Sterbensschön

Thriller - [Archie-Sheridan-Reihe 5]
 
 
Blanvalet (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 20. Mai 2013
  • |
  • 416 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-09903-9 (ISBN)
 
Gretchen ist zurück. Und in ihrem Herzen wohnt nur ein Gedanke: Rache!

Seine letzte Begegnung mit der schönen Serienkillerin Gretchen Lowell hat tiefe Wunden bei Detective Archie Sheridan hinterlassen. Um sich abzulenken, stürzt er sich deshalb mit Feuereifer in seinen neuesten Fall: Ein Erhängter wurde im Park gefunden, geknebelt, gehäutet und an den Handgelenken gefesselt. Da erreicht Archie eine Nachricht, die ihn fast aus der Bahn wirft: Gretchen behauptet, Informationen zu diesem entsetzlichen Verbrechen zu haben. Spielt sie erneut ein grausames Spiel mit ihm? Oder gibt es ein Geheimnis aus Gretchens Vergangenheit, für das ein skrupelloser Mörder töten würde?

  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
Blanvalet
  • 0,81 MB
978-3-641-09903-9 (9783641099039)
weitere Ausgaben werden ermittelt

3

Menschliches Fleisch hat einen besonderen Geruch. Es ist Blut und Gewebe, metallisch und salzig, Fäkalien und Fett. Wie der Gestank geschlachteter Tiere, aber anders. Saurer.

Es war ein Geruch, den Archie nur schwer beschreiben konnte, aber immer sofort erkannte.

Die Handgelenke und Knöchel des Mannes waren mit Stricken gefesselt, und er baumelte senkrecht vom unteren Ast einer Zeder wie ein perverser Weihnachtsschmuck, die Füße nur ein kleines Stück über dem Boden. Er schien vom Hals abwärts gehäutet worden zu sein. Die kräftigen roten Muskeln seines Brustkorbs glänzten blutig, und die an Schnürsenkel erinnernden Fäden freiliegenden gelben Fetts sahen beinahe hübsch aus vor dem rohen Fleisch.

Die Sonne stand hoch an diesem Sommerwochenende, und die kühle Brise ließ noch nichts von der Hitze ahnen, die der Nachmittag bringen würde. Sonnenstrahlen bohrten sich durch die Zedernzweige. Das helle Haar der Leiche flatterte sanft im Gleichklang mit den Blättern. Er schien Mitte dreißig zu sein, durchschnittlich groß und schwer. Aber es war schwer zu sagen.

Zu Füßen des Toten lag – bereits mit einem Fähnchen markiert – eine verwelkte weiße Lilie.

Zedernnadeln bedeckten den Boden unter der Leiche, und wo das Erdreich durchkam, war es mit einem Zweig glatt gezogen worden, um Fußabdrücke zu verwischen.

Archie neigte den Kopf, um den fernen Geräuschen spielender Kinder zu lauschen, die durch den Wald hallten.

Henry war als Erster am Tatort erschienen, auf seinem rasierten Schädel glänzten bereits winzige Schweißperlen. Er sah in die Ferne. »Ein Spielplatz«, erklärte er.

Archie kannte den Park. Ben und Sara spielten dort.

Sie befanden sich auf dem Mount Tabor, der weniger ein Berg war als ein eindrucksvoller Hügel, der hoch hinauswollte. Er erhob sich aus Portlands flachem Ostteil, ein schlafender Vulkankegel, an dessen Hängen sich elegante alte Wohnhäuser zwischen uralte Nadelbäume schmiegten. Die Kuppe des Mount Tabor war ein bewaldeter Park. Es gab Wanderwege, Tennisplätze, Picknickzonen. Ein gemauertes Wasserreservoir. Einen beliebten Spielplatz. Jedes Jahr im August bauten Hunderte erwachsener Bewohner Portlands Seifenkistenautos, verkleideten sich und rasten die kurvenreiche Straße vom Park zum Fuß des Hügels hinunter.

»Ich lasse die Gegend räumen«, sagte Henry. Er machte kehrt und ging zu einer Einheit von Streifenbeamten an der Straße. Er hinkte immer noch, auch wenn Archie ihm ansah, dass er sich große Mühe gab, es zu verbergen.

»Wie geht es ihm?«, fragte Robbins, sobald Henry außer Hörweite war. Robbins war der Gerichtsmediziner, er hatte seinen Ausrüstungskoffer geöffnet und Tüten über die Hände der Leiche gestülpt. Jetzt stand er in seinem weißen Schutzanzug da, stemmte die Fäuste in die Hüften und betrachtete den Leichnam wie ein Schlachter, der ein Stück Fleisch mustert.

»Er ist noch schwach«, sagte Archie.

»Physiotherapie?«, fragte Robbins.

»Klar«, sagte Archie. Henry sollte zweimal die Woche mit einem Therapeuten arbeiten. Aber für einen Polizisten war es schwer, Termine einzuhalten. Mordfälle hatten so eine Art, sich immer dann zu ereignen, wenn es am ungelegensten kam.

Das weiche Bett der Zedernnadeln auf dem Boden unter der Leiche war von Blut getränkt, und als Archie sich näher zu dem Opfer hinbewegte, achtete er darauf, nicht hineinzutreten. Blut, das aus einem noch lebenden Opfer fließt, gerinnt. Das ist der Grund, warum man nicht jedes Mal verblutet, wenn man sich beim Aufschneiden eines Bagels den Finger ritzt. Solange man keine Arterie öffnet, ergießt sich das Blut nicht aus einer offenen Wunde, sondern es fließt etwas heraus, das rot, dick und klebrig wie Honig ist. An den Füßen des Opfers hingen noch dickflüssige Fäden geronnenen Bluts.

Als Archie dort stand, war er fast auf Augenhöhe mit dem Leichnam. Der Mörder hatte sein Opfer absichtlich in dieser Höhe aufgehängt, dachte er, damit sie Auge in Auge stehen konnten. Das hieß, er hatte etwa Archies Größe, eins achtzig.

Es war kein leichter Tod gewesen. Ein behelfsmäßiger Knebel steckte im Mund des Toten und zwang seine Kiefer so weit auseinander, dass das Kinn fast den Hals berührte und die Wangen aufgebläht waren. Durch die Totenstarre waren seine Lippen zurückgeschält, sodass Zähne und Zahnfleisch wie irre um den Knebel herum grinsten und den Mund umso größer erscheinen ließen. Das Gesicht war erstarrt vor Schmerz, die Stirnmuskel kontrahiert, die dunklen Brauen gewölbt, Krähenfüße setzten sich in den Haaransatz fort. Die Augenlider hatten sich zusammengezogen und ließen einen ausdruckslosen, starren Blick sehen. Mit Ausnahme des Kopfs und der Arme glänzte der gesamte Körper von Blut.

»Schauen Sie genau hin«, sagte Robbins.

Archie beugte sich vor. Er konnte braune Körperbehaarung auf den Schultern des Toten erkennen. Er ließ den Blick nach unten wandern und sah dasselbe feine Haar auf den Oberschenkeln des Mannes, dichter und gekrauster um die Genitalien herum. Archie ging langsam um den Leichnam herum und sah inmitten der Blutrinnsale Sommersprossen, Hautflecken, umgeben von Rot. Der Mann war nicht vollständig vom Hals abwärts gehäutet worden. Der Mörder hatte ihm nur an Brust und Unterleib die Haut abgezogen. Dann hatte er ihn bluten lassen. Viel bluten. Langsam.

Archie nahm wahr, wie Henry neben ihn trat. Archie musste gegen seinen instinktiven Drang ankämpfen, Henry, nun da er wieder arbeitete, zu bemuttern. Er fragte ihn nicht alle zehn Minuten, wie es ihm ging. Er erkundigte sich nicht nach seinen Terminen beim Physiotherapeuten und half ihm nicht beim Aussteigen aus dem Wagen. Keine besondere Aufmerksamkeit, so wollte es Henry. Jetzt gestattete Archie seinem alten Freund, die Szenerie eine Weile zu überblicken. Henry brauchte nicht lange, bis er zu dem gleichen Schluss kam wie Archie. Er kratzte sich den Stoppelkopf und rückte seine Sonnenbrille zurecht. Die blutige Leiche wurde von den Spiegelgläsern reflektiert. »Diese Menge an Blut auf dem Boden …«, sagte Henry. »Er hat noch gelebt, als er so zugerichtet wurde.«

»Die Wunden sehen danach aus«, stimmte Robbins zu. »Er ist seit vier bis sechs Stunden tot.«

Archie verscheuchte eine Fliege. Vorsichtige Menschen töteten nicht an öffentlichen Orten. Vorsichtige Menschen töteten in gemieteten Apartments, auf einsamen Straßen oder im Laderaum gestohlener Lieferwagen. Es brauchte eine besondere Sorte Mensch für einen Mord. Es brauchte eine mehr als besondere Sorte Mensch für einen Mord an einem öffentlichen Ort, bei dem man sich auch noch viel Zeit ließ. Es verhieß nichts Gutes. Menschen, die nicht logisch handelten, waren schwer zu berechnen und somit schwer zu fangen.

»Der Park schließt um Mitternacht und öffnet um fünf Uhr morgens«, sagte Henry. »Wenn sie also in einem Fahrzeug kamen, dann entweder gestern Abend oder heute Morgen.«

»Sie meinen, dass sie zusammen per Auto kamen …«, sagte Robbins.

»Vielleicht kam das Opfer aus freien Stücken«, sagte Archie. »Vielleicht haben sie sich im Park getroffen. Vielleicht sind sie zu Fuß gegangen.«

»Oder mit dem Rad gefahren«, sagte Robbins. »Auf einem Tandem.«

Henry beachtete ihn nicht. »Niemand, der zu seinem Profil passt, ist heute als vermisst gemeldet worden«, sagte er.

»Wird abends kontrolliert, ob noch Autos im Park sind?«, fragte Archie.

»Angeblich.«

Es war ein großer Park. Wenn der Mörder ausgekundschaftet hatte, welche Bereiche bei dieser abendlichen Kontrolle nicht erfasst wurden, konnte er mit seinem Opfer hereingefahren sein, es gefoltert und getötet haben und dann morgens wieder hinausgefahren sein, wenn die Tore öffneten.

Es war 13.45 Uhr. Die Leiche war eine Stunde zuvor gefunden worden. Archie konnte die Spuren in der Erde ausmachen, wo der Radfahrer die Kontrolle über sein Gefährt verloren hatte und vier Meter gerutscht war, ehe sich sein Mountainbike um den Stamm einer Zeder wickelte. Das Fahrrad war noch da, es lag mit verbogenem Vorderreifen auf der Seite. Ein Rückspiegel war vom Lenker abgerissen worden und lag einige Schritte entfernt auf der Erde.

Unter dem dunklen Dach der Nadelbäume zählte Archie die Scheinwerfer von wenigstens drei Nachrichtensendern. Die Kameras blinzelten, wenn sich das Licht in ihren Linsen spiegelte. Das Absperrband der Polizei verlief in großzügigem Abstand, aber mit einem Zoomobjektiv und dem richtigen Winkel konnten diese Kameras durchaus Aufnahmen von der Leiche erhalten.

»Wir müssen ihn abhängen«, sagte Archie.

»Ich warte nur auf ein Wort, Boss«, sagte Robbins. Er wühlte in seiner Instrumententasche, riss zwei Paar Latexhandschuhe heraus und hielt sie Archie und Henry hin.

Archie streifte die Handschuhe über. Auch nach einem Jahr sah die linke Hand ohne Ehering noch falsch aus.

Ein paar Fliegen schwirrten um den Kopf der Leiche. Eine landete auf dem offenen Auge, schlug kurz mit den Flügeln und hob wieder ab.

Robbins rollte einen weißen Leichensack auf dem Boden aus und öffnete den Reißverschluss. Die Reißverschlüsse von Leichensäcken klangen nicht wie andere Reißverschlüsse. Die Art, wie der große Plastikgleiter an der Seite hinunter und dann in einer J-Form quer über den Boden über all die Plastikzähne knirschte, enthielt eine besondere Drohung. Robbins ließ eine nach Skalpell aussehende Klinge aufspringen und gab sie Archie. »Sie schneiden, ich fange«, sagte er.

»Und ich?«, fragte Henry.

»Sie stehen dabei, und wenn ich rufe,...

"'Sterbensschön' ist ein heftiges Grauen, das ebenso süchtig macht, wie Chelsea Cains Thriller zuvor."

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