Cur Deus Homo oder Weshalb Gott Mensch wurde

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Books on Demand (Verlag)
  • 1. Auflage
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  • erschienen am 14. November 2018
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  • 172 Seiten
 
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978-3-7481-5409-9 (ISBN)
 
In seinem vortrefflichen Werk Cur Deus Homo zeigt Anselm von Canterbury in Form eines Dialoges mit seinem Lieblingsschüler und Nachfolger Boso, wie es zwingend notwendig war, daß Gott zur Erlösung der Menschheit ebenfalls Mensch werden mußte. - Ein Klassiker der mittelalterlichen Scholastik.
1. Auflage
  • Deutsch
  • 0,28 MB
978-3-7481-5409-9 (9783748154099)
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Cur Deus Homo

oder

Weshalb Gott Mensch wurde.

Erstes Buch.


1. Kapitel.


Die Frage, von der das ganze Werk abhängt.

ICH bin oftmals sehr angelegentlich von vielen auf mündlichem wie brieflichem Wege angegangen worden, die Gründe einer Frage über unseren Glauben, mit denen ich den Fragenden zu antworten pflege, durch schriftliche Aufzeichnung dem Gedächtnis zu überliefern; denn sie behaupten, daß sie mit denselben einverstanden wären und halten sie für genügend. Diese Bitte tun sie nicht in der Absicht, um durch die Vernunft zum Glauben zu kommen, sondern um sich an dem Verständnis und der Betrachtung dessen, was sie glauben, zu ergötzen und, soweit sie es können, allezeit bereit zu sein zur Verantwortung jedermann, der Grund fordert der Hoffnung, die in uns ist.3 Es handelt sich nämlich um die Frage, welche die Ungläubigen, wenn sie die christliche Einfalt zum Narren haben, uns gewöhnlich entgegenhalten und viele Gläubige in ihren Herzen bewegen: Aus welchem Beweggrund oder mit welcher Notwendigkeit Gott Mensch geworden sei und durch seinen Tod, wie wir glauben und bekennen, der Welt das Leben gegeben habe (da er dies doch entweder durch eine andere Person, sei es nun die eines Engels, sei es die eines Menschen, oder durch seinen bloßen Willen hätte vollbringen können). Über diese Frage wünschen nicht allein die Gelehrten, sondern auch viele Ungelehrte Aufschluß und Rechenschaft zu haben. Weil also viele auf die Behandlung derselben dringen und trotz der anscheinend großen Schwierigkeit, die, während sie getan wird, an ihr haftet, jene Frage bei der Auflösung selbst für alle begreiflich und um ihres Nutzens, wie um des schönen Eindruckes willen, welchen eine wissenschaftliche Erörterung macht, auch anziehend ist; so werde ich, wenngleich schon seit den Zeiten der heiligen Väter Hinreichendes darüber gesagt ist, dennoch bemüht sein, das, was mir Gott aus huldreicher Liebe zu schauen gibt, den mich darum Angehenden zu zeigen. Und weil endlich das, was durch Frage und Antwort aufgefunden wird, vielen Köpfen, am meisten solchen, die etwas träge sind, deutlicher wird und deshalb mehr zusagt, so will ich von denen, die dies begehren, einen, welcher vor den übrigen besonders eindringlich mich dazu auffordert, in der Unterredung mit mir annehmen, so daß Boso4 fragt und Anselm antwortet, in der Weise wie folgt.

2. Kapitel.


Wie jeder Ausspruch zu nehmen ist.

Boso: Wie die richtige Ordnung verlangt, daß wir die Tiefen des christlichen Glaubens glauben, bevor wir unternehmen sie vernünftig zu erörtern; so scheint es mir Nachlässigkeit, wenn wir, nachdem wir im Glauben befestigt sind, keinen Fleiß anwenden, das Geglaubte einzusehen. Weil ich nun durch die zuvorkommende Gnade Gottes im Glauben an unsere Erlösung mich für so gegründet halte, daß, wenn ich auch mit keiner Vernunft was ich glaube fassen könnte, dennoch nichts mich von jenem festen Grund loszureißen vermöchte, so bitte ich dich, mir zu eröffnen, was, wie du weißt, mehrere mit mir erbitten: mit welcher Notwendigkeit und aus welchem Grund Gott, obgleich er allmächtig ist, die Niedrigkeit und Schwäche der menschlichen Natur zur Erlösung derselben angenommen hat?

Anselm: Deine Frage geht über mein Vermögen hinaus und deshalb befürchte ich, zu Hohes zu behandeln; denn es dürfte vielleicht mancher, wenn er glaubte oder auch sähe, daß ich ihm keine Genüge täte, eher zu der Überzeugung geneigt sein, daß mir die Wahrheit der Sache selbst abgeht, als daß mein Verstand sie zu fassen unzulänglich ist.

Boso: Du darfst nicht so der Befürchtung, wie der Beherzigung Raum geben, daß während der Unterredung über irgendeine Frage oftmals genug Gott das früher Verborgene offenbart, und mußt von der Gnade Gottes hoffen, du werdest, wenn du das, was du umsonst empfangen hast, gern mitteilst, das Höhere, zu dem du dich noch nicht emporgeschwungen hast, zu erlangen gewürdigt werden.

Anselm: Es gibt noch etwas anderes, wegen dessen nach meiner Einsicht entweder kaum oder ganz und gar nicht der vorliegende Gegenstand auf vollständige Weise zwischen uns verhandelt werden kann; denn dazu ist erforderlich die Kenntnis der Macht, der Möglichkeit, der Notwendigkeit, des Willens und noch anderer Bestimmungen, welche sich so verhalten, daß deren keine ohne die anderen erschöpfend betrachtet werden kann. Ebendeshalb beansprucht die Behandlung derselben eine kleine Arbeit für sich, die, wie ich glaube, leicht und nicht ganz ohne Nutzen ist; denn die Unbekanntschaft mit diesen Bestimmungen macht einiges schwierig, was durch die Kenntnis derselben leicht wird.

Boso: So kannst du kurz von diesen Punkten an ihren Orten reden, daß wir für das gegenwärtige Werk den auskömmlichen Stoff erhalten und was mehr zu sagen ist auf eine andere Zeit aufschieben.

Anselm: Auch zieht mich der Umstand sehr von deiner Bitte ab, daß der gewählte Inhalt nicht bloß ein kostbarer ist, sondern insofern er den betrifft, der von Gestalt der Schönste unter den Menschenkindern ist, auch in einer über menschliche Begriffe schönen dialektischen Form vorgetragen sein will. Daher besorge ich, es möchte mich derselbe Vorwurf des Unwillens treffen, womit ich gegen die schlechten Maler zu eifern pflege, so oft ich unseren Herrn in häßlicher Gestalt von ihnen malen sehe, wenn ich einen so schönen Gegenstand in einer unschönen und verächtlichen Redeweise darzustellen mich unterfange.

Boso: Auch dies darf dich nicht zurückschrecken, weil du einerseits jedem, der es kann, freie Hand lässest, sich besser auszudrücken, andererseits keinem, dem dein Stil nicht gefällt, einen schöneren zu schreiben verwehrst: aber um alle deine Entschuldigungen abzuschneiden, so tust du das von mir Verlangte nicht für die Gelehrten, sondern für mich und die, welche dich mit mir um ebendasselbe ersuchen.

Anselm: Weil ich an dir und an jenen, die mit dir aus Liebe und religiösem Eifer diese Bitte tun, einen so unausweichlichen Ungestüm bemerke, so werde ich nach meinem Vermögen (mit Hilfe Gottes und eurer Gebete, die ihr mir bei eurem Verlangen auf meine eigene Bitte zu dem Ende oft versprochen habt) das, was ihr erfragt, nicht sowohl zu zeigen, als mit dir zu befragen versuchen, aber nur unter der Bedingung, daß alles, was ich sage, so aufgenommen wird, wie ich es aufgenommen wünsche; wenn ich nämlich etwas sage, was von keiner höheren Autorität bestätigt wird, so soll dasselbe, obgleich ich es mit der Vernunft zu beweisen scheine, mit keiner anderen Gewißheit aufgenommen werden, als daß es mir inzwischen so scheint, bis Gott irgendwie etwas besseres offenbart. Wenn ich nun einigermaßen deinem Forschungstrieb ein Genüge tun kann, so muß dir doch gewiß bleiben, daß ein Weiserer als ich dies in vollkommenerer Art tun kann; ja es muß das Bewußtsein gewahrt werden, daß, was auch immer ein Mensch davon sagen oder wissen kann, die tieferen Gründe eines so hochwichtigen Gegenstandes noch verborgen sind.

Boso: Laß dir's also gefallen, daß ich die Worte der Ungläubigen gebrauche; denn es geziemt sich, wenn wir für unseren Glauben eine vernünftige Begründung aufsuchen wollen, die Einwürfe derer aufzustellen, welche durchaus nicht zu demselben Glauben ohne einen Vernunftbeweis kommen wollen. Denn wenngleich jene den Vernunftbeweis deshalb suchen, weil sie nicht glauben, wir aber, weil wir glauben, so ist doch das, was wir suchen, ein und dasselbe; und wenn du etwas antworten solltest, dem eine heilige Autorität zu widersprechen scheint, mag es mir vergönnt sein, dir jene vorzuhalten, damit du zeigen kannst, wie sie ihm nicht widerspricht.

Anselm: Sag deine Meinung.

3. Kapitel.


Die Einwürfe der Ungläubigen und die Antworten der Gläubigen.

Boso: Die Ungläubigen werfen uns unsere Einfalt verspottend vor, daß wir Gott Schimpf und Schande antun, wenn wir behaupten, er sei in den Schoß der Jungfrau hinabgestiegen, von einem Weib geboren, mit der Milch aus einer Menschenbrust und mit menschlichen Nahrungsmitteln genährt und groß geworden, und habe, um vieles andere zu verschweigen, was Gottes unwürdig scheint, Müdigkeit, Hunger, Durst, Schläge und unter den Missetätern das Kreuz und den Tod erduldet.

Anselm: Wir tun Gott mitnichten einen Schimpf oder eine Schande an, sondern von ganzem Herzen danksagend loben und preisen wir die unaussprechliche Tiefe seiner Barmherzigkeit; denn je wunderbarer und unerwarteter er uns von so großen und so verdienten Übeln, in welchen wir waren, zu so großen und so unverdienten Gütern, die wir verloren hatten, erlöst hat, eine um so größere Liebe und Güte gegen uns hat er bewiesen. Wenn sie fleißig überlegten, wie würdig auf diese Weise für die menschliche Erlösung gesorgt ist, würden sie nicht unsere Einfalt verspotten, sondern mit uns Gottes weisheitsvolle Gnade loben. Denn wie durch eines Menschen Ungehorsam der Tod...

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