Lady Alexia 02. Brennende Finsternis

Roman
 
 
Random House ebook (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 2. August 2011
  • |
  • 416 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-05794-7 (ISBN)
 
Ohne dass irgendjemand dafür eine Erklärung hätte, verlieren sämtliche Vampire und Werwölfe in London ihre übernatürlichen Fähigkeiten. Lady Alexia hält es nicht nur für ihre Pflicht, sondern nachgerade für ihr Recht, ihren Ehemann, dem Chefermittler der Queen für übernatürliche Angelegenheiten, bei dessen Untersuchungen zu unterstützen. Schließlich sind sie frisch verheiratet, und Alexia ist nicht bereit, ihren geliebten Werwolf bereits wieder zu teilen ...


Die New York Times Bestsellerautorin Gail Carriger wurde nach eigener Aussage von einer Exil-Britin und einem unheilbaren Griesgram aufgezogen. Um dieser Situation zu entfliehen, begann sie bereits in jungen Jahren mit dem Schreiben. Doch schließlich entkam sie dem Kleinstadtleben. Beinahe aus Versehen erlangte sie mehrere Hochschulabschlüsse. Anschließend bereiste sie Europa, wobei sie sich ausschließlich von Keksen ernährte. Heute lebt sie in den USA, umgeben von unzähligen großartigen Schuhen, und lässt sich ihren Tee direkt aus London schicken. Außerdem ist sie versessen auf winzigkleine Hüte und exotische Früchte.
  • Deutsch
  • 0,60 MB
978-3-641-05794-7 (9783641057947)
3641057949 (3641057949)
weitere Ausgaben werden ermittelt

1


Alexia ärgert sich über Zelte und Ivy hat etwas bekannt zu geben


Sie sind was?!«

Lord Conall Maccon, der Earl of Woolsey, brüllte. Laut. Das durfte man von Lord Maccon auch erwarten, da er generell ein Gentleman der lauten Sorte war - die ohrenbetäubende Kombination aus kräftigem Lungenvolumen und einem mächtigen, breiten Brustkorb.

Alexia Maccon, Lady Woolsey und Muhjah, der Königin Großbritanniens außernatürliche Geheimwaffe der Extraklasse, erwachte blinzelnd aus einem tiefen und wohligen Schlummer.

»Ichwarsnicht«, murmelte sie sofort, ohne auch nur den leisesten Hauch einer Ahnung zu haben, worüber sich ihr Gemahl so aufregte. Natürlich war sie es für gewöhnlich doch, aber es hatte keinen Sinn, gleich ein Geständnis abzulegen, gleichgültig, welche Laus ihm diesmal über die Leber gelaufen war. Alexia kniff fest die Augen zu und wühlte sich tiefer in die wohlige Wärme der Daunendecke. Konnten sie denn nicht später darüber streiten?

»Was meinen Sie mit verschwunden?« Das Bett erzitterte leicht unter der bloßen Lautstärke von Lord Maccons Gebrüll. Das Erstaunliche daran war, dass er auch nicht annähernd so laut war, wie er sein konnte, wenn er sich wirklich ins Zeug legte.

»Nun ja, ich hab ihnen jedenfalls nicht gesagt, sie sollen verschwinden«, murmelte Alexia in dem Versuch, sich zu verteidigen, in ihr Kopfkissen. Sie fragte sich, wer »sie« wohl waren. Dann dämmerte ihr allmählich die Erkenntnis, auf eine verschwommene, watteweiche Art und Weise, dass er gar nicht sie anbrüllte, sondern jemand anderen. In ihrem Schlafzimmer.

Du liebe Güte.

Es sei denn, er brüllte sich selbst an.

Du liebe Güte!

»Was, alle

Alexias wissenschaftliche Seite wunderte sich träge über die Kraft von Schallwellen - hatte sie nicht vor Kurzem eine Publikation der Royal Society zu diesem Thema gelesen?

»Alle auf einmal?«

Lady Maccon seufzte schwer, rollte sich zu dem Gebrüll herum und hob eines ihrer Augenlider einen Spaltbreit. Ihr Blickfeld wurde vom breiten, nackten Rücken ihres Gemahls ausgefüllt. Um mehr sehen zu können, würde sie sich aufsetzen müssen. Und da sie das vermutlich noch mehr kalter Luft aussetzen würde, sah sie davon ab, sich aufzusetzen. Was sie allerdings bemerkte, war, dass die Sonne noch gar nicht richtig untergegangen war. Warum war Conall so hellwach und lautstark zu dieser abnorm frühen Stunde? Denn wenngleich es auch nichts Ungewöhnliches war, dass ihr Ehemann herumbrüllte, so war es das sehr wohl, wenn er es in den späten Nachmittagsstunden tat. Der un-menschliche Anstand gebot, dass sich sogar der Alpha-Werwolf von Woolsey Castle um diese Tageszeit ruhig zu verhalten hatte.

»Innerhalb welcher Reichweite genau? So weit kann es sich nich ausgedehnt haben.«

Ach herrje, sein schottischer Akzent kam zutage. Das verhieß nie etwas Gutes.

»In ganz London? Nicht? Nur das gesamte Ufer der Themse und der Stadtkern? Das ist einfach nicht möglich!«

Diesmal vernahm Lady Maccon eine leise gemurmelte Antwort auf das letzte Gebrüll ihres Mannes. Nun ja, beruhigte sie sich selbst, wenigstens war er nicht völlig plemplem geworden. Doch wer würde es wagen, Lord Maccon zu solch einer gottlosen Stunde in seinen Privatgemächern zu stören? Erneut versuchte sie, an seinem Rücken vorbeizuspähen. Warum musste er auch nur so kräftig gebaut sein?

Sie setzte sich auf.

Alexia Maccon war bekannt für ihre königliche Haltung. Das war aber auch so ziemlich alles, was die feine Gesellschaft Positives über sie verlauten ließ. Man hielt ihr Aussehen gemeinhin für zu dunkel, um ihr - abgesehen von ihrem Rang als Lady - allzu viel Anerkennung zu zollen. Alexia hatte stets gehofft, eine gute Haltung könnte ihre körperlichen Makel übertünchen. An diesem Morgen allerdings behinderten sie Decken und Kissen, und es gelang ihr nur, sich ungelenk auf die Ellbogen gestützt aufzurappeln, das Rückgrat schlaff wie eine gekochte Nudel.

Alles, was sich ihr nach dieser übermenschlichen Anstrengung enthüllte, war ein zarter Silberhauch und der schwache Umriss einer menschlichen Gestalt: die Ehemalige Merriway.

Die Ehemalige Merriway murmelte irgendetwas, während sie sich im Halbdunkel angestrengt bemühte, vollständig zu erscheinen. Sie war ein höfliches Gespenst, verhältnismäßig jung und gut erhalten und noch bei völliger geistiger Gesundheit.

»Ach, um Himmels willen!« Lord Maccon schien nur noch wütender zu werden. Lady Maccon kannte diesen speziellen Tonfall nur zu gut - für gewöhnlich richtete er sich gegen sie. »Aber es gibt auf dieser Erde nichts, das so etwas bewirken könnte!«

Die Ehemalige Merriway sagte wieder etwas.

»Wurden denn alle Tageslicht-Agenten zurate gezogen?«

Alexia lauschte angestrengt. Das ohnehin mit einer leisen, lieblichen Stimme gesegnete Gespenst war nur schwer zu verstehen, wenn es auch noch absichtlich den Tonfall dämpfte. »Ja, und sie haben ebenfalls keine Ahnung .« Das oder etwas in der Art sagte die Ehemalige Merriway.

Der Geist schien sich zu fürchten, was Alexia noch mehr Grund zur Beunruhigung bescherte als Lord Maccons Zornesausbruch (zu solchen kam es ja leider häufiger). Es gab nur wenig, was jemandem, der bereits tot war, Furcht einflößen konnte, vielleicht mit Ausnahme einer Außernatürlichen. Doch selbst die seelenlose Alexia war nur unter sehr besonderen Umständen gefährlich.

»Was, überhaupt keine Ahnung? Also gut.« Der Earl warf die Bettdecke beiseite und stieg aus dem Bett.

Mit einem schockierten Aufkeuchen waberte die Ehemalige Merriway herum und wandte dem völlig nackten Mann ihren durchscheinenden Rücken zu.

Alexia wusste diese höfliche Geste zu schätzen, wenn auch nicht Lord Maccon. Höflich bis auf die Knochen, die arme kleine Merriway. Oder was von ihren Knochen noch übrig war. Lady Maccon hingegen war nicht so zurückhaltend. Ihr Ehemann hatte eine ausgesprochen ansehnliche Rückseite. Das hatte sie ihrer schockierten Freundin Miss Ivy Hisselpenny gegenüber auch schon erwähnt, bei mehr als einer Gelegenheit. Es war vielleicht viel zu früh, um wach zu sein, aber es war nie zu früh, um etwas von diesem Format zu bewundern.

Ihr Ehemann strebte auf sein Ankleidezimmer zu, und das wunderbar ergötzliche Körperteil verschwand aus ihrem Blickfeld.

»Wo ist Lyall?«, bellte er.

Lady Maccon versuchte, wieder einzuschlafen.

»Was?! Auch fort? Verschwinden denn jetzt alle um mich herum? Nein, ich habe ihn nicht fortgeschickt .« Eine Pause. »Ach ja, Sie haben völlig recht. Das habe ich. Das Rudel .«, blubb, blubb, blubb, ». sollte an der .«, blubb, blubb, ». Station ankommen«. Platsch. »Müsste er nicht inzwischen wieder zurück sein?«

Allem Anschein nach wusch sich ihr Mann gerade, da sein Gebrüll immer wieder von planschenden Geräuschen unterbrochen wurde. Alexia lauschte angestrengt nach Tunstells Stimme. Ohne seinen Kammerdiener war ihre lautstärkere Hälfte stets dazu verdammt, schrecklich unordentlich auszusehen. Es war niemals eine gute Idee, den Earl sich unbeaufsichtigt ankleiden zu lassen.

»Also gut, dann. Schicken Sie schnellstens einen Claviger nach ihm aus.«

An diesem Punkt verschwand der Spektralleib der Ehemaligen Merriway.

Conall erschien wieder in Alexias Blickfeld und nahm seine goldene Taschenuhr vom Nachttischchen neben dem Bett. »Natürlich werden sie das als Beleidigung auffassen, aber daran ist nichts zu ändern.«

Ha, sie hatte recht gehabt! Er war fast nackt und trug nur einen Mantel. Kein Tunstell also.

Zum ersten Mal an diesem Morgen schien sich der Earl an seine Frau zu erinnern.

Alexia stellte sich schlafend.

Conall schüttelte sie sanft und bewunderte dabei sowohl das üppige Durcheinander tintenschwarzer Locken als auch ihr geschickt vorgetäuschtes Desinteresse. Als sein Schütteln drängend wurde, blinzelte sie unter langen Wimpern hervor zu ihm hoch.

»Guten Abend, mein Liebling!«

Aus leicht geröteten braunen Augen funkelte Alexia ihren Gemahl an. Dieses Herumgealbere am frühen Abend wäre bei Weitem nicht so schlimm gewesen, hätte er sie nicht zuvor schon den halben Tag lang wachgehalten. Nicht, dass diese Betätigung unangenehm gewesen wäre, sondern einfach nur überschwänglich und ausgedehnt.

»Was hast du vor, werter Gemahl?«, fragte sie mit butterweicher, von Argwohn durchtränkter Stimme.

»Entschuldige vielmals, meine Liebste!«

Lady Maccon hasste es, wenn ihr Mann sie seine »Liebste« nannte. Es bedeutete, dass er etwas vorhatte, ihr aber nichts darüber erzählen wollte.

»Ich muss heute Abend früh ins Büro hetzen. Unvermittelt hat sich eine wichtige BUR-Angelegenheit ergeben.« Aufgrund des Mantels und der Tatsache, dass sich seine Eckzähne zeigten, folgerte Alexia, dass er das mit dem Hetzen wörtlich meinte, und zwar in Wolfsgestalt. Was auch immer vor sich ging, erforderte offenbar dringend seine Aufmerksamkeit. Lord Maccon zog es für gewöhnlich vor, das Büro bequem und stilvoll in der Kutsche zu erreichen und nicht im Pelz.

»Ach ja?«, murmelte Alexia.

Der Earl zog die Bettdecke hoch und deckte seine Frau wieder warm zu. Die Berührung seiner großen Hände war unerwartet sanft. Als er seine außernatürliche Gemahlin berührte, verschwanden die langen Eckzähne. In diesem kurzen Augenblick war er sterblich.

»Triffst du dich heute Abend mit dem Schattenkonzil?«, fragte er.

Alexia überlegte. War heute Donnerstag? »Ja.«

»Dann hast du eine interessante...

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