Skull-Ranch 28 - Western

Mit gezinkten Karten
 
 
Bastei Lübbe (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 12. Mai 2020
  • |
  • 64 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7325-9730-7 (ISBN)
 
Mit einem triumphierenden Lächeln mustert der hochgewachsene Reiter in der schwarzen Lederkluft die vor ihm liegende Ranch. Es ist die Skull-Ranch, die ihm nach einem teuflischen Pokerspiel zugefallen ist. Hinter ihm zügeln neun hartgesichtige Reiter ihre Pferde. Es ist ein raues Rudel, das da ins Bluegrass Valley eingedrungen ist. "Da wären wir, Männer", sagt Ryan O'Conners zufrieden. "Dieser weitläufige Besitz gehört mir. Das ist jetzt unsere Ranch." Aber so leicht geben die Männer von der Skull nicht auf. Sie werden bis zum bitteren Ende um das Bluegrass Valley kämpfen ...
  • Deutsch
  • Köln
  • |
  • Deutschland
  • 1,71 MB
978-3-7325-9730-7 (9783732597307)

Ryan O'Connners hebt seine rechte Hand.

Die neun Reiter folgen ihrem Boss. Man sieht sofort, dass es Revolverreiter sind, die ihre Colts an den Meistbietenden verkaufen und so eine Menge Bucks machen.

Und es scheinen keine Anfänger zu sein, die im Dienste von O'Connners stehen.

In der Ferne weiden Rinder, deren Muhen schwach zu den Reitern herüberweht. Sie erreichen einen kleinen See, der nur ein paar hundert Yards von der Ranch entfernt ist.

Wildgänse und Enten fliegen auf. Frösche quaken um die Wette. Ein paar Fische kräuseln die Wasseroberfläche, die wie geronnenes Quecksilber glänzt.

»Prächtig, prächtig«, lächelt Ryan O'Connners. »Ich habe nun die schönste Ranch von ganz Colorado. Habt ihr das wunderbare Blaugras gesehen, das hier wächst, Jungs? Hier werden die Rinder wachsen und gedeihen.«

Die schwärmerischen Worte O'Connners' verstummen. Einige seiner Leute grinsen. Sie haben keine Ahnung von Wasser und Weide, von Rindern und Blaugras.

Sie können nur schnell schießen. Mehr haben sie in ihrem Leben nicht gelernt.

Das Ranchtor liegt vor der rauen Horde.

Über dem Querbalken befindet sich ein ausgebleichter Bullenschädel, der auch der Ranch seinen Namen gegeben hat: Skull-Ranch, die Schädel-Ranch.

Auf der Ranch muss man den starken Reitertrupp inzwischen entdeckt haben. Drei Männer treten zwischen den Gebäuden hervor. Sie halten Waffen in den Händen.

»Dass keiner von euch auf die Idee kommt, schießen zu wollen. Dies geschieht nur auf meinen ausdrücklichen Befehl«, knarrt Ryan O'Connners' Stimme. »Es soll alles völlig legal zugehen. Natürlich werden die Burschen da von der Ranch aus allen Wolken fallen. Lasst mich nur machen, Jungs.«

Die neun rauen Burschen nicken.

Sie sind ein eingespieltes Team. Und O'Connners ist der Boss, dem sie aufs Wort folgen.

Sie reiten durch das Ranchtor hindurch. Träge verweht die riesige Staubwolke im leichten Wind. Ein Schäferhund kommt bellend herangesprungen, achtet jedoch darauf, den Hufen der Pferde nicht zu nahe zu kommen.

Drei Männer blicken dem Reitertrupp forschend entgegen.

Doc Smoky, der Ranchkoch, schiebt seinen riesigen Lederhut in den Nacken. Ein nachdenklicher Zug liegt auf seinem verwitterten Piratengesicht.

»Hey«, meint er dann. »Da stinkt etwas, Jungs. Da stinkt etwas ganz gewaltig gegen den Himmel.«

Sein Blick trifft General Norman Carrington, den ehemaligen Nordstaatenoffizier, wandert weiter und bleibt auf Chet Quade, dem früheren Revolvermann und jetzigem Vormann der Skull-Ranch, hängen.

Doc Smoky erkennt die Sorgen im Gesicht der beiden Männer.

Die zehn Reiter zügeln nun ihre Pferde. Die Sättel knarren leicht. Zaumzeug klirrt, als die Tiere noch leicht tänzeln.

Für einen kurzen Moment mustern sich die beiden Gruppen. Das Schweigen wirkt erdrückend.

»Hallo«, sagt Ryan O'Connners dann und tippt gegen die Krempe seinen staubigen Stetsons. »Mein Name ist Ryan O'Connners. Ich möchte John, Morgan, den Boss dieser Ranch, sprechen.«

Chet Quade tritt einen Schritt nach vorn. Sein schmalgeschnittenes Gesicht wirkt hart und irgendwie ausdruckslos.

Und Chet weiß, dass ein Tiger in das Bluegrass Valley gekommen ist. Ein mächtiger Tiger, der alles mit Haut und Haaren verschlingen wird, wenn man ihm nicht rechtzeitig Paroli bietet.

»Ich bin der Vormann, Mister O'Connners«, klingt Chet Quades ruhige Stimme auf. »Mein Name ist Quade, Chet Quade. Mister Morgan ist seit ein paar Wochen in Kansas, um dort ein paar Abschlüsse für unseren kommenden Rindersegen zu tätigen. Er ist noch nicht zurück. Vielleicht würden Sie vorlieb mit mir nehmen.«

O'Connners nickt.

Er nagt einige Augenblicke an seiner Unterlippe, schüttelt dann irgendwie bedauernd den Kopf. Dann geht jedoch ein Ruck durch seinen schlanken, großgewachsenen Körper.

»Okay, Mister Quade. Da Mister Morgan nicht hier ist, wird sich alles ein wenig komplizieren. Bitte handeln Sie nicht überstürzt, wenn Sie erfahren, was ich Ihnen zu sagen habe.«

Die drei Skull-Männer fühlen sich auf einmal überhaupt nicht mehr wohl in ihrer Haut. Norman Carrington, der wie immer seine Uniform trägt, verbeißt einen Fluch.

Doc Smoky schielt zum Bunkhouse hinüber und atmet auf, als er dort Shorty und Brazos erkennt, die ihre Gewehre schussbereit in den Händen halten.

»In Ordnung, Mister O'Connners«, sagt Quade. »Spucken Sie es schon aus. Ich bin hart im Nehmen und meine Jungs ebenfalls. Es wird alles nicht so heiß gegessen, wie es gekocht wird.«

Ryan O'Connners' Lippen teilen sich. Sein Lächeln wirkt irgendwie wölfisch.

»Okay, okay«, schnarrt seine Stimme dann. »Ich bin mit meinen Leuten gekommen, um die Skull-Ranch zu übernehmen.«

Seine Worte verklingen.

Chet Quade, wie auch seine beiden Gefährten glauben, sich verhört zu haben.

Quade steht wie erstarrt.

Das muss er erst einmal verdauen. Und er rechnet sich bereits seine Chancen aus, sollte es zu einem Kampf mit diesem rauen Rudel da kommen.

»Wenn das ein Scherz gewesen sein soll, Mister O'Connners«, knurrt er dann böse, »dann ist er nicht besonders gut gewesen. Bitte kommen Sie zur Sache.«

Ryan O'Connners lächelt selbstsicher. Er stützt beide Hände aufs Sattelhorn und wirkt sehr überheblich und arrogant in diesen Sekunden.

»Kein Scherz, Mister Quade. Sie brauchen sich auch nicht aufzuregen. Ich kann Ihnen alles beweisen. Die Papiere befinden sich in meinem Besitz.«

Nun erschrickt der Vormann der Skull-Ranch. Fassungslos starrt er den Mann da im Sattel an, der gekommen ist, um die Skull-Ranch zu übernehmen.

Allein dieser Gedanke ist ungeheuerlich.

Sie sollen nun alles verlieren, was sie sich in monatelanger harter Arbeit mühsam aufgebaut haben? Das hier ist das Zuhause von vielen aufrechten Männern geworden.

General Carringtons Gesicht ist um einige Nuancen bleicher geworden. Seine Stiefel knarren leicht, als er neben den Vormann der Skull tritt.

»Das nehme ich Ihnen nicht ab, Mister O'Connners«, stößt er klirrend hervor. »Sie müssen uns schon ihre Beweise vorlegen. Daran ändert auch nichts, dass Sie mit einer so großen Streitmacht aufgekreuzt sind.«

Ryan O'Connners' Lächeln verstärkt sich.

»Sicher, Gentlemen. Ihr Boss, John Morgan, verspielte die Skull-Ranch in einem heißen Pokerspiel an mich. Er riskierte alles und verlor. Das ist schon die ganze Geschichte. Dies geschah in Abilene in Kansas. Ich habe John Morgans unterschriebenen Schuldschein, der vom Marshal und vom Richter bestätigt wurde.«

Den drei Männern von der Skull-Ranch bleibt die Luft weg. Jawohl, diesen Schlag müssen sie erst einmal verdauen. Bestürzt blicken sie sich an.

Chet Quade schüttelt stur den Kopf.

»Das nehme ich Ihnen nicht ab. Ich kenne John sehr gut. Er würde niemals um seine Ranch spielen. Niemals.«

Ryan O'Connners' Gesicht wird glatt. Ein höhnisches Funkeln tritt in seine Augen.

Seine Stimme klingt plötzlich drohend.

»Was Sie mir, meine Herren, nicht glauben oder nicht abnehmen, interessiert mich nicht die Bohne. Ich habe alles schriftlich. Schwarz auf weiß. Falls sie überhaupt lesen können, Gentlemen.«

Diese Beleidigung lässt den Männern das Blut ins Gesicht schießen.

Der Hauch des Todes legt sich über die Skull-Ranch.

**Bild**

Chet Quade fängt sich als erster. Er will keine Schießerei, denn er und seine Leute würden wohl den Kürzeren ziehen. Die Übermacht der rauen Horde ist zu groß.

Der Vormann der Skull-Ranch nickt langsam.

»Okay, ich möchte dieses Dokument sehen, Mister O'Connners. Zeigen Sie es mir.«

Der zukünftige Boss der Skull-Ranch lächelt leicht. Das Blut schießt Quade ins Gesicht. Nur mit großer Mühe kann er seine Ruhe bewahren.

»Das Dokument befindet sich im Besitz des Marshals von Golden City, Mister Quade«, sagt Ryan O'Connners. »Eigentlich müsste der Marshal schon hier sein. Sie werden verstehen, dass ich einen neutralen Mann mitbringen wollte.«

»Dann bleibt uns nichts anderes übrig, als abzuwarten«, murmelt Chet Quade undeutlich. »Sie können ihre Reiter absteigen lassen und die Pferde dort am Brunnen tränken. Ansonsten möchte ich Sie und ihre Leute bitten, keines der Gebäude zu betreten.«

Die Lage hat sich wenigstens momentan entschärft. Der ganz in Schwarz gekleidete O'Connners schwingt sich elegant aus dem Sattel. Seine Männer folgen dem Beispiel.

Chet Quade, Norman Carrington und Doc Smoky gehen zum Hauptgebäude hinüber. Drüben vom Bunkhouse kommen der kleine, krummbeinige Shorty und der bullige Brazos herüber.

Natürlich haben auch diese beiden Cowboys der Skull-Ranch alles mitbekommen.

Brazos flucht, dass es sogar einem erfahrenen Postkutschenfahrer die Schamröte ins Gesicht getrieben hätte.

»Nun mach mal halblang, Dicker«, knurrt Doc Smoky. Er hat seinen riesigen Lederhut vom Kopf genommen und bearbeitet ihn vor lauter Nervosität.

Dann wendet er sich an Quade. »Was machen wir nun? Die können uns doch nicht so einfach von hier vertreiben, Chet? Himmel und Hölle, sag endlich, dass wir nicht von hier verschwinden werden.«

Chet Quade fährt sich über seinen Oberlippenbart. Sehr nachdenklich blickt er die Männer an.

»Das ist eine verdammte Schweinerei«, stößt er hervor. »Ich zweifle keinen Augenblick daran, dass dieser O'Connners uns hieb- und...

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