Rendezvous mit Todesfolge

Die Dales Detective Agentur
 
 
Bastei Lübbe (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 30. April 2021
  • |
  • 398 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7517-0391-8 (ISBN)
 
Zu Unrecht unehrenhaft aus dem Polizeidienst entlassen: Samson O'Brien kehrt verbittert in sein Heimatdorf in den Yorkshire Dales zurück, um dort als Privatdetektiv zu arbeiten - äußerst skeptisch beäugt von seinen Nachbarn, allen voran Delilah Metcalfe, die gerade um den Erhalt ihrer kleinen Dating-Agentur kämpft. Die Ereignisse spitzen sich zu, als mehrere Morde passieren. Alle Spuren führen zu Delilah. Die beiden Nachbarn müssen sich notgedrungen zusammentun, wenn sie den Mörder finden wollen. Doch beides ist leichter gesagt als getan ...
1. Aufl. 2021
  • Deutsch
  • Köln
  • |
  • Deutschland
  • 2,82 MB
978-3-7517-0391-8 (9783751703918)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Julia Chapman ist das Pseudonym von Julia Stagg. Sie lebt in den wunderschönen Yorkshire Dales im Norden Englands. Wenn sie nicht schreibt, erkundet sie zu Fuß oder mit dem Rad ihre Umgebung, die wichtiger Bestandteil ihrer Krimis ist - allen voran die kleinen Dörfer und Ortschaften mit ihren liebenswerten Einwohnern.

1


Wie war es möglich, einen Ort gleichzeitig zu lieben und zu hassen?

Der Motorradfahrer, der sich nicht sicher war, ob es darauf eine Antwort gab, hielt oben auf Gunnerstang Brow an. Er schaltete das Motorrad aus, nahm den Helm ab und blickte auf die Schieferdächer hinab, die das Tal unter ihm übersäten. Jetzt am Nachmittag, wo die Oktobersonne tief stand, glühte die blanke Kalksteinklippe, die den Hintergrund der Stadt bildete, und warf ihr reflektiertes Licht auf die Häuser und Straßen eines Ortes, in dessen Nähe der Mann seit vierzehn Jahren nicht mehr gewesen war.

Bruncliffe.

Eine gedrungene Ansammlung von Behausungen, von einem Fluss und einer Eisenbahnlinie durchschnitten und vom abrupten Anstieg der Fjälls auf drei Seiten eingefasst. So schmiegte sich die Stadt wie seit Jahrhunderten vertrauensvoll an den Talboden, gesäumt von den hohen Schornsteinen längst stillgelegter Mühlen. Trotz seiner Abgeschiedenheit glaubten sich seine Bewohner im Zentrum des Universums. Sie waren arrogant. Geradeheraus. Schnell bei der Hand, wenn es galt, Schwächen aufzuzeigen. Deutlich langsamer beim Loben. Und misstrauisch gegenüber Dahergelaufenen; jemandem wie ihm, zwar dort geboren und aufgewachsen, aber trotzdem nie ein Einheimischer.

Er wandte den Blick von den Gebäuden ab, ließ ihn über die grünen Hügel schweifen, die markanten Steinmauern, die an deren steilen Flanken auf und ab marschierten, und das wogende Land, das sich in die Ferne erstreckte. Das aufgebrachte Krähen eines Fasans kratzte an der Stille, gefolgt vom bettelnden Blöken eines Schafes.

London und das Leben, das er geführt hatte, waren hier weit weg. Was der Grund war, weshalb er zurückgekehrt war.

Er konzentrierte sich wieder auf die Stadt und folgte dem Verlauf des Flusses, der von Norden her zu Tal stürzte. Dort, weit im Süden, ein weißer Schleier vor dem Grün, sah er Ellershaw Farm, den Wohnsitz der Metcalfes. Sie lag im Schutz der Hügel, aber mit freiem Ausblick, und war immer ordentlich instand gehalten worden. Makellos. Aber damals war sie auch nicht von einem Säufer geführt worden.

Instinktiv wanderte seine Aufmerksamkeit wieder das Tal hinauf, vorbei an dem Gewirr der Häuser, heraus aus dem hinteren Teil der Stadt und zu der Kluft zwischen zwei Hügeln, wo sich die Sonne nicht länger aufhielt. Das gequälte Lächeln, das sich auf sein zerschrammtes Gesicht gelegt hatte, zerfloss zu einem Stirnrunzeln.

Zuhause. Das einzige, das er im Moment hatte. Andernfalls wäre er nicht hier, hier oben auf diesem Hügel, erfüllt von diesem ambivalenten Gefühl aus Abneigung und Sehnsucht.

Elaine Bullock konnte vieles. Sie konnte jede Blume, jeden Baum benennen, die in Hawber Woods blühte. Sie konnte einen Vogel anhand der ersten Töne seines Gesangs identifizieren. Sie konnte auch stundenlang über die Flachkarren und Kluftkarren sprechen, die den Kalkstein, der das hiesige Landschaftsbild bestimmte, musterten. Was sie jedoch nicht konnte, war kellnern.

»Mist!«, murmelte sie, als der Tellerstapel, den sie zurück in die Küche trug, plötzlich ins Wackeln geriet und ein Messer scheppernd auf die Steinfliesen fiel. Gleich darauf folgte ihm seine Schwester, eine Gabel.

»Hast du vor, die ganze Ladung fallen zu lassen, Elaine?«, wollte die größere der beiden schwarzgekleideten Damen, die am Tresen standen, wissen. Sie deutete mit ihrem Gehstock auf ihre Gefährtin. »Es ist ja nur, weil das Herz meiner Schwester nicht mehr das ist, was es einmal war, und sie würde eine kleine Ankündigung vielleicht begrüßen. Stimmt's nicht, Clarissa?«

»Lass sie in Ruhe, Edith«, kam ein sanfter Tadel von ihrer Schwester. »Sie ist noch dabei zu lernen, Gott segne sie.«

»Ich bemühe mich ja!«, sagte Elaine und bückte sich, um das eigenwillige Besteck aufzuheben, wobei ihr die von den Fingern verschmierte Brille die Nase hinunterrutschte und die dunklen Zöpfe gegen die Wangen baumelten.

»Das kannst du laut sagen! Zwei Tage da, und du gibst dir alle Mühe, meine Nerven zu strapazieren!« Mit verschränkten Armen und einer weißen Schürze, die sich über eine beeindruckende Wampe spannte, Schultern, die fast die Seiten der Türöffnung der Küche berührten, so stand Titch Harrison da und starrte finster auf sie herab. »Wenn du damit fertig bist, auf dem Boden herumzukrabbeln: Da stehen zwei Teller, die serviert werden müssen. Und zwar ein bisschen zackig!«

Er drehte sich zur Seite und ließ Elaine mit einem verzweifelnden Kopfschütteln vorbeischlüpfen. Sekunden später ertönte das laute Krachen von zerbrechendem Geschirr aus der Küche, gefolgt von gedämpften Flüchen. Titch verdrehte die Augen.

»Gut, dass nicht viel los ist«, brummte er mit einem Blick zu dem Tisch am Fenster, an dem seine einzige Kundschaft saß, ein Touristenpaar. »Die ganzen Leute auf der Beerdigung da unten wissen nicht, was sie verpassen. Messerwerfen! Tellerzertrümmern! Als Nächstes wird unser Bullockmädel noch Feuer schlucken! Und wäre dabei ein sehr viel besserer Anblick als beim Bedienen, denn weiß Gott, schlimmer könnte er nicht sein.«

»Gib ihr eine Chance, Douglas!«, ermahnte ihn Edith Hird, ehemalige Schulleiterin der Bruncliffe Primary School und der einzige Mensch in der Stadt, der darauf bestand, den Koch bei seinem eigentlichen Vornamen und nicht »Knirps« zu nennen. Ihr Widerwille, seinen lächerlichen Spitznamen zu benutzen, rührte von ihrer Erinnerung an sein Verhalten in ihrem Klassenzimmer her und von der Tatsache, dass sie ihn schon kannte, seit er in den Windeln gelegen hatte. Die ziemlich groß gewesen waren. »Sie ist jung und eine fleißige Arbeiterin.«

»Das wird sie verdammt noch mal auch sein müssen, bei der Menge an Extraarbeit, die sie verursacht«, brummte er, während eine leichte Röte von seinem fuchsroten Bart über seine Wangen schwappte. Dreißig Jahre seit der Grundschule, und noch immer konnte Miss Hirds spitze Zunge ihn in seine nuschelnde Jugend zurückversetzen. Dann erinnerte ihn die Strenge ihrer Kleidung an den Anlass. »Wie ist es gelaufen?«, fragte er sanft.

»Wie zu erwarten war«, antwortete Edith. »Ein volles Haus und nicht ein trockenes Auge.«

»Es ist ein Jammer!«, murmelte Clarissa. »So ein junger Mann!«

»Aye, echt ein Jammer. Er war ein guter Junge.« Titch starrte auf den Boden. Selbst unter idealen Bedingungen neigte er nicht zu Beredsamkeit; unter den gegenwärtigen Umständen hatte er besonders zu kämpfen. »Ich hoffe, dass das so geht«, fuhr er fort und deutete auf die beiden Tabletts mit Sandwiches auf der Theke. »Das ist alles, was ich kurzfristig zusammenkriegen konnte.«

Edith nickte. »Sie wird froh darüber sein. Sie hat schon eine panische Sorge, dass nicht genug Essen für alle da sein könnte. Was bin ich dir schuldig?«

»Einen Zehner.«

»Sei nicht albern!«, sagte Edith unverblümt und öffnete ihre Geldbörse. »Du warst vielleicht nicht der Klassenbeste in Mathe, aber selbst du hast dein Einmaleins gekonnt. Also, was schulde ich dir wirklich?«

Der ungläubige Tonfall von Miss Hirds Schwester, die mit knochiger Hand auf eine durchs Fenster sichtbare Gestalt zeigte, bewahrte Titch vor weiterer Züchtigung.

»Edith, ist das .? Das ist doch nicht etwa .?«

Edith Hird drehte sich um, um festzustellen, was Clarissas Aufmerksamkeit erregt hatte, und blickte mit zusammengekniffenen Augen über die Straße auf das Motorrad und den Mann, der rittlings darauf saß. Er hätte bei der Entfernung und ihrem in die Jahre gekommenen Sehvermögen eigentlich schwer zu erkennen sein müssen, aber sie wusste sofort, wer das war, trotz der schwarzen Mähne, die seine Schultern zierte. Es war die trotzige Art, mit der er auf die Stadt herabblickte, die vertraute grüblerische Intensität, die durch die bläulichen Blutergüsse auf seiner Wange noch verstärkt wurde. Darin drückte sich jene alte Widerständigkeit aus, die sich im Laufe der Jahre, während derer man ihn als Abtrünnigen gebrandmarkt hatte, zu Feindseligkeit entwickelt hatte. Auch war das Motorrad ein verräterischer Hinweis. Jedermann in Bruncliffe kannte dieses Motorrad.

Während Titch und die beiden älteren Schwestern näher ans Fenster rückten, um besser sehen zu können, ging Elaine Bullock durch das Café zum einzigen besetzten Tisch, wobei sie sich ganz auf die Teller in ihren Händen konzentrierte. »Hier, bitte sehr. Hausgemachter Hackfleischauflauf und Pommes«, verkündete sie fröhlich, als sie sich den wartenden Gästen näherte, erleichtert, dass sie es ohne Unfall geschafft hatte. Dann beging sie den fatalen Fehler, nach draußen zu schauen, und sofort fiel ihr der Mann auf dem Motorrad auf. Sie hatte nur Zeit für einen flüchtigen Blick auf sein Profil, bevor er seinen Helm aufsetzte. Es war genug.

»O Gott!«, keuchte sie, und die Teller in ihren Händen neigten sich gefährlich, sodass alles an den Rand rutschte. »Es ist . Das ist .«

»Ärger«, ergänzte Titch, ohne die tropfenden Teller zu beachten. »Und das nicht zu knapp.«

»Ich muss telefonieren!«, sagte Elaine und stellte die Mahlzeiten hastig auf den nun mit Soße beschmierten Tisch, bevor sie zum Garderobenständer eilte, ihr Handy aus der Jackentasche nahm und zur Hintertür rannte, während ihre Gäste verwirrt zurückblieben.

»Nun«, sagte Edith, immer noch gebannt von dem Mann auf der anderen Straßenseite, und ein Lächeln breitete sich auf ihrem Gesicht aus. »Sieht aus, als würde das Leben in Bruncliffe demnächst interessant werden.«

Er setzte den Helm wieder...

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