DER SCHLÄCHTER VON DEAD END

Der Thriller-Klassiker!
 
 
BookRix (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 3. Juni 2020
  • |
  • 277 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7487-4420-7 (ISBN)
 
Eine Spur des Grauens kennzeichnet den Weg des Schlächters von Dead End in der Luxus-Villa von June Arnot. Die Polizei findet auf dem Anwesen sieben bestialisch hingemetzelte Leichen: - den Pförtner am offenen Tor, - den chinesischen Gärtner in der Allee, - die junge Zofe auf der Treppe, - den Butler im Salon, - den Koch und den Hausboy in der Küche, - und schließlich den Filmstar selbst im flachen Becken des Swimming-Pools. Entsetzen ergreift die Bevölkerung von Hollywood. Die Polizei rechnet jeden Augenblick mit einer Festnahme. Doch der Schlächter ist noch längst nicht am Ende... Der Roman Der Schlächter von Dead End von James H. Chase (* 1906 in London; ? 1985 Corseaux/Schweiz) erschien erstmals im Jahr 1953; eine deutsche Erstveröffentlichung erfolgte 1969. Der Apex-Verlag veröffentlicht eine durchgesehene Neuausgabe dieses Klassikers der Kriminal-Literatur in seiner Reihe APEX CRIME.
  • Deutsch
  • 0,95 MB
978-3-7487-4420-7 (9783748744207)

   ZWEITER TEIL


 

 

 

 

Fünfzehntes Kapitel

 

 

Das Mädchen Bunty kam heraus, gefolgt von einem großen, kräftig gebauten jungen Mann mit Bürstenschnitt. Er trug ein rotgemustertes Hemd über braunen Hosen und in der Hand einen rot und weiß gestreiften Strandsack.

Frances hielt noch immer Petes Hand, wandte sich zu Bunty um und lächelte.

»Seid ihr endlich fertig?«, fragte sie.

»Buster sagt, wenn wir uns nicht beeilen, verpassen wir die Flut.«

»Burt, das ist Buster Walker«, sagte Frances und sah Pete an. »Bunty kennen Sie schon, nicht wahr?«

Petes Augen wunderten hinüber zu dem großen Jungen, der grinsend die Hand ausstreckte. Er sah keinen Ekel, kein Erschrecken in seinen Augen, nur den Wunsch, freundlich zu ihm zu sein.

»Freut mich, Sie kennenzulernen«, sagte Buster. »Es tut mir leid, dass Sie nicht früher verständigt wurden. Ich weiß nicht, wie ich ohne Sie mit den beiden hier hätte fertig werden sollen. Bunty allein reicht mir eigentlich.«

Pete murmelte irgendetwas, als er Busters Hand schüttelte.

»Möchten Sie nicht die Zeitschriften hier lassen und sie mitnehmen, wenn wir zurückkommen?«, fragte Frances und streckte die Hand danach aus.

Pete gab sie ihr. Er sah, wie sie den Stapel auf den Tisch in der Diele legte, dann kam sie zurück. »Kommt, gehen wir«, sagte sie und nahm seinen Arm.

Er ließ sich von ihr die Treppe hinunterführen, völlig verwirrt. Er wusste, dass er ihr jetzt nichts mehr antun konnte, nicht mehr kaltblütig, nicht einem Mädchen, das nicht vor ihm zurückgeschreckt war, sondern sogar seinen Arm hielt. Wenn es nur das andere Mädchen gewesen wäre; dann hätte er den Job jetzt längst erledigt.

Während sie die Treppe hinuntergingen, sagte Buster: »Ich nehme an, Terry hat Ihnen gesagt, wo wir hinwollen, Burt?«

Pete sah über die Schulter zurück.

»Nein... er hat mir nichts gesagt...«

»Mal wieder typisch Terry«, rief Buster aus. »So ein Hohlkopf. Wir wollen den Tag am Strand und auf dem Rummelplatz verbringen.«

»Buster bildet sich ein, ich fahre mit ihm Riesenrad«, sagte Bunty, »aber er irrt sich gewaltig. Selbst ein Gregory Peck würde mich nicht da reinbringen, geschweige denn ein Buster Walker!«

Buster lachte.

»Du kommst mit, und wenn ich dich tragen muss.« Er öffnete die Haustür und trat zur Seite, um die Mädchen vorbeizulassen. »Mein Wagen steht an der Ecke«, fuhr er fort und hielt mit Pete Schritt.

Aus den Augenwinkeln beobachtete Pete wieder, wie sich der Vorhang hinter dem Parterrefenster bewegte; wieder sah er den Schatten eines Mannes.

»Der alte Spürhund«, sagte Bunty verächtlich. »Er verbringt den Tag damit, durch die Vorhänge zu linsen.«

»Vielleicht ist er einsam«, sagte Frances. »Ich hab' ihn noch nie ausgehen sehen, du?«

»Ach, Frankie, du bist ein hoffnungsloser Fall«, sagte Bunty ungeduldig. »Du findest aber auch immer eine Entschuldigung. Er ist einfach nichts anderes als ein ekliger alter Säufer, der den Leuten nachspioniert.«

Pete fühlte, wie ihm das Blut ins Gesicht stieg. Das war es also, dachte er: Mitleid. Sie gehörte zu denen, die nur aus Mitleid bestanden. Darum also war sie nicht zurückgeschreckt, als sie sein Gesicht gesehen hatte. Vielleicht war sie innerlich zusammengezuckt und hatte nur ihr Mienenspiel unter Kontrolle gehalten. Wieder zog sich etwas in ihm zusammen, und seine Hand glitt in die Jacke, umschloss den Eispickel.

Der Packard war nur zwanzig Meter von ihm entfernt. Wenn er es jetzt tat, konnte er den Wagen erreichen, bevor die andern zwei sich von ihrem Schock erholt hatten.

Aber er wusste, dass er sich etwas vormachte, denn Frances und Bunty gingen einige Meter vor ihm und Buster hielt sich an seiner Seite.

Er sah den Packard anfahren und dann halten. Was Moe sich wohl dachte? Ein komisches Gefühl lief ihm über den Rücken. Ob Moe etwas unternehmen würde? Vielleicht sie vom Wagen aus erschießen? Als ihm der Gedanke kam, beschleunigte er den Schritt und schloss den Zwischenraum zwischen sich und Frances. Er ging jetzt genau hinter ihr und deckte sie vor Moe.

Buster, entschlossen, Konversation zu machen, begann ein Gespräch über den Mut der Brooklyn Dodgers und redete begeistert weiter, bis sie Busters kleinen, schon ziemlich ramponierten Sportwagen erreichten. Er hatte zwei Vordersitze und hinten einen Notsitz.

»Nicht viel Platz drin«, sagte Buster, »aber es geht. Bunty, du steigst hinten rein, Burt sitzt neben mir, und Frankie kommt auf seinen Schoß. Okay?«

»Falls Burt nicht Angst hat, dass ich ihn erdrücke«, sagte Frances lachend.

Pete vermied es, sie anzusehen.

»Nein, schon gut«, sagte er und kletterte in den Vordersitz.

Frances ließ sich auf seinen Schoß gleiten und legte ihm den Arm um die Schulter. Die Berührung mit ihrem Körper und der Geruch ihres schwachen Parfüms ließen sein Blut schneller zirkulieren. Er saß bewegungslos, den Arm lose um sie gelegt. So etwas hatte er noch nie erlebt, nur in seinen Träumen.

Buster ließ den Motor an, der mit einem ungeheuren Lärm startete. Nachdem er sich vergewissert hatte, dass Bunty auf ihrem Platz saß, jagte er davon, dem Meer entgegen.

Der Lärm des Auspuffs machte eine Unterhaltung unmöglich, und Pete schwelgte in der für ihn so ungewöhnlichen Erfahrung, ein Mädchen so nahe bei sich zu haben.

Während der kleine Wagen im Siebzig-Kilometer-Tempo dahinholperte, mussten sich Frances und er aneinanderklammern, damit sie nicht hinausgeschleudert wurden. Sie lachte, und einmal schrie sie Buster zu, langsamer zu fahren, aber er tat, als hörte er sie nicht.

Pete begriff plötzlich, dass er noch nie im Leben so glücklich gewesen war wie in diesem Augenblick, und ertappte sich dabei, wie er Frances zulächelte, als sie sich an ihn klammerte. Es erschütterte ihn, dass sie zurücklachte.

Mit einem Rad rammte der Wagen plötzlich einen Pfosten, und sie wurden heftig durchgeschüttelt. Frances' Rock rutschte hoch, und Pete sah das obere Ende ihrer Strümpfe und das weiche, weiße Fleisch ihrer Schenkel. Er zog den Rock hastig wieder herunter, damit sie nicht die Arme von seinem Hals nahm.

»Oh... danke«, hauchte sie. Ihr Mund war nahe an seinem Ohr. »Es ist schrecklich, wir müssen ihn bremsen.«

Aber Buster fuhr schon langsamer und zwinkerte Pete zu.

»Ich wusste, dass das früher oder später passieren würde«, brüllte er. »Es klappt immer. Man muss doch was für seine Freunde tun.«

»Buster, benimm dich, oder wir fahren wieder heim«, schrie Bunty von hinten.

Frances nahm einen Arm von Petes Hals und hielt ihren Rock von jetzt an fest.

Lange bevor sie das Meer sahen, hörten sie den Lärm des Rummelplatzes und das Rufen, Schreien und Lachen von Ausflüglern, die einen Tag an der See verbrachten.

»Ich möchte bloß wissen, wo die vielen Leute herkommen«, übertönte Frances den Lärm der Maschine. »Man kann herkommen, wann man will, es ist immer voll.«

Pete wollte gerade etwas sagen, als er zufällig in den kleinen runden Seitenspiegel blickte. Hinter ihnen sah er die Umrisse des Packard und Moes strohblondes Haar.

Ihm wurde heiß. Mit Erstaunen und zugleich mit Erschrecken kam ihm zu Bewusstsein, dass er Moe und die Order Seigels in den letzten zehn Minuten völlig vergessen hatte.

Buster fuhr auf einen Parkplatz, hielt zwischen zwei anderen Wagen und stellte den Motor ab. Immer mehr Fahrzeuge kamen an, etwa zehn pro Minute, und als die vier zum Strand hinübergingen, wurden sie sofort von der lauten, durcheinanderrennenden, schwitzenden Menge verschluckt.

Frances klammerte sich an Petes Arm. Er ging einen Schritt vor ihr, die Schulter vorgeschoben, um sich im Gewühl Raum zu schaffen. Buster führte. Mit seinen breiten Schultern machte er den Weg frei für Bunty, die hinter ihm herging und sich dabei an seinem Hemd festhielt.

Sie schoben sich an den niedrigen Buden vorbei, in denen geweissagt wurde, an den Fotografen mit ihren Plüschtieren und verrückten Kulissen, an den Eisständen und Würstchenbuden. Ab und zu sah Pete zurück, aber er konnte nirgends einen Schimmer von Moe erblicken. Inständig hoffte er, dass sie ihn in der Menge verloren hatten.

Endlich kamen sie zu den Schienen am Kai. Sie sahen in der Ferne die kleine Strandeisenbahn, mit einer Menge fröhlich schreiender Menschen beladen. Gegen den Himmel sah man das Riesenrad, das sich langsam drehte und seine kleinen Kabinen in den Himmel beförderte.

Die vier standen jetzt am Strand und blickten über den fünf Kilometer langen Sandstreifen und die brodelnde Masse Mensch, die sich sonnte, Ball oder Badminton spielte, oder wie verrückt in die Brecher rannte.

»Mein Gott, die halbe Stadt scheint hier zu sein«, sagte Buster. »Na, dann mal rein ins Gewühl. Wir schwimmen erst, essen was, und gehen dann bummeln. Was haltet ihr davon?«

»Haben Sie eine Badehose dabei?«, fragte Frances und drehte sich zu Pete um.

Er schüttelte den Kopf.

»Tut mir leid, aber ich kann nicht schwimmen.«

Er sah, wie Bunty ein Gesicht schnitt und die Schultern hob, als wolle sie sagen: Wamm sind Sie dann überhaupt mitgekommen? Er fühlte, wie ihm das Blut ins Gesicht stieg, und das ärgerte ihn, denn wenn er errötete, wurde sein Mal so dunkel, dass es abstoßend wirkte. Er sah, wie Bunty sich abwandte.

Aber Frances sah ihn an, und ihr Ausdruck veränderte sich nicht.

»Das macht nichts«, sagte sie schnell. »Wir setzen uns eben in den Sand und sehen zu, wie die anderen schwimmen. Ich habe sowieso keine Lust zum...

Dateiformat: EPUB
Kopierschutz: Wasserzeichen-DRM (Digital Rights Management)

Systemvoraussetzungen:

Computer (Windows; MacOS X; Linux): Verwenden Sie eine Lese-Software, die das Dateiformat EPUB verarbeiten kann: z.B. Adobe Digital Editions oder FBReader - beide kostenlos (siehe E-Book Hilfe).

Tablet/Smartphone (Android; iOS): Installieren Sie bereits vor dem Download die kostenlose App Adobe Digital Editions (siehe E-Book Hilfe).

E-Book-Reader: Bookeen, Kobo, Pocketbook, Sony, Tolino u.v.a.m. (nicht Kindle)

Das Dateiformat EPUB ist sehr gut für Romane und Sachbücher geeignet - also für "fließenden" Text ohne komplexes Layout. Bei E-Readern oder Smartphones passt sich der Zeilen- und Seitenumbruch automatisch den kleinen Displays an. Mit Wasserzeichen-DRM wird hier ein "weicher" Kopierschutz verwendet. Daher ist technisch zwar alles möglich - sogar eine unzulässige Weitergabe. Aber an sichtbaren und unsichtbaren Stellen wird der Käufer des E-Books als Wasserzeichen hinterlegt, sodass im Falle eines Missbrauchs die Spur zurückverfolgt werden kann.

Weitere Informationen finden Sie in unserer E-Book Hilfe.


Download (sofort verfügbar)

6,99 €
inkl. 5% MwSt.
Download / Einzel-Lizenz
ePUB mit Wasserzeichen-DRM
siehe Systemvoraussetzungen
E-Book bestellen