Wild Games - Ein verführerisches Spiel

Roman
 
 
Bastei Lübbe (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 26. November 2019
  • |
  • 368 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7325-8945-6 (ISBN)
 
Kandis Thornton braucht Geld, viel Geld. Sonst verliert ihre spielsüchtige Mutter ihr Haus ... und zieht bei Kandis ein. Daher ist ihr jedes Mittel recht, um die Reality-Show House Guests für sich zu entscheiden. Mit dabei ist Charmeur Brodi Short, der in Hollywood groß rauskommen will und seine Chance wittert. Auch er kennt alle schmutzigen Tricks - und er hat ein Auge auf Kandis geworfen. Deren Widerstand gerät bald ins Wanken, denn Brodi kann nicht nur Sprüche klopfen ...

Unwiderstehliche Romance bei beHEARTBEAT - Herzklopfen garantiert.
1. Aufl. 2019
  • Deutsch
  • Köln
  • |
  • Deutschland
  • 1,77 MB
978-3-7325-8945-6 (9783732589456)
weitere Ausgaben werden ermittelt

1


»Diesmal wird alles anders.« - Brody Short beim Vorabinterview

Als ich bei der Gepäckausgabe ankam, entdeckte ich sofort den gelangweilt blickenden Mann mit dem Pappschild, auf das der Name Candice Thornton gekritzelt war.

Offensichtlich war er alles andere als begeistert darüber, dass man ihn geschickt hatte, mich abzuholen.

Ich griff mir meine Reisetasche vom Gepäckband und ging zu ihm. »Hi. Sind Sie vom Sender?«

Seine Aufmerksamkeit richtete sich auf mich. »Sie sind Candice?«

»Ja. Kandis. Sie haben meinen Namen falsch geschrieben, aber er wird gleich ausgesprochen.« Ich lächelte ihn zaghaft an.

Zu meiner Überraschung verdrehte er die Augen. »Regen Sie sich nicht künstlich auf. Sie sind es, okay?«

»Äh, ja.« Was für ein Blödmann.

»Dann kommen Sie. Wir haben einen engen Zeitplan.« Er klemmte sich das Pappschild unter den Arm und schrieb mit flinkem Daumen eine SMS, während er zum Ausgang des Flughafens lief. Er achtete nicht mal darauf, ob ich ihm folgte.

Ich blickte mich noch mal zu den vielen Reisenden um, trabte dann jedoch hinter ihm her. »Könnten Sie sich bitte als Mitarbeiter des Senders ausweisen? Ich will nicht zu einem fremden Mann ins Auto steigen, verstehen Sie?«

Seufzend zückte er einen Dienstausweis. JTV NETWORKS. JIMMY NELSON, Assistent, House Guests, stand darauf. »Können wir jetzt endlich? Wir müssen in den nächsten fünf Minuten vom Flughafen weg sein. Die anderen Kandidaten landen im Halbstundentakt, und Ihr Flieger hatte Verspätung. Wenn wir also nicht bald von hier wegkommen, werden Sie disqualifiziert.«

»Oh.« Ich hängte mir schleunigst meine Tasche um. »Nein, ich will bei der Sendung mitmachen. Also los.« Jetzt hatte ich es so eilig, dass ich ihn sogar überholte.

Er nahm mir die Tasche ab, bevor wir in den schwarzen Wagen einstiegen, der am Bordstein wartete. Mit einem Fahrer - wie schick! Jimmy stieg vorne ein, sodass ich nach hinten musste. Ich glitt auf die Rückbank, zog die Tür zu, und wir fuhren los.

Nach einem Moment hörte Jimmy auf zu schreiben und drehte sich zu mir um. »Also. Mactor?«

Ich runzelte die Stirn. »Wie bitte?«

»Sind Sie eine Mactor?«

»Ich . weiß nicht, was das ist.«

»Wir bekommen für die Sendung drei Arten Leute: Superfans, Mactors und abgebrannte Tussen. Superfans sind die Leute, die praktisch für die Show leben und nonstop belangloses Zeug daraus zitieren. Da Sie mich noch nicht gefragt haben, ob ich Jordache aus dem letzten Jahr persönlich begegnet bin, sind Sie wohl kein Superfan. Bleibt also nur Mactor oder abgebrannte Tusse, die so dringend Geld braucht, dass sie bereit ist, sich im Fernsehen zum Affen zu machen.« Er schaute auf meine Brüste.

Verärgert verschränkte ich die Arme. Ich hatte mir vorgenommen, mich sexy und quirlig zu geben, um in dem Spiel weiterzukommen, aber das war eindeutig schon jetzt nach hinten losgegangen. Wie gut, dass Jimmy nur ein Assistent war. »Und ein Mactor ist?«

»Ein Model/Actor. Von denen bekommen wir eine Menge. Sie wissen schon, die Leute, die alles für ihre 15 Minuten Ruhm tun würden.«

»Ich bin Zumba-Trainerin«, erklärte ich.

Jimmy blickte zum Fahrer und nickte. »Mactor.«

Gut, dass Jimmy nur Assistent war. Wäre er einer der Kandidaten gewesen, hätte ich ihn umbringen müssen, weil er so ein Blödmann war.

Während der Fahrt schaute ich aus dem Fenster. Der Flughafen von Charlotte war anders, als ich erwartet hatte. Und überhaupt war ich überrascht, dass ich nach Charlotte hatte fliegen müssen, aber mir war ein entsprechendes Ticket zugeschickt worden. Ich hatte angenommen, die vorherigen Sendungen wären in Los Angeles gedreht worden. »Wieso sind wir in North Carolina?« Ich konnte meine Neugier nicht mehr zügeln.

»Es gibt ein neues Konzept«, sagte Jimmy. »Bei dieser Staffel geht es um die Location. Die Produzenten wollen sehen, ob ein anderer Drehort den Absturz der Einschaltquoten aufhalten kann.«

»Oh.« Von einem Absturz der Einschaltquoten hatte ich nichts gewusst. House Guests lief jeden Sommer zuverlässig wie eine Uhr. Jeder sah sich das an. Ich hätte ihn gern mehr gefragt, aber er war schon wieder auf sein Handy konzentriert, und die Fahrt wäre allemal friedlicher, wenn er den Mund hielt.

Daher schaute ich aus dem Fenster und ließ die Bäume längs des Highways an mir vorbeisausen.

»Wir sind da.« Jimmy riss mich aus dem Schlaf.

Ich richtete mich auf und wischte mir über den Mund, für den Fall, dass ich gesabbert hatte. Während der endlosen Fahrt über den Highway hatte ich mich gegen das Seitenfenster gelehnt und war wohl eingenickt. Als Jimmy ausstieg und mir die Tür öffnete, unterdrückte ich ein Gähnen, griff nach meiner Tasche und murmelte: »Danke.«

»Folgen Sie mir, Candy.«

»Kandis«, korrigierte ich. »Es schreibt sich K-a-n-d-i-s.«

»Meinetwegen. Kommen Sie einfach mit.«

Das tat ich, und schon nach ein paar Schritten wurde ich immer langsamer, weil ich die Umgebung in mich aufnahm.

Wir standen auf einem frisch asphaltierten Parkplatz inmitten einer grünen Hügellandschaft. Hohe Bäume schirmten uns von der Straße ab. Am Rand des Parkplatzes standen mobile Toiletten aufgereiht, gegenüber entdeckte ich eine Reihe weißer Zelte. Überall waren Leute zu sehen, die meisten mit Headset und einem Klemmbrett oder iPad ausgerüstet, vor allem bei den Zelten, wo ein reges Hin und Her herrschte. In einiger Entfernung waren eine Tribüne und eine Tonbühne aufgebaut. Dort sollten sicherlich die ausgeschiedenen Kandidaten interviewt werden.

Auf einer grasbewachsenen Anhöhe im Zentrum des ganzen Treibens stand ein Haus, genauer gesagt ein scheußliches graues Ungetüm, das aussah, als stünde es bereits seit guten hundert Jahren leer. Aber das konnte gar nicht sein, da hier House Guests gedreht wurde. Also hatte man es eigens so präpariert.

Oder etwa nicht?

»Das ist das Haus?«, fragte ich Jimmy und betrachtete es entsetzt.

»Hmhm«, antwortete er gelangweilt.

»Das sieht nicht gerade attraktiv aus.« Ging es bei House Guests nicht um Leute, die sich nur unterbrochen von ein paar Wettkämpfen den ganzen Sommer im Bikini am Pool rekelten und flirteten? Das Haus schien mir nicht dazu zu passen.

»Wie gesagt, wir haben diesen Sommer ein neues Konzept.«

Was für eines soll das sein?, wunderte ich mich. Gothic-Fieber? Ich starrte auf den schäbigen viktorianischen Kasten. Er war riesig, hatte drei Stockwerke und einen achteckigen Turm. Sämtliche Fensterläden waren geschlossen. Es gab eine große Veranda auf dem Vordach, aber da standen lauter Kameras und Filmausrüstung. Die war eindeutig nicht zum Entspannen vorgesehen. Natürlich würden überall im Haus Kameras angebracht sein, das gehörte zum Konzept der Sendung.

Jimmy ging zu einem Tisch und nahm sich ein Klemmbrett, während ich argwöhnisch hinter ihm hertrottete. »Nur kurz zur Information: Sie betreten das Haus heute Abend. Zuvor werden wir Ihr Gepäck durchsuchen, um sicherzustellen, dass Sie nichts reinschmuggeln.«

»Reinschmuggeln?«

»Handys, Essen, Drogen«, erklärte er gelangweilt. Unterwegs hatte er sich einen Kaugummi in den Mund gesteckt und kaute geräuschvoll. »Wenn Sie sauber sind, gehen Sie danach zur ärztlichen Untersuchung.« Er deutete auf eines der Zelte weiter hinten auf der weiten Rasenfläche. »Wenn die Ärzte Sie für gesund erklären, schicken wir Sie zum Vorabinterview. Anschließend stecken wir Sie bis zum Abend allein in eine Kabine. Sie kommen erst raus, wenn es losgeht. Bis dahin bin ich für Sie verantwortlich.« Er hielt mir einen breitkrempigen Strohhut und eine Augenbinde mit dem Logo der Sendung hin. »Sie müssen die Augenbinde tragen, bis ich Ihnen sage, dass Sie sie abnehmen dürfen.«

»Damit ich die anderen Kandidaten noch nicht sehe?«

»Nein, damit wir Blinde Kuh spielen können.« Er klang sarkastisch.

Ich riss ihm die Binde aus der Hand. »Sie sind nicht sehr nett.«

»Leute wie Sie habe ich ständig um mich, Püppchen. Und ich werde nicht fürs Nettsein bezahlt.«

Was für ein blöder Wichser.

»Hier ist Ihre Verzichtserklärung. Die müssen Sie ausfüllen. Danach geht's zur ärztlichen Untersuchung. Irgendwelche Fragen?«

»Eigentlich nicht.« Ich nahm das Klemmbrett entgegen. Der Packen Papier, der unter dem Bügel klemmte, war so dick, dass ich mich erst mal hinsetzte, um den Vertragstext genau zu lesen.

Ich wusste, wie House Guests ablief. Bisher hatte ich jede Staffel gesehen. Zwölf Kandidaten zogen zu Beginn des Sommers in ein Haus ein, um bei spielerischen Wettkämpfen gegeneinander anzutreten. Sie stimmten selbst ab, wer ausscheiden musste, und so reduzierte sich die Gruppe, bis nur noch zwei Kandidaten übrig blieben. Dann entschied die Jury, die aus den fünf zuletzt ausgeschiedenen Kandidaten bestand, wer die Million gewann.

Die Million, die ich dringend brauchte.

»Hallo, Kandis«, sagte jemand hinter dem Venezianischen Spiegel. »Du wirst jetzt zum ersten Mal für die Sendung interviewt, stell dich also bitte kurz vor. Wir sind nicht live, du brauchst nicht nervös zu sein. Entspann dich, und erzähl uns, was wir deiner Meinung nach über dich wissen sollten.«

Ich blickte mein Spiegelbild an. Zu mir selbst zu sprechen war ein komisches Gefühl. Wenigstens sahen meine Haare und mein Make-up gut aus, trotz des überstandenen Stresstests....

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