Die Ehe-Pause

Roman
 
 
Piper (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 16. Februar 2015
  • |
  • 416 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-492-98203-0 (ISBN)
 
Von wegen für immer und ewig! Kurz nach ihrer Hochzeit müssen Annie und Dan feststellen, dass bei ihnen die Luft raus ist. Als Annie ein Jobangebot in New York bekommt, schmieden sie einen ungewöhnlichen Plan: Sie legen ein Jahr "Ehe-Pause" ein, Annie in New York, Dan zu Hause in Irland. Und die einzige Verpflichtung ist, nach genau einem Jahr im Rockefeller Center aufzutauchen - um über das Schicksal ihrer Ehe zu entscheiden .
  • Deutsch
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Piper ebooks in Piper Verlag
  • 1,84 MB
978-3-492-98203-0 (9783492982030)
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Der amerikanische Schriftsteller Henry David Thoreau hat einmal gesagt, die Mehrheit aller Menschen führe ein Leben in stiller Verzweiflung. Natürlich konnte er es damals noch nicht wissen, aber er hat offensichtlich mich gemeint.

Sich zu verlieben ist kinderleicht, jeder Idiot kriegt das hin. Nur mit dem Entlieben ist das so eine Sache.

Dazu braucht man Mut, Risikobereitschaft und eine gewisse Skrupellosigkeit, nicht nur im Umgang mit dem eigenen Herzen, sondern auch mit dem eines anderen Menschen. Dazu noch mit dem Herzen von jemandem, dessen schiere Existenz einem einst mehr bedeutet hat als das eigene Leben.

Und wenn Sie je mit dem Mann, mit dem Sie eigentlich bis ans Ende Ihrer Tage glücklich werden wollten, am Küchentisch gesessen und sich gefragt haben, warum Sie keine Schmetterlinge mehr im Bauch haben ... tja, dann können Sie sich vermutlich genau vorstellen, was ich derzeit durchmache.

Ich betrachte Dan schweigend über den Frühstückstisch hinweg, überlege, wann genau diese Kluft zwischen uns entstanden ist, und bekomme den Moment nicht zu fassen. Wann haben wir angefangen, »ich« statt »wir« zu sagen? Früher verstanden Dan und ich uns ohne Worte. Wir haben die Sätze des anderen beendet. Und einander das Essen weggegessen. Herrje, es gab sogar eine Zeit, in der wir ganz auf das Frühstück verzichteten und lieber eine weitere Stunde ineinander verschlungen im Bett verbrachten und uns bis zur Erschöpfung liebten.

Inzwischen bezweifle ich, dass er auch nur von seinem Sudoku in der Times aufblicken würde, wenn ich angezogen wäre wie Lady Gaga, ihm Telephone mit vollständigem Text vorsingen und dazu sämtliche Bewegungen aus dem Video nachmachen würde. Denn die traurige Wahrheit ist, dass unser gemeinsames Liebesleben nur noch eine ferne Erinnerung ist. Im Bett liegen wir nebeneinander wie zwei steinerne Figuren auf einem Sarkophag.

Das Problem in diesem Haus ist allerdings, dass es als positiv gewertet wird, einander aus dem Weg zu gehen. Als Zeichen von emotionaler Reife und Rücksicht. Wir beide wissen, dass wir uns durch ein Minenfeld bewegen, und zwar schon seit geraumer Zeit. Der Grundsatz lautet, dass eine Sache einfach wieder von selbst verschwindet, wenn man nicht darüber spricht.

Das Bedauerliche daran ist nur, dass ich befürchte, bald laut loszuschreien, wenn ich nicht endlich loswerden kann, was mir so durch den Kopf geht. Und das ist, dass mich der derzeitige Zustand unserer Ehe an das stete Piepsen eines Herzmonitors erinnert, der eine gerade Linie anzeigt.

Unsere Liebe ist klinisch tot.

Ich trinke einen Schluck Tee und blicke Dan an, ohne ihn wirklich zu sehen, während sich meine quälenden Gedanken überschlagen. Doch er ist so in seine Zeitung vertieft, dass er es nicht einmal bemerkt.

Offen gestanden, würden Sie schwören, dass wir eine Bilderbuchehe führen, wenn Sie von außen beobachten könnten, wie wir gemütlich schweigend frühstücken. Dan und Annie, Annie und Dan. Sogar unsere Namen passen gut zueinander. Wir sind jetzt schon fast die Hälfte unseres Lebens zusammen, was sich anhört, als wären wir eines dieser weißhaarigen Paare mittleren Alters mit Porzellanteint, die Werbung für Treppenlifte machen. Aber das stimmt nicht. Wir sind beide erst achtundzwanzig. Allerdings kann ich mich kaum noch an die Zeit erinnern, in der wir kein Paar waren.

Mit fünfzehn war er mein erster Freund, und ich war seine erste Freundin. Und nun, in einem Alter, in dem die meisten Freunde aus unserem alten Leben in der Stadt allmählich mit dem Gedanken spielen, zu heiraten und eine Familie zu gründen, haben Dan und ich uns nach all den Jahren nicht weiterentwickelt.

Dan greift nach einer weiteren Scheibe Toast. Als er meinen Blick auffängt, verzieht sich sein gebräuntes attraktives Gesicht besorgt.

»Alles in Ordnung, Liebling?«

Ich nicke, starre jedoch unverwandt auf das Aufbackbrötchen vor mir.

Es gibt so vieles, was ich ihm sagen müsste, und ich habe keine Ahnung, wo ich anfangen soll.

Ich möchte ihm erklären, dass ich genau weiß, wie der Tag ablaufen wird, obwohl er noch kaum angefangen hat. Er wird mehr oder weniger identisch mit dem gestrigen und dem vorgestrigen sein. Ich werde den Vormittag an einem Arbeitsplatz verbringen, der mir keine Freude macht und wo ich kaum etwas verdiene, nur damit ich aus dem Haus komme und, was das Wichtigste ist, beschäftigt bin. Denn beschäftigt zu sein ist immer gut. Beschäftigt zu sein bedeutet weniger Zeit zum Grübeln.

Auf dem Weg zur Arbeit werde ich vermutlich unserer Nachbarin Bridie McCoy begegnen, die mir in sämtlichen Einzelheiten das spannendste und dringendste aller Themen schildern wird - ihre Furunkel. So wie immer. Wenn ich die Buchhandlung am Ort betrete, wo ich eine Teilzeitstelle habe, wird meine Chefin mir im Scherz dieselbe Frage stellen wie jeden Tag. Wann genau soll es denn losgehen mit der Familiengründung? Immerhin bin ich knapp dreißig und mit Dan von der Stadt in das große Landhaus seiner Eltern gezogen. Und ich werde so reagieren wie sonst auch, nämlich indem ich geschickt das Thema wechsle und mich erkundige, ob sie heute Morgen lieber Jaffa Cakes oder HobNobs zu ihrem Tee möchte. Das klappt jedes Mal.

Wenn ich nach Hause komme, werde ich schon von Dans Mutter erwartet, die einen eigenen Haustürschlüssel hat. Sie wird sämtliche Zimmer kontrolliert haben und mir einen Vortrag darüber halten, dass der gute Tisch im Esszimmer täglich poliert werden müsse. Alternativ könnte eine Predigt über das korrekte Reinigen des Küchenherdes auf dem Programm stehen. Ich werde lächelnd die Zähne zusammenbeißen und mir vor Augen halten, dass The Moorings eigentlich ihr Haus und nicht meines ist, weshalb sie ein Recht darauf hat.

Später am Nachmittag erscheint dann Lisa Ledbetter, begleitet von einem Soundtrack aus Donnergrollen und einem schrillen in eine Orgel gedroschenen Mollakkord in meinem Kopf. Sie kommt ins Haus gestürmt und tut dasselbe wie immer, nämlich am Küchentisch Kaffee trinken und dabei über die Arbeitslosigkeit ihres Mannes jammern. So, als hätte er diesen Zustand absichtlich und nur um sie zu ärgern provoziert. Übrigens ist Lisa hier im Ort aufgewachsen und eine alte Sandkastenfreundin von Dan. Wir sind gleichaltrig, und es herrscht die allgemeine Auffassung, dass wir beide die besten Freundinnen sind.

Doch lassen Sie mich diesen Eindruck sofort berichtigen und feststellen, dass jegliche Freundschaft zwischen uns nichts weiter als ein absoluter Mythos ist. Denn Lisa vereint, wie Sie wissen sollten, interessanterweise Bedürftigkeit, Hilflosigkeit und Anspruchsdenken in einer Person, gehört also zu den Leuten, die sich nicht sträuben, wenn ihre Mitmenschen ihnen die ganze Arbeit abnehmen. Babysitten, das Zubereiten von Mahlzeiten für sie und ihre Kinder, Sie können es sich sicher denken. Hin und wieder bittet sie Dan um Geld, um ihre Rechnungen zu bezahlen, auch etwas, wobei sie nicht die geringsten Skrupel hat.

Also sitze ich da, lausche voller Mitgefühl und nicke wie immer an den geeigneten Stellen mit dem Kopf. Währenddessen konzentriere ich mich darauf, mich nicht von ihr aussaugen zu lassen, wie sie es immer tut.

Später schneit Jules, Dans flatterhafte jüngere Schwester, herein, plündert den Kühlschrank und errichtet sich dann vor dem Fernseher mit Bier, Nachos und den Resten von gestern Abend ein kleines Cockpit. Sie hat gerade das College abgebrochen und scheint nicht sonderlich darauf zu brennen, sich eine andere Beschäftigung zu suchen. Arbeit zum Beispiel, Gott behüte. Jetzt hat sie nämlich alle Zeit der Welt, in unserem Wohnzimmer herumzulungern und pausenlos Seifenopern zu glotzen. Sie benimmt sich wie eine Untermieterin, nur dass sie keine Miete bezahlt.

Verstehen Sie mich nicht falsch, das ist für mich eigentlich der schönste Teil des Tages, hauptsächlich deshalb, weil ich Jules mag. Von allen hier habe ich sie wirklich am liebsten, denn sie ist temperamentvoll, schlagfertig und hat Humor.

Inzwischen wissen Sie sicher, worauf ich hinauswill. Dans Familie und Freunde kommen und gehen, wie es ihnen passt.

Das sind eben offenbar die Freuden des Kleinstadtlebens. Und hier in dem winzigen, im County Waterford gelegenen Bilderbuchdorf namens Stickens (es heißt wirklich so, schlagen Sie es doch nach, wenn Sie mir nicht glauben ...) ist Privatsphäre im wahrsten Sinne ein Fremdwort. Wirklich, wenn ich morgens beim Verlassen des Hauses auch nur niese, haben bis mittags mindestens drei wohlmeinende Nachbarn angerufen, um sich nach meiner Grippe zu erkundigen.

In Stickens gibt es keine Geheimnisse.

Man muss Dan der Fairness halber zugestehen, dass er hier aufgewachsen ist, daher Hinz und Kunz kennt und die Banalitäten des Dorfalltags genießt. Übrigens ist er der Tierarzt hier am Ort. So wie sein Vater vor ihm und davor dessen Vater. Bei Dan ist es Berufung. Er liebt seinen Job abgöttisch und gehört zu den Menschen, die sich keine Sekunde lang vorstellen können, dass es Leute gibt, denen es anders geht.

Doch als sein Dad vor gut drei Jahren starb ... nun, da nahm die Katastrophe ihren Lauf. Mein Mann erbte die baufällige alte Familienvilla, die auch die Praxis beherbergt und für seine Mutter allein viel zu groß und mit zu viel Arbeit verbunden war. Deshalb haben Jules und sie eine kleinere Wohnung im Dorf bezogen, was hieß, dass uns nichts anderes übrig blieb, als unser schönes, glückliches Leben in Dublin aufzugeben und uns in Dans Elternhaus niederzulassen. Es war nicht nur die richtige Entscheidung, sondern die einzige Alternative.

Die Sache mit Dan ist nämlich, dass er offiziell...

»Ein heiteres Buch.«, Schweizer Familie, 16.01.2014

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