Zweite Chance für Dr. West

 
 
Cora Verlag GmbH & Co. KG
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 12. Februar 2020
  • |
  • 130 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7337-2980-6 (ISBN)
 
Mit ihm wäre Thea bis ans Ende der Welt gegangen - doch Dr. Lucas West ist vor sieben Jahren ohne ein Wort aus ihrem Leben verschwunden. Jetzt muss sie mit ihm in Indien arbeiten - und weiß nicht, ob sie seinen Beteuerungen, dass er sie immer noch liebt, glauben kann ...
Annie Claydon wurde mit einer großen Leidenschaft für das Lesen gesegnet, in ihrer Kindheit verbrachte sie viel Zeit hinter Buchdeckeln. Später machte sie ihren Abschluss in Englischer Literatur und gab sich danach vorerst vollständig ihrer Liebe zu romantischen Geschichten hin. Sie las nicht länger bloß, sondern verbrachte einen langen und heißen Sommer damit, ein eigenes Buch zu schreiben. Doch es wurde nicht veröffentlicht, und Annies Leben führte plötzlich in eine andere Richtung, sodass sie sich eines Tages in einem anderen Berufsfeld wiederfand: Sie hatte tatsächlich einen IT-Job! Glücklicherweise hörte das geschriebene Wort jedoch nie auf, sie zu reizen. Heute lebt sie in London und verfasst dort ihre erfolgreichen Arztromane. Sie bereut es nicht, den Weg zu ihrer wahren Leidenschaft zurückgefunden zu haben!

1. KAPITEL

Sieben Jahre später - erster Tag

Nicht viele Leute riefen am Montagmorgen um sieben Uhr an. Sie war früh in die Klinik gegangen, in der Hoffnung auf zwei ruhige Stunden, ehe die offizielle Sprechstunde begann.

Thea nahm ab. "Dr. Coleman."

"Gut, dass du da bist."

"Was ist los, Jake?", fragte sie.

"Ich habe hier einen Vierunddreißigjährigen, bei dem ich eine zweite Meinung brauche. Kannst du mal runterkommen?"

"Bin gleich da." Der Papierkram musste eben warten. Lächelnd legte Thea auf.

"Wo sind denn hier alle?"

Jake Turner war ein netter Kerl und ein guter Arzt, hatte aber offenbar keinen Sinn für Tageszeiten. Nach einer anstrengenden Schicht in der Notaufnahme konnte das schon mal vorkommen.

"Es ist sieben Uhr morgens, Jake", erwiderte Thea. "Jeder vernünftige Mensch denkt gerade erst noch darüber nach, ob er jetzt allmählich aufstehen sollte."

"Ah. Kein Wunder, dass ich überall rumtelefonieren musste."

"Soll das heißen, du hast mich nicht als Erste angerufen? Ich bin geschockt", gab sie zurück.

Jake lachte. "Vorher habe ich es bei Michael Freeman probiert, weil ich dachte, er würde es wissen wollen."

Michael war der Leiter der Abteilung für Atemwegserkrankungen hier im Krankenhaus.

"Was hast du denn, dass es der Aufmerksamkeit unseres verehrten Chefs bedarf?"

"Ein vierunddreißigjähriger Mann, anhaltender Husten, Stauungslunge und Gewichtsverlust", erklärte er. "Ich habe ihn röntgen lassen und vermute eine Tuberkulose."

"Wie ist seine Krankengeschichte?"

"Er ist schon eine ganze Weile krank", antwortete Jake. "Sein Hausarzt hat ihm Antibiotika verschrieben, was zu einer kurzzeitigen Besserung führte. Aber als er sie abgesetzt hat, wurde es wieder schlimmer. Er ist gestern Abend mit Brustschmerzen und Atemproblemen zu uns gekommen."

Thea blätterte die Patientenakte durch, die Jake ihr gegeben hatte. "Irgendwelche Auslandsreisen in letzter Zeit?"

"Nein, nichts. Und er ist Lehrer, an der großen Sekundarschule oben an der Straße."

Ihr stellten sich die Nackenhaare auf. Etwa zweitausend Schüler zwischen elf und achtzehn in einer überfüllten Schule in der Nähe der Innenstadt, und dazu ein Tuberkulose-Fall.

"Na, ist ja toll. Hoffentlich irrst du dich, Jake."

"Ja, hoffentlich."

Dr. Michael Freeman, Chefarzt der Abteilung für Atemwegserkrankungen, lehnte sich in seinem Lederstuhl zurück und rieb sich den Nacken. "Bist du sicher?"

"Ziemlich. Ich habe einen Dringlichkeitsvermerk auf die Untersuchungsproben gemacht, sodass wir die Ergebnisse innerhalb von vierundzwanzig Stunden haben sollten. Aber der Patient zeigt alle Anzeichen einer aktiven Lungentuberkulose." Thea klemmte die Röntgenbilder in den Leuchtkasten.

Michael betrachtete sie aufmerksam. "Stimmt. Du willst ihn stationär aufnehmen?"

"Ja. Ich möchte ihn ein paar Tage unter Beobachtung halten." Sie wies auf die Stellen des Röntgenbildes, wo Flüssigkeitsansammlungen in der Pleurahöhle des Patienten zu erkennen waren. "Der Pleuraerguss kann sich durch die Medikation durchaus auflösen. Aber wenn er sich verschlimmert, muss ich eine Punktion vornehmen."

"Richtig. Ich möchte, dass du die Isolationsmaßnahmen persönlich überwachst und auch die notwendigen Informationen herausgibst", sagte er. "Du wirst dich darum kümmern, falls die Infektion sich bereits weiter verbreitet hat."

"Hoffentlich ist das nicht eingetreten."

Michael setzte sich wieder. "Allerdings. Aber was glaubst du? Im schlimmsten Fall?" Auch wenn er als Chefarzt die Entscheidungen treffen musste, hörte er sich immer die Meinung seiner Mitarbeiter an.

Thea seufzte. "Im schlimmsten Fall haben wir eine unbekannte Zahl an infizierten Schülern. Der Patient ist in den vergangenen fünf Jahren nicht im Ausland gewesen. Die Infektionsquelle befindet sich also vermutlich in unserer Gegend. Alle seine Kontakte zu überprüfen wird eine große Aufgabe, und wir müssen vorsichtig vorgehen. Wir wollen keine Panik auslösen, müssen aber bei Bedarf schnelle Untersuchungen durchführen können."

Michael nickte. "Ja, genau. Und was schlägst du zur Bereitstellung von Mitteln vor?"

"Wir schaffen das nicht alles allein. Wir brauchen einen Berater von der Gesundheitsbehörde und wahrscheinlich ein paar zusätzliche TB-Pflegekräfte, um unser Pflegepersonal zu unterstützen", antwortete sie.

"Irgendwelche Vorschläge, wer das Krankenhaus-Team leiten soll?"

"Ich dachte, du würdest das übernehmen."

Michael lächelte. "In deiner Personalakte steht, dass du zwei Jahre lang in Bangladesch in einer TB-Klinik gearbeitet hast."

"Das ist schon mehrere Jahre her." Thea sprach nie über Bangladesch.

"Soll das heißen, dass du alles vergessen hast, was du dort gelernt hast?"

Sie würde es niemals vergessen. Das Elend, das sie auf ihrer ersten kurzen Reise in der TB-Klinik gesehen hatte, hatte den Kummer ihres gebrochenen Herzens verdrängt. Der Traum von Lucas war zu ihrem geworden, und sie wusste, dass sie zurückkommen musste. Zwei Jahre später hatte sie diesen Traum wahr gemacht und war nach Bangladesch gegangen, um dort zu arbeiten. Und dann dieses traumatische, unvergessliche Erlebnis, das alles zerstört hatte. Doch das war längst Vergangenheit.

"Falls du jemand anderem die Leitung des Teams übertragen willst, könntest du mich dafür in Erwägung ziehen", meinte Thea. "Ich denke, ich bin ausreichend qualifiziert."

Michael nickte befriedigt. "Das freut mich, denn ich wollte dir die Position anbieten. Allerdings unter einer Bedingung."

"Welche?"

"Der Kongress, von dem ich letzte Woche gesprochen habe und an dem du kein Interesse hattest", erwiderte er.

Thea sank der Mut. "Der in Mumbai, wo du einen Vortrag über die Ausbreitung von TB in London halten sollst?"

"Genau der. Die Anfrage betraf jedoch lediglich einen Vertreter aus unserer Abteilung. Mein Name wurde dabei nicht erwähnt." Ruhig sah Michael sie an. "Die meisten Leute wären begeistert über eine solche Chance."

Aber sie war nicht wie die meisten. "Ich dachte, es wäre selbstverständlich, dass du den Vortrag hältst. Du repräsentierst die Abteilung."

"Ich leite die Abteilung. Es ist also mein Job, dafür zu sorgen, dass meine Mitarbeiter ihr Potenzial voll ausschöpfen." Er lehnte sich auf seinem Stuhl zurück. "Es ist deine Entscheidung. Wenn du das Team leiten willst, musst du bereit sein, deine Erfahrungen anderen mitzuteilen. Und dieser Kongress wäre eine gute Erfahrung für dich. Es liegt bei dir."

Eine solche Chance würde sie nie wieder bekommen. Es gab viele Gründe, Ja zu sagen. Dennoch konnte sie die Angst nicht verdrängen, die sie bei dem Gedanken überfiel, vor einem Saal voller Zuhörer zu stehen.

"Ich mache es." Thea blieben die Worte fast im Hals stecken.

"Gut. Wenn das so ist, erwarte ich, dass du mich immer auf dem Laufenden hältst und darüber informierst, welche Mittel du benötigst", erklärte Michael.

"Danke." Sie sah ihn an. "Mit den Tests in der Schule können wir vermutlich schon in wenigen Wochen beginnen."

"Wieso das?" Er wusste ebenso gut wie sie, dass man am besten die zehnwöchige Inkubationszeit für TB abwarten sollte.

"Unser Patient ist bereits eine ganze Weile krankgeschrieben", erwiderte sie. "Er hatte die Diagnose Lungenentzündung und war vor Ostern drei Wochen lang zu Hause. Sein Hausarzt hat ihm Antibiotika verschrieben, die bei ihm auch anschlugen. Wegen der Ferien ist er trotzdem nicht gleich wieder zur Arbeit gegangen. Nach Ostern hat sich sein Zustand erneut verschlechtert, und seitdem hat er überhaupt nicht mehr gearbeitet."

"Wie lange ist das jetzt her?"

"Seit sieben Wochen kein Kontakt mit seinen Schülern."

Michael nickte. "In gewisser Weise ein Segen. Wir werden also nicht von besorgten Eltern belagert, die wissen wollen, warum ihre Kinder nicht sofort getestet werden."

Thea lachte. "Ja, aber ich habe sicher genug damit zu tun, alle Kontakte zu informieren und die Untersuchungen vorzubereiten."

"Dann nutzt du am besten jede Unterstützung, die du von außerhalb kriegen kannst. Brauchst du noch Hilfe bei deinen anderen Fällen?", erkundigte er sich.

"Momentan nicht, aber später würde ich vielleicht auf das Angebot zurückkommen", antwortete sie. "Außerdem muss ich mir überlegen, wo wir das Team unterbringen und die Untersuchungen durchführen können. Ich möchte dafür gerne eine eigene Sprechstunde einrichten."

Michael nickte zustimmend. "In Ordnung. Sag mir Bescheid, wenn du so weit bist. Dann kümmere ich mich um die Bürokratie."

Thea hatte schon eine Idee, musste vorher jedoch zu ihrem Patienten. "Danke. Hättest du nach dem Mittagessen Zeit?"

"Ja, um eins, falls dir das früh genug ist." Er warf ihr einen belustigten Blick zu, den sie einfach ignorierte.

Er hatte ihr diese Aufgabe gegeben, und sie war fest entschlossen, ihm zu beweisen, dass er die richtige Wahl getroffen hatte.

Dr. Lucas West fuhr durch den Haupteingang des Krankenhauses hinunter in die Tiefgarage. Eigentlich sollte er erst morgen früh hier anfangen, aber seine Besprechung am Nachmittag war früh zu Ende...

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