Ziel erfasst

Thriller
 
 
Heyne (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 18. Februar 2013
  • |
  • 816 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-09232-0 (ISBN)
 
Jack Ryan for President!

Die Starbesetzung von Tom Clancy ist wieder da: Jack Ryan und John Clark sehen sich zusammen mit Jack Ryan jr. und dem übrigen Campus-Team der größten Herausforderung ihres Lebens gegenüber. Es droht nicht nur eine atomare Auseinandersetzung im Mittleren Osten, auch der Feind im Inneren rüstet sich zum Krieg mit allen Mitteln. Der spannungsreiche Technothriller schließt unmittelbar an »Dead or Alive« an, das große Comeback von Tom Clancy.

Jack Ryan sr. stellt sich wieder zur Wahl für das Amt des US-Präsidenten. Er will seinem Land angesichts der terroristischen Bedrohung in dessen schwerster Stunde beistehen. Allerdings hat er nicht mit der Niedertracht seiner Gegner gerechnet, die ihn mit erfundenen Vorwürfen gegen John Clark, seinen engsten Vertrauten, konfrontieren. Wer steckt hinter den zwielichtigen Operationen, die ihn und Clark zur Strecke bringen sollen? Währenddessen befasst sich der Campus - ein inoffizieller, top-secret Geheimdienst, der Jack Ryan zuarbeitet - im Nahen und Mittleren Osten mit einer brisanten anderen Frage: Was hat ein hoher pakistanischer Militär mit russlandfeindlichen, dagestanischen Terroristen zu schaffen? Die Antwort führt schließlich zu einem verzweifelten Ringen, bei dem nichts weniger als der Weltfriede auf dem Spiel steht ...

  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
Heyne
  • 1,94 MB
978-3-641-09232-0 (9783641092320)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Tom Clancy, der Meister des Technothrillers, stand seit seinem Erstling Jagd auf Roter Oktober mit all seinen Romanen an der Spitze der internationalen Bestsellerlisten. Er starb im Oktober 2013.

1

Die Russen nennen ihren Kamow-50-Kampfhubschrauber Tschornaja Akula - den Schwarzen Hai. Der Name passt, denn er ist wendig und schnell und erlegt seine Beute effizient und wirksam.

Zwei dieser Schwarzen Haie tauchten kurz vor Tagesanbruch plötzlich aus einer Nebelbank auf und schossen mit zweihundert Knoten nur zehn Meter über dem harten Talboden durch die mondlose Nacht. Sie flogen in enger Formation und hatten ihre Positionslichter ausgeschaltet. Sie folgten im Tiefstflug einem trockenen Flussbett, das sich dreißig Kilometer nordwestlich von Argwani, dem nächsten größeren Dorf hier im westlichen Dagestan, durch die Berge schlängelte.

Die gegenläufig rotierenden Koaxialrotoren des Ka-50 zerschnitten die dünne Gebirgsluft. Durch diese einzigartige Doppelrotor-Konstruktion war ein Heckrotor überflüssig. Dies machte die Hubschrauber schneller, weil mehr Motorkraft in den Schub und Vortrieb geleitet wurde. Außerdem waren sie weniger anfällig gegenüber Bodenfeuer, da sie dadurch einen Gefahrenpunkt weniger aufwiesen, der bei einem Treffer zu einem verheerenden Systemausfall führen konnte.

Diese Eigenschaft machte den Schwarzen Hai zusammen mit einigen weiteren redundanten Systemen - einem selbstversiegelnden Treibstofftank und einer zum Teil aus Verbundwerkstoffen wie Kevlar bestehenden Zelle - zu einer außerordentlich robusten Kampfmaschine, die darüber hinaus absolut tödlich war. So waren auch die beiden Hubschrauber auf dem Weg zu ihrem Ziel in Russlands nördlichem Kaukasus voll aufmunitioniert. Jeder von ihnen hatte vierhundertfünfzig 30-mm-Geschosse für seine Unterrumpf-Maschinenkanone an Bord. Dazu kamen noch vierzig ungelenkte Luft-Boden-Raketen, Kaliber 80 mm, die von außen liegenden Rohrstartbehältern abgefeuert wurden, und ein Dutzend AT-16 - lasergesteuerte Panzerabwehrlenkwaffen, die an zwei externen Pylonen unter den Stummelflügeln hingen.

Die beiden Ka-50 waren »Notschnij«-(Nacht)-Modelle, die schon allein durch ihre schwarze Farbe in der Dunkelheit kaum zu erkennen waren. Als sie sich jetzt ihrem Ziel näherten, verhinderten nur die Nachtsichtgeräte der Piloten, ihre ABRIS-Moving-Maps-Navigationssysteme und ihr FLIR (Forward-Looking Infrared Radar), dass die Hubschrauber auf die steilen Felswände auf beiden Talseiten oder den Talboden prallten oder in der Luft miteinander kollidierten.

Der Führungspilot überprüfte die Zeit bis zum Erreichen des Ziels und rief dann in das Mikro seines Headsets: »Sjem minut!« Sieben Minuten.

»Ponjal« - Verstanden -, kam die Antwort aus dem Schwarzen Hai hinter ihm.

Das Dorf, das sieben Minuten später in Flammen aufgehen würde, lag noch in tiefem Schlaf.

In einer Scheune mitten in einer Gebäudegruppe auf der felsigen Anhöhe über dem Tal lag Israpil Nabijew auf seinem Strohlager und versuchte zu schlafen. Er steckte den Kopf in den Mantelkragen und verschränkte die Arme fest um seinen Brustgurt. Sein dichter Vollbart schützte seine Wangen ein wenig, aber seine hervorstehende Nasenspitze war schutzlos der Kälte ausgesetzt. Seine Handschuhe hielten die Finger warm, aber ein stetiger kalter Luftzug blies ihm die Ärmel bis zu den Ellenbogen hoch.

Nabijew war ein Stadtkind. Er stammte aus Machatschkala an der Küste des Kaspischen Meeres. Er hatte zwar schon in unzähligen Scheunen, Höhlen, Zelten oder Erdgräben unter freiem Himmel genächtigt, war jedoch in einem Wohnplattenbau mit Strom, fließendem Wasser, Toiletten und einem Fernseher aufgewachsen, Annehmlichkeiten, die er im Moment schmerzlich vermisste. Doch er beklagte sich nicht. Er wusste, dass diese Inspektionstour nötig war. Es gehörte zu seinen Aufgaben, alle paar Monate die Runde zu machen und seine Truppen reihum zu besuchen, ob ihm das nun passte oder nicht.

Wenigstens musste er nicht alleine leiden. Tatsächlich ging Nabijew nirgendwo alleine hin. Fünf Mitglieder seiner Sicherheitstruppe froren mit ihm in dieser eiskalten Scheune. Er hörte in der Dunkelheit ihr Schnarchen und roch ihre Körper und das Waffenöl ihrer Kalaschnikows. Die anderen fünf Männer, die ihn aus Machatschkala hierher begleitet hatten, hielten zusammen mit der Hälfte der einheimischen Kämpfer draußen Wache. Sie saßen hellwach mit dem Gewehr im Schoß vor der Scheune. Nur die Kanne mit heißem Tee, die ständig nachgefüllt wurde, spendete ihnen von Zeit zu Zeit etwas Wärme.

Israpils eigenes Gewehr lag als letztes Mittel der Selbstverteidigung in Griffweite. Es handelte sich um eine AK-74U, eine Variante der altehrwürdigen, aber immer noch hocheffizienten Kalaschnikow, die sich durch einen verkürzten Lauf auszeichnete, was zu einer höheren Feuerrate führte. Als er sich zur Seite rollte, um dem unangenehmen Luftzug zu entgehen, tastete er mit der Hand nach deren Plastikgriff, zog sie näher an sich heran und drehte sich dann auf den Rücken. Mit den schweren Stiefeln an seinen Füßen, dem Pistolengurt um die Hüfte und dem an seinen Oberkörper geschnallten Brustgurt voller Gewehrmagazine war es verdammt schwer, eine einigermaßen bequeme Stellung zu finden.

Eigentlich hielt ihn jedoch nicht die Unbequemlichkeit dieser Scheune und seiner Ausrüstung, sondern vor allem die ständig nagende Sorge vor einem Angriff wach. Israpil wusste sehr wohl, dass die Russen es auf ihn abgesehen hatten. Sie hielten ihn für den zukünftigen Kopf des Widerstands, für die Zukunft seines Volkes, und zwar nicht nur die Zukunft des islamischen Dagestans, sondern die Zukunft eines islamischen Kalifats im Kaukasus.

Nabijew war ein erstrangiges Ziel Moskaus, da er fast sein ganzes bisheriges Leben gegen dessen Repräsentanten gekämpft hatte. Bereits im Alter von elf Jahren hatte er damit begonnen. Seinen ersten Russen hatte er 1993 in Bergkarabach mit gerade einmal fünfzehn Jahren getötet. Seitdem hatte er in Grosny, Tiflis, Zchinwali und Machatschkala noch viele andere zur Strecke gebracht.

Jetzt war er mit nicht einmal fünfunddreißig Jahren zum militärischen Führer der dagestanischen radikalislamischen Organisation Jamaat Shariat, der »Islamischen Rechtsgemeinschaft«, aufgestiegen, wobei er Kämpfer vom Kaspischen Meer im Osten bis nach Tschetschenien, Georgien und Ossetien im Westen anführte, die alle für dasselbe Ziel kämpften: die Vertreibung der fremden Invasoren und die Errichtung der Scharia.

Inschallah - so Gott will - würde Israpil Nabijew schon bald seinen Traum erfüllen und alle islamischen Organisationen des Kaukasus vereinen.

Die Russen hatten also recht. Er war die Zukunft des Widerstands.

Auch seine eigenen Leute wussten das, was sein hartes Leben etwas erleichterte. Die zehn Soldaten in seiner Sicherheitstruppe würden genauso wie die dreizehn Kämpfer der örtlichen Argwanizelle voller Stolz ihr Leben für Israpil hingeben.

Erneut wuchtete er seinen Körper herum, um sich vor dem unangenehmen Luftzug zu schützen und wenigstens noch etwas Ruhe zu finden, wobei er jedoch seine Waffe nicht aus der Hand ließ. Man muss es nehmen, wie es kommt, dachte er. Er hoffte, dass zumindest vor Tagesanbruch keiner seiner Männer sein Leben für ihn opfern musste.

Israpil Nabijew glitt in den Schlaf hinüber, während auf der Anhöhe über dem Dorf der erste Hahn krähte.

Das Krähen des Hahns unterbrach den Funkspruch des Russen, der einige Meter von dem großen Vogel entfernt im hohen Gras lag. Er wartete ein paar Sekunden, bis der Hahn zum dritten Mal gekräht hatte, dann brachte er seine Lippen wieder an das Funkgerät heran, das an seinem Brustgurt festgemacht war. »Alpha-Team an Aufklärung. Wir sehen euch und schließen in einer Minute zu euch auf.«

Es gab keine gesprochene Antwort. Das Scharfschützenteam war gezwungen gewesen, bis auf zehn Meter an einen Ziegelschuppen heranzurücken, um ihr Ziel weitere hundert Meter vor ihnen ins Blickfeld zu bekommen. So nahe am Gegner würden sie auf keinen Fall sprechen, nicht einmal flüstern. Der vorgeschobene Beobachter drückte nur zwei Mal auf seine Sendetaste. Die beiden Klicks bestätigten, dass er die Botschaft des Alpha-Teams empfangen hatte.

Auf der Anhöhe hörten acht Mann die beiden Klicks und rückten daraufhin langsam durch die Dunkelheit vor.

Alle acht gehörten zusammen mit den zwei Scharfschützen zu den bewaffneten Kräften des russischen Federalnaja Sluschba Besopasnosti, des »Föderalen Dienstes für die Sicherheit der Russischen Föderation«, wie der aus dem KGB hervorgegangene russische Inlandsgeheimdienst jetzt hieß. Sie waren sogar Teil des Alpha-Direktorats des Zentrums für Spezialoperationen des FSB. Als absolute Elitetruppe aller russischen Speznaz-Einheiten waren die Mitglieder der Alpha-Gruppe Experten auf dem Gebiet der Terrorismusbekämpfung, Geiselbefreiung, des Häuser- und Straßenkampfs und einer ganzen Reihe weiterer tödlicher Fertigkeiten. Sie waren allesamt Spezialisten im Gebrauch von Feuer- und Stichwaffen sowie Sprengstoffen und im Nahkampf. Dieses Alpha-Team bestand aus hartgesottenen Profikillern, die sich lautlos durch das Gelände bewegten und verdeckt operieren konnten.

Die ganze Nacht waren die Russen langsam vorgerückt, wobei die gespannte Aufmerksamkeit all ihrer Sinne niemals nachließ. Ihr Eindringen war perfekt gelungen. Auf dem sechsstündigen Weg zu ihrem Zielpunkt hatten sie nichts als Wald gerochen und außer Tieren nichts Lebendiges gesehen: Kühe, die im Stehen schliefen oder unbeaufsichtigt auf Weiden grasten, Füchse, die aus dem Wald herauskamen und wieder darin verschwanden, und sogar...

"Packender Politthriller des Starautors, so filmreif wie die Vorgänger."

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