Mädchen in Weiß

Roman
 
 
Piper (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 16. Februar 2015
  • |
  • 336 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-492-98205-4 (ISBN)
 
Sie sind böse, rollen mit den Augen, trinken gern ein Glas zu viel, legen sich ins Bett und tun so, als ob sie schlafen. Isabella, Lauren und Mary gehen Wochenende für Wochenende auf Hochzeiten - Mädchen in Weiß, Krabbencocktails, verunglückte Reden, zu große Tortenstücke, zu kleine Canapés und pinke Servietten inklusive. Alle um sie herum scheinen plötzlich zu heiraten, nur die drei wissen nicht, ob sie sich für ein Leben mit Mann, Baby, Golden Retriever und Picknickkorb entscheiden sollen. Ein paar kleinere Fragen wollen vorher beantwortet werden: Isabella überlegt, ob sie sich wirklich dazu berufen fühlt, ihrem Boss jeden Morgen einen Muffin zu holen. Lauren kämpft dagegen an, sich auf einen Barmann einzulassen, der nicht mal ihren Namen buchstabieren kann. Und Mary lernt einen Typen kennen, der seine Mutter so sehr liebt, dass da wenig Platz für eine Beziehung ist. Jennifer Closes hinreißendes Debüt erzählt von den Ups und Downs, dem Herzschmerz und dem Hangover dreier junger, kluger, komischer Frauen und unendlich vielen Hochzeitsfesten, die sie gemeinsam überstehen. Ein komisches, tolles, gescheites Buch über Anfänge und Freundschaften, die alles überdauern.
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  • 1,21 MB
978-3-492-98205-4 (9783492982054)
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SPIEL DES LEBENS

Isabellas Schwester Molly heiratete mit zehn Brautjungfern in den gleichen wadenlangen blauen Blümchenkleidern von Laura Ashley. Es war, glaubte Isabella, die schönste Hochzeit aller Zeiten. Da war sie zwölf.

»Schöner als Prinzessin Diana«, sagte ihre Mutter am Morgen zu Molly, als sie ihr beim Anziehen half.

»Ich brauche noch mehr Haarklammern«, antwortete ihre Schwester.

Isabella saß auf dem Bett, die Haare zu einem straffen französischen Zopf geflochten. Die Friseurin hatte ihr schon früh am Morgen das Haar zurückgekämmt und gebändigt, Schleierkraut hineingesteckt und eine ganze Dose Haarspray darübergesprüht. Von der Seite sah es aus, als würde ihr eine Pflanze aus dem Kopf wachsen. Immer wieder tastete sie die Frisur ab, um sich zu vergewissern, dass der Zopf noch da war, und immer wieder war sie überrascht, wie steif ihr Haar war.

»Isabella«, sagte Molly, »wenn du dir dauernd in die Haare fasst, machst du noch deine Frisur kaputt.« Isabella legte die Hände in den Schoß und beobachtete Molly, die sich das spröde Haar aufschüttelte. Molly starrte sich im Spiegel an, bis sie ganz blass wurde. »Mir ist ganz komisch«, sagte sie. »Irgendwie schlecht.«

Isabella ging hinunter, wo ihre Mom hin und her rannte wie ein aufgescheuchtes Huhn und ihr Vater rastlos herumlief und beschäftigt tat, um nicht angeschrien zu werden. »Molly meint, sie muss spucken«, verkündete sie. Ihre Mom nahm zwei Stufen auf einmal, um schnell zu Molly zu gelangen. Ihr Dad lächelte sie schmallippig an und lief weiter herum.

Familie Mack hatte sich über ein Jahr lang auf diese Hochzeit vorbereitet. Sie sprachen über nichts anderes, sie dachten an nichts anderes. Langsam wurde es anstrengend. Isabellas Eltern wollten alles perfekt haben. Sie ließen die Zierleisten am Haus streichen und den Garten machen. »Wozu das denn?«, fragte Isabella. »Das Haus kriegt doch gar keiner zu sehen.« Ihre Eltern schüttelten nur den Kopf, und Molly verdrehte die Augen.

Isabellas Eltern machten eine Diät. Sie gingen jeden Morgen walken und aßen abends Fisch. Wenn Isabellas Vater mal ein Steak bestellte oder sich Butter aufs Brot strich, schüttelte ihre Mutter den Kopf und sagte: »Oh, Frank.«

»Was soll das denn bringen?«, fragte Isabella. »Euch guckt doch sowieso niemand an.« Als sie es ausgesprochen hatte, bekam sie ein schlechtes Gewissen. Sie hatte nicht gemerkt, wie gemein das klang, bis es raus war; sowas war ihr in letzter Zeit öfter passiert. Es überraschte Isabella, wie fies sie sein konnte, ohne es zu wollen.

*

Isabellas Mutter hängte das Hochzeitsfoto im Flur auf. Es war das Erste, was man sah, wenn man die Macks besuchte. Wenn der Blick nur oberflächlich darüberglitt, sah man nur blaue Kleider und aufgetürmtes Haar. Im Laufe der Jahre wirkte es immer mehr wie ein Ausschnitt aus einem Zeitschriftenartikel über »Die schlimmsten Modesünden der frühen 90er«. Selbst die Gesichter auf dem Bild schienen sich zu verändern. Die Brautjungfern sahen aus, als wäre es ihnen peinlich, in diesen blauen Kleidern fotografiert zu werden. Aber sie konnten es nicht ändern. Sie waren dort gefangen, eingerahmt und für alle Welt zu sehen.

»Boah«, sagten Isabellas Freundinnen, wenn sie es sahen.

»Aber echt«, sagte Isabella. »Grauenhaft.«

*

Bevor Isabella nach New York zog, bat ihre Mutter sie, ihren Schrank auszumisten. »Da sind Sachen drin, die du schon seit Jahren nicht mehr anhattest«, sagte sie. »Lass uns mal ausmisten, dann gebe ich das alles zur Heilsarmee.« Dabei hatte sie einen so munteren Unterton, dass es klang, als würde das Spaß machen. »Hinterher freust du dich«, fügte sie hinzu.

»Das bezweifle ich«, sagte Isabella.

Isabella sortierte alte Notizhefte und Schuhe. Sie warf Trikots von Schulsportmannschaften weg und Collagen, die sie in der Junior Highschool angefertigt hatte. Ganz hinten im Kleiderschrank fand sie das blaue Blümchenkleid. In Wirklichkeit war es noch schrecklicher als auf dem Bild. Isabella hatte gedacht, die Farbe wäre mit den Jahren verblichen, aber es war noch genauso knallig wie eh und je. Sie hielt es einen Augenblick hoch und brachte es dann in die Verkleidungskommode im Spielzimmer. Vielleicht würden ihre Nichten gern damit spielen. Sie stopfte es zu den Piratenkostümen und Prinzessinnenkleidern und vergaß es.

*

In New York war im September viel los, als müssten nach dem trägen Sommer alle schnell wieder ins richtige Leben zurückfinden. Isabella mochte dieses Gefühl, diese Eile, und ließ sich auf den Gehwegen mitreißen. Sie schritt neben all den Leuten zügig aus, als hätte auch sie etwas Wichtiges zu erledigen, als wäre sie ein produktiver Teil der Stadt, obwohl sie nur zu Bed, Bath & Beyond wollte, einen Duschvorhang kaufen.

Isabella hatte beschlossen, nach New York zu ziehen, weil sie keine anderen Pläne hatte, und da klang New York gut. Ihre Freundin Mary zog dorthin, um an der Columbia University Jura zu studieren. Als Mary ihr das verkündet hatte, war Isabella platt gewesen. »Sie haben dich an der Columbia genommen?«, fragte sie. »Wie das denn?«

»Na, schönen Dank«, sagte Mary. Aber Isabella wusste, dass sie nicht beleidigt war. Es war nicht so, dass Isabella Mary für zu dumm hielt. Sie hatte nur nicht mitbekommen, dass sie es geschafft hatte, ihr Leben zu planen, für die Aufnahmeprüfung an der Law School zu lernen und sich bei Universitäten zu bewerben. Isabella hatte es gerade mal hingekriegt, ihr Fotoprojekt für das letzte Schuljahr abzuschließen.

»Das meine ich doch nicht«, sagte Isabella. Sie überlegte kurz, dann sagte sie: »Vielleicht ziehe ich auch nach New York.« Bislang hatte sie nicht darüber nachgedacht, aber als sie es erstmal ausgesprochen hatte, wusste sie, dass es eine gute Idee war. Sie hatte eine Mitbewohnerin und eine Stadt, und das war ja schon mal was.

Isabella teilte ihren Eltern mit, dass sie nach New York gehen würde. Sie rechnete damit, dass sie Fragen stellen würden, dass sie wissen wollten, was sie dort vorhatte. Aber Isabella war das jüngste von sechs Kindern, und ihre Eltern waren nicht besonders sentimental, wenn ihre Kinder aus dem Haus gingen. Immer, wenn eins der Kinder ging, kehrte ein anderes zurück, und sie glaubten schon, sie würden nie wieder zu zweit sein. »New York klingt super«, sagten sie. »Wir geben dir was zur Miete dazu, bis du einen Job gefunden hast.«

Isabella war beinahe beleidigt, aber sie verstand es. Sie wollten, dass sie auszog und auf eigenen Beinen stand, damit sie nicht endete wie ihr Bruder Brett, der nach dem College-Abschluss für zwei Jahre wieder zu Hause eingezogen war, wo er die meiste Zeit im Schlafanzug Videospiele spielte. In diesen zwei Jahren hatten ihre Eltern flüsternd viele Gespräche geführt, in denen ihr Dad Dinge sagte wie: »Fünf Jahre, um dieses College abzuschließen, und dann sitzt der Junge hier rum und bohrt in der Nase? Nicht mit mir.«

Die Wohnung, die Isabella und Mary fanden, war kaum größer als Isabellas Zimmer zu Hause, aber die Maklerin sagte, etwas Besseres würden sie nicht kriegen. »In dieser Ecke«, sagte sie, »und mit Portier, da gibt es nichts Größeres.« Sie klang gelangweilt, als hätte sie diese Einschätzung schon Tausenden von Mädchen vorgetragen, die alle gleichermaßen entsetzt waren, was eine eigene kleine Ecke dieser Stadt kostete. Der Maklerin war es ziemlich egal, ob sie die Wohnung nahmen oder nicht, denn sie wusste, dass eine lange Schlange junger Frauen neu in der Stadt war und dringend ein Dach über dem Kopf brauchte. Wenn sie die Wohnung nicht nahmen, dann eben die nächsten.

Isabella und Mary unterschrieben den Mietvertrag und zogen in die Wohnung ein, deren graue Wände angeblich weiß waren und in deren Decke ein Riss von der Wohnungstür bis zu den hinteren Fenstern verlief. Im Badezimmer konnte Isabella hören, wie die Nachbarinnen von oben sich die Zähne putzten und sich über den Tag unterhielten. Sie kamen irgendwo aus dem Süden, und ihr Akzent machte alles noch lustiger. Isabella saß oft auf dem Badewannenrand, die Zahnbürste in der Hand, das Putzen vergessen, und hörte einer der jungen Frauen von oben zu, wie sie von einem Date erzählte. Manchmal rauchten die Nachbarinnen im Bad, und der Rauch drang durch den Lüftungsschacht und vernebelte Isabellas Badezimmer.

Sie hängten Spiegel auf, damit die Wohnung größer wirkte, und leuchtend gelbe Vorhänge, um von den grauen Wänden abzulenken. Sie zogen eine Leichtbauwand ein, um ein Schlafzimmer für Mary abzuteilen, ein schmales Rechteck, in das ihr Bett und ihr Schreibtisch gerade so hineinpassten. Die Wand war dünn, und Isabella hörte, wenn Mary nieste oder eine Seite umblätterte. Mary saß immer in ihrem Zimmer und arbeitete, und das machte Isabella wahnsinnig.

»Was machst du?«, fragte sie durch die Wand.

»Lernen«, sagte Mary immer.

»Schon wieder?«, fragte Isabella dann. Mary seufzte.

»Ja, schon wieder.«

Nach einem Monat fing Mary an, öfter in die Bibliothek zu gehen. »Ich lasse mich zu leicht ablenken«, erklärte sie Isabella. Es war ruhiger in der Wohnung, wenn Mary so selten da war, aber Isabella fühlte sich nie einsam. Und wenn doch, ging sie ins Bad und hörte ihren Nachbarinnen zu, atmete ihren Rauch ein und lachte mit ihnen, wenn sie sowas sagten wie »Ihr habt alle gewusst, dass der ein Klotz am Bein ist!« oder »Jetzt musst du die Suppe auch auslöffeln«.

*

Isabella fand einen Job als Sekretärin für zwei Spitzenmanager einer Mailinglisten-Firma. Sie war sich nicht...

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