Mein total genialer Doppelgänger lässt nicht locker

 
 
cbj (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 22. April 2013
  • |
  • 272 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-07954-3 (ISBN)
 
Er kam - Er klonte - Er siegte!

Fisher ist mutig und mordsmäßig schlau und ... Es gibt ihn gleich zweimal. Das kleine Genie hat sich nämlich einen Doppelgänger geklont. Eigentlich nur, um ihn statt seiner in die Schule zu schicken. Nur ist das Experiment etwas aus dem Ruder gelaufen und nun sind alle möglichen verrückten Wissenschaftler und Geheimagenten hinter Fisher her. Und dass sein Doppelgänger sich auf Extratour begibt, macht die Sache auch nicht besser. Schafft es Fisher, ihn wieder einzufangen, bevor ihr Geheimnis vollends auffliegt?

  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
  • 10,19 MB
978-3-641-07954-3 (9783641079543)
weitere Ausgaben werden ermittelt

ERSTES KAPITEL

Es ist hart, in der Mittelstufe zu sein.
Man muss auf sich selbst aufpassen.
Oder in meinem Fall auf alle seine »Selbsts«.

Fisher Bas, Tagebuch

»Morgen, Fisher!«

Fisher Bas grinste und winkte Jacob Li zu, dann zuckte er vor Schmerz zusammen. Sein Handgelenk tat mittlerweile richtig weh. Er war einfach nicht im Training, wenn es darum ging, ständig Mitschüler zu begrüßen. Bis vor ungefähr zwei Wochen hatte kaum einer an der Wompalog-Schule seine Existenz auch nur zur Kenntnis genommen - geschweige denn sie gewürdigt. Ein üblicher Montagmorgen begann für ihn damals mit einer mathematischen Analyse der Zierpflanzenpositionen in der Schulaula, um die Wahrscheinlichkeit zu berechnen, entdeckt zu werden, während er von einer zur anderen flitzte.

Aber in wenigen Tagen kann sich viel ändern.

Fisher durchquerte die Aula und kam an lauter Plätzen vorbei, die ihn immer an seine vergangenen Leiden erinnern würden. Die ganze Schule bestand daraus, als eine Art Museum seiner erbärmlichen Schülerexistenz. Zuerst kam er am berüchtigten Schließfach Nummer 314 vorbei: Geschlagene vier Schulstunden hatte er darin verbringen müssen, weil er nicht ahnte, dass das Schloss kaputt war, als er sich darin versteckte. Dann kam er an der schäbigen Flügeltür zur Bibliothek vorbei. Er wusste, dass in mindestens der Hälfe der dickeren Bücher dort ein schwacher Abdruck seines Kopfes zu finden war - so oft hatte er sich dicht hinter ihnen verschanzt.

Als er die Bibliothek hinter sich ließ, sah er eine Reihe metallene Kleiderhaken aus der Wand ragen. Einer davon war nach unten verbogen. Obwohl Fisher ziemlich klein war, wog er doch um einiges mehr als eine Jacke.

Die Wikinger, die Gang von Schulhofschlägern, die sein Leben zum Albtraum machten, seit sie sich in der vierten Klasse in ungeschlachte Monster verwandelt hatten, hatten ihn dort einmal abgepasst, ihm die Jacke heruntergerissen und sie ihm falsch herum wieder angezogen. Dann hatten sie die Kapuze über sein Gesicht gezogen und ihn damit an dem Kleiderhaken aufgehängt.

»Sieh an, sieh an. Wen haben wir denn da?«

Fisher erstarrte vor Schreck. Er drehte sich so rasch um, dass seine Turnschuhe quietschten, als bettelten sie winselnd, Reißaus nehmen zu dürfen. Da waren sie, als hätten seine Gedanken sie heraufbeschworen: die drohend näher rückenden, hässlichen Visagen von Marvin, Kevin und Justin. Den Wikingern.

Marvin bildete als Anführer der Bande wie immer den Mittelpunkt. Zu seiner Rechten wankte Kevin auf seinen knubbeligen, kurzen Beinen heran und links von Marvin stand Justin mit seinem dämlichen Gesichtsausdruck. Weil er von der Mischpoke mit Abstand der Dümmste war und derjenige, der sich am leichtesten ablenken ließ, schweiften seine Augen schon nach ein paar Sekunden ab.

»Guten Morgen, Fisher«, sagte Marvin mit dem verschlagensten Grinsen, das Fisher je gesehen hatte. Selbst Alligatoren grinsten mit weniger Heimtücke. Fisher musste es wissen. Sein Vater hielt sich einen zu Hause in seinem Labor.

»Ähm . hallo«, sagte Fisher und versucht etwas von seiner neugefundenen Courage aufzubringen. Doch leider verkroch die sich scheinbar, wenn er mit den Wikingern konfrontiert war.

Vor dem TechX-Vorfall* wurde Fisher von den meisten Leuten an der Wompalog-Schule einfach ignoriert. Nur die Wikinger hatten sich die Mühe gemacht, ihn zu beachten - und zu schikanieren. Offenkundig gefiel es ihnen gar nicht, dass Fishers gelungene Flucht aus den Laboratorien der berüchtigten TechX Industries und die Enthüllung ihrer dunklen Geheimnisse ihn praktisch über Nacht zum Helden gemacht hatten.

Jetzt wurde Fisher von allen beachtet und damit war er kein so leichtes Ziel mehr. Aber auch wenn die Wikinger in letzter Zeit einen Gang runtergeschalten hatten, hieß das noch lange nicht, dass die Gefahr vorüber war.

»Wir wollen dich nur netterweise an etwas erinnern«, sagte Marvin und rieb sich dabei die schmierigen Hände. »Und zwar daran, dass wir noch da sind.«

»Im Moment mag ja - hicks - alles ruhig sein«, fuhr Kevin fort, »aber halt besser die Augen offen.«

»Wir .äh . haben dich im Vistier«, fügte Justin noch hinzu. Marvin drehte sich zu ihm um und warf ihm einen vernichtenden Blick zu. Dann seufzte er frustriert.

»Visier, Justin!«, verbesserte er Justin. Dann wandte er sich wieder an Fisher. »Und jetzt mach die Fliege, bevor wir noch beschließen, dieses Gespräch etwas persönlicher zu gestalten. Vielleicht in der Abstellkammer da drüben .?«

Fisher blickte zu der besagten Kammer und erschauderte. Der Wischeimer des Hausmeisters hatte schon unsägliche Dinge gesehen - davon wollte er sich lieber fernhalten. Er brauchte also keine zweite Aufforderung, um sich vom Acker zu machen.

»Vi-STIER??«, hörte er Marvin noch entgeistert fragen, als er davonspurtete. »Was meinst du denn, was ich mit ihm vorhabe, ihn mit bösen Blicken in ein Rindvieh verwandeln? Kevin, würdest du bitte .«

Das Letzte, was Fisher noch hörte, bevor er um die Ecke bog, war das übliche laute Patschen von Kevins breiter, plumper Hand, als sie auf Justins breite, plumpe Stirn traf.

Er hastete so schnell um die Ecke, dass er in vollem Tempo mit einem anderen Schüler zusammenkrachte, zurückprallte und mit einem Plumps benommen auf dem Rücken landete.

»Ups. Tut mir leid, Fisher«, sagte der Junge und half ihm wieder auf die Beine. Fisher schaute in das ihm unbekannte aknenarbige lächelnde Gesicht des Jungen. Er war offensichtlich ein Achtklässler.

»Kein Problem .«, sagte Fisher und zuckte zusammen. Er hatte sich noch immer nicht daran gewöhnt, dass andere Leute ihn kannten.

Noch zwei Wochen zuvor hätte eine Begegnung mit den Wikingern für Fisher kopfüber in einem Mülleimer oder mit verschmiertem Kopf vom Matsch auf dem Baseballspielfeld geendet. Aber seit seine abgerichteten Kampfmoskitos die Wikinger mitten in der Cafeteria angegriffen hatten, waren sie viel zurückhaltender im Umgang mit ihm. Er hatte sich ein wenig Respekt an der Wompalog verschafft, was selbst die Wikinger nicht völlig ignorieren konnten.

Bloß dass nicht er ihn sich verdient hatte. Zumindest nicht allein. Wieder einmal machten sich in seiner Magengegend Schuldgefühle breit.

Auf dem Weg zum Klassenzimmer langte er in seine Hosentasche und holte ein zerknittertes Stück Papier heraus. Er faltete es zum vierhundertvierundfünfzigsten Mal auseinander und las die Nachricht:

Zwo alias Fisher-Zwo war eine genetisch identische Kopie von Fisher. Ein Klon, den Fisher selbst erschaffen hatte, indem er eine streng geheime, hochgefährliche chemische Verbindung, das beschleunigte Wachstumshormon BWH, verwendet hatte, das er aus dem Hauslabor seiner Mutter stibitzt hatte. Das letzte Mal hatte er Zwo in den einstürzenden Gängen von TechX Industries gesehen, wo er gegen Dr. X gekämpft hatte. Den undurchsichtigen Erfinder, bösen Größenwahnsinnigen und, wie sich herausgestellt hatte, auch Fishers (früheren) Lieblingsbiolehrer.

Sekunden später hatte sich der gesamte Firmenkomplex in eine dreißig Meter hohe glühende Staubsäule verwandelt. Natürlich hatte Fisher zuerst angenommen, dass Zwo unter dem Gebäude begraben worden war. Und, so schrecklich wie Fisher den Verlust auch empfand, hatte er dennoch eine Mischung aus Schuldgefühlen und Erleichterung verspürt. Denn wenn Zwo nicht mehr war, dann bedeutete das auch, dass sein Geheimnis nun nie ans Licht kommen würde.

Doch dann hatte sich herausgestellt, dass sein Geheimnis offensichtlich quicklebendig durch Los Angeles geisterte. Zwo war dort auf der Suche nach der Schauspielerin aus einem Werbespot, die der Dreh- und Angelpunkt einer Lügengeschichte war, die Fisher Zwo aufgetischt hatte, um ihn unter seiner Kontrolle halten zu können. Angesichts des Chaos, das Zwo allein schon in der Schule veranstaltet hatte, konnte sich Fisher gut vorstellen, welchen Schaden er in einer der größten Städte der Welt anrichten würde.

Zwei Schulwochen waren vergangen, seit TechX sich in eine Staubwolke aufgelöst hatte, und Fisher hatte seinen neu gewonnenen Ruhm genossen, bis am Freitag die Nachricht in seinem Briefkasten gelandet war. Das ganze Wochenende hatte er in seinem Zimmerlabor verbracht und versucht, ein Zwo-Aufspür-Gerät zu entwickeln. Nach einem ausgesprochen ermüdenden Prozess, in dem er das Gerät endlich dazu gebracht hatte, nicht immer bloß auf ihn selbst zu zeigen, nahm er das ZAG mit hinaus für einen Testlauf. Leider hatte es ihm bloß den Weg zu einem Opossum, zu einem Honda Civic und einem Pfeffer-Hotdog angezeigt. Vielleicht, wenn er herausfinden könnte, welche Spurenelemente Zwo mit diesen Dingen gemeinsam hatte .

Fisher faltete den Zettel zum vierhundertvierundfünfzigsten Mal zusammen und steckte ihn wieder in die Hosentasche. Er versuchte die inneren Bilder von einem explodierenden Hollywood-Schriftzug, in dessen W ein fröhlicher Zwo hockte, zu verdrängen. Fisher betrat das Klassenzimmer und setzte sich an seinen angestammten Platz in der vorderen linken Ecke.

Ein Jahr lang hatte er von genau dort immer zugesehen, wie der dürre, sanftmütige Biolehrer Herr Grampl völlig erfolglos versucht hatte, für Ruhe in der Klasse zu sorgen. Fisher hatte Grampl besser kennengelernt und ihn für so etwas wie einen Freund gehalten. Aber obwohl Fisher ein Genie war und er sich als ziemlich guter Lügner entpuppt hatte, also einen Lügner eigentlich erkennen müsste, hatte er bei Grampl furchtbar falschgelegen.

Es hatte sich...

"Dieser Fortsetzungsband erfüllt mit viel Witz alle im Debütroman an den Protagonisten geknüpften Erwartungen."

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