Ein Antrag nach Mitternacht

HISTORICAL GOLD Bd. 235
 
 
Cora Verlag GmbH & Co. KG
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 3. April 2011
  • |
  • 320 Seiten
 
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978-3-86349-010-2 (ISBN)
 
Die aparte Lady Francesca Haughston frönt mit Anfang dreißig nur noch einer Leidenschaft: dem Stiften glücklicher Ehen. Und so sucht sie voller Eifer nach der passenden Frau für den attraktiven Sinclair Lilles, Duke of Rochford. Der begehrte Junggeselle war einst ihre große Liebe, doch die Funken der Sinnlichkeit zwischen ihnen sind längst erloschen - meint zumindest Francesca ... Allerdings entpuppt sich Sinclairs Art, sie anzusehen oder unvermittelt in die Arme zu ziehen, bald als wenig hilfreich für ihre raffinierten Verkuppelungspläne. Verfolgt Sinclair etwa heimlich ein ganz anderes Ziel als sie?
  • Deutsch
  • 0,43 MB
978-3-86349-010-2 (9783863490102)
386349010X (386349010X)

1. KAPITEL

Wer Lady Francesca Haughston dabei beobachtet hätte, wie sie sich durch den Ballsaal der Whittingtons bewegte, der wäre nicht auf den Gedanken gekommen, dass sie im Begriff war, den Eröffnungszug ihres jüngsten Plans zu machen. Sie schlenderte auf ihre übliche Weise umher, blieb hier stehen, um lobende Worte über ein Kleid zu verlieren, hielt dort an, um mit einem ihrer vielen Bewunderer zu flirten. Sie lächelte und unterhielt sich, dabei bewegte sie mit raschen Bewegungen ihren Fächer. Ihr Kleid war ein Traum aus eisblauer Seide, ihr blondes Haar hatte sie zu einem Knoten hochgebunden, sodass die Locken einem Wasserfall gleich über ihren Rücken fielen. Sie wusste, dass sie eine begehrenswerte Erscheinung war, in diesem Augenblick hatte das jedoch keine Bedeutung. Ihre dunkelblauen Augen hielten Ausschau nach ihrer Beute.

Fast einen Monat war es nun her, seit sie sich geschworen hatte, für den Duke of Rochford eine Frau zu finden, und heute Abend beabsichtigte sie, ihr Vorhaben in die Tat umzusetzen. Sämtliche Vorbereitungen waren getroffen, was auch bedeutete, dass sie sich eingehend mit allen jungen ledigen Frauen der Gesellschaft beschäftigt hatte. Sorgfältige Nachforschungen und Beobachtungen hatten dazu geführt, dass die Liste der Namen mit den infrage kommenden Heiratskandidatinnen zusehends zusammenschrumpfte. Am Ende waren drei übrig geblieben, von denen ihrer Meinung nach jede gut zu Sinclair passte.

Diese drei jungen Damen würden heute Abend anwesend sein, davon war sie überzeugt. Der Ball bei den Whittingtons war einer der Höhepunkte der Saison, und jede Dame im heiratsfähigen Alter würde sich ihn niemals entgehen lassen, außer sie wurde durch Krankheit daran gehindert. Vor allem aber standen die Chancen gut, dass auch der Duke den Ball besuchte. Für Francesca bedeutete dies, endlich ihr Vorhaben in Angriff nehmen zu können. Dieser Schritt war längst fällig - sogar überfällig -, das wusste sie nur zu gut. Kaum drei Wochen hatte sie gebraucht, bis sie die Auswahl der möglichen Bräute für Rochford getroffen hatte. Schließlich kam ohnehin nur ein enger Kreis von Mädchen als zukünftige Duchess infrage.

Doch ihr Vorhaben hatte ihr Kraft abverlangt, denn aus einem unerfindlichen Grund heraus hatte sie nach Callies Hochzeit einen merkwürdigen Widerwillen gegen gesellschaftliche Ereignisse entwickelt. Es langweilte sie, Besucher zu empfangen oder Einladungen zu Festen und Theaterbesuchen anzunehmen. Sogar ihrem guten Freund Sir Lucien war aufgefallen, dass sie plötzlich nicht mehr das Haus verlassen wollte. Die Ursache dafür war ihr selbst nicht klar. Sie wusste nur, dass ihr von einem Tag auf den anderen alles fade und bedeutungslos erschienen war, nicht der Mühe wert, sich aufzuraffen und unter Menschen zu begeben. Tatsächlich hatte sie sich sogar ein wenig trübsinnig gefühlt, was ihrer Meinung nach nur daran liegen konnte, dass Callie nun verheiratet war. Bis dahin hatte sie bei Francesca gewohnt, während sie gemeinsam auf die Suche nach einem geeigneten Ehemann für Sinclair Rochfords Schwester gegangen waren. Ohne Callies fröhliche Stimme und ihr strahlendes Lächeln war Francescas Haus einfach zu leer und einsam.

Doch sie hatte sich geschworen, wiedergutzumachen, was sie Callies Bruder vor fünfzehn langen Jahren angetan hatte. Natürlich war es unmöglich, das Geschehene rückgängig zu machen, aber sie konnte zumindest dem Duke den Gefallen tun, für ihn nach einer geeigneten Braut zu suchen. Schließlich war das ihre besondere Stärke. Also war sie zu diesem Ball gekommen, um endlich nach einer Ehefrau für Sinclair Ausschau zu halten.

Sie schlenderte weiter am Rand des prunkvollen Ballsaals entlang, der ganz in Weiß und Gold gehalten war. Das Parkett wies die Farbe von Honig auf, beleuchtet wurde der Saal von drei funkelnden Kristallleuchtern, während etliche dicke Kerzen aus Bienenwachs auf goldenen Haltern für zusätzliche Helligkeit sorgten. Gedämpft wurde das Licht von tiefroten Rosen und Päonien, die überall an den Wänden in großen Vasen herumstanden und sich am Geländer der prachtvollen Treppe in den ersten Stock hinaufwanden.

Es war ein eleganter Saal, den man ebenso in einem Palast hätte vorfinden können, und Gerüchten zufolge war es einzig dieser grandiose Raum, der Lady Whittington an dem riesigen, antiquierten Herrenhaus festhalten ließ, obwohl sie durch dessen Lage - es lag außerhalb von Mayfair - praktisch von der Gesellschaft abgeschnitten war.

Francesca bahnte sich einen Weg durch die Menge und steuerte auf die geschwungene Treppe zu, um vom Geländer im ersten Stock aus die jungen Frauen ausfindig zu machen, auf die sie in dem weitläufigen Saal bislang nicht gestoßen war. Während sie die Stufen hinaufging, überlegte sie, dass es eigentlich doch sehr passend war, ausgerechnet auf dem Ball der Whittingtons mit ihrer Suche zu beginnen. Schließlich hatte sie hier vor genau fünfzehn Jahren der Beziehung zum Duke of Rochford ein Ende gesetzt. An diesem Ort war ihre Welt in Trümmer zerschlagen worden.

Damals waren, wie sie sich erinnern konnte, ausschließlich weiße Blumen ausgewählt worden - Rosen, Kamelien und süßlich duftende Gardenien. Dazu einige grüne Blätter, die das Weiß besonders in Szene setzten. Francesca konnte für sich einen berauschenden Triumph verbuchen. Erst vor wenigen Wochen hatte sie ihr Debüt abgelegt, und sie galt als unbestrittene Schönheit der Saison. Die Männer hatten sie umschwärmt, mit ihr geflirtet und sie um einen Tanz angefleht. Sie hatten sie mit ausgefallenen Liebeserklärungen überhäuft und ihr unentwegt Komplimente gemacht. Dabei hatte sie die ganze Zeit über ihr Geheimnis für sich behalten, das sie vor Liebe und Begeisterung fast trunken machte - bis ein Diener zu ihr kam und ihr einen Zettel in die Hand drückte.

Inzwischen war Francesca im ersten Stock angelangt. Sie stellte sich ans Geländer, damit sie die tanzenden Paare beobachten konnte, die über die Tanzfläche wirbelten. Viel hatte sich nicht seit jener Nacht verändert, überlegte sie. Natürlich trug man vor fünfzehn Jahren andere Kleider, ganz der damaligen Mode entsprechend, und auch einige dekorative Elemente wie die Gestaltung des Blumenschmucks verwiesen darauf, dass die Nacht nicht mehr dieselbe war. Doch der Glanz, der über dem Fest schwebte, die Begeisterung, die Hoffnungen und Intrigen der Gäste - das alles war geblieben. Francesca studierte das Gewimmel dort unten, ohne tatsächlich etwas zu sehen, da sie mit ihren Gedanken weiterhin in der Vergangenheit verharrte.

"Ist der Ball tatsächlich so trostlos?", fragte plötzlich eine vertraute Stimme gleich neben ihr.

Francesca drehte sich lächelnd zu einer blonden Frau um. "Irene! Wie schön, dich zu sehen!"

Lady Irene Radbourne war eine Person von außergewöhnlicher Schönheit, mit vollem lockigen Haar und auffallend golden schimmernden Augen. Fast wäre sie als alte Jungfer bezeichnet worden - und sie war fest entschlossen, dies auch mit ihren siebenundzwanzig Jahren zu akzeptieren -, als Francesca im letzten Herbst für sie den idealen Ehemann gefunden hatte. Es war der Earl of Radbourne, für den sie eine passende Frau suchen sollte. Lady Irene und sie hatten sich ihr Leben lang fast immer in den gleichen Kreisen bewegt, daher kannte sie sie seit vielen Jahren als jemanden, der aus seiner Meinung keinen Hehl machte. Freundinnen waren sie aber erst geworden, nachdem sie beide zwei Wochen auf dem Anwesen der Radbournes verbracht hatten. Dort war Francesca damit beschäftigt gewesen, dem recht ungeschliffenen Lord Gideon zu einer wohlerzogenen Frau zu verhelfen. Inzwischen waren Irene und sie fast unzertrennlich.

Irene warf einen Blick auf die farbenprächtigen Paare im Parterre. "Gefallen dir die heiratsfähigen jungen Damen etwa nicht?"

Von Francesca kam als erste Reaktion ein Schulterzucken. Selbst wenn sie und Irene in dieser Angelegenheit einvernehmliches Stillschweigen wahrten, vermutete Francesca doch, dass Irene sie durchschaut hatte. Ihre Verkupplungsbemühungen waren weniger ein Zeitvertreib, sondern sicherten vielmehr ihr Überleben.

"Eigentlich habe ich mich ihnen noch gar nicht so gründlich gewidmet. Ich fürchte, seit Callies Hochzeit bin ich ziemlich träge geworden."

Irene musterte sie eindringlich. "Du bist tatsächlich bedrückt, nicht wahr? Kann ich irgendetwas für dich tun?"

"Es ist gar nichts", wehrte Francesca kopfschüttelnd ab. "Ich musste nur an etwas denken . etwas, das lange her ist. An einen anderen Ball, der auch hier stattfand." Sie zwang sich zu einem Lächeln, wobei sich in ihrer Wange das charmante Grübchen abzeichnete. "Wo ist dein Mann?"

In den sechs Monaten, die das Paar mittlerweile verheiratet war, hatte Francesca ihre Freundin nur äußerst selten einmal ohne Lord Gideon an ihrer Seite gesehen. Die beiden passten deutlich besser zueinander, als sie es zu Anfang für möglich gehalten hätte. Es schien, als würde ihre Liebe mit jedem Tag noch etwas stärker.

Irene musste kichern. "Als wir eintrafen, lauerte ihm bereits seine Großtante auf."

"Lady Odelia?", fragte Francesca entsetzt. "Großer Gott, sie ist auch hier?" Erschrocken schaute sie sich um.

"Keine Angst, wir sind hier in Sicherheit", beteuerte Irene. "Ich glaube nicht, dass sie die Treppe hinaufkommen wird. Darum habe ich mich ja auch auf den Balkon geflüchtet, nachdem ich gesehen habe, dass Gideon ihr in die Finger gefallen ist."

"Und du hast ihn einfach im Stich gelassen?", hakte Francesca amüsiert nach. "Hast du etwa dein Ehegelübde vergessen?"

"In...

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