Outlaw

Ein Jack-Reacher-Roman
 
 
Blanvalet Taschenbuch Verlag
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 21. November 2011
  • |
  • 448 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-06117-3 (ISBN)
 
Jack Reacher ist 100% Adrenalin!

Zwei gottverlassene Dörfer in Colorado. Hope und Despair. Hoffnung und Verzweiflung. Dazwischen nichts weiter als meilenweit Niemandsland. Jack Reacher, per Anhalter unterwegs, strandet ausgerechnet in Despair. Er will nur einen Kaffee trinken und dann weiterziehen, doch vier düstere Gesellen wollen ihn wegen Landstreicherei von der Gemarkung verweisen. Reacher geht die Freiheit zwar über alles, aber einen Platzverweis lässt er sich nicht bieten. Und sein untrüglicher Instinkt sagt ihm, wenn jemand etwas zu verbergen hat .

Der neue Fall für den eigenwilligsten Ermittler der Thrillerliteratur!

  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
Blanvalet
  • 0,73 MB
978-3-641-06117-3 (9783641061173)
3641061172 (3641061172)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Lee Child wurde in den englischen Midlands geboren, studierte Jura und arbeitete dann zwanzig Jahre lang beim Fernsehen. 1995 kehrte er der TV-Welt und England den Rücken, zog in die USA und landete bereits mit seinem ersten Jack-Reacher-Thriller einen internationalen Bestseller. Er wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, u. a. mit dem Anthony Award, dem renommiertesten Preis für Spannungsliteratur.

8

Reacher sah das Geschäft für Haushaltswaren, die Tankstelle, das ehemalige Motel und das unbebaute Grundstück an sich vorbeiziehen, und dann beschleunigte der Cop auf stetige sechzig Meilen in der Stunde. Die Reifen rumpelten auf der unebenen Fahrbahn, und aufgewirbelter Split prasselte gegen den Unterboden oder spritzte übers Bankett davon. Zwölf Minuten später wurde der Wagen langsamer, rollte aus, wurde gebremst und kam zum Stehen. Der Cop stieß die Fahrertür auf, stieg aus, legte die Rechte auf den Griff seiner Pistole und öffnete die hintere Tür.

»Raus«, sagte er.

Reacher rutschte aus dem Wagen und spürte Despairs Rollsplitt unter seinen Schuhsohlen.

Der Cop wies mit einem Daumen nach Osten, wo es dunkler war.

»Dorthin«, sagte er.

Reacher blieb stehen.

Der Cop zog seine Dienstwaffe, eine 9-mm-Glock, die im Halbdunkel matt und klobig wirkte. Die Pistole hatte keine Sicherung. Nur einen Bügel vor dem Abzug, den der kräftige Zeigefinger des Cops bereits gespannt hielt.

»Bitte«, sagte der Cop. »Geben Sie mir nur einen Grund.«

Reacher trat drei Schritte vor. Sah den Mond am östlichen Horizont aufgehen. Sah auch, wo Despairs grober Rollsplit endete und Hopes glatter Asphalt begann. Und er sah die mit einer gummiartigen schwarzen Masse gefüllte Dehnungsfuge. Der Streifenwagen war so geparkt, dass seine Stoßstange genau mit dieser Linie abschnitt. Mit der Fuge. Der Grenze. Der Linie. Reacher zuckte mit den Schultern und stieg darüber hinweg. Ein langer Schritt, dann war er wieder in Hope.

Der Cop rief ihm nach: »Belästigen Sie uns nicht wieder!«

Reacher gab keine Antwort. Drehte sich nicht um. Blieb einfach stehen, sah nach Osten und hörte zu, wie der Wagen hinter ihm wendete und über den Rollsplit knirschend davonfuhr. Als die letzten Geräusche in der Ferne verklungen waren, zuckte er nochmals mit den Schultern und setzte sich in Bewegung.

Er hatte noch keine zwanzig Schritte gemacht, als er eine Meile vor sich Autoscheinwerfer sah, die direkt aus Hope auf ihn zukamen. Die Scheinwerferstrahlen hatten großen Abstand, leuchteten mal in den Himmel, mal wieder zum Boden. Ein großer Wagen, der schnell fuhr. Er kam aus der Dämmerung auf ihn zu, und als er noch hundert Meter entfernt war, erkannte Reacher einen weiteren Streifenwagen. Noch einen Crown Vic in den Polizeifarben Weiß und Schwarz mit Stoßstangen, Blinkleuchten und Antennen. Das Fahrzeug hielt fünf Wagenlängen vor ihm. Der an der linken A-Säule montierte Suchscheinwerfer flammte auf, bewegte sich ruckartig und leuchtete ihn zweimal von oben bis unten ab, bevor er Reacher ins Gesicht schien und ihn blendete. Dann wurde er wieder ausgeschaltet, und der Streifenwagen kroch langsam auf dem glatten Asphalt vorwärts und hielt so, dass die Fahrertür sich genau neben Reacher befand. Auf die Tür war ein goldener Schild mit den Buchstaben HPD gemalt. Hope Police Department. Das Fenster wurde heruntergefahren, und eine Hand griff nach oben, um die Innenbeleuchtung einzuschalten. Reacher sah, dass am Steuer eine Polizeibeamtin saß, deren kurzes blondes Haar jetzt von der schwachen Glühbirne beleuchtet wurde.

»Wollen Sie mitfahren?«, fragte sie.

»Ich gehe lieber«, sagte Reacher.

»Bis in die Stadt sind's fünf Meilen.«

»Ich bin zu Fuß hergekommen, ich kann zu Fuß zurückgehen.«

»Fahren ist einfacher.«

»Danke, ich komme schon zurecht.«

Die Frau schwieg einen Augenblick. Reacher horchte auf den geduldig im Leerlauf tuckernden Motor des Streifenwagens. Keilriemen pfiffen leise, und ein Schalldämpfer knackte, während er abkühlte. Dann setzte Reacher sich erneut in Bewegung. Nach zwei, drei Schritten hörte er, wie der Rückwärtsgang eingelegt wurde, und dann rollte der Wagen im Gehtempo rückwärtsfahrend neben ihm her. Das Fahrerfenster stand weiter offen. Die Frau sagte: »Geben Sie sich selbst 'ne Chance, Zenon.«

Reacher blieb stehen. »Sie wissen, wer Zenon war?«

Der Wagen hielt.

»Zenon von Kition«, antwortete die Frau. »Der Begründer des Stoizismus. Damit will ich Sie auffordern, nicht demonstrativ geduldig zu leiden.«

»Stoiker müssen geduldig leiden. Der Stoizismus verlangt, dass jeder sein Los bedingungslos akzeptiert. Das hat Zenon selbst gesagt.«

»Ihr Los ist es, nach Hope zurückzukehren. Zenon ist's egal, ob Sie gehen oder fahren.«

»Was sind Sie überhaupt - eine Philosophin, ein Cop oder eine Taxifahrerin?«

»Die Kollegen in Despair rufen uns an, wenn sie jemanden an der Stadtgrenze absetzen. Aus Höflichkeit.«

»Kommt das oft vor?«

»Öfter, als Sie vielleicht denken.«

»Und Sie fahren dann her und holen ihn ab?«

»Wir sind da, um zu dienen. Das steht auf unserem Abzeichen.«

Reacher warf einen Blick auf den goldenen Schild auf ihrer Tür. Er trug die Inschrift HPD, aber auf einem Spruchband darüber stand Wir schützen und auf einem darunter und dienen.

»Ich verstehe«, sagte er.

»Steigen Sie also ein.«

»Wieso tun Sie das?«

»Steigen Sie ein, dann erkläre ich's Ihnen.«

»Sie wollen mir verbieten, zu Fuß zu gehen?«

»Nach Hope sind's fünf Meilen. Sie sind schon jetzt missmutig, Sie wären echt sauer, wenn Sie die Stadt erreichen. Das können Sie mir glauben. Wir kennen solche Fälle. Deshalb ist's für alle besser, wenn Sie fahren.«

»Ich bin anders. Gehen beruhigt mich.«

Die Frau sagte: »Ich werde Sie nicht anbetteln, Reacher.«

»Sie kennen meinen Namen?«

»Die Kollegen in Despair haben ihn uns mitgeteilt. Aus Höflichkeit.«

»Und als Warnung?«

»Vielleicht. Ich überlege gerade, ob ich die ernst nehmen soll.«

Reacher zuckte erneut mit den Schultern, dann legte er eine Hand auf den Griff der hinteren Tür.

»Vorn einsteigen, Sie Idiot«, sagte die Frau. »Ich verhafte Sie nicht, sondern helfe Ihnen.«

Also ging Reacher ums Heck herum und öffnete die Beifahrertür. Der Platz war durch Funkgerätekonsolen und ein aufgeklapptes Notebook in einer Halterung beengt, aber die Sitzfläche war frei. Dort lag kein Hut. Reacher zwängte sich hinein. Wegen der Trennwand in ihrem Rücken ließ der Sitz sich nicht sehr weit zurückschieben. Hier vorn roch es nach Öl, Kaffee, Parfüm und warmer Elektronik. Auf dem Bildschirm des Notebooks stand eine GPS-Karte. Ein kleiner Pfeil wies blinkend nach Westen, wo ein rosa Klecks namens Hope Township lag. Der Ort war genau rechteckig, fast quadratisch. Eine rasche, fast willkürliche Landnahme wie der Staat Colorado selbst. Anders als Hope war die Despair Township hell purpurrot dargestellt; diese Kleinstadt sah auch nicht rechteckig aus, sondern glich einem stumpfen Keil. Ihre Ostgrenze entsprach genau Hopes Westgrenze, aber dann breitete ihr Gebiet sich wie ein Dreieck mit abgeschnittener Spitze aus. Die Fläche hinter ihrer doppelt so langen Westgrenze war grau dargestellt. Gemeindefrei, vermutete Reacher. Von den Fernstraßen I-70 und I-25 zweigten Äste ab, die durch dieses graue Gebiet zur Nordwestecke von Despair führten.

Die Polizeibeamtin fuhr ihr Fenster hoch, schaute nach hinten und wendete dann auf der Straße. Sie trug eine frisch gebügelte beige Bluse und war zierlich gebaut. Vermutlich weniger als einen Meter siebzig, vermutlich weniger als fünfundfünfzig Kilo, vermutlich weniger als fünfunddreißig Jahre. Sie hatte ein Funkgerät von Motorola am Kragen und trug über der linken Brust ein großes goldenes Abzeichen. Auf diesem Abzeichen stand, dass sie Vaughan hieß. Und diesem Abzeichen nach war sie eine ziemlich gute Polizistin, die alle möglichen Belobigungen und Auszeichnungen erhalten hatte. Sie sah gut aus, war aber anders als andere Frauen. Sie hatte Dinge gesehen, die anderen verborgen blieben. So viel war klar. Reacher kannte diesen Typ Frau. In seiner Zeit bei der Militärpolizei hatte er mit vielen Frauen gearbeitet.

Er fragte: »Wieso wollten sie mich in Despair nicht haben?«

Die Frau namens Vaughan schaltete die Innenbeleuchtung aus. Jetzt wurde sie von vorn beleuchtet: von dem roten Widerschein der Instrumentenbeleuchtung, dem rosa-purpurroten Leuchten des Notebooks und dem von der Fahrbahn reflektierten Scheinwerferlicht.

»Sehen Sie sich doch an«, sagte sie.

»Was ist mit mir?«

»Was sehen Sie?«

»Bloß einen Kerl.«

»Einen Kerl in Arbeitskleidung, fit, kräftig, gesund und hungrig.«

»Und?«

»Wie weit sind Sie gekommen?«

»Ich habe die Tankstelle und das Restaurant gesehen. Und die Polizeistation.«

»Dann haben Sie das Wichtigste nicht gesehen«, sagte Vaughan. Sie fuhr langsam, nicht schneller als dreißig, als hätte sie noch viel zu erzählen. Sie hatte die linke Hand am Lenkrad, ließ den Ellbogen auf dem Fensterrahmen ruhen. Die andere Hand lag in ihrem Schoß. Bei Tempo dreißig würden sie für die fünf Meilen zehn Minuten brauchen. Reacher fragte sich, was sie ihm erzählen wollte, das sich nicht in kürzerer Zeit vorbringen ließ.

Er sagte: »Zu mir gehört weniger ein blauer Kragen als ein grüner.«

»Grün?«

»Ich war in der Army. Militärpolizei.«

»Wann?«

»Vor zehn Jahren.«

»Arbeiten Sie jetzt auch?«

»Nein.«

»Nun, dann.«

»Nun, was?«

»Sie waren eine...

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