Verlorene Seelen 9 - Das Geheimnis von Drömland

 
 
Books on Demand (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 23. März 2021
  • |
  • 374 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7534-6908-9 (ISBN)
 
Die 20-jährige Cora von Keitz führt ein geteiltes Leben: auf der einen Seite die erfolgreiche, selbstbewusste Springreiterin, die von den Olympischen Spielen mit ihren Siegen heimkehrt - auf der anderen eine junge Frau, von der Vergangenheit gezeichnet und der Gegenwart belogen. Als sie ihren Ehemann mit einer anderen erwischt und sich daraufhin von ihm trennt, macht er ihr das Leben zur Hölle und beendet ihre Karriere als aktive Springreiterin. Durch ein unerwartetes Erbe ermuntert, beginnt sie ein neues Leben und baut zusammen mit dem Pferdepfleger Finn, ihrem langjährigen Freund und Trainingspartner Ralf und dem Reitlehrer Thorbjörn die Reitanlage Drömland auf. Doch keiner von ihnen ahnt, was vor vielen Jahren auf dem Hof geschehen ist und auch noch geschehen wird, denn der Schlüssel zu der unglaublichen Wahrheit war sechzehn Jahre lang tief im Inneren der jungen Frau verborgen.
1. Auflage
  • Deutsch
  • 0,45 MB
978-3-7534-6908-9 (9783753469089)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Claudia Choate, Jahrgang 1975, lebt mit zwei Kindern, dem Familienhund und weiteren Tieren in Hessen. Die Liebe zum Schreiben entwickelte sich bereits während der Schulzeit, in der sie mit einer Freundin anfing, Geschichten über Freundschaft und Abenteuer sowie kleine Gedichte zu schreiben. Durch Beruf, einen mehrjährigen Auslandsaufenthalt in den USA und die Kindererziehung wurde diese Leidenschaft jedoch viele Jahre in den Hintergrund verbannt und schaffte es erst 30 Jahre später, sich zu behaupten. Ihr Interesse für Tiere, vorwiegend Hunde und Pferde, sowie medizinische Abläufe und ihre romantische Veranlagung baut sie gerne in ihre Geschichten über das Schicksal von jungen Menschen ein, die durch Unfälle, Angst und Gewalt den Mut am Leben und das Vertrauen zu anderen verlieren und dieses neu erlernen müssen.

ERINNERUNGEN


Erschöpft lehnte sich Cora auf ihrem Sitz in der Business Class zurück, nachdem die Maschine abgehoben hatte. Den Pferden ging es gut und sie würde sie bald wiedersehen. Lächelnd dachte sie daran, wie Star sich aufgeführt hatte, als er in die Transportbox sollte. Es hatte beinahe ihr gesamtes Feingefühl gekostet, ihn zu überreden, dass dies der einzige Weg war, um wieder nach Hause zu kommen. Snowy war gelassener gewesen. Die Stute war generell viel ausgeglichener, als der junge Hengst, was nicht sehr verwunderlich war. Immerhin war Snow White, wie sie offiziell hieß, ein erfahrenes Turnierpferd, was sie wieder einmal gezeigt hatte. Verträumt schloss Cora die Augen und dachte an die Siegerehrung zurück, als sie mit der Schimmelstute ihre Goldmedaille in Empfang genommen hatte. Aber auch White Star hatte sich super geschlagen. Ihre Entscheidung, ihn mit zu den Olympischen Spielen zu nehmen, hatte sie definitiv nicht bereut.

Ulrich hatte sie für verrückt erklärt, als sie ihm mitgeteilt hatte, sie würde den jungen Hengst ebenfalls mit nach Rio nehmen. Noch immer hallten ihr die Worte ihres Ehemannes in den Ohren: "Bist du wahnsinnig? Der ist doch noch viel zu unerfahren für ein solches Turnier. Dann kannst du ja gleich zu Hause bleiben. Benutz' doch mal deinen gesunden Menschenverstand. Was sollen denn die Fans von dir denken, wenn du mit dem Rotzlöffel auf dem letzten Platz landest? Du machst uns ja zum Gespött der Leute!" Ja, das war Ulrich. Für ihn standen Ansehen und die Meinung der Fans an oberster Stelle. Und wenn er meinte, sie könnte etwas tun, was seinem Ansehen schaden könnte, konnte er ziemlich ausfallend werden. Das hatte er wieder einmal deutlich gezeigt, bevor sie nach Brasilien geflogen war. Er hatte sich sogar geweigert, sie zu besuchen, obwohl die Olympischen Spiele der Höhepunkt ihrer Karriere gewesen waren.

Cora war das ziemlich egal gewesen. Sie ritt sowieso besser, wenn ihr Mann ihr nicht ständig reinredete. Auch wenn er selber davon überzeugt war, der beste Trainer der Welt zu sein, waren ihre Erfolge nur zu einem sehr geringen Teil ihm zu verdanken. Jetzt hatte sie ihm bewiesen, dass der schneeweiße Hengst White Star genauso viel Potential hatte, wie ihre langjährige Begleiterin Snow White. Die Schimmel waren so etwas wie ihr Markenzeichen geworden, seit sie hochdotierte Turniere ritt. Inzwischen verdiente sie mit ihren Gewinnen fast ebenso viel, wie ihr Mann mit seinem Konzern für Reitbedarf. Sehr zum Leidwesen von Ulrich, der eigentlich immer eine Hausfrau gewollt hatte, die er unter Kontrolle haben konnte. Doch ihr Erfolg war zu schnell gewachsen, als dass er sie hätte stoppen können. Und nun sonnte er sich in ihrem Erfolg, während Cora einfach nur antrat, weil es ihr Spaß machte, weil sie ihre Pferde liebte und sie ihr ein Gefühl von Freiheit vermittelten.

"Möchten Sie etwas zu trinken?", fragte der Steward freundlich.

Cora riss die Augen auf. "Ähm, ja, bitte ein Wasser mit Kohlensäure."

Der junge Mann reichte ihr das Glas und wandte sich an den nächsten Fluggast, während Cora genussvoll von dem kalten Wasser trank.

"Frau von Keitz, darf ich bitte ein Autogramm haben?", erklang da eine Kinderstimme neben ihr.

Cora wandte sich um und blickte zu einem kleinen Mädchen von vielleicht zehn Jahren, die ihr ein Foto entgegenstreckte. Es zeigte sie selbst auf ihrem Pferd White Star, kurz nach der Siegerehrung des Gruppenwettkampfes. Die junge Frau lächelte das Mädchen an. "Du glaubst also, dass ich das bin?" Normalerweise erkannten sie die meisten Menschen nicht, wenn sie in zivil unterwegs war und ihre langen, blonden Locken offen über den Schultern trug. Bei einem Wettkampf waren ihre Haare stets streng zurückgekämmt und ordentlich im Nacken geflochten, sodass man die Locken nicht sehen konnte.

"Ich weiß, dass sie es sind. Ich komme aus Kiel und habe Sie schon oft auf den Turnieren in der Umgebung gesehen."

"Also gut, ich gebe es zu. Aber tue mir bitte den Gefallen und sag' es nicht weiter. Ich hätte gerne auf dem Rückflug etwas Ruhe. Wie heißt du denn?"

"Amelie."

Cora nahm einen Stift aus der Tasche und schrieb auf das Foto: Für Amelie, alles Liebe Cora von Keitz. Glücklich nahm das Mädchen das Foto in die Hand und presste es an ihre Brust. "Vielen, vielen Dank. Ich sag's auch bestimmt nicht weiter." Damit verschwand die Kleine wieder und Cora lehnte sich erneut in ihrem Sitz zurück und schloss die Augen. Im Alter dieses Mädchens war sie selber schon ihre ersten Kinderturniere geritten. Damals war sie noch nicht im Sportinternat gewesen, sondern auf eine ganz normale Grundschule gegangen und hatte einfach nur aus Spaß ihre Nachmittage mit den Pferden verbracht. Cora versuchte, sich an ihren ersten Kontakt mit den Tieren zu erinnern. Damals musste sie etwa sechs gewesen sein. Sie konnte sich noch daran erinnern, dass sie zur Familie von Keitz gekommen war. Ulrike von Keitz war eine über viele Ecken verwandte Cousine oder so etwas ihrer eigenen Mutter gewesen. Genau hatte Cora das nie verstanden. Auf jeden Fall war die Familie ihre einzige Verwandtschaft gewesen nach dem Tod ihrer Eltern. Cora war damals dabei gewesen, als sie starben. Ulrike hatte ihr erzählt, dass die Familie mit dem Auto verunglückt wäre, als sie auf dem Weg zu ihnen gewesen waren. Dabei wurde auch Cora schwer verletzt und lag monatelang in einer Spezialklinik. Die Folgen waren noch heute deutlich zu sehen. Leider konnte Cora sich an rein gar nichts vor diesem Unfall erinnern, genauso wenig, wie an den Unfall selber. Allerdings war das vermutlich auch gut so, denn nach den wenigen Informationen, die sie bekommen hatte, musste es wohl sehr schlimm gewesen sein.

Nachdem das damals sechsjährige Mädchen in die Villa in Kiel gekommen war, hatte sie erst einmal den ganzen Haushalt durcheinander gebracht. Cora litt unter Höhenangst, und zwar so schlimm, dass sie es nicht im ersten Stock eines Hauses aushalten konnte. Nun lagen aber die Schlafzimmer der Villa alle im ersten und zweiten Stock, was die Familie vor ein Problem stellte. Also musste Ulrikes Mann wohl oder übel sein Arbeitszimmer räumen und dieses für das kleine Mädchen herrichten lassen. Cora hatte in all den Jahren niemals den ersten Stock betreten und bis heute keine Ahnung davon, wie es dort oben aussah. Damit sie nicht so alleine war, wurde auch das Gästezimmer für den Sohn der Familie als Schlafzimmer hergerichtet und ins Erdgeschoss verlegt.

Als Therapie wurde Cora auf ein Pferd gesetzt, aber merkwürdigerweise hatte sie selbst auf den größten Pferden keinerlei Probleme und bis heute hatte sie selbst dann keine Schwierigkeiten, wenn sie über zwei Meter hohe Hindernisse und höher springen mussten. Doch ihre Höhenangst in Gebäuden blieb bestehen, was nicht nur für sie eine Herausforderung während ihrer Schulzeit bedeutete. Der Einfluss ihrer neuen Familie sorgte jedoch dafür, dass sie stets eine Klasse im Erdgeschoss hatte.

Nach der Grundschule war das Mädchen beim Reiten bereits so erfolgreich, dass die von Keitz' sie auf ein Sportinternat in der Nähe von Kalmar schickten. Dort wurde sie bestmöglich ausgebildet, hatte neben den normalen Gymnasialfächern täglich Reit- und Springunterricht und lernte zusätzlich noch die schwedische Sprache. In den Ferien kehrte sie regelmäßig in die Villa zurück, wo der elf Jahre ältere Sohn der Familie Ulrich sie unter seine Fittiche nahm. Manchmal hatte sie das Gefühl, er wolle sie im Auge behalten. sie kontrollieren. Er folgte ihr wie eine Klette, kümmerte sich um ihr Training, begleitete sie ins Kino oder zu anderen Veranstaltungen und fuhr mit ihr zu Turnieren. Er schien immer dann Urlaub zu haben, wenn auch Cora zu Hause war und deshalb war es nicht weiter verwunderlich, dass sie den jungen Mann vergötterte.

Als sie sechzehn wurde, fing Ulrich an, sich auf andere Weise um das junge Mädchen zu bemühen. Er machte ihr Komplimente, führte sie zum Essen aus und brachte ihr Geschenke mit, wenn sie sich trafen. Cora fühlte sich geschmeichelt, von einem so viel älteren, erfahrenen Mann umgarnt und begehrt zu werden, und so kam es, dass sie eines Tages mit ihm schlief. Er ließ sie spüren, wie er sie begehrte und dass er nicht mehr ohne sie leben wollte, und obwohl Cora nie verstand, warum er ausgerechnet ihren Körper so anziehend fand, überredete er sie schließlich, ihn zu heiraten. Die junge Frau fühlte sich geschmeichelt und gab sich Mühe, ihren ehelichen Pflichten gemäß seinen Vorstellungen nachzukommen, obwohl sie selber nie wirklich Gefallen am Sex fand. Sie hätte auch gut ohne leben können, ließ sich das aber nicht anmerken, sondern gaukelte ihrem Mann vor, dass sie die Intimität mit ihm liebte. In letzter Zeit wurden ihre schauspielerischen Fähigkeiten jedoch auf eine harte Probe gestellt, denn Ulrich wurde immer selbstherrlicher und behandelte sie oft wie seine Leibeigene.

Ihre Ehe kriselte schon lange, vielleicht hatte sie sich auch von Anfang an etwas vorgemacht. Cora wusste es nicht genau. Aber sie hatte die Zeit in Brasilien ohne ihren Mann...

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