auftauchte. Aus dem flachen grauen Bug trat eine geriffelte Lichtsäule aus, welche die Oculus Noctis einhüllte. Kao Chih wurde kurzzeitig schwindlig, als die Sterne um ihr kleines Raumfahrzeug kreisten, dann begriff er, dass es nur eingebildete Seekrankheit war – Silveiras Schiff dämpfte die auftretende Beschleunigung. Minuten später, während sich ein blasser Fleck in die matte, düstere Scheibe des Gasriesen V’Hrant verwandelte, schwoll unmittelbar vor ihnen ein weit kleinerer Fleck an und wurde zum Felshabitat Vergeltung.

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