Die Letzte macht das Licht aus

Roman
 
 
Heyne (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 13. September 2021
  • |
  • 464 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-26855-8 (ISBN)
 
Das Ende der Welt ist ihr Anfang

Im Dezember 2023 geht die Welt unter: Innerhalb kürzester Zeit löscht ein extrem aggressives neuartiges Virus die ganze Menschheit aus. Die ganze Menschheit? Nein. Mitten in London, aus unerfindlichen Gründen, überlebt eine einzige Frau. Eine Frau, die ihr Leben lang versucht hat, ihre eigenen Gefühle zu verstecken und sich an andere Menschen anzupassen. Wie soll sie ganz alleine zurechtkommen? Nur mit einem Hund als Begleitung macht sie sich in einem postapokalyptischen Land auf die Suche nach Überlebenden. Und findet dabei immer mehr zu sich selbst.

  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
Heyne
  • 1,26 MB
978-3-641-26855-8 (9783641268558)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Bethany Clift hat die Northern Film School absolviert und besitzt eine eigene Filmfirma, in der sie als Regisseurin und Produzentin tätig ist. Zudem arbeitet sie als Produzentin für andere namhafte Filmunternehmen. »Die Letzte macht das Licht aus« ist ihr Debütroman.

3. November 2023

Während Amerika zugrunde ging, nahm die britische Regierung 6DM scheiß verdammt ernst.

Es war zwar nicht viel über das Virus bekannt, doch was bekannt war, war entsetzlich.

Niemand wusste, wie lang die Inkubationszeit war. Die Krankheit begann mit erkältungsartigen Symptomen, dann folgten Fieber, Erbrechen, Durchfall. Innerhalb von zweiundsiebzig Stunden fingen die lebenswichtigen Organe an, sich aufzulösen. Nicht abzubauen oder zu versagen, nein: sich aufzulösen. Wer Glück hatte, bei dem verabschiedeten sich das Herz oder das Gehirn zuerst und er starb an einem Herzinfarkt oder Schlaganfall. Wenn man kein Glück hatte, dann war es die Lunge - also Ertrinken. Wer richtig Pech hatte, wurde praktisch von der eigenen Magensäure gefressen, weil die Magenwände verrotteten.

An 6DM zu sterben war kein sanfter oder vornehmer Tod, es war ein Moloch von Schmerz und Leiden. Die meisten Leute litten Todesqualen und flehten darum, von ihrem Elend befreit zu werden.

Six Days Maximum. Maximal sechs Tage. Länger hatte niemand nach den ersten Anzeichen der Infektion bis zum Tod, daher der Name: 6DM.

Die Zahl der Todesfälle war erschütternd.

Das Virus breitete sich derart schnell aus und war so tödlich, dass es unmöglich war, die Todesrate aktuell zu halten, und da es keine Berichte von Überlebenden gab, lag die offizielle Todesrate bei hundert Prozent.

Gesamte Bevölkerungen waren bereits ausgelöscht. In Amerika gab es schätzungsweise zweihundert Millionen Tote, Japan verlor in nur drei Wochen fast siebzig Millionen Menschen, und Russlands letzte Zählung lag bei einhundertzehn Millionen.

In bevölkerungsreichen Ländern wie China und Indien wurde die Zahl auf je etwa eine Milliarde geschätzt, bevor der Nachrichtenfluss aufhörte.

Megastädten erging es besonders schlecht. Delhis Bevölkerung von fünfundzwanzig Millionen wurde Berichten zufolge innerhalb von nur neunzehn Tagen ausgelöscht.

Um die dünn besiedelten und weiter entfernten Länder (Neuseeland, Australien, Teile Kanadas) schien es besser zu stehen. Es hieß, das Virus hätte sie noch nicht erreicht oder würde erfolgreich aufgehalten.

Natürlich machten sich die Menschen, sobald sie das hörten, mit allen möglichen Verkehrsmitteln auf in die »sicheren Zonen«.

Und brachten 6DM mit sich.

Die sicheren Zonen versuchten, sie abzuwehren, doch sie waren zu schlecht vorbereitet, um große Mobs zu bekämpfen. Schon mal von Kanadas Armee gehört? Die Kanadier auch nicht. Australien wurde am schlimmsten getroffen. So ein riesiges Land, so viel Küste, so viele flache Gegenden, in denen illegal Flugzeuge landen konnten. Australiens Lage änderte sich innerhalb rund eines Monats von ganz okay zu vernichtet.

Für uns, das Vereinigte Königreich, sah die Lage anders aus. Unser Land war eigentlich wie dafür geschaffen, die Sache zu überleben. Klein, begrenzt, eine überschaubare Bevölkerung, gute Infrastruktur, eine lange Tradition des Nahrungsmittelanbaus und der Lebensmittelproduktion, eine starke Armee, gute Gesundheitsversorgung. Und, seit dem Debakel mit dem Brexit, weniger »Freunde«, um die man sich kümmern musste.

Außerdem hatte unsere Regierung aus dem Desaster 2020 extrem wertvolle Lektionen gelernt.

Theoretisch konnten wir die Grenzen schließen, alle Flüchtlinge abweisen - die jetzt beinah ausschließlich aus den reichen Oberschichten stammten und versuchten, mit ihren Superjachten an unseren Küsten zu landen - und unbegrenzte Zeit selbstständig leben.

Am 3. November 2023 wurden die Menschen, die innerhalb eines Radius von einhundertfünfzig Kilometern um Dover lebten, um zwei Uhr morgens durch eine gigantische Explosion geweckt. Ohne das Parlament konsultiert zu haben, hatte der Premierminister das britische Ende des Eurotunnels einstürzen lassen.

Um neun Uhr morgens gab er vor der Tür von Downing Street Nummer 10 eine Erklärung ab, die live von allen Fernsehsendern übertragen wurde.

Unsere Grenzen waren geschlossen und wurden von bewaffneter Polizei kontrolliert, die den Befehl hatte, auf jeden zu schießen, der versuchte, ins Land einzudringen oder hinauszugelangen.

Wer zu diesem Zeitpunkt im Ausland war, tja, Pech gehabt, man hätte halt besser früher zurückkommen sollen.

Schulen und Geschäfte waren ab sofort geschlossen, und es gab eine Ausgangssperre von sieben Uhr am Abend bis sechs Uhr morgens. Möglichst alle sollten zu Hause bleiben. Angestellte des Gesundheitssystems würden von der Polizei zur Arbeit gebracht. In den Lebensmittelgeschäften würde das Militär die gerechte Verteilung überwachen. Die Polizei würde patrouillieren, um sicherzustellen, dass alle in Sicherheit waren.

Kein Grund zur Panik.

Es gab wenige bis gar keine Proteste oder Klagen. Freiheit und ausländische Staatsangehörige kümmerten niemanden, wenn es eine sehr reale Gefahr gab, das eigene fünfjährige Kind qualvoll sterben sehen zu müssen.

Doch den Aufwand mit der Polizei und dem Militär hätte man sich auch sparen können. Es wollte eh niemand raus. Niemand wollte die Sicherheit der eigenen vier Wände verlassen.

Die Menschen blieben zu Hause, sahen sich im Kreise ihrer Liebsten schreckliche Bilder im Fernsehen an und dankten Gott für unsere winzig kleine Insel.

Die Regierung setzte das Vorhaben, die Kontrolle über unsere neue, begrenzte Welt zu übernehmen, schnell um.

Es hieß, die Verteilung von Lebensmitteln solle noch strenger kontrolliert werden, es gäbe Pläne zur Steigerung der Produktion und der Bevölkerung solle die Möglichkeit zur Selbstversorgung gegeben werden. Wie das konkret aussehen sollte, war noch nicht bekannt gegeben worden. Sämtlicher Onlinehandel war geschlossen - es gab kein Amazon, kein eBay und keine Supermarktlieferungen mehr. Gerüchte breiteten sich aus, dass bewaffnete Soldaten manche der größeren Lagerhäuser bewachten.

Alle kommerziellen Fernsehsender hatten die Arbeit eingestellt (verständlicherweise), und BBC1 und BBC2, die einzigen noch laufenden Sender, waren von der Regierung übernommen worden. Statt des normalen Programms strahlten sie jetzt von der Regierung abgesegnete Nachrichtensendungen in Kombination mit endlosen Natursendungen und Wiederholungen von Sitcoms aus - es geht schließlich nichts über die beruhigende Stimme von David Attenborough in seinen Tierdokus und ein paar Folgen von Der Vikar von Dibley, wenn man das bevorstehende eigene Elend vergessen will.

Das Internet funktionierte noch, wenn auch langsam. Twitter allerdings gab es nicht mehr, seit der Eurotunnel zerstört war. Angeblich bloß Zufall. Wer negative oder »kontroverse« Meinungen und Geschichten auf Facebook oder auch nur auf der eigenen Website postete, musste bald feststellen, dass sein Profil oder seine Seite ohne Vorwarnung gelöscht worden war.

Die Menschen fürchteten, es wäre schon ein Vorgeschmack auf die restriktive Welt, die uns bevorstand.

Doch wie sich noch herausstellen würde, sollte das die geringste unserer Sorgen sein.

Zwei Wochen nach dem Schließen der Grenzen gab es in Großbritannien immer noch keinen dokumentierten Fall von 6DM, und die Arbeitgeber wurden langsam unruhig, weil sie weiterhin die Angestellten bezahlen sollten, die zu Hause saßen und sich fragten, wann und wie sie endlich anfangen konnten, sich einen Lebensmittelvorrat anzulegen.

Die Regierung hatte keine Vorgehensweise zur Lohnfortzahlung verkündet, und weil Geld immer noch Wert hatte, waren Arbeitgeber, Angestellte und bestimmte Kabinettsmitglieder ganz erpicht darauf, dass alle wieder zur Arbeit gingen.

Es gab versuchsweise so etwas wie eine Rückkehr zur Normalität. Geschäfte öffneten (wenn auch mit Kaufbeschränkungen - diesmal durfte niemand Toilettenpapier hamstern), die öffentlichen Verkehrsmittel fuhren wieder, und die meisten Leute kehrten zur Arbeit zurück.

Die Menschen nahmen schnell ihre alten Pandemie-Gewohnheiten wieder auf - Gesichtsmasken und Social Distancing wurden zur Norm, ohne irgendwelche Anweisungen oder Richtlinien der Regierung.

Bald wurde offensichtlich, dass uns einige große Veränderungen bevorstanden, jetzt, wo wir vom Rest der Welt buchstäblich abgeschnitten waren.

Zunächst einmal konnten wir nur essen, was wir selbst anbauten und herstellten. Brot, Milch, Fleisch, Wurzelgemüse und Eier waren natürlich leicht zu bekommen, aber die Preise von Zucker, Obst, Salat und Gewürzen schossen sofort in die Höhe.

Als bekannt wurde, dass es gegenwärtig nur eine Teeplantage im ganzen Vereinigten Königreich gab, kam es zu Unruhen, aber die Regierung unterdrückte sie schnell, indem sie versicherte, es gäbe genug Vorräte, bis wir mehr angepflanzt und geerntet hätten.

Fürs Protokoll: Ich glaube, selbst ohne Kaufbeschränkungen hätte es nie irgendeinen Mangel an Essen oder Wasser gegeben,...

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