Chain of Gold

Die Letzten Stunden
 
 
Goldmann (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 24. August 2020
  • |
  • 704 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-20543-0 (ISBN)
 

Von der eleganten Londoner Soirée zum rauschenden Ball - und unter dem Abendkleid verborgen ein tödlich scharfes Schwert: In Cordelia Carstairs Brust wohnen zwei Seelen. Denn eigentlich sollte die junge Schattenjägerin heiraten. Sie jedoch plant eine Zukunft als Dämonenjägerin - auch in ihren Kreisen eher unüblich Anfang des 20. Jahrhunderts. Während Cordelia noch mit ihrem Schicksal und der aussichtslosen Liebe zu James Herondale hadert, bricht Unheil über Londons Schattenjäger herein: Scheinbar unbesiegbare Dämonen drohen die Stadt zu überrennen. Und Cordelia muss erfahren, was der wahre Preis für Heldentum ist ...

  • Deutsch
  • München
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  • Deutschland
Goldmann
  • 1,61 MB
978-3-641-20543-0 (9783641205430)
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Cassandra Clare ist eine internationale Bestsellerautorin. Ihre Bücher wurden weltweit über 50 Millionen Mal verkauft und in 35 Sprachen übersetzt. Die beiden Serien "Chroniken der Unterwelt" und "Chroniken der Schattenjäger" gehören zu ihren größten Erfolgen und stehen weltweit auf den Bestsellerlisten. Auch ihre neue Reihe, die "Chroniken der Dunklen Mächte", wurde zum großen Besteller. Cassandra Clare lebt in Massachusetts, USA.

VERGANGENE ZEITEN:


1897

Lucie Herondale war zehn Jahre alt, als sie dem Jungen im Wald zum ersten Mal begegnete.

Da sie in London aufgewachsen war, hatte sie sich einen Ort wie den Brocelind-Wald noch nicht einmal in ihren kühnsten Träumen vorstellen können. Der Forst umgab das Herrenhaus der Herondales von allen Seiten, und seine Baumwipfel neigten sich einander zu wie Lebewesen, die sich verstohlen etwas zuflüsterten - dunkelgrün im Sommer, leuchtend rot und golden im Herbst. Der Moosteppich auf dem Waldboden war so grün und weich, dass ihr Vater Lucie erzählt hatte, die Feenwesen würden ihn in der Nacht als Kopfkissen benutzen. Und aus den weißen, sternförmigen Blüten der Blumen, die nur im verborgenen Land Idris wuchsen, fertigten sie angeblich Armreife und Ringe für ihre feingliedrigen Hände.

James dagegen hatte natürlich behauptet, die Feenwesen würden überhaupt keine Kopfkissen verwenden, unter der Erde schlafen und nur aus ihren Verstecken kommen, um ungezogene kleine Mädchen aus ihrem Bett zu entführen. Dafür trat Lucie ihm auf den Fuß - was wiederum zur Folge hatte, dass Papa sie hochhob und zum Haus zurücktrug, bevor der Streit eskalierte. James entstammte dem uralten und edlen Geschlecht der Herondales, doch das bedeutete nicht, dass er sich zu fein dafür gewesen wäre, seine kleine Schwester nötigenfalls an den Zöpfen zu ziehen.

Eines Nachts war Lucie vom hellen Schein des Mondes geweckt worden. Die Lichtstrahlen ergossen sich in ihr Zimmer wie Milch und zogen schimmernde Streifen quer über ihr Bett und den polierten Holzboden.

Sie schlüpfte aus dem Bett, kletterte aus dem Fenster und sprang leichtfüßig auf das Blumenbeet unter ihrem Zimmer. Die Sommernacht war so warm, dass es ihr in ihrem Nachthemd überhaupt nicht kalt wurde.

Der Rand des Waldes - der kurz hinter den Ställen begann, in denen ihre Pferde standen - schien zu glühen. Lucie glitt auf diesen Lichtschein zu wie ein kleiner Geist; die Pantoffeln an ihren Füßen schienen kaum den Moosboden zu berühren, während sie zwischen den Bäumen hindurchhuschte.

Zuerst vergnügte sie sich damit, aus Blüten Ketten anzufertigen und diese an den Baumästen aufzuhängen. Danach stellte sie sich vor, sie wäre Schneewittchen und würde vor dem Jäger fliehen. Sie rannte durch das dichte Unterholz, drehte sich dann dramatisch um, keuchte entsetzt auf und schlug den Handrücken gegen die Stirn. »Du wirst mich niemals bezwingen«, stieß sie hervor. »Denn ich bin von königlichem Blut und werde eines Tages doppelt so mächtig sein wie die Königin. Und dann werde ich ihr den Kopf abschlagen.«

Im Nachhinein fiel ihr auf, dass sie sich wahrscheinlich nicht ganz genau an das Märchen von Schneewittchen gehalten hatte. Trotzdem machte ihr das Ganze einen Riesenspaß, und so stellte sie erst bei ihrem vierten oder fünften Sprint durch den Wald fest, dass sie sich verlaufen hatte. Die vertraute Silhouette des Herondale Manor war durch die Bäume nicht länger zu sehen.

Voller Panik wirbelte sie herum. Der Wald schien jetzt jeden Zauber verloren zu haben, und die Bäume erhoben sich drohend über ihr wie böse Geister. Einen Moment glaubte sie, über das Rauschen der Bäume hinweg das unaufhörliche Flüstern schauerlicher Stimmen zu hören. Inzwischen waren dichte Wolken aufgezogen und verdeckten den Mond. Sie stand allein in der Dunkelheit.

Lucie war zwar tapfer, aber auch erst zehn Jahre alt. Sie stieß einen leisen Schluchzer aus und lief in die Richtung, in der sie das Herrenhaus vermutete. Doch der Wald wurde immer dunkler und das Unterholz dichter und dorniger. Eine Dornenranke verfing sich in ihrem Nachthemd und riss ihr einen langen Schlitz in den Stoff. Dann stolperte sie .

Und fiel. Es fühlte sich an wie Alice' Sturz ins Wunderland - nur viel kürzer. Lucie überschlug sich und prallte auf einer Schicht gestampfter Erde auf.

Leise wimmernd setzte sie sich auf. Sie hockte auf dem Boden eines kreisrunden Lochs, das jemand in die Erde gegraben haben musste. Die Wände um sie herum waren glatt und ragten mehrere Meter in die Höhe.

Sie versuchte, ihre Hände in den Lehm zu graben und sich dann daran hochzuziehen, so als würde sie auf einen Baum klettern. Doch die Erde war weich und zerbröckelte unter ihren Fingern. Nachdem sie zum fünften Mal in die Grube zurückgestürzt war, entdeckte sie in der gegenüberliegenden, glatten Seite der Wand etwas Weißes, Schimmerndes. In der Hoffnung, dass es sich um eine Wurzel handelte, an der sie sich hochziehen konnte, ging sie entschlossen darauf zu und streckte die Hand aus .

. als sich ein Stück Lehm löste und Lucie erkannte, dass es sich nicht um eine Wurzel handelte, sondern um einen ausgebleichten Knochen. Und dieser Knochen stammte nicht von einem Tier.

»Nicht schreien!«, warnte eine Stimme über ihr. »Das würde sie nur anlocken.«

Lucie legte den Kopf in den Nacken und starrte in die Höhe. Ein Junge lehnte über den Rand der Grube - älter als ihr Bruder James, vielleicht sogar schon sechzehn Jahre alt. Er hatte ein hübsches Gesicht mit leicht melancholisch wirkenden Zügen und schwarze glatte Haare, deren Spitzen fast den Kragen seines Hemdes berührten.

»Wen würden wir anlocken?«, fragte Lucie und stemmte die Fäuste in die Hüften.

»Die Feenwesen«, antwortete der Junge. »Das hier ist eine ihrer Fallen. Sie benutzen sie für gewöhnlich, um Tiere darin zu fangen, aber über ein kleines Mädchen würden sie sich auch sehr freuen.«

»Du meinst, sie würden mich fressen?«, keuchte Lucie entsetzt.

Der Junge lachte. »Das ist eher unwahrscheinlich. Aber du würdest dem Elbenadel im Land unter den Hügeln dienen müssen, und zwar für den Rest deines Lebens. Ohne deine Familie je wiederzusehen.«

Dabei ließ er bedeutungsvoll seine Augenbrauen tanzen.

»Hör auf, mir Angst einzujagen«, sagte sie.

»Ich versichere dir: Ich sage die reine Wahrheit«, beteuerte er. »Mit der unreinen Wahrheit würde ich erst gar nicht anfangen wollen.«

»Und hör auch auf, dich über mich lustig zu machen«, sagte sie. »Ich bin Lucie Herondale. Mein Vater ist Will Herondale und eine bedeutende Persönlichkeit. Wenn du mich rettest, wirst du dafür belohnt werden.«

»Eine Herondale?«, erwiderte er. »Hab ich ein Glück!« Seufzend robbte er näher an den Rand der Grube heran und streckte Lucie seinen rechten Arm entgegen. Dabei blitzte auf seinem Handrücken eine Narbe auf - groß und wulstig, als hätte er sich verbrannt. »Hoch mit dir.«

Sie umklammerte sein Handgelenk mit beiden Händen, und er zog sie mit überraschender Leichtigkeit aus der Grube heraus. Kurz darauf standen sie einander gegenüber, sodass Lucie ihn genauer betrachten konnte. Der Junge war älter als gedacht und ganz formell in Schwarz und Weiß gekleidet. Inzwischen hatten sich die Wolken verzogen, und im Mondlicht erkannte sie, dass seine Augen von der Farbe des grünen Mooses auf dem Waldboden waren.

»Ich danke dir«, sagte sie steif und förmlich. Dann wischte sie mit den Händen über ihr Nachthemd, im Versuch, den Lehm zu entfernen.

»Bitte folge mir«, sagte er mit sanfter Stimme. »Und hab keine Angst. Worüber wollen wir uns unterhalten? Magst du Geschichten?«

»Ich liebe Geschichten«, antwortete Lucie. »Wenn ich groß bin, werde ich eine berühmte Schriftstellerin.«

»Das klingt wunderbar«, sagte der Junge. In seiner Stimme lag ein sehnsüchtiger Unterton.

Dann liefen sie gemeinsam über die Pfade zwischen den Bäumen. Der Junge schien immer zu wissen, wohin sie gehen mussten, als würde er sich in diesem Wald genau auskennen. Wahrscheinlich war er ein Wechselbalg, dachte Lucie. Er wusste eine Menge über Feenwesen, war aber ganz offensichtlich kein Elbe, und er hatte sie davor gewarnt, dass das Lichte Volk sie verschleppen würde - was ihm vermutlich widerfahren war. Sie nahm sich vor, es nicht zu erwähnen, um ihn nicht in Verlegenheit zu bringen: Es musste schrecklich sein, verschleppt zu werden und weit entfernt von der eigenen Familie ein Leben als Wechselbalg zu verbringen. Stattdessen verwickelte sie ihn in eine Diskussion über Märchenprinzessinnen und fragte ihn, wer seiner Ansicht nach die schönste wäre. Und als sie wieder im Garten des Herondale-Anwesens standen, schien kaum Zeit vergangen zu sein.

»Ich nehme an, dass die Prinzessin von hier aus ganz allein den Weg ins Schloss zurückfindet«, sagte er mit einer leichten Verbeugung.

»O ja«, antwortete Lucie und warf einen kurzen Blick zu ihrem Fenster hinauf. »Glaubst du, sie haben gemerkt, dass ich fort war?«

Doch der Junge lachte nur und wandte sich zum Gehen. Als er das Tor des Anwesens erreicht hatte, rief Lucie ihm nach: »Wie heißt du? Ich habe dir meinen Namen genannt. Wie lautet deiner?«

Der Junge zögerte einen Augenblick - eine schwarzweiße Gestalt in der Nacht, wie eine Illustration aus einem ihrer Bücher. Dann verbeugte er sich, tief und mit eleganten, kunstvollen Armbewegungen, wie ein Ritter vor einer Dame.

»Du wirst mich niemals bezwingen«, sagte er. »Denn ich bin von königlichem Blut und werde eines Tages doppelt so mächtig sein wie die Königin. Und dann werde ich ihr den Kopf abschlagen.«

Lucie keuchte empört auf. Hatte er sie etwa bei ihrem Spiel im Wald belauscht? Wie konnte er sich nur über sie lustig machen! Wütend hob sie die Faust, um ihm zu drohen - doch der Junge war bereits in der Nacht verschwunden. Nur der Klang seines Lachens blieb zurück.

Es...

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