Reisen zu den Faröern

 
 
Books on Demand (Verlag)
  • 2. Auflage
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  • erschienen am 12. August 2020
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  • 96 Seiten
 
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978-3-7519-7605-3 (ISBN)
 
Die Färöer Inseln waren für den berühmten Polarforscher Jean-Baptiste Charcot ein faszinierender Archipel, den er wie kaum eine andere Region in der Welt liebte.
2. Auflage
  • Deutsch
  • 2,31 MB
978-3-7519-7605-3 (9783751976053)
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Jean-Baptiste Charcot (geboren 1867) wurde auf Wunsch seines Vaters Jean-Martin Charcot, seines Zeichens ein berühmter Neurologe, Arzt. Nach dem Tod der Eltern erbte er ein ansehnliches Vermögen und widmete sich fortan seinem Haupt­interesse: dem Meer und der Seefahrt. Charcot absolvierte Reisen nach England, Irland, Island, zu den Shetland-Inseln, den Färöern und Jan Mayen.
Mit seinem Schiff "Français" unternahm er 1904-1905 eine Antarktis-Expedition, deren wissenschaftliche Ausbeute be­trächtlich war. Etwa 1000 km Küstenlinie wurden kartiert, die wissenschaftlichen Ergebnisse füllten 18 Bände. Unmittelbar nach seiner Rückkehr begann Charcot mit den Planungen für eine zweite Expedition, um der Frage nachzugehen, ob Antarktika ein Kontinent oder nur eine Gruppe eisbedeckter Inseln war. Mit seinem neuen Schiff "Pourquoi Pas?" hielt er sich von 1907 bis 1910 erneut in der Antarktis auf. Eine im Januar 1910 entdeckte Insel wurde nach dem Vater des Entdeckers Charcot-Insel genannt. Die Ergebnisse dieser Expedition bestätigten Charcots Rang als bedeutender Polarforscher. Die Royal Geographical Society verlieh ihm 1911 die Patron¿s Medal für seine wissenschaftlichen Arbeiten während beider Antarktisexpeditionen.
Nach seiner zweiten Reise kehrte Charcot nie mehr in die Antarktis zurück, arbeitete aber regelmäßig in den nördlichen Polargebieten. In den Nachkriegsjahren unternahm er jährliche wissenschaftliche Schiffsreisen in verschiedene Teile des Atlantiks und widmete sich besonders der Erforschung Ost­grönlands. Im September 1936 geriet er mit der "Pourquoi Pas?" vor Island in einen schweren Sturm. Das Schiff lief auf den Hnokki-Felsen am Eingang des Borgarfjördur auf und sank, nur ein junger Steuermann überlebte.

Auf dem Weg nach Norden (1901)

Nachdem ich eine Reise an die Küsten Spaniens und Marokkos vorbereitet hatte, brach ich am 16. Juli 1901 zu den Färöern auf. Diese abrupte Richtungsänderung ist schwierig zu erklären, da es für mich keinen triftigen Grund dafür gab. Wissenschaftliche Beweggründe, das Fehlen genauer Informationen über diese Regionen und der Reiz des Unbekannten brachten mich dazu.

Ich fuhr also auf einem Segelschoner von 109 Tonnen, der schon »Pourquoi Pas?« hieß und den ich alleine befehligte. Meine Mannschaft bestand aus sieben Männern, außerdem einem Koch und einem hingebungsvollen Bediensteten. Als Begleiter hatte ich einen alten Freund meiner Familie, der Schuld war an meiner Begeisterung für Schiffe, weil er mich fünfundzwanzig Jahre zuvor auf dem See des Bois de Boulogne in die Navigation eingeführt hatte, ein fröhlicher und unzertrennlicher Kamerad, Dr. Fauvelle; einen jungen Cousin von 13 Jahren namens Emile und schließlich natürlich noch einen Hund, ein kleiner Mischling, der von allen an Bord verwöhnt wurde.

Bevor wir die bekannten Routen der Nordkreuzfahrten einschlugen, fuhren wir an der Ostküste Englands entlang den Firth of Forth hoch bis nach Edinburgh. Nach zwei Tagen, die der Besichtigung der Stadt gewidmet waren, brachen wir nach Shetland auf. Am 1. August ankerten wir nach Stürmen und Nebel an der Reede von Lerwick.

Ich übergehe unseren Aufenthalt auf den Shetland-Inseln, obwohl das andauernde schlechte Wetter uns viel Zeit ließ, sie wenigstens teilweise zu besuchen, denn es gibt 85 Inseln, von denen 30 bewohnt sind. Sie sind durch enge Meeresarme getrennt und von tiefen Fjorden durchschnitten, die »Voes« genannt werden. Die Küsten bestehen zum Großteil aus malerischen steilen Klippen, bald rot gefärbt, bald von düster schwarzer Farbe. Im Inneren des Lan des folgen grüne Hügel auf grüne Hügel, auf denen Schafe wie an der Schnur aufgereiht grasen. Moore wechseln sich mit großen Seen ab. Die Dörfer sind sauber, die Häuser mit Kalk geweißt, niedrig und mit Reet gedeckt, das von starkem Geflecht zusammengehalten wird. Die leutseligen und fleißigen Bewohner unterscheiden sich sehr vom englischen Typus: Es ist sicher, dass ihre Vorfahren Kelten aus der Familie der Pikten waren. 1468 wurden die Shetland-Inseln von Schottland annektiert. 1588 erlitten einige Schiffe der unbesiegbaren Armada dort Schiffbruch, und man vermutet, dass es ebendiese spanischen Schiffbrüchigen waren, die den Ureinwohnern das Stricken der außergewöhnlichen Wollschals beigebracht haben - ein berühmtes Produkt ihres Landes.

Die Hauptstadt Lerwick existiert nur für und wegen der Heringsfischerei. Die wunderschöne Reede birgt englische, holländische, deutsche, belgische, norwegische und dänische Schiffe. Was die Franzosen betrifft, fahren diese selten zu den Shetland-Inseln, obwohl viele von ihnen in diesen Gewässern fischen. Allerdings trafen wir den Fischereikreuzer »Sentinelle«, dessen Kommandant, der Steuermann Le Mée, den Fischern aller Nationalitäten derart große Dienste erwiesen hat, dass dank ihm unsere Flagge zum Sinnbild uneigennütziger Hilfe wurde. Dies brachte uns eine Ehrerbietung ein, deren Grund wir nicht nachvollziehen konnten.

Am 8. August lichteten wir um 3 Uhr morgens den Anker und verließen beinahe mit Bedauern diese merkwürdigen Inseln, die durch die Kenntnis des »Piraten« von Walter Scott noch anziehender geworden sind - ein Buch, das man gelesen haben sollte, wenn man die Shetland-Inseln besucht. Es erfüllt diese trostlosen Landschaften mit Leben, macht alle Örtlichkeiten spannend und liefert eine Fülle von Informationen über die Sitten, den Aberglauben und das frühere Leben der Nachkommen der Nordmänner.

Die »Pourquoi Pas«

Wir lavierten uns durch die Passage und fuhren um Sumburgh Head herum. Diese Navigation wird erschwert durch Nebelbänke, die uns häufig einhüllen, uns die Sicht aufs Land versperren und uns Kollisionen mit den zahlreichen Fi scherbooten befürchten lassen. Schließlich erreichen wir den Trou, die Passage, welche Sumburgh Head von der Insel Fair trennt. Diese Insel auf halber Strecke zwischen den Orkney- und den Shetland-Inseln ist den Seefahrern bei klarem Wetter wie eine kleine Boje nützlich, aber bei Nebel, der in dieser Gegend häufig auftritt, ist sie höchst gefährlich: Von hohen Flutwellen umgeben, bietet sie nur wenig einladende Küsten, die unablässig von Stürmen gepeitscht werden, und ist daher trotz ihrer beiden Leuchtfeuer und des Nebelhorns für zahlreiche Schiffbrüche verantwortlich.

Wir fahren Richtung N 35° O, direkt auf die Färöer zu. Um 8.30 Uhr segeln wir ganz dicht an der Insel Foula vorbei, die mit ihrer 400 Meter hohen Steilküste beeindruckt, an deren Gipfel sich die Wolken klammern.

Am 9. August um 4 Uhr morgens haben wir seit der Insel Foula 62 Meilen zurückgelegt. Um 10 Uhr legt sich der Wind, der Seegang ist stark, und wir machen kaum Fahrt. Um 4 Uhr Starkregen und Nebel. Schließlich, um 19 Uhr, löst sich der Nebel auf, und wir erblicken die Färöer mit der Insel Naalsoë leicht im Luv.

Im August geht die Sonne um diese Zeit unter.

Der Nebel, der diese Inseln fast nie verlässt und sich an die Berge klammert, verband die Gipfel miteinander, und es schien, als ob diese riesigen Pyramidenstümpfe enorme Säulen bildeten, geschaffen, um den Himmel zu stützen. Zwischen diesen Pyramiden öffneten sich Fjorde: die einen nach Westen, rot wie ein flammendes Inferno, von der untergehenden Sonne beschienen, die anderen von unglaublicher blau metallischer Tönung, erleuchtet vom aufgehenden Mond. Dazu ließen dieses Blau und dieses Rot den Himmel noch grauer und die Berge noch schwärzer erscheinen und vermischten und verloren sich irisierend im offenen Meer.

Unsere Männer, von denen keiner diese Inseln kannte, schauten etwas verängstigt drein, obwohl sie große Naturschauspiele gewohnt waren. Wir konnten uns problemlos die Seeleute von damals vorstellen, die sich fragen mussten, ob dies nicht das Ende der Welt sei, vielleicht die Heimat des Großen Kraken, des legendären Monsters des Nordens - eines riesigen Fisches mit dem Kopf eines Hirschen und enormen Tentakeln.

Was uns anging, so stellte sich angesichts dieser so lange ersehnten Inseln, die sich uns plötzlich vor dieser Kulisse präsentierten, die Frage: Werden wir dies jemals vergessen? Sie waren es wirklich! In wenigen Stunden würden wir dort von Bord gehen, trotz des anhaltenden Nebels, trotz der verwirrenden Stille, trotz des ständig schlechten Wetters, trotz der Vorhersagen eines Admirals, der zwei Tage vor unserem Aufbruch behauptet hatte, wir würden es nicht schaffen! .

Wir kreuzten gegen die See bis 2 Uhr morgens und fuhren dann in den Naalsoë-Fjord ein, der zwischen der gleichnamigen Insel und der großen Insel Stromoe verläuft. Die Insel Naalsoe, oder auch »Nadelinsel«, trägt diesen Namen, weil sie lang und schmal ist.

Bei unserer Ankunft im Fjord war das Meer ruhig und blau wie das Mittelmeer; die schwarzen Basaltberge breiteten ihre üppigen grünen Rasenflächen aus, zerschnitten von zahlreichen Wasserfällen, die sich in die Fjorde stürzen.

Dieses Schauspiel ist düster und heiter zugleich, wie das der nackten Berge, der furchterregenden Felsen und der senkrechten Klippen von über sechshundert Metern Höhe, die sich jedoch, wo immer sich etwas Erde halten kann, mit einem wunderbar smaragdgrünen Grasteppich schmücken, auf dem Hunderte von wilden Schafen weiden. Dann umhüllt plötzlich eine Nebelbank das Ganze, löst sich wieder auf und lässt den Umriss des Landes erraten, den der graue feuchte Schleier noch geheimnisvoller wirken lässt. Dieser erste Eindruck sollte während unserer ganzen Reise auf den Färöern anhalten und sich an der Nordküste verstärken, die noch höher, noch wilder und noch zerrissener ist.

Die kleine Festung Thorshavn, nur noch von historischem Interesse, taucht bald auf. 1 Sie wurde 1550 von Magnus Heinessen erbaut, der als Mönch auf die Färöer gekommen war und bald zu einem berühmten Korsar wurde: Seine Jagd auf die englischen und türkischen Piraten, welche bis dorthin vorgedrungen waren, war derart erfolgreich, dass der König von Dänemark ihm eine Korvette schenkte, mit der er seine Erfolge noch steigerte. Schließlich wurde er nach einem ruhmvollen Kampf von den eng lischen Freibeutern, die das Nachsehen hatten, der Piraterie bezichtigt und 1589 in Kopenhagen erhängt. Kurze Zeit später wurde er rehabilitiert. Magnus Heinessen ist immer noch berühmt, und sonntagabends tanzen die Färöer auf Lieder, die ihn hochleben lassen.

Diese Festung ist außerdem mit der Erinnerung an die unwürdigen Taten einer englischen Fregatte verbunden, die 1803 unter französischer Flagge in den Hafen von Thorshavn einfuhr, die vier Kanonen erbeutete und 24 unglückliche Fischer gefangennahm. Heute finden die beiden im Fort verbliebenen Kanonen nur noch Verwendung bei den Feierlichkeiten des...

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