Betrachtungen über die menschliche Erlösung

 
 
Books on Demand (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 31. Juli 2018
  • |
  • 184 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7528-5381-0 (ISBN)
 
... Auf denn, o Mensch, fliehe ein Weniges deine irdischen Beschäftigungen, verbirg dich kurze Zeit vor deinen geräuschvollen Gedanken, wirf jetzt ab deine beschwerlichen Sorgen, und lass hinter dir deine mühseligen Beschäftigungen. Gib dich etwas Gott hin, und ruhe in ihm etwas. Tritt ein in das Gemach deines Herzens, und schließ alles aus außer Gott und was dazu dient, ihn zu finden, und bei verschlossener Tür suche ihn und sage nun, mein ganzes Herz, sage nun zu Gott: "Ich suche dein Angesicht; dein Angesicht, o Herr, will ich suchen."
Auf denn also, Herr mein Gott, lehre mein Herz, wo und wie es dich suche, wo und wie es dich finde ... XXI. Betrachtung.
1. Auflage
  • Deutsch
  • 0,40 MB
978-3-7528-5381-0 (9783752853810)
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I. Betrachtung.


Über die Würde
und das Elend der menschlichen Natur.

1.

Wie wir zum Bild und Gleichnis Gottes geschaffen sind.

WACHE auf, meine Seele, wache auf; strenge an deinen Geist, richte empor deinen Sinn, treibe aus die Saumseligkeit deines todbringenden Schlummers, ergreife die Sorge für dein Heil. Ausgeschlagen werde das Umherschweifen aller unnützen Gedanken, fern weiche die Trägheit, erhalten werde der Fleiß. Gib dich hin den heiligen Betrachtungen, klammere dich fest an die himmlischen Güter, richte dich auf die ewigen, die zeitlichen verlassend. Was kannst du nun nützlicher, was heilsamer in so göttlicher Übung des Geistes bedenken, als die unermeßlichen Wohltaten deines Schöpfers in süßer Erinnerung erwägen? Betrachte also, welche Höhe, welche Würde er im Anfang der Schöpfung dir verliehen, und erwäge, mit welcher Liebe, welcher Verehrung du ihm begegnen mußt. Gewiß, als er das Ganze der sichtbaren und unsichtbaren Dinge schaffend und ordnend, die menschliche Natur hervorzubringen beschlossen hatte, dachte er in seinem hohen Ratschluß an die Würde deiner Stellung, da er sie höher zu ehren bestimmt hatte, als die übrigen Geschöpfe, die in der Welt sind. Siehe deshalb die Erhabenheit deiner Schöpfung und statte die Pflicht der schuldigen Liebe zurück. "Laßt uns", sprach Gott, den Menschen machen nach unserem Bild und Gleichnis."1 Wenn du bei diesem Wort deines Schöpfers nicht aufwachst, wenn du bei so unaussprechlicher Güte, mit welcher er sich gegen dich herabließ, nicht ganz in Liebe zu ihm aufglühst, wenn du nicht aus dem Mark deiner Seele zum Verlangen nach ihm entflammt wirst; was soll ich denn sagen? Soll ich dich für schlafend oder vielmehr für tot halten? Gib also sorgfältig acht, was es heißt, zum Bild und Gleichnis Gottes geschaffen sein. Du hast daran einen süßen Stoff zu frommer Erwägung, woran du deine Gedanken üben kannst. Bemerke also, daß etwas anderes die Ähnlichkeit, etwas anderes das Ebenbild bedeutet: zum Beispiel kann mit dem Menschen irgendeine Ähnlichkeit ein Pferd haben, ein Stier, oder andere derartige Geschöpfe; das Ebenbild des Menschen trägt aber niemand an sich, als wiederum ein Mensch. Der Mensch nimmt Nahrung zu sich; es nimmt auch das Pferd Nahrung zu sich; siehe irgendeine Ähnlichkeit und Gemeinschaftlichkeit zwischen den verschiedenen Naturen! Das Ebenbild des Menschen aber findet sich nur wieder bei einem anderen Menschen derselben Natur, dessen Ebenbild er ist. Bedeutsamer demnach ist Bild als Ähnlichkeit. Ähnlichkeit werden wir mit Gott auf folgende Weise haben können: wenn wir ihn in seiner Güte betrachtend, uns bemühen gut zu sein; wenn wir ihn in seiner Gerechtigkeit erkennend, gerecht zu sein streben, wenn wir ihn in seiner Barmherzigkeit erschauend, uns Mühe geben, Barmherzigkeit zu üben. Wie verhält es sich aber mit seinem Ebenbild? Merke auf! Gott ist stets sich seiner bewußt, er erkennt sich, er liebt sich. Genauso auch du, wenn du nach deinem geringen Maß unermüdlich Gottes eingedenk sein wirst, Gott betrachtest, Gott liebst: so wirst du nach seinem Ebenbild sein, weil du dich zu tun bestrebst, was Gott immer tut. Auf die Erinnerung, Erkenntnis und Liebe des höchsten Gutes muß der Mensch sein ganzes Leben auf Erden beziehen: dahin muß jeder Gedanke, jede Regung des Herzens gewandt, gerichtet, gezogen sein, daß du in unermüdlicher Begierde Gottes eingedenk seist, Gott erkennst, Gott liebst und die Würde deiner Schöpfung, der gemäß du nach dem Ebenbild Gottes geschaffen bist, heilsam darstellst. Doch was sage ich: Du seist nach dem Ebenbild Gottes geschaffen, der du nach dem Zeugnis des Apostels das Ebenbild Gottes selbst bist? "Der Mann", so spricht der Apostel, "soll sein Haupt nicht umhüllen, da er das Bild und der Ruhm Gottes ist."2

2.

Wie wir dazu geschaffen sind,
Gott ohne Unterlaß zu loben.

GENÜGEN dir diese unermeßlichen Wohltaten deines Schöpfers nicht, ihm immerwährend Dank zu sagen, und ohne Unterlaß deine Liebe zu beweisen, wenn du bedenkst, wie du aus Nichts oder vielmehr aus dem Staub durch seine Güte zu einer so großen Höhe beim Beginn der Schöpfung erhoben bist? Folge also der Gesinnung der Heiligen in deinem eigenen Leben nach, und höre, was von dem Heiligen geschrieben steht. Wie ist nämlich das Lob des Heiligen? "Aus seinem ganzen Herzen lobte er den Herrn." Siehe, wozu du geschaffen bist; siehe die Aufgabe deines Dienstes. Denn wozu hätte dich Gott zu einer so herrlichen, ausnahmsweisen Bestimmung erhoben, wenn er nicht gewollt hätte, daß du unablässig auf sein Lob bedacht seist? Zum Lob deines Schöpfers also bist du geschaffen, daß du mit seinem Lob beschäftigt, hier an Verdienst und Gerechtigkeit stets zunimmst, und jenseits glückselig lebst. Denn sein Lob schafft hier Gerechtigkeit, dort Seligkeit. Aber wenn du lobst, lobe aus ganzem Herzen, lobe durch Liebe. Denn dieses ist die Regel, die den Heiligen für das Lob gegeben ist: "Aus seinem ganzen Herzen lobte er Gott, und liebte Gott, der ihn geschaffen."3 Lobe also, und aus ganzem Herzen lobe, und den du lobst, liebe ihn, weil du dazu geschaffen bist, daß du lobst und liebst. Denn es lobt zwar, aber nicht aus ganzem Herzen, wen das Glück stimmt, Gott zu segnen, den aber das Unglück Gott zu segnen abhält. Es lobt auch, aber liebt nicht, wer im Lob Gottes irgend etwas anderes als ihn selbst sucht. Lobe ihn mithin, und lobe ihn würdig, daß in dir keine Sorge, keine Meinung, kein Gedanke, keine Bewegung deines Geistes, in wie weit es immer dir möglich ist, von dem Lob Gottes bloß sei. Von seinem Lob möge dich kein freudiges Geschick dieses Lebens wegführen, kein widriges entfremden. So allein wirst du aus ganzem Herzen Gott loben. Indes wenn du ihn aus ganzem Herzen lobst, und liebend lobst, so begehre von ihm nichts, als ihn selbst, daß er das Ziel deines Verlangens sei, er der Lohn deiner Arbeit, er der Trost in diesem dunklen Erdenleben, er der Besitz in jenem seligen Leben. Dazu bist du mithin geschaffen, daß du ihn ohne Ende preist, was du dann erst vollständiger einsehen wirst, wenn du zu seiner glückseligen Anschauung erhoben, erkennst, wie du einzig und allein durch seine erbarmende Güte, als du nicht warst, aus Nichts so glückselig und zu so einer unaussprechlichen Glückseligkeit geschaffen, berufen, gerechtfertigt und vollendet worden bist. Diese Betrachtung wird dir eine unermüdliche Liebe einflößen, ihn ohne Ende zu loben, aus dem, durch den, in dem du dich freuen wirst, mit so großen und so unveränderlichen, Gütern beseligt zu sein.

3.

Wie wir allenthalben, wo wir sind,
in ihm leben, weben und sind, da wir ihn in uns haben.

VON jener zukünftigen Glückseligkeit wende nun das Auge deiner Betrachtung einen Augenblick zu der Größe der Gnade, mit der er dich schon in diesem flüchtigen Leben bereichert hat. Er, der im Himmel wohnt, der unter den Engeln gebietet, dem Himmel und Erde mit allem, was darin ist, sich beugen, er hat sich dir zur Wohnung gegeben, seine Gegenwart dir zugeteilt, indem der Apostel sagt: "In ihm leben, weben und sind wir."4 Süßes Leben, liebliche Bewegung erwünschtes Sein! Was gibt es denn süßeres, als in dem sein Leben haben, der das glückselige Leben selbst ist? Was lieblicher, als jede Bewegung unseres Willens und Tuns nach ihm und in ihm richten, der uns mit beständiger Festigkeit umgeben wird? Was erwünschter, als mit seinem Sinn und Wandel stets in dem sein, in dem allein, oder vielmehr, der allein ist das wahre Sein, ohne den es niemanden wohl sein kann. "Ich bin", spricht er, "der ich bin."5 Vortrefflich in der Tat. Denn er allein ist wahrhaft, dessen Sein unveränderlich ist. Gott also, dessen Sein so ausgezeichnet, so einzig ist, daß er allein wahrhaft ist, und in Vergleich mit ihm alles Sein Nichts ist, als er dich zu jener Höhe erschuf, daß du nicht einmal die Herrlichkeit deiner Würde völlig erkennen kannst, wohin hat er dich gestellt? Welchen Ort zur Wohnung dir bereitet? Höre, was er selbst in seinem Evangelium sagt: "Bleibt in mir und ich in euch."6 O, unschätzbare Herablassung, o seliges Weilen, o herrliche Vereinigung! Welch eine Herablassung des Schöpfers, daß er in sich selbst seine Kreatur wohnen lassen will! Welch unbegreifliche Seligkeit der Kreatur, in ihrem Schöpfer zu bleiben! Welch ein Ruhm für ein verständiges Geschöpf, in so glücklicher Vereinigung mit seinem Schöpfer verbunden zu sein, daß er in ihm, es in ihm seine Wohnung nehme. Nachdem er uns also so ausnehmend geschaffen, hat er auch gnädig gewollt, daß wir in ihm blieben, er, der als der Lenker aller Dinge sich ohne Bedrängnis über alles erhaben findet; der alles als der Grund aller Dinge, ohne Mühe trägt, der alles als vortrefflicher, wie alle Dinge, ohne Stolz hinter...

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