Der Countdown-Killer - Nur du kannst ihn finden

Thriller
 
 
FISCHER E-Books (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 1. Februar 2021
  • |
  • 432 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-10-491291-2 (ISBN)
 
Er entführt immer drei. Jede ein Jahr jünger als die andere. Der Countdown hat begonnen - die Thriller-Entdeckung des Jahres
True-Crime-Podcasterin Elle Castillo will Gerechtigkeit. Gerechtigkeit für die Opfer nie aufgeklärter Verbrechen. Jetzt wagt sie sich an einen spektakulären Fall: den des »Countdown-Killers«. Er entführte immer drei. Drei junge Frauen im Abstand von drei Tagen. Jede ein Jahr jünger als die andere, jede innerhalb von sieben Tagen tot. Bis sein zehntes Opfer entkam. Die Serie brach ab, der Killer konnte nie gefasst werden.
Als Elle anfängt, die Morde in ihrem Podcast neu zu beleuchten, verschwindet wieder eine junge Frau. Ein Trittbrettfahrer, dem es um Aufmerksamkeit geht? Oder der Killer von damals, der jetzt zurück ist, um sein grausames Werk zu Ende zu bringen?
»Kann man nicht mehr aus der Hand legen.« Wendy Walker
»Treibt den Puls beim Lesen in die Höhe.« Candice Fox
»Zum Nägelkauen spannend - Thrill in Reinform.« Amy Gentry
weitere Ausgaben werden ermittelt
Amy Suiter Clarke verschlingt True-Crime-Podcasts und liebt es, immer wieder neue zu entdecken. Was lag da näher, als eine Podcasterin zur Hauptfigur ihres Thrillers zu machen, die eine spektakuläre Mordserie aufklären will. Wenn Amy Suiter Clarke nicht gerade wahren Verbrechen auf der Spur ist, reist sie gerne. Sie wuchs in einer Kleinstadt in Minnesota auf, studierte später in Minneapolis und London und lebt heute in Melbourne. »Der Countdown-Killer - Nur du kannst ihn finden« ist ihr erster Roman.
Birgit Schmitz hat Theater- und Literaturwissenschaften studiert und arbeitete einige Jahre als Dramaturgin. Heute lebt sie als Literaturübersetzerin, Texterin und Lektorin in Frankfurt am Main.

2 Elle


9. Januar 2020

Elle hielt vor Ms. Turners Haus und stellte den Podcast ab, den sie über die Anlage in ihrem Auto gehört hatte. Es war einer ihrer Lieblings-True-Crime-Podcasts, der sich mehr um verurteilte Straftäter und deren Psyche drehte als um ungelöste Fälle wie ihre eigene Show. Gerade wurde über ein spannendes Thema gesprochen, nämlich die Verhaltensanalyse eines legendären Serienvergewaltigers im Pazifischen Nordwesten. Aber das war nichts für Kinder, und die Tochter von Elles bester Freundin rannte bereits von Ms. Turners Haustür auf ihren gut aufgeheizten Wagen zu.

Die Beifahrertür wurde aufgerissen, und ein Schwall eisiger, nach Schnee riechender Luft drang herein. Natalie sprang ins Auto und zog die Tür mit einem dramatischen »Brrr!« hinter sich zu.

»Na, wie war der Klavierunterricht, Süße?«, fragte Elle und drehte die Heizung noch ein bisschen höher.

»Gut.« Natalie schnallte sich an und lockerte den Schal, den sie um den Hals gewickelt hatte. Selbst im schwachen Licht des Spätnachmittags war ihr sonst blasses Gesicht von dem kurzen Weg durch die Winterkälte gerötet. »Aber ich muss immer noch dauernd Tonleitern spielen. Langsam glaube ich, Ms. Turner kann gar nichts anderes.«

Elle fuhr los. »Du nimmst ja auch erst seit vier Monaten Unterricht«, erwiderte sie schmunzelnd.

»Ja, ich weiß, aber Tonleitern sind so langweilig! Die kann ich doch inzwischen im Schlaf.«

»Du musst Geduld haben. Tonleitern sind das Fundament. Es ist wichtig, erst einmal eine gute Grundlage zu schaffen, bevor man es mit einer ganzen Komposition aufnehmen kann.« Elle grinste darüber, wie schnell sie in den Muttermodus verfiel; sie gab Lebensweisheiten von sich und holte Natalie vom Klavierunterricht ab, als wäre sie ihr eigenes Kind.

»Heute hat sie mir allerdings auch Happy Birthday beigebracht.«

»Echt? Wieso das denn?«

Natalie lachte. »Du weißt genau warum, Tante Elle!«

An der Ampel wandte Elle ihr den Kopf zu und zuckte übertrieben mit den Schultern. »Was meinst du?«

Das Mädchen verdrehte kichernd die Augen. »Weil ich heute Geburtstag hab, du Nerd.«

»Nerd?« Elle legte eine Hand auf ihre Brust, als wäre sie tödlich beleidigt. »So nennst du sonst nur Martín.«

»Ja, weil er auch meistens der Nerd ist.«

»Schon gut, schon gut, Schluss mit den Spielchen. Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, Süße!« Sie konnte gar nicht glauben, dass Natalie jetzt schon zehn war. Damit war sie kaum jünger als das jüngste Opfer des Countdown-Killers. Seit sie vor sechs Monaten begonnen hatte, Interviews für die neueste Staffel von Justice Delayed zu führen, nahm dieser Fall sie voll und ganz in Anspruch. Sie konnte kaum die Augen schließen, ohne die Gesichter der Mädchen vor sich zu sehen, deren Fotos an der Wand ihres Tonstudios hingen. Natalie war für Elle inzwischen fast so etwas wie eine Tochter - und wenn sie sich Natalie an der Stelle des jüngsten Opfers des Countdown-Killers vorstellte, wurde ihr geradezu schwindlig vor Wut. Wenn Natalie nicht gewesen wäre, hätte Elle den Podcast wahrscheinlich gar nicht ins Leben gerufen. Ohne die Erfahrung, ein Kind so sehr zu lieben, dass man dafür sogar töten würde, hätte sie vielleicht nie angefangen, die Monster zu jagen, die sich an Kindern vergingen.

Elle beugte sich zu Natalie hinüber und drückte ihr einen lauten Schmatzer auf die Stirn, dann sprang die Ampel auf Grün um. »Hast du denn auch was Schönes erlebt an deinem Geburtstag?«

»Die Klasse hat mir ein Ständchen gesungen, und ich durfte Kekse für alle mitbringen«, sagte Natalie, an einem ihrer dunkelblonden Zöpfe spielend. »Und ich bin Dritte im Freistil geworden.«

»Bei dem Wetter würde ich ja nicht mal für Geld in einen Badeanzug steigen.«

»Wenn wir aufhören würden, nur weil's draußen kalt ist, würden uns gerade mal drei Monate im Jahr zum Schwimmen bleiben«, erwiderte Natalie, als sie vor Elles Haus hielten. »Außerdem sind es da drinnen fast dreißig Grad.«

»Ich bade trotzdem lieber in Seen und im Sommer, aber ich bin stolz darauf, dass du so gut bist«, sagte Elle. Der eisige Wind schnitt ihr in die Haut, als sie ausstieg und aufpasste, dass Natalie vorsichtig die spiegelglatte Auffahrt hochging. Sie nahm sich vor, Martín zu bitten, später mehr Salz auszustreuen.

»Oh, lecker!«, rief Natalie, kaum dass sie zur Tür hereinkamen. Auch Elle lief bei dem angenehmen, würzigen Duft, der durchs Haus wehte, das Wasser im Mund zusammen. Sie folgten ihm bis in die Küche, wo Martín gerade Salz aus einer Mühle in den dampfenden Topf auf dem Herd gab. Er trug seine Lieblingsschürze mit dem Blumenaufdruck und kochte seine spezielle Version von Spaghetti mit Fleischbällchen; dabei wurde das Rindfleisch mit kleingehackter Chorizo vermischt und die Sauce mit einer Prise Chili gewürzt. Es war Natalies Lieblingsgericht.

»Hallo, Geburtstagskind!« Martín ließ den Kochlöffel in den Topf fallen und fing Natalie auf, die zu ihm hinrannte und quietschte, als er sie hochhob und fest in die Arme schloss. Nachdem er sich einmal mit ihr um die eigene Achse gedreht hatte, setzte er sie auf die Arbeitsfläche, nahm den Löffel aus dem Topf und blies darauf, bevor er ihn ihr zum Probieren hinhielt. »Ich bitte um Ihr Urteil, Señorita.«

Natalie kostete und riss die Augen weit auf. »Ich finde, das ist Ihr absolutes Meisterwerk, Señor.«

Martín ließ sie wieder herunter und zeigte auf die Besteckschublade. »Ich weiß, du hast Geburtstag, aber könntest du bitte trotzdem den Tisch decken? Deine Mom müsste jeden Moment hier sein.«

Sobald das Mädchen das Besteck herausgenommen und den Raum verlassen hatte, wandte Martín sich lächelnd Elle zu. Seine lockigen schwarzen Haare standen ihm wild vom Kopf ab, weil er sich ständig mit den Händen hindurchfuhr, wenn er nicht gerade bei der Arbeit war und eine OP-Haube trug. Ohne mit dem Rühren aufzuhören, beugte er sich zu Elle und gab ihr liebevoll einen Kuss.

»Riecht toll!« Elle schenkte sich ein Glas Rotwein ein.

»Danke. Wie geht's dir, mi vida?«, fragte Martín.

Elle musste an den Tag im letzten Jahr denken, an dem er sie zum ersten Mal in Natalies Beisein so genannt hatte, nachdem ihr Spanischunterricht in der Schule begonnen hatte. Elle hatte erst in der Highschool Spanisch gelernt, und Martín konnte schon fließend Englisch, als sie sich kennenlernten, trotzdem hatte sie gleich ihr altes Spanischbuch wieder hervorgekramt, als sie ein Paar wurden. Sie wollte auf keinen Fall etwas von den Gesprächen verpassen, wenn sie seine Familie in Monterrey besuchten, und wegen der vielen Einwanderer aus Mexiko und Mittelamerika, die in Minnesota lebten, kamen ihr die Spanischkenntnisse auch in ihrem Job zugute. Aber in der schicken Privatschule, die Natalie besuchte, fingen die Kinder schon im dritten Schuljahr mit Spanisch an, deshalb hatte Natalie an jenem Abend bereits gewusst, was es bedeutete, als Martín Elle als mi vida bezeichnete.

»Warum nennst du sie >dein Leben<?«, hatte sie gefragt. »Weil du ohne sie nicht leben kannst?«

Elle hatte erwartet, dass er ihr einfach erzählen würde, in seiner mexikanischen Heimat sei das ein gängiger Kosename zwischen Männern und Frauen. Aber stattdessen hatte er Elle angeschaut und gesagt: »Nein, ich nenne Elle so, weil mir durch sie klargeworden ist, dass ich viel zu viel Zeit mit dem Tod verbringe. Sie hilft mir, daran zu denken, das Leben zu genießen.«

An dem Abend war er besonders romantisch gewesen, aber wenn es um Romantik ging, stellte Martín ohnehin die meisten anderen Männer in den Schatten.

»Elle?« Seine Stimme holte sie zurück in die Gegenwart.

»Mir geht's gut«, sagte sie, doch sie wusste, dass sie ihm mit ihrem aufgesetzten Lächeln nichts vormachen konnte. »Ich kann einfach nicht glauben, dass Natalie schon zehn ist. Es kommt mir so vor, als wäre sie gestern noch diese spindeldürre Vierjährige gewesen, die eines Tages aus heiterem Himmel hier vor der Tür stand.« Elle blinzelte ihre Tränen weg und nahm einen Schluck Wein.

Martín legte den Löffel beiseite und zog sie in seine Arme. »Dein Fall geht dir ganz schön an die Nieren, was?«, fragte er und rieb ihr mit kreisförmigen Bewegungen über den Rücken.

Elle verspannte sich. »Es geht mir gut«, beteuerte sie.

Er löste sich ein Stück von ihr und schaute sie an. »Ja, ich weiß.« Er sah aus, als wollte er noch etwas hinzufügen, nickte dann aber nur und wandte sich wieder dem Herd zu.

Als Natalie zurückkam, um Teller zu holen, klingelte es an der Haustür. »Ich geh schon«, sagte Elle.

Sash bibberte, als Elle sie hereinließ. »Mein Gott, ist das kalt!«, rief sie, und Elle schloss die Tür hinter ihr schnell wieder. Sash klopfte ihre Stiefel auf der Matte am Eingang ab, zog sie aus und achtete sorgsam darauf, nicht versehentlich mit ihren Strümpfen in den schmelzenden Schneematsch zu treten.

»Mein Vater hat so ein Wetter früher immer das Zungenfestklebe-Wetter genannt«, sagte Elle, selbst überrascht, dass sie plötzlich wieder daran denken musste. »Wegen all der dummen Kinder, die sich früher im Winter gegenseitig angestachelt haben, an Metall zu lecken, und dann mit ihren Zungen daran kleben geblieben sind.«

Sashs große Kreolen glitzerten im Licht, als sie den Kopf in den Nacken legte und loslachte. Nachdem sie ihren Schal abgenommen hatte, zog sie sich die lila Strickmütze vom Kopf und legte beides auf die Bank neben der Tür. Sie hatte ihre Haare frisch...

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