Broken dolls - Watch me - Prey

 
 
dtv (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 20. April 2018
  • |
  • 1136 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-423-43428-7 (ISBN)
 

Jetzt im eBundle: die ersten drei Fälle des genialen Profilers.

Drei Fälle für Jefferson Winter, den exzentrischen Profiler mit dem unheimlichen Gespür dafür, wie Serienkiller ticken.

BROKEN DOLLS: Vier Frauen sind dem perfiden Täter schon in die Hände gefallen. Er hat ihr Leben grausam vernichtet. Jetzt ist eine fünfte Frau verschwunden, und der Profiler Jefferson Winter - eigenwillig, hochintelligent, von seinen eigenen Dämonen verfolgt - wird alles daransetzen, dass sie nicht zum fünften Opfer wird.

WATCH ME: Ein Anwalt wird bei lebendigem Leibe verbrannt. Das Video der Tat wird ins Netz gestellt, mit einem automatischen Countdown. Das bedeutet: Es wird weitere Opfer geben, und Jefferson hat nur wenige Stunden Zeit bis zur Deadline .

PREY: Eine Frau begeht vor den Augen von Jefferson Winter einen brutalen Mord. Die einzige Spur, die sie zurücklässt, ist ein Zeitungsartikel über die Ermordung eines jungen Ehepaars vor sechs Jahren. Hat sie die Tat für Winter inszeniert? Es ist eine Provokation, die er nicht ignorieren kann .

  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
Format: EPUB
  • 2,66 MB
978-3-423-43428-7 (9783423434287)

James Carol, geboren 1969 in Schottland, hat bereits als Gitarrist, Toningenieur, Journalist und Pferdetrainer gearbeitet. Jetzt widmet er sich ganz dem Schreiben von Spannungsliteratur. Er lebt mit seiner Familie in Hertfordshire/England.

1


Die Frau in dem Krankenhausbett hätte tot sein können. Es wäre besser für sie gewesen. Dass sie lebte, war nur am beharrlichen Piepen des Herzmonitors und am sachten Heben und Senken der Bettdecke zu erkennen. Ihr Gesicht zeigte keinerlei Regung, aber es war nicht entspannt wie bei einer Schlafenden, sondern mehr wie bei einer Toten, so als wären alle Gesichtsmuskeln dauerhaft abgeschaltet worden. Vor mir hätte genauso gut eine Leiche auf einem Seziertisch liegen können. Ein Teil von mir wünschte, es wäre so.

Detective Inspector Mark Hatcher blickte starr auf die Frau hinunter und murmelte: »Mein Gott.« Dann schüttelte er den Kopf und seufzte, kleine Gesten, die Bände sprachen. Ich hatte Hatcher auf einem Profiling-Seminar kennengelernt, das ich in Quantico für Polizisten aus Übersee gehalten hatte. Er war mir aufgefallen, weil er in absolut jedem Vortrag in der ersten Reihe gesessen und unablässig Fragen gestellt hatte. Ich hatte ihn damals gemocht und tat es immer noch. Er gehörte zu den besten Beamten von Scotland Yard. Wer dreißig Jahre lang in Nietzsches Abgrund geblickt hatte und trotzdem noch etwas fühlte, hatte meinen Respekt.

Aber die Jahre hatten ihren Tribut gefordert. Sie hatten alle Farbe aus ihm herausgesogen, alle Lebensfreude. Seine Haare waren grau, seine Haut ebenfalls. Dasselbe galt für seine Lebenseinstellung. Er hatte diesen speziellen Zynismus, wie man ihn nur bei Polizisten findet, die schon zu lange im Beruf sind. Sein trauriger Hundeblick sagte alles. Seine Augen hatten mehr gesehen, als für einen Menschen gut ist.

»Patricia Maynard ist also das vierte Opfer, richtig?« Eine rhetorische Frage, die aber gestellt werden musste, um Hatcher ins Zimmer zurückzuholen.

»Ja.« Hatcher gab einen langen, müden Seufzer von sich und schüttelte noch einmal den Kopf. Dann sah er mich an. »Seit sechzehn Monaten bin ich hinter diesem Dreckskerl her, und soll ich Ihnen mal was sagen? Wir sind nicht näher an ihm dran als am Anfang. Es ist wie beim Leiterspiel, nur dass jemand die ganzen Leitern geklaut hat und auf jedem zweiten Spielfeld eine Rutsche nach unten ist.« Wieder ein Seufzer und ein Kopfschütteln. »Ich dachte, ich hätte schon alles gesehen, Winter, aber das . ist etwas Neues.«

Was eine Untertreibung war. Serientäter denken sich Gräuel ohne Ende aus, aber trotz all meiner Erfahrung musste ich zugeben, dass selbst ich so etwas noch nicht gesehen hatte. Es gibt Dinge, die schlimmer sind als der Tod, dafür war Patricia Maynard der lebende Beweis.

Ich sah sie an, wie sie da in diesem Zimmerchen lag, in dem man Platzangst kriegen konnte, angeschlossen an all die Apparate und mit einem Infusionsschlauch in dem Katheter an ihrem Handrücken, und dachte wieder, dass sie tot besser dran wäre. Ich wusste auch, wie ich ihr dazu verhelfen könnte. Ich brauchte nur den Schlauch herauszuziehen und mit einer Spritze Luft in den Katheter zu drücken.

Die Luftblase wandert zuerst in die rechte Herzhälfte und von dort in die Lunge. Die Blutgefäße der Lunge ziehen sich zusammen, und der Druck in der rechten Herzhälfte steigt, bis die Embolie in die linke Hälfte gedrückt wird. Von dort hat sie durch den Blutkreislauf Zugang zum restlichen Körper. Wenn sie sich in einer Koronararterie festsetzt, löst sie einen Herzinfarkt aus; wenn sie ins Gehirn hinaufwandert, einen Schlaganfall.

Eine einfache, saubere Lösung. Solange nicht jemand ganz genau hinschaute, bestand kaum ein Risiko, dafür ins Gefängnis zu wandern. Und so genau würde niemand hinschauen. Die Erfahrung hat mich gelehrt, dass die Menschen meist nur das sehen, was sie sehen wollen. Patricia Maynard hatte die letzten dreieinhalb Monate in einem Gefängnis verbracht und die Hölle durchgemacht. Und wenn sie jetzt starb? Dann wollten wir doch alle glauben, dass ihr Körper endlich aufgegeben hatte, fertig, aus. Fall abgeschlossen.

»DNA?«, fragte ich.

»Reicht für eine Verbindung zu den anderen drei Frauen, aber kein Treffer in unserer Datenbank.«

»Neue Erkenntnisse zu unserem unbekannten Tätersubjekt?«

»Unserem unbekannten Tätersubjekt«, wiederholte Hatcher. »Das klingt ja wie im Fernsehen.« Er schüttelte den Kopf. »Nein, nichts.«

»Wir haben also vier Opfer, die uns nichts mehr sagen werden, und absolut keine Ahnung, wer der Täter ist.«

»So kann man es zusammenfassen«, sagte Hatcher. »Wir müssen ihn kriegen, bevor er sich ein neues Opfer sucht.«

»Das schaffen wir nicht. Zwischen der Freilassung des ersten Opfers und der nächsten Entführung vergingen zwei Monate. Zwischen der Freilassung des dritten Opfers und Patricia Maynards Entführung lagen nur noch drei Tage. Für gewöhnlich gibt es eine emotionale Abkühlphase, in der die Fantasien des Täters noch so stark sind, dass er nicht erneut zuschlägt. In unserem Fall haben sie diese Wirkung verloren. Sie sind kein ausreichender Ersatz mehr für die Tat, und der Täter hat sich schon zu sehr an die Tat gewöhnt. Er hat sich nicht mehr in der Hand. Da Patricia Maynard vorgestern Abend gefunden wurde, vermute ich, dass er sein nächstes Opfer schon heute Abend entführt.«

»Genau das, was ich brauche, noch eine schlechte Nachricht.« Hatcher seufzte wieder und rieb sich das müde Gesicht. »Und was wäre die gute, Winter? Wehe, Sie haben keine. Deshalb habe ich Sie schließlich hergeholt.«

»Die gute Nachricht ist, je weniger er sich in der Hand hat, desto eher macht er Fehler. Und je mehr Fehler er macht, desto leichter schnappen wir ihn.«

»In der Theorie schön und gut. Das Problem ist nur, dass bald irgendwo eine Frau einen schrecklichen Albtraum erleben wird und ich es nicht verhindern kann. Obwohl ich sie doch davor beschützen sollte.«

Darauf gab es keine Antwort. Ich war oft genug selbst in Hatchers Lage gewesen und wusste genau, wie ihm zumute war. Ich kannte die Hilflosigkeit, das Bedürfnis, etwas zu tun, aber nicht zu wissen, was. Am schwersten zu ertragen war allerdings die Wut. Die Wut auf sich selbst, weil man das Puzzle nicht zusammensetzen konnte, und die Wut auf eine Welt, die solche Puzzles überhaupt zuließ.

Eine Weile standen wir in respektvollem Schweigen da und betrachteten die schlafende Patricia. Der Herzmonitor piepte, die Bettdecke hob und senkte sich und die Uhr an der Wand zählte die Sekunden.

Patricia war achtundzwanzig und hatte braune Augen und braune Haare. Die braunen Augen konnte man nicht sehen, weil sie zugeschwollen waren, die braunen Haare nicht, weil der Täter sie abgeschnitten hatte. Die Haut um die Augen war blutunterlaufen, der kahl rasierte Schädel glänzte im grellen Licht des Krankenhauszimmers wie eine rosige Kugel. Nicht der kleinste Haarflaum war zu sehen, die Rasur war erst vor kurzem ausgeführt worden, wahrscheinlich direkt bevor der Täter sein Opfer freigelassen hatte. Offenbar törnten Erniedrigung, Schmerzen und Folter ihn an.

Ich hatte schon Dutzende von Mördern interviewt, um ihre Motive kennenzulernen. Es gehörte zu meinem Job, zu verstehen, warum ein Mensch Lust dabei empfindet, wenn er einem anderen wehtut. Trotzdem war mir völlig unbegreiflich, warum der Täter an Patricia Maynard eine Lobotomie durchgeführt hatte.

Die Atmung wird von der Medulla oblongata gesteuert, einem Teil des Gehirns, der bei Patricias Lobotomie nicht beschädigt worden war. Solange sie lebte, würde ihre Medulla oblongata dafür sorgen, dass ihre Lungen atmeten und ihr Herz schlug. Patricia war noch nicht einmal dreißig. Gut möglich, dass sie noch vierzig oder fünfzig Jahre vor sich hatte. Ein halbes Jahrhundert, eingesperrt in einem dämmrigen Gefängnis, in jeder Beziehung auf die Hilfe anderer angewiesen, unfähig, zu essen oder die Toilette zu benutzen, unfähig, einen Gedanken zu denken oder einen Satz zu formulieren. Die Vorstellung war unerträglich.

»Und der Schädel zeigt keine Narben?« Noch eine rhetorische Frage, diesmal notwendig, um mich selbst zurückzuholen.

»Der Zugang zum Gehirn erfolgte durch die Augenhöhlen.« Hatcher blickte immer noch unverwandt auf Patricia Maynard. »Haben Sie genug gesehen, Winter?«

»Mehr als genug.« Auch ich starrte die junge Frau an, ich konnte nicht anders. »Okay, unser nächstes Ziel ist St Albans. Ich muss mit Graham Johnson sprechen.«

»Ist das notwendig? Meine Leute haben ihn schon verhört.«

Ich riss mich von Patricia Maynard los und sah Hatcher an. »Und sie haben bestimmt hervorragende Arbeit geleistet. Aber Johnson hat Patricia gefunden, was heißt, dass er über nur zwei Schritte mit dem Täter verbunden ist. Und da unsere Opfer nichts mehr sagen, komme ich dem Täter durch ihn vorerst am nächsten. Deshalb muss ich mit ihm sprechen.«

»Okay. Ich rufe im Büro an und organisiere Ihnen einen Fahrer.«

»Das kostet zu viel Zeit. Fahren lieber Sie mich.«

»Geht nicht. Ich werde im Büro zurückerwartet.«

»Aber Sie sind der Boss, Sie können doch tun, was Sie wollen.« Ich grinste. »Na los, Hatcher, lassen Sie uns ein bisschen Spaß haben.«

»Spaß! Wirklich, Winter, Sie haben einen merkwürdigen Humor. Spaß hat man vielleicht bei einer Party auf einer Milliardärsjacht oder von mir aus mit einer zwanzigjährigen Blondine. Nicht bei dem, was wir tun.«

»Wissen Sie, was Ihr Problem ist, Hatcher? Sie sitzen schon viel zu lange an einem Schreibtisch. Wann haben Sie zum letzten Mal vor Ort ermittelt?« Ich grinste wieder. »Und wenn wir schon dabei sind, Ihr letztes Mal mit einer zwanzigjährigen Blondine ist möglicherweise auch schon eine Weile her,...

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