Ich gehöre zu dir

Bailey - Ein Freund fürs Leben - Buch zum Film - Roman
 
 
Random House ebook (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 11. November 2011
  • |
  • 352 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-06517-1 (ISBN)
 
Bailey ist clever, faul und ziemlich frech. Am Ende eines tristen Lebens als Straßenköter fragt er sich, wozu er überhaupt auf der Welt war, und ist verblüfft, plötzlich als wunderschöner Rassehund wiedergeboren zu werden. Der achtjährige Ethan nimmt ihn bei sich auf, und Bailey lernt, was es heißt, einen echten Freund zu haben. Aber seine Reise ist noch nicht beendet, er muss weiterziehen und noch viel lernen. Als er Ethan nach vielen Jahren wiedersieht, ergibt alles plötzlich einen Sinn ...


W. Bruce Cameron, 1960 geboren, ist als Kolumnist und Autor international bekannt. Seine Kolumne zur Erziehung von Teenagern war 1995 so populär, dass sie als Buch veröffentlicht wurde, das als Vorlage für die TV-Serie 'Meine wilden Töchter' diente. Bruce Cameron publiziert seine Kolumnen in verschiedenen Zeitungen und arbeitet derzeit an einer Fernsehadaption von 'So erziehen Sie Ihren Mann'. Mit seinem Vorgängeroman 'Ich gehöre zu dir' landete er auf Anhieb einen Bestseller.
  • Deutsch
  • 2,05 MB
978-3-641-06517-1 (9783641065171)
3641065178 (3641065178)
weitere Ausgaben werden ermittelt

Eins

Eines Tages kam mir der Gedanke, dass die warmen, fiependen, müffelnden Dinger, die da um mich herumwuselten, meine Geschwister sein mussten. Ich war ganz schön enttäuscht!

Obwohl ich noch nicht viel mehr erkennen konnte als ein paar verschwommene Konturen, wusste ich ganz genau, dass das herrliche Wesen mit der langen, kräftigen Zunge meine Mutter war. Mit der Zeit wurde mir auch klar, woran es lag, wenn mir plötzlich kalt wurde: Dann war sie fortgegangen. Aber wenn die Wärme zurückkehrte, war es Zeit für die nächste Mahlzeit. Um einen Platz zum Trinken zu finden, musste ich zunächst erst einmal etwas beiseitedrängen, was ich mittlerweile als die Schnauze eines Geschwisterchens identifiziert hatte, das mich um meinen Anteil bringen wollte. Ziemlich mühsam und verwirrend, das Ganze! Ich konnte nicht verstehen, wozu meine Geschwister überhaupt gut waren. Wenn Mutter mir den Bauch leckte, um meine Verdauung anzuregen, blinzelte ich sie selig an und wünschte, sie würde die anderen zur Hölle schicken, denn ich wollte sie ganz für mich allein haben.

Nach und nach akzeptierte ich widerwillig, dass ich den Bau noch länger mit den anderen teilen musste. Meine Nase sagte mir schon bald, dass ich eine Schwester und zwei Brüder hatte. Schwesterchen war fast genauso rauflustig wie meine Brüder. Einer von ihnen war mir immer eine Schnauzenlänge voraus, ihn nannte ich den Schnellen. Der andere war für mich der Hungrige, denn er wimmerte immer sofort los, wenn Mutter sich entfernte. Wenn sie dann zurückkehrte, saugte er so verzweifelt an ihrer Zitze, als ob er nie genug bekommen würde. Er schlief öfter und länger als wir anderen. Das war uns natürlich recht, denn so konnten wir auf ihm herumhüpfen und an seinem Gesicht herumknabbern, ohne dass er sich wehrte.

Unser Bau lag im Wurzelwerk eines Baums, wo es selbst in der größten Tageshitze noch kühl und dunkel war. Als ich zum ersten Mal ins Freie tapste, kamen Schwesterchen und der Schnelle mit. Ich brauche ja wohl nicht extra zu erwähnen, dass der Schnelle sich vordrängelte, um als Erster draußen zu sein.

Von uns vieren war er der Einzige mit einem weißen Fleck im Gesicht, und als er unbeschwert voraneilte, leuchtete dieses Stück Fell im Sonnenlicht. Ich bin etwas Besonderes, schien der helle, sternenförmige Fleck der Welt sagen zu wollen. Sein restliches Fell war genauso unspektakulär braun-schwarz gefleckt wie meines. Der Hungrige war etwas heller, während Schwesterchen Mutters Knubbelnase und ihre flache Stirn geerbt hatte. Trotz dieser Unterschiede waren wir uns aber alle ziemlich ähnlich - daran änderte auch das ständige Herumtänzeln des Schnellen nichts.

Unser Baum stand am Ufer eines Baches, und ich amüsierte mich köstlich, als der Schnelle Hals über Kopf die Böschung hinunterpurzelte. Allerdings muss ich zugeben, dass auch Schwesterchen und ich keine besonders gute Figur machten, als wir unsererseits den Abstieg wagten. Schlüpfrige Steine und das schmale Rinnsal des Baches verbreiteten einen herrlichen Duft, und wir folgten dem Wasserlauf, bis wir zu einer feuchtkühlen Höhle kamen, einer Art Röhre mit Metallwänden. Mir war instinktiv klar, dass dies bei Gefahr ein erstklassiges Versteck war. Aber Mutter war von unserem Fund nicht allzu beeindruckt und beförderte uns ohne viel Federlesens wieder in unseren Bau zurück, als sich herausstellte, dass unsere Beine nicht kräftig genug waren, um die steile Böschung wieder hochzuklettern.

Jedenfalls hatten wir etwas gelernt: Wir konnten nicht ohne fremde Hilfe in unseren Bau zurück, wenn wir die Böschung hinunterkletterten. Sobald Mutter das nächste Mal den Bau verließ, zogen wir also sofort wieder los und versuchten es erneut. Dieses Mal kam sogar der Hungrige mit. Als er die Röhre erreichte, machte er es sich im kühlen Schlamm bequem und schlief ein. Erkundungsausflüge waren jetzt genau das Richtige - immerhin war die Zeit gekommen, da wir uns etwas anderes zu essen suchen mussten. Mutter hatte keine Geduld mehr mit uns und stand oft schon auf, wenn wir noch gar nicht satt waren. Daran waren natürlich die anderen schuld - der Hungrige mit seiner Unersättlichkeit, der Schnelle mit seiner Drängelei und Schwesterchen mit ihrem ewigen Schwanzwedeln. Nur ihretwegen lief Mutter davon, wenn unsere Bäuche noch nicht voll waren. Ich dagegen brachte sie fast immer dazu, sich seufzend wieder hinzulegen, wenn ich zu ihr aufschaute und sie mit den Pfoten anstupste.

Häufig nahm sich Mutter noch zusätzlich Zeit, um den Hungrigen ausgiebig abzulecken, während ich vor Wut über diese Ungerechtigkeit schäumte.

Schwesterchen und der Schnelle waren mittlerweile größer als ich - mein Körper war so groß wie ihrer, aber meine Beine waren kürzer und stämmiger. Der Hungrige war natürlich der Kümmerlichste aus dem ganzen Wurf, und es ärgerte mich, dass Schwesterchen und der Schnelle mich immer im Stich ließen, um miteinander zu spielen, als ob der Hungrige und ich aufgrund irgendeiner naturgegebenen Ordnung im Rudel zusammengehörten. Schwesterchen und der Schnelle interessierten sich mehr füreinander als für die restliche Familie. Aber das zahlte ich ihnen heim, indem ich ihnen meine Gesellschaft versagte und mich, so oft ich Gelegenheit dazu hatte, in die Röhre zurückzog.

Eines Tages erschnupperte ich den köstlichen Geruch von etwas Totem, Verwesendem, als plötzlich genau vor meiner Nase ein winziges Tier explodierte - ein Frosch!

Begeistert stürzte ich darauf zu und versuchte ihn zu fangen, aber der Frosch hüpfte erneut davon. Er hatte Angst, obwohl ich doch nur mit ihm spielen und ihn - wahrscheinlich - nicht essen wollte.

Inzwischen hatten Schwesterchen und der Schnelle mitbekommen, dass ich etwas Interessantes aufgestöbert hatte, und stürmten in die Röhre. Schliddernd kamen sie in dem schlammigen Wasser zum Stehen und waren so ungestüm, dass sie mich umwarfen. Der Frosch hüpfte vor Schreck weiter, und der Schnelle hechtete ihm nach, wobei er meinen Kopf als Sprungbrett benutzte. Ich knurrte böse, aber er ignorierte mich.

Schwesterchen und der Schnelle machten die unmöglichsten Verrenkungen, um den Frosch zu packen, aber der rettete sich in eine größere Wasserlache und schwamm mit gewaltigen Beinstößen davon. Schwesterchen steckte die Schnauze ins Wasser und schnaubte. Es spritzte so sehr, dass der Schnelle und ich ganz nass wurden. Der Schnelle sprang ihr auf den Rücken, und die beiden begannen miteinander zu raufen. Den Frosch - meinen Frosch! - hatten sie schon wieder vergessen.

Traurig zog ich davon. Anscheinend bestand meine Familie nur aus Schwachköpfen.

In den darauffolgenden Tagen musste ich noch oft an diesen Frosch denken, meist kurz vor dem Einschlafen. Und jedes Mal fragte ich mich, wie er wohl geschmeckt hätte.

Immer häufiger knurrte Mutter jetzt leise, wenn wir hungrig zu ihr kamen. Und dann kam der Tag, an dem sie drohend mit den Zähnen knirschte, als wir uns gierig auf sie stürzen wollten. Da erkannte ich verzweifelt, dass meine Geschwister endgültig alles verdorben hatten. Der Schnelle machte sich ganz flach und kroch unterwürfig auf Mutter zu. Sie senkte den Kopf und ließ ihn an ihrer Schnauze lecken. Dann belohnte sie ihn, indem sie ihm etwas zu fressen hinlegte, und alle vier stürzten wir uns darauf. Der Schnelle stieß uns fort, aber jetzt kannten wir den Trick: Wenn ich schnüffelte und dann Mutters Schnauze leckte, gab sie auch mir etwas zu fressen.

Inzwischen kannten wir das Bachbett in- und auswendig. Wir hatten so oft darin herumgetollt, dass die ganze Gegend nach uns roch. Der Schnelle und ich nahmen es mit dem Spielen sehr ernst und verbrachten fast unsere ganze Zeit damit. Irgendwann wurde mir jedoch klar, dass es dem Schnellen immer nur darum ging, mich auf den Rücken zu werfen und meinen Kopf und meine Kehle mit seinen Zähnen zu bearbeiten. Schwesterchen ließ sich nie auf solche Spiele mit ihm ein, und folglich verlor sie auch nie. Ich war mir immer noch nicht sicher, ob mir das gefiel, was jeder für die natürliche Rangordnung in unserer Familie hielt. Nur dem Hungrigen war es natürlich völlig egal, welchen Rang er einnahm. Also biss ich ihm in die Ohren, wenn mein Frust zu groß war.

Eines Nachmittags lag ich faul herum und beobachtete, wie Schwesterchen und der Schnelle mit einem Stofffetzen spielten, den sie gefunden hatten. Plötzlich stellten sich meine Ohren auf. Irgendein fremdes Tier näherte sich, ein ziemlich großes und lautes. Ich beeilte mich, auf die Füße zu kommen, aber ehe ich zum Bachbett runterrennen konnte, um nachzusehen, was das für ein Geräusch war, stand Mutter vor mir, den ganzen Körper in gespannter Alarmbereitschaft. Ich wusste nicht, warum, und am wenigsten verstand ich, weshalb sie den Hungrigen im Maul trug. So komfortabel wurden wir schon seit Wochen nicht mehr transportiert. Mutter führte uns in die dunkle Röhre und legte sich flach auf den Boden. Sogar die Ohren legte sie an. Das war eine klare Ansage. Wir folgten ihrem Beispiel und krochen mucksmäuschenstill tief in unser Versteck.

Als das große Wesen vor der Röhre auftauchte, sahen wir, dass es auf zwei Beinen ging. Mutters Rückenfell sträubte sich. So ängstlich hatte ich sie noch nie gesehen. Das Wesen hatte etwas im Maul, das einen beißenden Rauch absonderte, und es kam geradewegs auf uns zu.

Völlig fasziniert starrte ich das Wesen an. Merkwürdigerweise fühlte ich mich von ihm stark angezogen, und ich war drauf und dran, aus unserem Versteck zu stürmen, um es zu begrüßen. Doch ein Blick von meiner Mutter genügte, um mich daran zu hindern. Sie schien davon überzeugt zu sein, dass wir diese Kreatur...

Schweitzer Klassifikation
BISAC Classifikation
Warengruppensystematik 2.0

Dateiformat: EPUB
Kopierschutz: Wasserzeichen-DRM (Digital Rights Management)

Systemvoraussetzungen:

Computer (Windows; MacOS X; Linux): Verwenden Sie eine Lese-Software, die das Dateiformat EPUB verarbeiten kann: z.B. Adobe Digital Editions oder FBReader - beide kostenlos (siehe E-Book Hilfe).

Tablet/Smartphone (Android; iOS): Installieren Sie bereits vor dem Download die kostenlose App Adobe Digital Editions (siehe E-Book Hilfe).

E-Book-Reader: Bookeen, Kobo, Pocketbook, Sony, Tolino u.v.a.m. (nicht Kindle)

Das Dateiformat EPUB ist sehr gut für Romane und Sachbücher geeignet - also für "fließenden" Text ohne komplexes Layout. Bei E-Readern oder Smartphones passt sich der Zeilen- und Seitenumbruch automatisch den kleinen Displays an. Mit Wasserzeichen-DRM wird hier ein "weicher" Kopierschutz verwendet. Daher ist technisch zwar alles möglich - sogar eine unzulässige Weitergabe. Aber an sichtbaren und unsichtbaren Stellen wird der Käufer des E-Books als Wasserzeichen hinterlegt, sodass im Falle eines Missbrauchs die Spur zurückverfolgt werden kann.

Weitere Informationen finden Sie in unserer E-Book Hilfe.


Download (sofort verfügbar)

7,99 €
inkl. 19% MwSt.
Download / Einzel-Lizenz
ePUB mit Wasserzeichen-DRM
siehe Systemvoraussetzungen
E-Book bestellen