Wild Games - In deinen starken Armen

Roman
 
 
Bastei Lübbe (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 26. November 2019
  • |
  • 320 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7325-8944-9 (ISBN)
 
Zara Pritchard, einst gefeiertes Eislauftalent, will mit der Teilnahme an der Show Ice Dancing with the Stars ihre Karriere wieder in Schwung bringen. Dort trifft sie auf Ty Randall, dem seine Berater die Teilnahme an der Show empfohlen haben. Denn Ty gilt selbst unter Martial Arts-Kämpfern als unbeherrschter Draufgänger und muss dringend sein Image aufpolieren. Doch warum ausgerechnet mit Eistanz? Und wie soll man konzentriert trainieren, wenn ständig die Funken fliegen?

Ein heißer Tanz auf dem Eis. beHEARTBEAT - Herzklopfen garantiert.
weitere Ausgaben werden ermittelt

1


»Eistanzen? Willst du mich verarschen?« - Ty Randall, MMA-Kämpfer, alias »Ty der MMA-Beißer«, zu seinem Manager

Ich hasse Familientreffen. Obwohl sie sich eigentlich nicht ausstehen können, sind alle nett zueinander, und das bloß, weil sie verwandt miteinander sind. Und ich muss stundenlang dabeisitzen und zuhören, wie lang und breit über das Wetter geredet wird, obwohl ich genau weiß, dass alle nur darauf warten, endlich die Sprache auf diesen einen, furchtbar peinlichen und längst vergangenen Vorfall bringen zu können.

So ist die Eiskunstlauf-Community, eine große Familie: Eigentlich mag man sich nicht, kann sich aber auch nicht aus dem Weg gehen. Und dieses Sieben-Uhr-Meeting in den JNO-Studios mit einer Reihe berühmter Eiskunstläufer kam definitiv einem Familientreffen gleich. Wie aufs Stichwort rumorte es in meinem Magen. Denn in dieser Familie war ich das schwarze Schaf.

»Hier entlang, Miss Pritchard«, sagte die Assistentin an meiner Seite und führte mich zum Ende eines langen Tisches, an dem die anderen Eiskunstläufer bereits saßen. Ich war die Letzte. Pech. Mein Juju legte bereits einen schlechten Start hin. Ich trank einen Schluck von meinem mitgebrachten Iced Latte und versuchte, mich lässig zu geben, obwohl ich insgeheim die anderen taxierte. Ich ließ mich auf meinen Stuhl fallen - den letzten rechts, auch das brachte Unglück, aber ich war nicht in der Position, mich zu beschweren. Ganz bestimmt würde ich keinen anderen Platz verlangen, die Zeiten, in denen ich noch Ansprüche stellen konnte, waren vorbei. Jetzt konnte ich von Glück reden, wenn ich ein paar Krümel vom Kuchen abbekam.

Die anderen waren in Businesskleidung oder Designerklamotten erschienen. Über den Dresscode des heutigen Meetings hatte mich keiner im Vorfeld aufgeklärt. Nach dem Anruf gestern hatte ich geglaubt, es handele sich um ein schnelles Infotreffen, mehr nicht. Na toll. Ich trug einen Hoodie, ein Tanktop und Leggings, weil . na ja, weil ich das immer trug. Die Haare hatte ich mir kurzerhand zum Pferdeschwanz gebunden, und geschminkt war ich auch nicht. Alle anderen sahen aus, als wollten sie zu einer Party nach Hollywood.

Vor Unbehagen schwitzte ich, aber ich tat, als kümmerte mich das alles gar nicht, und trank aus purem Trotz den nächsten Schluck Latte laut schlürfend, während ich die Anwesenden weiter musterte. Fünf Eiskunstläufer, und sie lächelten mich alle sehr breit und sehr künstlich an.

»Zara, schön zu sehen, dass es dir wieder besser geht«, rief Emma Rawley, die mir am Tischende gegenübersaß. »Kommst du gerade vom Eis?«

In Gedanken ging ich ihre Erfolge durch. Zweimal Olympia, eine Bronzemedaille. Einmal Erste bei den nationalen Meisterschaften. Sie war technisch gut, aber uninspiriert. Ich schlürfte meinen Latte. »Nein.«

Neben ihr saß Tatiana Bezrukov, eine russische Meisterin, die so viele Titel wie sonst niemand gewonnen hatte. Schweigend blickte sie mich an. Tatiana war noch nie besonders redselig gewesen. Sie ließ quasi ihre Erfolge für sich sprechen. Ich war überrascht, dass eine Berühmtheit wie sie sich dazu hatte überreden lassen, bei dieser Sendung mitzumachen. In ihrer Heimat war sie eine große Nummer.

Die drei Männer waren Serge Volodin, Toby Bell und Jon Jon Miller. Auch sie waren sehr gute Läufer und allgemein bekannt. Bekannt war ich auch, aber leider nur im schlechten Sinne.

Toll.

Jon Jon saß neben mir. Er lehnte sich in meine Richtung und hielt sich nicht lange mit höflichen Floskeln auf: »Also, nur damit du es weißt, die Produktion sieht es nicht gern, wenn man während des Auftritts vom Eis geht. Wie ich höre, ist das deine große Schwäche.«

Ich zeigte ihm den Mittelfinger.

»Ja, so kennt man dich.« Jon Jon zwinkerte mir zu. »Schön zu sehen, dass sich Zara Pritchard nicht sehr verändert hat.«

Blödmann.

Die anderen kicherten, außer Emma, die unglücklich die Stirn runzelte und mich dann anstrahlte, was sogar aufrichtig wirkte. »Es ist wirklich klasse, dich dabeizuhaben, Zara. Es heißt, du bist aktuell in Ohio tätig?« Sie zog die Brauen hoch, um mich zu einer Antwort zu ermuntern.

»Als Trainerin.« Ich hoffte, sie würde es dabei bewenden lassen.

»Jemand, den man kennt?«, wollte Toby wissen.

»Nö.«

Er bedachte mich mit einem unergründlichen Blick. »Also ein aufstrebendes Talent?«

Könnte man so sagen. Die meisten Kinder, die ich auf der Schlittschuhbahn im Einkaufszentrum unterrichtete, waren zwischen vier und sechs Jahre alt. Irgendwann würden die sicher aufstreben.

Ich nahm einen Schluck aus meinem Becher und gab mich geheimnisvoll. Sollten sie doch neugierig sein. Niemand brauchte zu wissen, wie tief Zara Pritchard gesunken war. Niemand außer mir. Das hier war die Chance, meinen Ruf reinzuwaschen.

Ehe sie mir noch mehr Fragen stellen konnten, betraten vier Männer und eine Frau den Besprechungsraum. Sie trugen ebenfalls Businesskleidung, und sofort standen alle Eiskunstläufer auf und strafften ihre Haltung. Man konnte praktisch zusehen, wie sie ihr Performance-Gesicht aufsetzten. Das waren offenbar die Leute, die ich beeindrucken musste. Ich verbarg meinen Becher unter dem Tisch und stand ebenfalls auf. Hätte ich den bloß nicht mitgebracht. Was die Eiskunstläufer von mir dachten, war mir egal. Aber die Produzenten waren wichtig. Sie waren diejenigen, die mich herbestellt hatten, und sie konnten mich auch wieder mit einem Tritt in die Vergessenheit befördern.

Ein großes Hallo setzte ein. Die Anzugträger begrüßten die Eiskunstläufer, schüttelten Hände und plauderten. Es war klar, hier kannte jeder jeden, außer mir. Was mich nicht überraschte. Die zweite Staffel von Ice Dancing with the Stars stand an. Die erste war für den Sender ein hübscher Erfolg gewesen, deswegen ging man nun in die zweite Runde.

Ein Produzent kam zu mir und streckte die Hand aus. »Zara Pritchard. Ich erinnere mich an Sie. Es ist schön, Sie dabeizuhaben.«

In einem Manöver, von dem ich hoffte, dass es nicht allzu ungeschickt wirkte, nahm ich den Latte in die Linke, trocknete mir die Rechte kurz an meinem Hoodie und schüttelte ihm dann die Hand. »Danke, Sir. Ich bin ganz begeistert über die Chance. Ich werde Sie nicht enttäuschen. Sie werden es nicht bereuen.«

Er nickte. »Natürlich.«

»Seit Ihrem Anruf habe ich hart trainiert«, erzählte ich prompt. »Meinen dreifachen Axel und Toeloops, damit ich bei der Sendung mithalten kann. Ich bin es gewohnt, mindestens fünfzehn Stunden am Tag zu arbeiten, also was immer gewünscht wird, ich kann das. Sie brauchen es nur zu sagen, dann mache ich es. Ich bin auch sehr vielseitig. Egal welche Art von Kür Sie brauchen .«

An der Stelle wanderte sein Blick ins Leere, und ich erkannte, dass ich übers Ziel hinausschoss. Aber ich war auf das Engagement nun mal dringend angewiesen. Und wie es schien, konnte ich nicht aufhören zu quatschen, obwohl Jon Jon mir einen mitleidigen Blick zuwarf.

»Ich habe auch viele Ideen für Choreografien«, sprudelte ich weiter. Mein nervöses Gequassel war nicht zu stoppen. »Das war eine meiner Besonderheiten, als ich noch an Wettkämpfen teilnahm. Mit meinen Choreografien konnte ich immer punkten. Nicht dass meine Technik nicht auch großartig gewesen wäre. Doch, das war sie. Aber richtig stolz war ich auf meine Kreativität, und daher .«

»Wer ist das?« Eine Kollegin meines Gesprächspartners unterbrach mich und trat neben ihn. Sie musterte mich einmal kühl von oben bis unten.

Der Mann riss dankbar seine Hand zurück und legte sie auf meine Schulter. »Das ist Zara Pritchard. Sie springt für Svetlana ein, die wegen ihrer Schwangerschaft absagen musste.«

Ja! Danke, Svetlana, dass du dich hast schwängern lassen. Dafür sollte ich ihr Blumen schicken. Ich strahlte die Produzentin an.

»Sie ist schrecklich jung«, meinte sie nach einer neuerlichen Musterung stirnrunzelnd.

»Ach, das sieht nur so aus«, erklärte ich hastig und deutete auf meinen straffen Pferdeschwanz. »Das liegt an der Frisur. Die macht mein Gesicht runder, als es eigentlich ist. Alle sagen immer, ich sehe aus wie vierzehn, aber in Wirklichkeit bin ich fünfundzwanzig. Ständig muss ich meinen Ausweis zeigen. Ich .«

Sie rümpfte die Nase. »Es hieß, Sie seien Olympiateilnehmerin.«

»Bin ich. Oder war es.« Oh Gott, Jon Jons Gesichtsausdruck ging von Entsetzen in Mitleid über. Bitte, bitte, jetzt bloß nicht von der Vergangenheit anfangen . »Das war 2002. Salt Lake City. Ich war vierzehn und .«

Sie riss die Augen auf. »Sie sind nach einem Sturz vom Eis gegangen. Ich erinnere mich.«

Oh Gott, ich muss mich übergeben. »Das war ein Fehler«, plapperte ich weiter. »Ich war noch ein Kind, und ich stand unter Schock. Mir war nicht klar, was für einen Fehler ich da beging. Das würde ich heute nicht mehr tun, also, wenn ich noch mal von vorne anfangen könnte. Aber das kann keiner, nicht wahr?« Ich lachte schrill. »Das ist quasi die oberste Regel beim Eiskunstlauf. Man geht nicht während der Kür vom Eis. Aber ich hab's getan. Also ja, ich . äh, würde es nicht wieder tun.«

Bitte, Boden tu dich auf und verschluck mich.

Sie blickte mich streng an. »Ja, das würde ich Ihnen raten.«

»Natürlich. Absolut. Sie können auf mich zählen. Ich .«

Sie wandte sich mitten im Satz ab. Autsch. »Beginnen wir mit dem Meeting, ja?«

Jeder kehrte an seinen Platz zurück, und keiner der Eiskunstläufer wollte in meine Richtung...

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