Ein Duke für gewisse Stunden

 
 
Cora Verlag GmbH & Co. KG
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 21. April 2021
  • |
  • 130 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7515-0644-1 (ISBN)
 
Allein und mittellos ist Prudence ausgerechnet auf die Hilfe des draufgängerischen Dukes angewiesen, der sich ihr unsittlich genähert hat. Umso aufgewühlter ist sie, als der schöne aber arrogante Fremde alles tut, um ihre Ehre zu retten. Verbirgt sich hinter der rauen Schale etwa ein respektabler Gentleman?
Annie Burrows wurde in Suffolk, England, geboren als Tochter von Eltern, die viel lasen und das Haus voller Bücher hatten. Schon als Mädchen dachte sie sich auf ihrem langen Schulweg oder wenn sie krank im Bett lag, Geschichten aus. Ihre Liebe zu Historischem entdeckte sie in den Herrenhäusern, die sie gemeinsam mit ihren Eltern und ihrer älteren Schwester besichtigte. Weil sie so gern las und sich Geschichten ausdachte, beschloss sie, Literatur zu studieren. An der Universität lernte sie ihren Mann, einen Mathematikstudenten, kennen. Sie heirateten, und Annie zog mit ihm nach Manchester. Sie bekamen zwei Kinder, und so musste sie zunächst ihren Traum von einer Karriere als Schriftstellerin vergessen. Doch ihr Wunsch zu schreiben blieb, und nach mehreren gescheiterten Versuchen wurde ihr Roman "His Cinderella Bride" angenommen und veröffentlicht. Inzwischen sind weitere Regency-Romane von ihr erschienen.

1. KAPITEL

Schändlicher Verführer!"

Gregory fuhr zusammen und zog sich die Bettdecke bis über die Ohren. Was war das für ein Gasthaus? Selbst in einem so hinterwäldlerischen Kaff sollte ein Reisender doch wohl nicht hinnehmen müssen, dass geistig verwirrte Frauenzimmer noch vor dem Frühstück in sein Zimmer drangen und herumkreischten.

"Diese Niedertracht!"

Offensichtlich hatte das Manöver mit der Bettdecke seine Abneigung gegen lärmenden Besuch nicht deutlich genug gezeigt, denn das Geschrei wurde eindeutig lauter. Und kam näher.

"Wohin soll das führen?"

Das möchte ich auch gerne wissen, dachte er aufgebracht, schlug mühsam die Augen auf und sah die Besitzerin jener schrillen Stimme direkt vor sich stehen und mit einem knochigen Zeigefinger bedrohlich vor seiner Nase herumwedeln.

"Wie konnten Sie nur?", schrie die Frau ihn an. Ihm mitten ins Gesicht!

Genug war genug. Er wusste, dass Gasthöfe zwangsläufig, nun . gemischte Kundschaft beherbergten. Trotzdem stand einem doch auch hier ein gewisses Maß an Privatsphäre zu? Zumindest in seinem eigenen Zimmer?

"Wer", äußerte er in dem unterkühlten Ton, der normalerweise jeden Domestiken verschreckt erbeben ließ, "hat Sie hier eingelassen?"

"Wer mich eingelassen hat? Ich mich selbst natürlich!" Sie schlug sich theatralisch auf die Brust. "Nie in meinem Leben war ich so aufgebracht!"

"Nun, was erwarten Sie, wenn Sie ins Zimmer eines Mannes eindringen?"

"Oh!", rief die Frau erneut, wobei sie dieses Mal wie in Verzweiflung ihren Handrücken an die Stirn drückte. "Hat es je einen solchen Schurken gegeben? Nur eine völlig schwarze, verderbte Seele kann die Verführung einer Unschuld derart leichtfertig abtun!"

Verführung einer Unschuld? Die Frau musste mindestens fünfzig sein! Und sie war in sein Zimmer eingedrungen. Wo war da die Unschuld?

"Und was dich angeht!" Der Zeigefinger der Kreischenden wanderte zu einer Stelle links neben ihm. "Du . du Flittchen!"

Flittchen? Außer der verrückten Frau neben seinem Bett war darin auch noch ein Flittchen?

Ein kurzer Ausflug mit dem linken Fuß bestätigte ihm, dass, ja, in der Tat, sich in seinem Bett ein weiteres Paar Beine befand. Ein schlankes Paar Beine. Die, so musste er annehmen, dem besagten Flittchen gehörten.

Er krauste die Stirn. Er pflegte keine Flittchen mit in sein Bett zu nehmen. Noch sonstige Frauen. Immer, aber auch immer, besuchte er sie in deren Betten. Damit er sich, sobald er sie bis zum Hinschmelzen befriedigt hatte, absentieren konnte, um daheim in seinem eigenen Bett - wohin er sich gerade von Herzen wünschte - eine ruhige Nacht zu verbringen. Denn wäre er zu Hause geblieben, läge jetzt keine fremde Frau in seinem Bett. Noch, und das war ein wichtiger Punkt, würde dort irgendjemand wagen, vor ihm herumzuzetern.

"Mit diesem schändlichen Betragen lohnst du es mir?", klagte das überspannte Frauenzimmer. "Nach allem, was ich für dich getan habe? Die Opfer, die ich gebracht habe?"

Ihre Stimme stieg höher und höher. Und wurde lauter und lauter. Dem zum Trotz schien sein Hirn in einen dichten Nebel gebettet. So dicht, dass es ihm ums Leben nicht gelang zu klären, warum eine Frau in seinem Bett war. Er konnte sie unmöglich dafür bezahlt haben. Weil er es noch nie nötig gehabt hatte, eine Frau für solche Dienste zu bezahlen. Wieso also war sie hier?

Was das anging, wieso war er hier? Und wie sollte er darüber nachdenken, solange diese Harpyie auf ihn einschrie?

Er hielt sich die Ohren zu.

"Undankbares Ding!"

Gott, er hörte sie immer noch!

"Madam", sagte er kalt und löste die Hände von den Ohren - es hatte offenbar keinen Sinn. "Senken Sie die Stimme."

"Die Stimme senken! Die Stimme senken? Oh ja, das würde Ihnen so passen, was? Damit Ihre schändliche Untat nicht laut wird!"

"Ich habe nie", entgegnete er entrüstet, "irgendeine schändliche Untat begangen." Noch solche Formulierungen benutzt, die viel eher auf die Bühne gehörten.

Er drückte die Handballen gegen seine Schläfen. Seine pochenden Schläfen. Wie viel musste er gestern Abend getrunken haben, um mit einem Flittchen im Bett gelandet zu sein, das abgeschleppt zu haben er sich nicht erinnern konnte, und um wie ein Papagei die ordinären Ausdrücke jener Frau nachzuplappern, die ihm anscheinend unbedingt eine . eine Szene machen wollte?

"Raus aus meinem Zimmer!", stieß er hervor.

"Sie erdreisten sich, mir Befehle zu geben?"

"Ich erdreiste mich?" Er riss die Augen auf, funkelte die Kreischende wütend an. Setzte sich auf. "Nein! Sie erdreisten sich! Erdreisten sich, in mein Zimmer einzudringen und derart unverschämte Reden zu schwingen!"

"Ja! Weil Sie mein zartes Lämmchen verführt haben! Mein ."

Am Ende seiner Geduld angekommen schoss er aus dem Bett hoch.

"Ich verführe keine unschuldigen Lämmchen!"

Nun schrie die Frau noch lauter. Bedeckte ihre Augen und wankte zur Tür. Zur offenen Tür. Wo sie sich durch einen kleinen Auflauf Neugieriger drängen musste. Die alle in einer Mischung aus Empörung und Missbilligung in sein Zimmer spähten.

Ausgenommen ein dralles Mädel, das er als das Zimmermädchen erkannte. Selbiges glotzte ihn offenen Mundes an.

Was ihn darauf brachte, dass er splitternackt war.

Mit unterdrücktem Knurren stolzierte er zur Tür und knallte sie den Gaffern vor der Nase zu. Und schob zusätzlich den Riegel vor.

Eine Maßnahme, die er wohl zu spät ergriff, nachdem wer weiß wer alles durch sein Zimmer marschiert war, während er schlief.

Und zwar wie ein Toter. Was ganz unsinnig war. Wie hatte er überhaupt schlafen können? Als er beschlossen hatte, für die Nacht hier unterzukommen, war er überzeugt gewesen, überhaupt keine Ruhe zu finden, da er derartige Gasthäuser kannte. Dort pflegten nämlich plump beschuhte Reisende Tag und Nacht durch die Gänge zu trampeln und Kutschen in den Hof zu rattern, deren Kutscher laut ihr Posthorn bliesen, während im Schankraum die Bauern mit blökenden Stimmen ihre Weisheiten zum Besten gaben.

Dieses Mal allerdings hatte das Zimmermädchen ihn zu einer Dachkammer gebracht, zu der der Lärm nicht drang. War er nach den Ereignissen der letzten Tage so erschöpft gewesen, dass er in eine Art Koma gesunken war?

Unwahrscheinlich. Und erklärte auch nicht seine Benommenheit. Es war eher ein Gefühl, als hätte er ein Schlafmittel genommen. Nur dass er noch nie im Leben ein Schlafmittel genommen hatte. Und dass er sich gestern plötzlich dazu entschlossen hätte, konnte er einfach nicht glauben.

Er rieb sich die Stirn, doch vergeblich, in seinem Hirn lichtete sich nichts. Wenn er sich doch nur an das Geschehen des gestrigen Abends entsinnen könnte!

Angestrengt dachte er nach.

Er hatte sich kurz gewaschen und war dann zum Abendessen hinuntergegangen. Das Mahl war erstaunlich gut gewesen, und er wusste noch, dass er sich anschließend beglückwünscht hatte, einen Gasthof mit so gutem Essen erwischt zu haben. Danach - nichts mehr.

Könnten der Werkmeister und sein Komplize ihn auf dem Weg zu seinem Zimmer überfallen haben? Um sich an ihm zu rächen? Behutsam betastete er seinen Hinterkopf, doch da war nichts, keine Beule, keine Platzwunde. Nichts. Die Halunken hatten sich natürlich mit Stiefeltritten an ihm ausgelassen, als es ihnen gelungen war, ihn zu Boden zu strecken. Wo er nicht lange geblieben war, erinnerte er sich zufrieden und streckte die Finger seiner Rechten, deren Knöchel aufgeplatzt waren. Es war eines, die Kunst in einem Boxclub zu üben, wo den regelmäßigen Besuchern mit gebührender Achtung begegnet wurde, doch etwas ganz anderes war es, triumphierend aus einer zufälligen Prügelei mit ein paar Schlägern hervorzugehen, die weder gewusst hatten, wer er war, noch fair kämpften.

Doch das beantwortete weder die Frage, warum dieses Höllenweib in seinem Zimmer aufgetaucht war, noch erklärte es die Anwesenheit des weiblichen Wesens, mit dem er offensichtlich das Bett geteilt hatte, ohne sich auch nur im Geringsten an das Zusammentreffen mit ihm erinnern zu können.

Langsam wandte er sich um. Was für ein Frauenzimmer konnte er in dem heruntergekommenen Gasthaus eines öden kleinen Ortes aufgestöbert haben?

Ausgiebig betrachtete er das Mädchen, das aufrecht im Bett saß, das Oberbett bis hoch ans Kinn gezogen.

Anders als er erwartet hatte, war sie ein hübsches kleines Ding mit einer Mähne kastanienbrauner Locken und großen braunen Augen.

Er war außerordentlich erleichtert. Sein Gedächtnis mochte er verloren haben, aber wenigstens nicht seinen Geschmack.

Prudence rieb sich die Augen. Schüttelte den Kopf. So etwas hatte sie noch nie geträumt. Jedenfalls nichts so Schlimmes. Manchmal hatte sie Albträume von ihrer Tante Charity, denn die Mutter ihrer Schwester war eine jener kalten, schroffen Frauen, die einem Mädchen hier und da Albdrücken verursachen konnten, doch nie - nicht einmal in den bizarrsten Fieberträumen - hatte ihre Tante derartigen Unsinn geredet. Und in keinem Traum war je ein nackter Mann in ihr Zimmer eingedrungen. In ihr Bett!

Er war zur Tür gegangen und hatte sie zum Glück geschlossen, leider erst, nachdem sie bemerkt hatte,...

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