Wild Games - Mit einem einzigen Kuss

Roman
 
 
Bastei Lübbe (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 26. November 2019
  • |
  • 352 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7325-8942-5 (ISBN)
 
Wie konnte das nur passieren? Statt die nächste Köstlichkeit zu backen, findet sich Konditorin Katy plötzlich in der Reality-Show World Races wieder: einem Rennen um die Welt! Das Preisgeld kann sie zwar für ihre frisch eröffnete Bäckerei gut gebrauchen, aber dass sie ausgerechnet mit dem Rockstar und Frauenschwarm Liam ein Team bilden muss, ist wirklich eine harte Nuss. Vor allem, weil sie eine heiße Romanze vortäuschen müssen, um nicht aus der Show zu fliegen. Doch Katy weiß schon bald nicht mehr, was gespielt ist - und was echt ...

Spannende Helden und die große Liebe. beHEARTBEAT - Herzklopfen garantiert.
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1


»Warum will ich bei der Sendung dabei sein? Weil das Label es wollte? Es ist nicht so, als hätte ich sie angefleht, mich ins Fernsehen zu bringen. Ich würde lieber im Studio sitzen.« - Liam Brogan, Lead-Gitarrist von Finding Threnody, Vorabinterview

»Stellen Sie sich vor die Kamera, Schätzchen, und sagen Sie uns, wie Sie heißen.« Die Stimme der Assistentin schallte durch die Casting-Kabine.

Nervös trat ich mit meiner großen Schachtel ins blendende Licht. Ich ignorierte den Impuls, meine Augen mit der Hand abzuschirmen, und begnügte mich damit, sie zusammenzukneifen. »Hallo allerseits. Ich heiße Katy Short.«

»Erzählen Sie uns, wie alt Sie sind und was Sie beruflich machen.« Die Stimme jenseits des Lichtkegels klang unendlich gelangweilt.

»Ich bin dreiundzwanzig, habe kürzlich meine Kochausbildung abgeschlossen und anschließend ein Unternehmen gegründet. Ein Cupcake-Geschäft.«

»Süß. Und warum wollen Sie bei Endurance Island mitmachen?«

»Das ist eine komische Geschichte«, erklärte ich grinsend. Ich bemühte mich, nett und offen zu wirken, was eigentlich nicht meine Art ist. Nicht umsonst nannte man mich auch die knatschige Katy. »Eigentlich bin ich nicht meinetwegen hier, sondern weil mein Bruder Brodie unbedingt bei Endurance Island teilnehmen will. Also helfe ich ihm dabei. Wir dachten, er hat eine bessere Chance, wenn wir zu zweit vorsprechen.« Ich strahlte in die Kamera und klappte den Deckel der Schachtel hoch. »Und deshalb habe ich für alle etwas mitgebracht, damit Sie uns nicht vergessen, eine kleine Aufmerksamkeit von Katy's Short Cakes

Bei der Enthüllung des Gebäcks gab es einige Ahs und Ohs von der Crew, was mich freute. Ich hatte mir ausgerechnet, dass sie um diese Uhrzeit vermutlich Hunger haben würden, und war deshalb bis in die Nacht aufgeblieben, um zu backen, damit die Kuchen ganz frisch waren. Ich musste zugeben, sie sahen lecker aus. Gelbe Zuckerguss-Spiralen auf makellosen dunklen Schoko-Cupcakes, jeder mit einer schimmernden Schokoladenganache beträufelt und mit einer Kirsche garniert. Bei den Cupcakes in der Mitte fehlte die Kirsche, dafür hatte ich Marzipanbuchstaben geformt, die aneinandergereiht Brodies Namen ergaben, und zwar extra in der Schriftart des Endurance-Island-Logos.

Das gehörte alles zu unserem Plan, ihnen meinen Bruder als Kandidaten schmackhaft zu machen. Er redete über nichts anderes mehr, und ich dachte, wenn meine Kuchen helfen konnten, lohnte es sich, einen Samstagmorgen beim Casting zu verbringen. Brodie hatte sich in Gelb und Dunkelbraun gekleidet, passend zu den Cupcakes, und auch ich trug braune Leggings zu einem langen, weiten T-Shirt, auf dem »Nehmt Brodie« stand. An meinen blonden Zöpfen steckten zwei Kirschen. Wir waren zu allem bereit, um die Casting-Leute zu überzeugen.

Ich hielt mein Mitbringsel einladend ausgestreckt. »Ich dachte, um diese Zeit hat hier vielleicht jemand Hunger.«

Sofort eilte einer von der Crew herbei und nahm mir die Schachtel ab, worauf ein halbes Dutzend Hände zugriffen. Ich grinste, als ein paar freudige Ausrufe zu hören waren. Eine Frau mit Klemmbrett trat mit einem Cupcake in der Hand zu mir. Sie legte ihn ab, leckte sich Zuckerguss von den Fingern und nahm ihren Kuli.

»Die sind fantastisch. Wie war noch mal Ihr Name?«

»Katy Short«, wiederholte ich fröhlich. »Und ich bin hier, damit mein Bruder Brodie .«

»Was tun Sie beruflich, Katy?«

Ich verkniff es mir, die Stirn zu runzeln. Mensch, hatten die die Aufmerksamkeitsspanne einer Mücke, oder was? Ich blickte zu ihrem Cupcake. Das B war abgerutscht. Na, hoffentlich suchten die später, wenn sie anrufen wollten, in ihrer Liste nicht nach einem Rodie statt nach Brodie. »Ich bin Buchhalterin.«

Ausdruckslose Mienen.

Ja, sie hatten tatsächlich nicht aufgepasst. War ja klar. »War nur ein Scherz. Ich habe einen Onlineshop namens Katy's Short Cakes. Ich backe Cupcakes nach Kundenwünschen und liefere landesweit.« Automatisch zog ich eine Geschäftskarte aus der Tasche und reichte sie dem Nächststehenden.

Die Frau zupfte sie mir aus den Fingern, warf einen Blick darauf und heftete sie an ihr Klemmbrett. »Sie sind bezaubernd, Katy. Und keck. Das gefällt uns. Also, erzählen Sie uns doch ein bisschen von sich.«

»Na ja«, begann ich gedehnt. »Ich bin mit meinem Bruder Brodie hier. Der ist auf jeden Fall noch kecker als ich.«

Als hörte sie das zum ersten Mal, blickte sie von ihren Notizen auf. »Sie haben einen Bruder?« Ein bedeutsames Funkeln trat in ihre Augen. Sie griff nach dem Cupcake und biss hinein. Dann streckte sie den Arm über den Kopf, schnippte mit den Fingern und machte mit der Hand eine Kreisbewegung. »Bring mal einer den Bruder her«, rief sie.

»Brodie heißt er. Sie essen gerade sein B. Ich bin nur seinetwegen hier.«

»Sie wollen nicht ins Fernsehen, Katy?«

Ich zuckte die Achseln. »Mir ist wichtiger, mein Geschäft voranzubringen. Aber es könnte doch ziemlichen Spaß machen.« Ein flaues Gefühl breitete sich in meinem Magen aus. Wenn die mich an Brodies Stelle casteten, würde er mich umbringen.

»Wie sportlich sind Sie?«

»Ähm.« Ich überlegte kurz. »Ich kann drei Dutzend Cupcakes tragen, ohne ins Schwitzen zu kommen.«

Aus der Richtung der Gebäckschachtel war Gekicher zu hören.

Die Casterin lächelte. An ihren Zähnen klebte gelber Zuckerguss. Ich leckte mir über die Schneidezähne, um ihr einen Wink zu geben. »Haben Sie einen Reisepass, Katy?«

Ich musste einen Moment überlegen, dann nickte ich. »Ja, und Brodie auch.«

»Perfekt«, sagte die Frau und schrieb dabei etwas auf ihr Klemmbrett. »Hat schon jemand den Bruder aufgetrieben?«, rief sie dann.

Ein langer, unangenehmer Moment verstrich, während ich von einem Bein aufs andere trat. Niemand fragte mich etwas, aber die Aufnahme lief weiter. Vielleicht war das ein gutes Zeichen. Dass sie nach Brodie suchten, hieß doch, sie waren an ihm interessiert, oder?

Jedenfalls erschien mein Bruder ein paar Minuten später. Neben dem kahlen Assistenten, der ihn hereinbrachte, fiel sein blonder Schopf besonders auf. Er wirkte aufgeregt. Ich drückte ihm in Gedanken die Daumen.

Der Assistent stellte Brodie neben mich.

Der nahm mich sofort in den Schwitzkasten und rieb mir mit den Fingerknöcheln über den Scheitel, dass es ziepte.

Ich kreischte auf und wand mich aus seinem Arm. »Du Blödmann!«

»Katy«, sagte er warnend, aber noch mit einem Lächeln, »das ist nur Spaß.«

»Dann hast du auch nichts dagegen, wenn ich dir aus Spaß in die Eier trete?«, brummte ich und strich mir über die misshandelte Stelle. Zu Hause war das schön und gut, na ja, jedenfalls nicht ganz so unerträglich. Aber hier? Vor laufender Kamera?

Zum Glück lachten alle. »Ihr seid süß«, meinte die Klemmbrettfrau.

Darauf legte Brodie einen Arm um meine Schultern, zog mich an seine Seite und strahlte in die Kamera. »Wie ich sehe, haben Sie meine kleine Schwester schon kennengelernt?«

»Partnerlook«, flüsterte jemand. »Die sind genau richtig. In der Besetzung fehlt doch noch ein Geschwisterpärchen, oder?«

»Ich weiß«, raunte die Casterin nach hinten. Dann lauter: »Also, Brodie, Sie sind der ältere Bruder?«

»Ja, Ma'am«, bestätigte er gut gelaunt. »Katy ist heute Morgen als seelischer Beistand mitgekommen. Sie weiß, wie gerne ich bei Endurance Island mitmachen will. Wir haben ein enges Verhältnis, verstehen uns bestens.«

Ich schnaubte.

In Wirklichkeit waren wir die sich ewig kabbelnden Geschwister, aber der Rest stimmte. Seit wir von dem Casting in unserer Stadt erfahren hatten, war Brodie ganz aus dem Häuschen gewesen. Dies sei seine Chance, hatte er immer wieder zu mir gesagt. Viele Reality-TV-Stars nutzten die Gameshow, um in Hollywood einen Fuß in die Tür zu bekommen, und wenn er auf diese Weise eine Karriere als Model oder beim Fernsehen starten konnte, dann war er bereit, alles zu geben. Ich hatte meine Zweifel, da von den Leuten im Reality-TV nur selten jemand nennenswerten Erfolg im Showgeschäft hatte. Brodie ließ sich davon jedoch nicht abhalten.

»Und ihr seid von hier?«

»Ja, Ma'am. Aus Broken Arrow, Oklahoma.«

»Schon mal durch die Welt gereist?«

Brodie sah zu mir runter. »Wir waren mal mit der Familie in Cancun. Katy hat sich einen Wahnsinnssonnenbrand geholt, sie war rot wie eine Tomate.«

»Das ist glatt gelogen«, warf ich ein und stieß ihn in die Seite. »So rot war ich gar nicht. Und er vergisst zu erwähnen, dass wir letzten Sommer für eine Woche in London waren. Aber wahrscheinlich zählt das nicht als Reise, da wir kaum aus den Pubs rausgekommen sind.«

Das brachte mir ein paar Lacher ein, und Brodie drückte mich nahezu schmerzhaft an der Schulter. Dafür griff ich von hinten in seine Seite, um ihn zu kneifen, wie immer, wenn er den großen Bruder herauskehrte.

»Katy will gar nicht wirklich mitmachen«, sagte er schnell, »sie ist nur als Unterstützung mitgekommen.«

Ich kniff ihn noch mal, damit er die Klappe hielt. Wo war sein weltmännisches Auftreten, wenn man es brauchte? Er kam rüber wie ein täppischer Hinterwäldler.

»Es tut uns leid«, sagte die Klemmbrettfrau. »Wir haben schon ein blondes Südstaatenpärchen für Endurance Island. Die Besetzung steht.«

Was für eine Enttäuschung! Armer Brodie. Bestimmt war er niedergeschmettert. Sein Arm auf meiner Schulter erschlaffte.

»Aber«, sprach die Frau weiter, »wir suchen noch Teams für die World Races, und das...

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