Liebe deine Nachbarn wie dich selbst

Thriller
 
 
btb (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 13. September 2021
  • |
  • 416 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-25722-4 (ISBN)
 
Hinter der Idylle lauert das Verbrechen.

Lowland Way im Süden Londons: ein Vorortparadies. Gepflegte Häuser. Freundliche Menschen. Spielende Kinder auf der Straße. Bis im Haus Nr. 1 neue Nachbarn einziehen.
Sie halten sich nicht an Regeln, ihre Musik ist zu laut, sie parken falsch - und überhaupt!
Dann erschüttert ein schreckliches Verbrechen das Viertel. Und für die Anwohner ist die Sache sonnenklar: Die haben es getan. Die haben ein Leben auf dem Gewissen. Es gibt nur ein Problem. Die Polizei glaubt ihnen nicht.
  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
btb
  • 1,80 MB
978-3-641-25722-4 (9783641257224)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Louise Candlish ist preisgekrönte Sunday-Times-Bestsellerautorin, ihre Bücher werden von großen Zeitungen wie der »Washington Post« oder dem »Guardian« gefeiert. Sie studierte Englisch am University College in London, wo sie heute mit ihrem Mann und ihrer Tochter lebt. Vor ihrem Durchbruch als Autorin arbeitete als Redakteurin und Texterin, bevor sie sich ganz dem Schreiben widmete.

1
RALPH


Ja, wir sind uns bewusst, dass jemand ums Leben gekommen ist, natürlich. Was für ein grässlicher Tod, absolut entsetzlich. Meine Frau war eine der Ersten vor Ort. Sie ist jetzt drüben in Nummer zwei, bei Sissy Watkins - Naomi Morgan, wahrscheinlich haben Sie schon mit ihr gesprochen?

Ich persönlich war nicht da, nein, ich habe drüben im Club, auf der anderen Seite der Hauptstraße, Tennis gespielt. Wahrscheinlich habe ich das Haus so gegen acht verlassen.

Ja, alles an der Ecke hat normal ausgesehen, als ich los bin. Die übliche Müllhalde. Überall Berge von Schrott, Autos, die wie ein verrücktes 3-D-Puzzle ineinander verkeilt sind. Ein Katastrophengebiet. Hören Sie, ich will Ihnen ja nicht vorschreiben, wie Sie Ihren Job zu erledigen haben, aber Sie würden sich jede Menge Lauferei ersparen, wenn Sie den Rest von uns vergessen und losziehen und ihn fragen, wie das passiert ist.

Darren Booth natürlich, wer sonst? Der Mann, der für diese Tragödie verantwortlich ist! Und wenn Sie schon dabei sind, sollten Sie vielleicht bei der Stadtverwaltung rausfinden, wo die gesteckt haben, als all das passiert ist, ja? Wenn Sie mich fragen, haben die ihre Arbeit in den letzten paar Monaten sträflich vernachlässigt. Diese Haushaltskürzungen sind viel zu weit gegangen, und jetzt braucht es nichts weiter als einen Typen wie ihn, und wir leben plötzlich mitten im Wilden Westen.

Mein Verhältnis zu ihm? Gegenseitige Feindschaft, würde ich sagen. Ich habe den Kerl sofort durchschaut. Interessiert ihn nicht die Bohne, was andere denken. Ungehobelt, definitiv. Ich erinnere mich an unser erstes Gespräch - wenn man es überhaupt als solches bezeichnen kann - an dem Wochenende, als er eingezogen ist. Er ist fast mit einem Hammer auf mich losgegangen .

Mr Ralph Morgan, Lowland Way 7, Anwohnerbefragung durch die Metropolitan Police, 11. August 2018

Acht Wochen zuvor


Der erste Hinweis, dass an jenem Freitagabend etwas nicht ganz stimmte, war der Umstand, dass die Parklücke vor seinem Haus von einem schmutzigen weißen Toyota belegt war, eine derart klapprige Karre, dass sie sich eigentlich nur noch als Schrotthaufen bezeichnen ließ. Gewiss nicht das Auto der Wahl von irgendjemandem, den er im Lowland Way kannte.

Wenn man vom Parkende aus in die Straße einbog, wie Ralph es für gewöhnlich auf der Heimfahrt von seiner Lagerhalle in Bermondsey tat, nahm die Größe - und Preisklasse - der Häuser, an denen man vorbeifuhr, stetig zu, von hübschen Arbeiterhäuschen über schmale, dreistöckige Reihenhäuser zu den großen, frei stehenden, viktorianischen Villen am Ende der Portsmouth ­Avenue. Letztere waren unbestreitbar die Schmuckstücke der Straße, mit ihren alten Backsteinfassaden, die sich glutrot gegen das Grün der Ulmenallee abzeichneten.

Ralph und seine Familie bewohnten seit über fünfzehn Jahren die Hausnummer sieben, während vor zwölf Jahren sein Bruder Finn mit seiner Familie genau nebenan in die Nummer fünf eingezogen war. Besser ging's nicht, waren sich die Brüder einig, und zum halben Preis, den man ansonsten in einigen Teilen Londons bezahlte.

Der einzige Nachteil war die Parksituation. Die Vorgärten waren zu schmal für eigene Stellplätze, und die Parkbuchten auf der Straße waren von der Stadtverwaltung nicht als Anwohnerparkplätze ausgeschildert, was im Grunde bedeutete: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Daher der gelegentliche Eindringling.

Während er langsam an dem Toyota vorbeikroch, bemerkte er, wie seine Windschutzscheibe trüb wurde. Es dauerte ein oder zwei Sekunden, bis er erkannte, dass die Mauer von Haus Nummer eins von einem Barbaren niedergerissen wurde, und eine Staubwolke in die Straße waberte. Ganz in der Nähe nahm ein weißer Lieferwagen zwei Parkbuchten in Beschlag, was das heutige Parkplatzproblem erklärte.

»Was zum Teufel .?« Ralph hielt an, ließ sein Fenster herunter und rief dem Bauarbeiter zu: »Entschuldigung, was ist hier los?«

Der Kerl hörte ihn nicht. Unter dem grauen Overall war seine Statur überraschend schmächtig angesichts des Drecktornados, den er einhändig erzeugte.

Ralph erhob die Stimme: »Hey! Könnten Sie bitte aufhören?«

Diesmal hielt der Bauarbeiter inne, verharrte einen Augenblick mit dem Rücken zur Straße und zu Ralphs Wagen, so reglos, dass es auf Ralph ein bisschen unheimlich wirkte. Dann drehte er sich um und kam näher, den Fäustel in der Hand. Sein Gesicht war schmutzverkrustet, in seiner Miene spiegelte sich gleichgültiger Trotz.

»Darf ich fragen, wer Ihnen den Auftrag erteilt hat, diese Mauer einzureißen?«, fragte Ralph.

»Sie dürfen fragen, was Sie wollen.« Er hatte einen normalen Südlondoner Akzent, nicht osteuropäisch, wie Ralph natürlich erwartet hatte, und der sanfte Tonfall ließ Ralphs eigenen herrisch und aufdringlich klingen.

»War das die Stadtverwaltung? Denn die haben nicht das Recht, sie einzureißen. Diese Mauer gehört zu einhundert Prozent zum Grundstück von Haus Nummer eins, ich habe die Unterlagen mit eigenen Augen gesehen.«

Auf einem geräumigen Grundstück neben Finns Haus waren die Doppelhaushälften von Nummer eins und drei die einzigen Nachkriegsbauten der Straße und, weit genug zurückgesetzt, um Platz für eine kurze, gemeinsame Auffahrt zu bieten, die einzigen mit privaten Stellplätzen. Die hohe Mauer an der Ecke, der einzige Überrest des ursprünglichen viktorianischen, im Blitzkrieg dem Erdboden gleichgemachten Herrenhauses, war in den letzten Jahren von der Stadt, die die Linksabbiegespur der Portsmouth Avenue erweitern und den Lowland Way im Grunde zu einem Schleichweg ausbauen wollte, durch Abriss bedroht worden. Unterstützt von der Besitzerin von Nummer eins, der alten Jean, hatten die Morgans die Kampagne gegen das Vorhaben angeführt - und gewonnen.

Seit Jeans Tod im vergangenen Dezember hatte das Haus leer gestanden, und die Mauer war in Vergessenheit geraten. Ralph hatte sich schließlich in Sicherheit gewähnt.

Da durchzuckte ihn ein neuer Gedanke. »Außer . Augenblick mal, gibt es einen neuen Besitzer? Hat der Ihnen den Auftrag erteilt?«

»Es gibt einen neuen Besitzer, ja.« Die Art, wie der Kerl seinen Hammer umklammerte, strahlte boshafte Arroganz aus. Ralphs geöffnetes Fenster war nur einen Schwung entfernt. Es wäre ein Kinderspiel für ihn, Ralphs Schädel zu zermalmen!

Ralphs Finger schwebten über der Fensterverriegelung. Er verspürte eine primitive Abneigung gegen diesen Menschen, als würde er einem Mitglied eines rivalisierenden Stammes begegnen, das sich ohne Erlaubnis in seine Siedlung vorgewagt hatte. Er riss den Blick zurück zum Gesicht des Mannes und versuchte, ihn einzuschätzen. Wie alt er wohl war? Mitte fünfzig? Er hatte einen großen kahlen Fleck, rot von der Sonne oder Anstrengung, und tiefe Falten, von Dreck verklebt: auf jeden Fall älter als Ralph.

Ralph hustete, Staub hatte sich in seiner Kehle festgekrallt. »Kann ich seine Telefonnummer bekommen? Ich erkläre ihm die Situation.«

»Ein andermal«, sagte der Bauarbeiter. »Ich bin hier gerade etwas beschäftigt.« Und damit drehte er sich mit erhobenem Hammer zur Mauer zurück und schlug mit solch ungezügelter Gewalt zu, dass Ralph in seinem Sitz zusammenzuckte.

Sich die Sätze seines Antiaggressionstrainings ins Gedächtnis rufend - Mehr aus- als einatmen . Sag dir immer wieder vor: Du nimmst eine Bedrohung wahr, die möglicherweise überhaupt nicht existiert - schloss er das Fenster, wendete und fuhr den Lowland Way bis zum ersten freien Parkplatz zurück, den ganzen Weg bis Haus Nummer neunzehn. Normalerweise war er ein geschickter Einparker, doch an diesem Abend brauchte er mehrere Anläufe, bevor er schließlich den Motor ausschaltete.

Als er einen Blick auf sein Handy warf, bemerkte er zu spät einen verpassten Anruf von Naomi, gefolgt von der SMS:

Neuer Nachbar in Nr. 1, wirkt komisch!
Komm direkt nach Hause, wir müssen reden.

Oh, Mist!

Während Ralph die Haustür aufsperrte, mühte er sich ab, das Entsetzen über den Abriss der Mauer mit dem nervösen Frohlocken über den wiederaufgenommenen Kampf unter einen Hut zu bekommen.

»Hast du gesehen, was da draußen los ist, Nay?«

»Natürlich.« Naomi war in der Küche, auf der Rückseite des Hauses. Als Mitbegründerin einer Website für Mütter mit Vorschulkindern - »Betreiberin, nicht Redakteurin«, korrigierte sie Ralph gern - hatte sie ihren Geschäftssitz in einem strammen Zwanzig-Minuten-Powerwalk entfernt liegenden Arbeits- und Wohnraum ihrer Kollegin und hatte normalerweise bereits unter­wegs zu Abend gegessen, wenn er nach Hause kam (Ralph rühmte sich damit, an den Wochenenden das Kochen zu übernehmen). Schlank in ihrer grauen Freizeitkleidung und selbst in schwarzen Ballerinas groß, sah sie wie eine Ehefrau und Mutter aus der Werbung aus, während sie vor der Marmorplatte der Kücheninsel stand und glitzernde grüne Blätter in eine Schüssel warf; wie immer häufte sie die Cherrytomaten ganz oben auf den Berg, in der Hoffnung, die Salathasser der Familie zu überlisten.

Bei seinem Näherkommen drehte sie sich um, das Salatbesteck in die Luft gereckt. Eine dunkle Haarsträhne - lang und glatt, regelmäßig peinlichst genau nach Grau abgesucht - fiel ihr ins Auge, und mit elegant abgewinkeltem Handgelenk schob Naomi sie sich aus dem Gesicht. »Ich bin genauso entsetzt wie du, Liebling, glaub mir. Aber es ist zu spät, um die Mauer zu retten,...

»Spannender Thriller mit einem tollen Plot.«

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