Skull-Ranch 32 - Western

Der Weidekrieg
 
 
Bastei Lübbe (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 7. Juli 2020
  • |
  • 64 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7517-0065-8 (ISBN)
 
Grimmig und mit Hass im Herzen beobachten die Rancher den Strom blökender Schafe, der sich langsam ihrem Weideland nähert. Die sechs mächtigsten Rinderzüchter des Countys wollen nicht mitansehen, wie die Schafherde ihren Rindern das Gras wegfrisst. Für Tuck Rollings, ihren Anführer, gibt es nur eine Lösung, um die verachteten Schafzüchter zu vertreiben: Krieg. Im Morgengrauen werden sie gnadenlos angreifen und das Camp der Schäfer überfallen. Und jeder, der sich wehrt, wird den Sonnenaufgang nicht mehr erleben ...
1. Aufl. 2020
  • Deutsch
  • Köln
  • |
  • Deutschland
  • 1,74 MB
978-3-7517-0065-8 (9783751700658)

Der Weidekrieg

von Frank Callahan

Grimmig beobachten die Rancher den Strom blökender Schafe, der sich langsam ihrem Weideland nähert. Die sechs mächtigsten Rinderzüchter des Countys wollen nicht mit ansehen, wie die Schafherde ihren Rindern das Gras wegfrisst. Für Tuck Rollings, ihren Anführer, gibt es nur eine Lösung, um die Schafzüchter zu vertreiben: Krieg.

Im Morgengrauen werden sie angreifen und das Camp der Schäfer überfallen. Jeder, der sich wehrt, wird den Sonnenaufgang nicht mehr erleben ...

Myriam Sunbeam windet sich sachte aus den Armen ihres Mannes, hauchte ihm einen Kuss auf die stoppelbärtige Wange und erhebt sich.

Sie ist eine wunderschöne Frau, als sie nun nackt in dem kleinen Zelt steht.

Langes Haar, das an das glänzende Gefieder eines Raben erinnert, fällt bis über die Schultern. Sie mag ungefähr fünfundzwanzig Jahre alt sein, hat jedoch noch den schlanken, biegsamen Körper eines achtzehnjährigen Mädchens.

In ihrem ovalen Gesicht funkeln zwei grüne, sehr bestimmt blickende Augen. Es gibt ein paar Fältchen um Mund und Augen, die zeigen, dass das Leben der jungen Frau bisher nichts schenkte.

Sie streifte sich Bluse und Rock über und tritt dann vor das Zelt. Stille herrschte in dem kleinen Camp. Die ersten Schimmer im Osten verkünden das Nahen des beginnenden Tages.

In der Ferne vernimmt sie das Mähen und Blöken der Schafe, die, wie ein nicht aufzuhaltender Strom, nach Osten ziehen und sich einem Tal nähern, wo es noch reichlichere Nahrung als hier auf der Prärie geben wird.

Einige Gestalten schieben sich aus den Zelten hervor. George Sunbeam, ihr Mann, tauchte plötzlich hinter Myriam auf. Er legt ihr zärtlich einen Arm um die Schulter, und sie schmiegt sich gegen seinen großgewachsenen Körper.

Sie küssen sich.

»Ich habe Angst«, sagt sie plötzlich. »Ich fühle eine panische Angst in mir, George«, flüstert sie leise. »In einer Stunde läuft das Ultimatum ab, das uns die Rindermänner gestellt haben. Und ich glaube, dass diese Burschen nicht geblufft haben.«

George Sunbeam verstärkt den Druck seines Armes.

»Mach dir keine Sorgen, Kleines. Sie werden nicht angreifen, denn dann stellen sie sich gegen das Gesetz. Wir wollen doch nichts anderes, als mit unseren Schafen hier durchziehen. Außerdem ist dies hier weit und breit freies Regierungsland. In wenigen Tagen haben wir dieses County hinter uns gelassen und nähern uns Colorado, wo es viele Täler geben soll, die nur auf uns warten. Dort wird man nichts gegen Schafe haben.«

Myriam blickt zu ihrem Mann auf, und sie fühlt seine starke Ausstrahlung, die sie schon immer so fasziniert hat. Er streicht ihr durch das schwarze Haar.

»Bereite alles zum Aufbruch vor, Kleines«, sagt er zärtlich. »Wir müssen der Herde folgen.«

Er geht nochmals ins Zelt zurück und kommt dann mit umgeschnalltem Revolvergurt zurück.

Sie erschrickt.

»Für alle Fälle«, meint er, als er ihr bleiches Gesicht sieht. Er nickt ihr nochmals beruhigend zu und tritt dann zu den anderen Männern, die sich um ein prasselndes Lagerfeuer versammelt haben, das einer von ihnen entfachte.

»Hallo, Jungs!«, ruft er. Sie nicken ihm zu. Ihre Gesichter wirken verkniffen. Sie scheinen das Ultimatum der Rancher nicht so auf die leichte Schulter zu nehmen.

»Okay, Leute, ihr macht Gesichter, als habe es dicht neben euch eingeschlagen. Sattelt eure Pferde, und, dann reiten wir zur Herde hinüber. Die Nacht ist ruhig verlaufen, ich bin erst vor drei Stunden ins Camp zurückgekommen, um noch eine kleine Mütze voll Schlaf zu nehmen. Wir lösen die anderen Männer ab.«

Einige Minuten später sitzen sie in den Sätteln. Die Frauen brechen inzwischen das Lager ab und verpacken es auf einen Planwagen. Drei mexikanische Gehilfen unterstützen sie dabei.

George Sunbeam winkt seiner Frau kurz zu und setzt sich an die Spitze des Reitertrupps.

Myriam blickt ihrem Mann mit sorgenvollem Gesicht nach. Ein Stöhnen entringt sich ihren bleichen Lippen.

Sie hat plötzlich das Gefühl, George zum letzten Mal lebend gesehen zu haben.

Die grauen Schatten des beginnenden Tages kämpfen erfolgreich gegen die dunklen Schleier der Nacht an. Der Morgen graut. Bodennebel wallen. Die Konturen wirken verwaschen. Sogar die Geräusche der Tierwelt sind verstummt.

Es ist die Stunde zwischen Tag und Nacht. Erst in ungefähr einer Stunde wird die Sonne hinter den Hügeln aufgehen.

Ein Geräusch, wie entferntes Donnergrollen, lässt plötzlich die Prärie erbeben. Es hört sich an, als sei eine Rinderherde in Stampede geraten.

George Sunbeam zügelt sein Pferd. Seine Augen starren nach Osten, versuchen im Grau der Dämmerung etwas zu erkennen.

Nervös tänzeln die Pferde. Sattelzeug und Leder knarren. Die Augen der Männer weiten sich.

Und dann erkennen sie die Rinderherde, die sich aus den Dunstschleiern hervorschiebt. Es müssen mehr als tausend Rinder sein, die in wilder Panik herangerast kommen.

Stampede!

Und die Tiere rasen genau auf das Camp der Schafzüchter zu.

Die Schäfer erschrecken. Und sie ahnen, dass diese gewaltige Herde nicht zufällig in Stampede geraten ist und auch nicht zufällig genau auf das Lager zuhält.

Und nichts auf der Welt wird diese gewaltige Masse, die in wilder Panik vorwärtsstürmt, aufhalten können. Viertausend Hufe lassen den Boden erzittern.

Noch sind die Rinder ungefähr fünfhundert Yards entfernt. Die Männer reißen ihre Pferde herum.

Sie müssen die Frauen und Männer im Camp warnen. Vielleicht sind sie noch zu retten.

Sie reiten wie die Teufel, schonen ihre Pferde nicht, die ängstlich wiehern.

George Sunbeam weiß nun, dass er einen Fehler gemacht hat und die Rancher unterschätzte. Diese rauen Burschen tändeln nicht herum, sondern gehen aufs Ganze. Und niemand wird ihnen hinterher einen Vorwurf machen können.

Eine ihrer Herden geriet in Stampede und nahm zufällig Kurs auf das Camp der Schafzüchter. So werden sie sich herausreden.

Der Vorsprung der Reiter bleibt bestehen. Endlich taucht das Lager aus den wogenden Frühnebeln auf.

George erkennt Myriam, die ihn aus geweiteten Augen anblickt. Er zügelt sein Pferd so scharf, dass sich das Tier fast überschlägt. Dann streckt er seiner Frau die Hand entgegen. Sie hat längst alles begriffen, denn auch im Lager vernahm man das dumpfe Grollen.

Sie springt hinter ihrem Mann in den Sattel.

Das Camp ist verloren. Sie können höchstens noch ihr Leben retten. Die ersten Rinder tauchen auf. Ihr Muhen und Brüllen übertönt sogar die hämmernden Hufschläge.

George Sunbeam reitet los. Die anderen Männer folgen ihm. Auch hinter ihnen sitzen Frauen oder Männer in den Sätteln. Ihre Gesichter sind grau vor Angst.

Den Schäfern bleibt keine andere Möglichkeit, als zu fliehen. Sie wenden sich seitwärts, um den mörderischen Hufen der Longhorns zu entgehen.

Auf einem kleinen Hügel zügeln die Schafzüchter ihre Pferde und sehen, wie die gewaltige Masse von Tierleibern das Lager niederwalzt.

George Sunbeam schließt die Augen. Sie haben nichts als ihr nacktes Leben retten können. Alle Vorräte, ihre Wagen und alle anderen Dinge, die so lebenswichtig sind, werden zertrampelt und in den Boden gestampft.

Die Herde stürmt weiter, eine tosende Masse aus knochigen Rücken und spitzen Hörnern.

Und dann vernehmen die Schafzüchter die aufpeitschenden Schüsse, dicht bei den Schafen.

Die Herden werden angegriffen.

Und nun erschrecken die Männer noch mehr. Hart und kantig wird George Sunbeams hageres Gesicht. Seine Hand tastet nach dem Revolver an seiner Seite.

»Wir sollten aufgeben«, klingt Myriams heisere Stimme in die eingetretene Stille hinein. »Wir haben nun all unser Hab und Gut verloren, doch wir besitzen wenigstens noch unser Leben.«

Sie wendet sich auch an die übrigen Schafzüchter.

»Dort drüben sind vielleicht hundert Cowboys aufgetaucht, die alles niedermachen werden. Ich...«

George Sunbeam unterbricht sie. Seine Stimme hat einen metallischen Unterton.

»Wir reiten, Männer!«, ruft er. »Wir können unsere Gefährten und auch unsere Herden nicht im Stich lassen.«

Und Myriam weiß, dass nichts auf der Welt den Entschluss ihres Mannes umstimmen kann. Sie klettert vom Pferd, wie es auch die anderen Frauen und die drei mexikanischen Helfer tun.

George Sunbeam treibt sein Pferd hart an. Seine Männer folgen ihm.

Die Schüsse werden lauter.

Bald treffen sie auf die ersten toten Schafe und finden auch zwei mexikanische Hirten, die leblos am Boden liegen.

Ein heißer Zorn brennt in George Sunbeams Augen. Vor ihnen befindet sich die riesige Schafherde, die längst in wilder Panik davonstürmt. Überall sehen sie Reiter, die die Tiere antreiben und immer wieder in die Wollknäuel hineinschießen.

In der Nähe einer kleinen Waldinsel hämmern Schüsse auf. Sie erkennen einige ihrer Leute, die sich dort...

Dateiformat: ePUB
Kopierschutz: Wasserzeichen-DRM (Digital Rights Management)

Systemvoraussetzungen:

Computer (Windows; MacOS X; Linux): Verwenden Sie eine Lese-Software, die das Dateiformat EPUB verarbeiten kann: z.B. Adobe Digital Editions oder FBReader - beide kostenlos (siehe E-Book Hilfe).

Tablet/Smartphone (Android; iOS): Installieren Sie bereits vor dem Download die kostenlose App Adobe Digital Editions (siehe E-Book Hilfe).

E-Book-Reader: Bookeen, Kobo, Pocketbook, Sony, Tolino u.v.a.m. (nicht Kindle)

Das Dateiformat ePUB ist sehr gut für Romane und Sachbücher geeignet - also für "fließenden" Text ohne komplexes Layout. Bei E-Readern oder Smartphones passt sich der Zeilen- und Seitenumbruch automatisch den kleinen Displays an. Mit Wasserzeichen-DRM wird hier ein "weicher" Kopierschutz verwendet. Daher ist technisch zwar alles möglich - sogar eine unzulässige Weitergabe. Aber an sichtbaren und unsichtbaren Stellen wird der Käufer des E-Books als Wasserzeichen hinterlegt, sodass im Falle eines Missbrauchs die Spur zurückverfolgt werden kann.

Weitere Informationen finden Sie in unserer E-Book Hilfe.


Download (sofort verfügbar)

1,49 €
inkl. 5% MwSt.
Download / Einzel-Lizenz
ePUB mit Wasserzeichen-DRM
siehe Systemvoraussetzungen
E-Book bestellen