Das Spiel des Patriarchen

Commissario Montalbanos fünfter Fall. Roman
 
 
Lübbe (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 22. Juli 2011
  • |
  • 320 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-8387-1255-0 (ISBN)
 
Commissario Montalbano sind moderne Errungenschaften wie Computer und Internet hochgradig suspekt ? auch wenn dieses Teufelszeug mittlerweile selbst das Kommissariat von Vigàta erreicht hat. Als ein junger Mann ermordet aufgefunden wird und ein altes Ehepaar zeitgleich verschwindet, beweist der Commissario, dass man auch mit altbewährten Methoden modernen Kriminellen auf die Schliche kommt. Andiamo! Commissario Montalbano löst seinen fünften Fall.
1. Aufl. 2011
  • Deutsch
  • Breite: 125 mm
  • 1,62 MB
978-3-8387-1255-0 (9783838712550)
3838712552 (3838712552)
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Zwei


Sie wurden von erregten Stimmen im Vorzimmer unterbrochen. Da wurde eindeutig gestritten.

»Schau mal rüber.«

Fazio ging hinaus, die Stimmen beruhigten sich, nach einer Weile kam er zurück.

»Da ist ein Signore, der auf Catarella sauer ist, weil er ihn nicht vorlassen wollte. Er will unbedingt mit Ihnen sprechen.«

»Er soll warten.«

»Er wirkt ziemlich aufgeregt, Dottore.«

»Er soll reinkommen.«

Ein Mann um die vierzig erschien: Brille, ordentlich gekleidet, Seitenscheitel, Gesicht eines braven Angestellten. »Danke, dass Sie mich empfangen. Sie sind Commissario Montalbano, nicht wahr? Ich heiße Davide Griffo, es tut mir sehr leid, dass ich laut werden musste, aber ich konnte nicht verstehen, was Ihr Beamter zu mir sagte. Ist er Ausländer?« Das überging Montalbano lieber.

»Ich höre.«

»Wissen Sie, ich wohne in Messina, ich arbeite im Rathaus. Ich bin verheiratet. Hier leben meine Eltern, ich bin ihr einziges Kind. Ich mache mir Sorgen um sie.«

»Warum?«

»Ich rufe sie zweimal in der Woche aus Messina an, donnerstags und sonntags. Vorgestern Abend, am Sonntag, ging niemand ans Telefon. Seitdem habe ich nichts mehr von ihnen gehört. Ich habe in diesen Stunden Höllenqualen gelitten, dann sagte meine Frau, ich solle mich ins Auto setzen und nach Vigàta fahren. Gestern Abend rief ich die Pförtnerin an und fragte, ob sie den Schlüssel zur Wohnung meiner Eltern habe. Sie verneinte. Meine Frau hat mir geraten, mich an Sie zu wenden. Sie hat Sie zweimal im Fernsehen gesehen.«

»Wollen Sie Vermisstenanzeige erstatten?«

»Ich möchte vorher die Genehmigung, die Tür aufbrechen zu lassen.«

Seine Stimme wurde brüchig.

»Es kann etwas Schlimmes passiert sein, Commissario.« »In Ordnung. Fazio, hol Gallo her.«

Fazio ging hinaus und kam mit dem Kollegen wieder.

»Gallo, begleite den Signore. Er muss die Wohnung seiner Eltern aufbrechen lassen. Seit letztem Sonntag hat er nichts mehr von ihnen gehört. Was sagten Sie, wo sie wohnen?«

»Ich habe es noch nicht gesagt. In der Via Cavour 44.«

Montalbano verschlug es die Sprache.

»Madunnuzza santa!«, rief Fazio.

Gallo bekam einen heftigen Hustenanfall und verließ auf der Suche nach einem Glas Wasser das Zimmer.

Davide Griffo, blass und über die Wirkung seiner Worte erschrocken, sah um sich.

»Was habe ich denn gesagt?«, fragte er mit dünner Stimme.

Als Fazio in der Via Cavour vor der Nummer 44 hielt, öffnete Davide Griffo sofort die Autotür und stürzte in den Hauseingang.

»Womit fangen wir an?«, fragte Fazio, während er den Wagen zumachte.

»Mit den verschwundenen Alten. Der Tote ist tot und kann warten.«

In der Haustür stießen sie mit Griffo zusammen, der schnell wie ein Gummiball wieder herausgesaust kam.

»Die Pförtnerin hat gesagt, dass heute Nacht ein Mord passiert ist! Jemand, der hier im Haus gewohnt hat!«

Erst da bemerkte er die Umrisslinie von Nenè Sanfilippos Körper, die weiß auf den Bürgersteig gezeichnet war. Er begann heftig zu zittern.

»Ganz ruhig«, sagte der Commissario und legte ihm eine Hand auf die Schulter.

»Nein . aber ich fürchte .«

»Signor Griffo, glauben Sie, dass Ihre Eltern in einen Mordfall verwickelt sein könnten?«

»Soll das ein Witz sein? Meine Eltern sind .«

»Na also. Vergessen Sie, dass hier heute Morgen jemand umgebracht wurde. Gehen wir lieber rein.«

Signora Ciccina Recupero, die Pförtnerin, war in den zwei mal zwei Metern der Portiersloge unterwegs wie ein Bär, der im Käfig verrückt geworden ist und von einem Bein auf das andere wankt. Sie konnte sich das erlauben, denn sie war nur Haut und Knochen, und das bisschen Platz, das sie zur Verfügung hatte, war mehr als genug, um sich zu bewegen.

»O Gott o Gott o Gott! Madonnuzza santa! Was ist nur los in diesem Haus? Was ist da los? Wer hat uns verhext? Wir müssen sofort den Pfarrer mit seinem Weihwasser holen!«

Montalbano packte sie am Arm, vielmehr an ihrem Armknochen, und zwang sie, sich zu setzen.

»Stellen Sie sich nicht so an. Hören Sie auf, sich zu bekreuzigen, und beantworten Sie meine Fragen. Seit wann haben Sie das Ehepaar Griffo nicht mehr gesehen?«

»Seit letztem Samstagvormittag, als die Signora vom Einkaufen zurückkam.«

»Mittlerweile ist Dienstag, und da haben Sie sich keine Sorgen gemacht?«

Die Pförtnerin wurde ungehalten.

»Warum sollte ich? Die wollen doch mit niemand was zu tun haben. Hochnäsig sind die! Und es ist mir scheißegal, wenn der Sohn das hört! Die gehen aus dem Haus, kommen mit ihren Einkäufen zurück, schließen sich in der Wohnung ein und lassen sich dann drei Tage nicht mehr blicken! Sie haben meine Telefonnummer: Wenn sie was gebraucht hätten, hätten sie mich anrufen können!«

»Und ist das vorgekommen?«

»Was ist vorgekommen?«

»Dass sie Sie angerufen haben.«

»Ja, manchmal schon. Als Signor Fofò, der Mann, krank war, hat er mich angerufen, dass ich bei ihm bleiben soll, solang sie in der Apotheke war. Dann war mal der Schlauch von der Waschmaschine kaputt, und alles stand unter Wasser. Und das dritte Mal, da .«

»Danke, das genügt. Sie sagten, Sie hätten keinen Schlüssel?«

»Gesagt hab ich das nicht, ich habe keinen! Letzten Sommer hat mir Signora Griffo mal den Schlüssel gegeben, da sind sie zu ihrem Sohn nach Messina gefahren. Ich sollte die Blumen auf ihrem Balkon gießen. Dann wollten sie den Schlüssel zurückhaben und haben sich nicht mal bedankt, né scu né passiddrà, keinen Ton haben sie gesagt, als wäre ich ihr Dienstmädchen, ihre Magd! Und Sie erzählen mir was von Sorgen machen? Wenn ich in den vierten Stock hoch wäre und gefragt hätte, ob sie was brauchen, hätten die doch gesagt, ich soll mich zum Teufel scheren!«

»Fahren wir rauf?«, fragte der Commissario Davide Griffo, der an der Wand lehnte. Er machte den Eindruck, als könnte er sich kaum auf den Beinen halten.

Sie nahmen den Aufzug und fuhren in den vierten Stock. Davide schoss sofort hinaus. Fazio flüsterte dem Commissario etwas ins Ohr.

»Jedes Stockwerk hat vier Wohnungen. Nenè Sanfilippo wohnte direkt unter den Griffos«, sagte er und wies mit dem Kinn auf Davide, der mit seinem ganzen Körper an der Tür der Wohnung Nummer siebzehn lehnte und vergebens klingelte.

»Gehen Sie bitte zur Seite.«

Davide schien ihn nicht zu hören, er drückte immer noch auf die Klingel. Man hörte sie schellen, nutzlos und leise. Fazio trat vor, packte den Mann an den Schultern und schob ihn beiseite. Der Commissario holte einen dicken Schlüsselbund aus der Hosentasche, an dem ein Dutzend unterschiedlicher Dietriche hing. Das Geschenk eines Einbrechers, mit dem er befreundet war. Er hantierte keine fünf Minuten an dem Schloss herum. Es war nicht nur zugeschnappt, der Schlüssel war auch noch dreimal umgedreht gewesen.

Die Tür öffnete sich. Montalbano und Fazio dehnten ihre Nasenlöcher so weit wie möglich, um den Geruch wahrzunehmen, der von innen kam. Fazio hielt Davide, der hineinstürzen wollte, am Arm fest. Der Tod fängt nach zwei Tagen an zu stinken. Aber da war nichts, die Wohnung roch nur nach abgestandener Luft. Fazio ließ Davide los, der rannte hinein und schrie sofort:

»Papà! Mamà!«

Es herrschte vollkommene Ordnung. Die Fenster waren geschlossen, das Bett gemacht, die Küche aufgeräumt, kein schmutziges Geschirr in der Spüle. Im Kühlschrank Käse, eine Packung Schinken, Oliven, eine halb volle Flasche Weißwein. Im Gefrierfach vier Scheiben Fleisch, zwei Meerbarben. Wenn sie weggefahren waren, hatten sie bestimmt vor, bald wiederzukommen.

»Haben Ihre Eltern Verwandte?«

Davide hatte sich auf einen Küchenstuhl gesetzt und stützte den Kopf in die Hände.

»Papà nicht. Mamà schon. Einen Bruder in Comiso und eine Schwester in Trapani, die nicht mehr lebt.«

»Könnte es nicht sein, dass sie zu dem Bruder .«

»Nein, Dottore, das ist ausgeschlossen. Der hat seit vier Wochen nichts von ihnen gehört. Sie haben nicht viel Kontakt.«

»Sie haben also keine Ahnung, wo sie hingefahren sein könnten?«

»Nein. Sonst hätte ich ja versucht, sie zu finden.«

»Zum letzten Mal haben Sie Donnerstagabend vergangener Woche mit ihnen gesprochen, nicht wahr?«

»Ja.«

»Haben sie nichts zu Ihnen gesagt, was .«

»Absolut nichts.«

»Worum ging es bei dem Gespräch?«

»Um das Übliche, die Gesundheit, die Enkel . Ich habe zwei Jungen, Alfonso wie Papà und Giovanni, der eine ist sechs, der andere vier. Meine Eltern hängen sehr an ihnen. Wenn wir sie in Vigàta besuchen, überhäufen sie die Kinder immer mit Geschenken.«

Er tat nichts, um seine Tränen zurückzuhalten.

Fazio hatte sich in der Wohnung umgesehen und breitete die Arme aus, als er zurückkam.

»Signor Griffo, es ist zwecklos, noch hier zu bleiben. Ich hoffe, ich kann Ihnen möglichst bald etwas sagen.«

»Commissario, ich habe ein paar Tage Urlaub genommen. Ich kann mindestens bis morgen Abend in Vigàta bleiben.«

»Meinetwegen können Sie bleiben, so lange Sie...

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