Rehabilitation und Physiotherapie bei Hund und Katze

 
 
Schlütersche (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 8. Mai 2014
  • |
  • 196 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-8426-8520-8 (ISBN)
 
Dieses Buch gibt eine vollständige Übersicht über die verschiedenen in der Tierphysiotherapie eingesetzten Methoden. Es geht problemorientiert auf die Anwendung bei unterschiedlichen Krankheitsbildern ein. Sehr praxisbezogen erläutern die Autoren die physiotherapeutische Behandlung der wichtigsten Krankheiten aus Neurologie, Orthopädie, Innerer Medizin, Intensivmedizin und Geriatrie. Dazu schlagen sie entsprechende Rehabilitationsprogramme vor.
Anschaulich und mit vielen Abbildungen beschreiben sie die Methoden der Physiotherapie. Praktische Tipps erleichtern die Umsetzung. Das Verständnis der für die Physiotherapie relevanten pathophysiologischen Grundlagen hilft dem praktizierenden Tierarzt, ein individuell angepasstes Therapieprogramm zu erstellen.
Das Buch ist ein nützliches und gut illustriertes Nachschlagewerk und dient zugleich der Ausarbeitung von Therapieplänen. Es ist somit für Anfänger sowie für Fortgeschrittene eine wertvolle Lektüre.
  • Deutsch
  • Hannover
  • |
  • Deutschland
  • 21,76 MB
978-3-8426-8520-8 (9783842685208)
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1 Massage


IRIS CHALLANDE-KATHMANN

Massage ist eine manuelle oder apparative Manipulation von Haut, Unterhaut und Muskulatur. Der Begriff Massage leitet sich vom griechischen Wort »massein« ab und bedeutet kneten. Massage ist seit Tausenden von Jahren bekannt und wurde schon 5000 vor Christi in China angewendet. Die ersten Massagegriffe fanden bereits ca. 2600 vor Christi schriftliche Erwähnung. Massage ist heute ein sehr wichtiger Bestandteil in der Physiotherapie und damit in der Rehabilitation.

Neben der klassischen Massage kommen verschiedene andere Formen mit eigener Indikation zum Einsatz wie beispielsweise Bürstenmassage, Narbenmassage, Kolonmassage oder manuelle Lymphdrainage (MLD).

1.1 Klassische Massage 


Klassische Massage hat einen Einfluss auf den Muskeltonus, regt den Stoffwechsel des Gewebes an, beschleunigt den Lymphfluss, ist hyperämisierend und – sehr wichtig – sie kann Schmerzen lindern. Nicht zu unterschätzen ist der positive psychische Effekt auf das Tier. Bei der klassischen Massage werden fünf Grundhandgriffe unterschieden: Effleurage (Streichung), Petrissage (Knetung), Friktion (Reibung), Tapotement (Klopfung) und Vibration (Schüttelung).

Wirkung und Einsatz

Die mechanische Wirkung der Massage beruht auf den durchgeführten Druck- und Zugbewegungen. Adhäsionen, beispielsweise zwischen Bindegewebe und Muskulatur, wird vorgebeugt bzw. sie werden gelöst (siehe Kasten S. 14). Flüssigkeiten und verschiedene Substanzen werden ausgeschwemmt und der Lymphfluss angeregt. Aufgrund der depletorischen Wirkung kommt es zu einer gesteigerten Diurese. Die Durchblutung wird stark angeregt, einerseits durch reflektorische Vasodilatation (mechanisch und durch Sympathikolyse), andererseits durch Erschließung ruhender Kapillargebiete. Die Hyperämie führt zu einer Gewebeerwärmung und damit zu erhöhter Dehnbarkeit fibröser Strukturen. Außerdem kommt es zu einer Senkung der Blutviskosität und folglich zu einer verbesserten Blutzirkulation. Je nach Behandlungslänge und Griffanwendung kommt die Durchblutungssteigerung durch Massage der durch aktive Muskelarbeit provozierten sehr nahe.

Massage ist ein sehr wirksames Analgetikum mit sofortiger und auch später anhaltender Wirkung. Sie hat verschiedene Ansatzpunkte in der Schmerzlinderung und ist daher so effizient. Mechanisch werden die Druckrezeptoren gereizt und es kommt zur Überdeckung der Schmerzimpulse (Gate-Control-Theorie). Durch den Druck auf das Gewebe werden außerdem schmerzauslösende Substanzen wie Prostaglandine aus dem Gewebe abgeschwemmt (depletorische Wirkung). Während der Massage werden Endorphine ausgeschüttet. Diese endogenen Morphine setzen an den gleichen Rezeptoren an wie Schmerzmittel aus der Gruppe der Morphine und haben damit eine potente analgetische Wirkung. Ihre Halbwertszeit liegt bei 6–8 Stunden. Ein ganz wichtiger Ansatz von Massage in der Schmerzbekämpfung ist die Unterbrechung des Circulus vitiosus aus Verspannung – Schmerz – Verspannung (Abb. 1.1). Durch Schmerzen kommt es zu einer unphysiologischen Belastung und zur Verspannung der Muskulatur. Als Folge entsteht eine Minderdurchblutung sowie eine Gefäß- und Nervenreizung in dem Gebiet. Durch die Minderdurchblutung sinkt der Sauerstoffpartialdruck im Gewebe und es kommt zur anaeroben Stoffwechsellage. Zusätzlich werden Abfallprodukte wie beispielsweise Laktat schlechter abtransportiert. Folglich übersäuert die Muskulatur, was wiederum Schmerzen verursacht und damit weitere Verspannung.

Durch Massage werden die Verspannungen gelöst und die Sauerstoffversorgung durch die entstehende Hyperämie erhöht. Das Gewebe kommt wieder in eine aerobe Stoffwechsellage und der physiologische pH-Wert wird wieder hergestellt. Neben der Entspannung des Gewebes wird durch Massage auch eine psychische Entspannung bewirkt, was zu einer zusätzlichen Herabsetzung des Muskelspannungsschmerzes führt. Das vegetative Nervensystem wird beeinflusst. Der Parasympathikus wird angeregt und sorgt für die Entspannung (Atmung und Puls werden langsamer, der Blutdruck sinkt, das Tier neigt zum Dösen oder schläft ein).

Durch Massage lässt sich reflektorisch über die Muskelspindeln der Muskeltonus beeinflussen. Die Mobilität und die Körperwahrnehmung werden dadurch stark verbessert. Es gibt tonisierende und detonisierende Griffe.

Die Indikationsliste für klassische Massage ist sehr lang und es gibt nur wenige wirkliche Kontraindikationen (siehe Kasten S. 14).

Bei Gelenkserkrankungen ist Massage wichtig zur Mobilisation und Vorbereitung auf andere physiotherapeutische Methoden wie die passive und aktive Bewegungstherapie.

Abb. 1.1:
Teufelskreis aus Schmerz und Verspannung.

Abb. 1.2:
Segmentalreflektorik: Embryologisch besteht ein Metamer aus jeweils einem Neurotom (a), Myotom (b), Dermatom (c), Viszerotom (d) und Sklerotom (e). Ein Rückenmarkssegment mit seinen peripheren Nerven (inklusive vegetativem Nervensystem) ist verbunden (afferent und efferent) mit einem Muskel-, Haut-, Eingeweide- und Knochensegment. Wird ein Segment beeinflusst, sind reflektorisch auch die anderen betroffen (aus: Zohmann, Kasper. Neuraltherapie in der Veterinärmedizin. Schlütersche Verlagsgesellschaft, Hannover 1994).

Das Gewebe ist stärker durchblutet, erwärmt sich und wird dadurch dehnfähiger. Zusätzlich werden schmerzvermittelnde Substanzen und Entzündungsprodukte abtransportiert. Der durch Schonhaltung und Belastungsabnahme entstehenden Minderdurchblutung der Muskulatur und ihren Folgen wird entgegengewirkt. Muskelkontrakturen wird vorgebeugt.

Bei neurologischen Erkrankungen kann einerseits dem Schmerz entgegengewirkt werden und andererseits den Konsequenzen etwaiger Lähmungserscheinungen. Durch Immobilität kommt es zu Durchblutungsstörungen des Gewebes mit den schon oben genannten Folgen. Bei Paraparese beispielsweise liegt das ganze Gewicht auf den Vordergliedmaßen und v. a. der Trizepsmuskel und die Schultergürtelmuskulatur verspannen sich unter der Mehrbelastung schmerzhaft. Dem kann mit Massagen entgegengewirkt werden. Bei schlaffen Lähmungen kann zur Mobilitätssteigerung der Muskeltonus durch eine tonisierende Massage erhöht und bei spastischen Paresen durch detonisierende Griffe erniedrigt werden. Die Körperwahrnehmung wird gesteigert, da neben den Muskelspindeln auch die Mechanorezeptoren bzw. die Afferenzen stimuliert werden.

Bei internistischen Problemen kann es durch segmentalreflektorische Kopplung zu muskulären Verspannungen kommen und umgekehrt kann man mittels Massage über das Segment reflektorisch auf die Organe einwirken (Abb. 1.2). Bei Atemwegserkrankungen wird durch Massage, insbesondere Vibration und Tapotement, die Sekretolyse und der Abtransport des Sekrets aus den Bronchien gefördert.

Grifftechniken

Grundsätzlich kann fast jeder Massagegriff tonisierend oder detonisierend durchgeführt werden. Vibration ist immer entspannend und detonisierend, ebenso die oberflächliche, rhythmische und sanfte Durchführung von Effleurage, Petrissage, Friktion und Tapotement. Als tiefe Grifftechnik, schnell und fest durchgeführt, wirken Effleurage, Petrissage, Friktion oder Tapotement tonisierend auf die Muskulatur. Die verschiedenen Griffe können lokal oder großflächig eingesetzt werden.

Effleurage (Streichung)

Die Effleurage ist der am einfachsten anzuwendende Griff, er gleicht dem Streicheln. Jede Massage beginnt mit der Effleurage, sie dient der Kontakt- und Befundaufnahme und kann ganz sanft mit wenig Druck begonnen werden, um das Tier zu entspannen. Effleurage wird außerdem als Zwischengriff zur Entspannung zwischen anregenderen Griffen und als Abschluss der Massage eingesetzt. Die Streichung wirkt beruhigend, entspannend, hyperämisierend, entstauend (venös und lymphatisch) und sie regt die sensiblen Nervenfasern an. Streichungen werden abwechselnd mit und gegen den Haarstrich durchgeführt.

Um sich den entstauenden Effekt zunutze zu machen, sollte die Streichung in Richtung Herz abgeschlossen werden, also gegen den Strich.

Es gibt Hunde und v. a. Katzen, welche die Effleurage gegen den Haarstich nicht schätzen, dann wird nur in Fellrichtung gearbeitet. Gerade zur Kontaktaufnahme und Gewöhnung an die Massage sollte man nur in Fellrichtung streichen. Es kommen großflächige, streichende Bewegungen zum Einsatz, wobei sich die Hände dem Körper anpassen. Der Druck kann langsam erhöht werden, dabei wird gleichzeitig Notiz von der Gewebebeschaffenheit genommen (Verschieblichkeit der Haut zur Unterhaut, Verhärtungen in Bindegewebe oder Muskulatur, evtl. Schmerzhaftigkeit). Streichung kann je nach Größe mit einer oder mit beiden Händen durchgeführt werden, es bleibt aber immer eine Hand am Körper.

Hand-über-Hand-Streichung (Abb. 1.3): Das Gewebe wird mit beiden Händen alternierend ausgestrichen. Zuerst wird mit der einen Hand gestrichen und dann folgt die Zweite, wobei die erste Hand die zweite...

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