Duchess - verzweifelt gesucht!

 
 
Cora Verlag GmbH & Co. KG
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 12. Mai 2020
  • |
  • 256 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7337-4821-0 (ISBN)
 
Eine unerhörte Einladung: Der umschwärmte Oliver Norrington, Duke of Theakstone, bittet Miss Sofia Underwood, eine Woche auf Theakstone Court zu verbringen. Zu einer Brautschau! Denn der Duke beabsichtigt, unter den schönsten Debütantinnen seine zukünftige Duchess zu wählen. Bloß dass Sofia weder besonders schön noch gesellschaftlich besonders begehrenswert ist. Höchstens skandalös unkonventionell! Sofia ahnt nicht, dass es auch im Leben des Dukes ein höchst unkonventionelles Geheimnis gibt - was sie zur Favoritin der Brautschau macht ...
Annie Burrows wurde in Suffolk, England, geboren als Tochter von Eltern, die viel lasen und das Haus voller Bücher hatten. Schon als Mädchen dachte sie sich auf ihrem langen Schulweg oder wenn sie krank im Bett lag, Geschichten aus. Ihre Liebe zu Historischem entdeckte sie in den Herrenhäusern, die sie gemeinsam mit ihren Eltern und ihrer älteren Schwester besichtigte. Weil sie so gern las und sich Geschichten ausdachte, beschloss sie, Literatur zu studieren. An der Universität lernte sie ihren Mann, einen Mathematikstudenten, kennen. Sie heirateten, und Annie zog mit ihm nach Manchester. Sie bekamen zwei Kinder, und so musste sie zunächst ihren Traum von einer Karriere als Schriftstellerin vergessen. Doch ihr Wunsch zu schreiben blieb, und nach mehreren gescheiterten Versuchen wurde ihr Roman "His Cinderella Bride" angenommen und veröffentlicht. Inzwischen sind weitere Regency-Romane von ihr erschienen.

2. KAPITEL

Und Sie sagen, der fragliche Mann ist Viscount Norborough", hakte Oliver nach. "Sind Sie ganz sicher?"

Sein Sekretär Perceval öffnete die Aktentasche, die er ins Arbeitszimmer mitgebracht hatte, blätterte durch den Inhalt und zog eine dünne Mappe hervor.

"Die Bewohner von Theakstone Crescent Nummer sechs", sagte er und zeigte auf den entsprechenden Eintrag, damit Oliver sich selbst überzeugen konnte. "Lord und Lady Norborough, ihre Nichte Miss Underwood, verschiedene Dienstboten und ein Hund. Sie sind am ersten Juni eingezogen und haben einen Mietvertrag für drei Monate abgeschlossen."

Oliver lehnte sich in seinem Stuhl zurück und dachte mit gerunzelter Stirn daran, wie unsanft der Onkel seine hübsche junge Nichte vom Schauplatz des Unfalls weggeführt hatte. Er tippte mit einem Finger auf die Armlehne seines Stuhls. Er hätte darauf bestehen sollen, dass sie blieb, bis sich ein Arzt um sie kümmern konnte.

Allerdings hatte Dr. Cochrane mit Mrs. Pagett so viel zu tun gehabt, dass keine Zeit mehr für Miss Underwood geblieben wäre.

Ihm fiel ein, dass sie ihre Tante erwähnt hatte. Die Dame hatte mit Sicherheit alles Nötige unternommen, um die kleinen Schnitt- und Schürfwunden zu versorgen, die Miss Underwood davongetragen hatte.

Oder nicht?

"Was wissen wir über diese Norboroughs, Perceval?"

"Der Landsitz der Familie liegt in Derbyshire. Lady Norborough ist die älteste Schwester des Earl of Tadcaster. Der ."

"Nein, nein, so habe ich das nicht gemeint. Ich wollte etwas über ihren Charakter wissen. Ihre Gewohnheiten. Ihre Geschichte."

"Ich kümmere mich darum, Euer Gnaden", sagte Perceval, ohne zu zögern.

Das reichte nicht. Oh, Perceval würde wühlen und graben, bis er auch noch das letzte Geheimnis enthüllt hatte, das das Paar möglicherweise jemals zu verbergen versucht hatte. Das brauchte jedoch seine Zeit. Aber vielleicht hatte Miss Underwood jetzt gerade wer weiß was auszustehen.

"Sie brauchen deshalb nicht alles andere stehen und liegen zu lassen, Perceval. Sie haben schon genug damit zu tun, die Ursache für den Unfall gestern Abend herauszufinden."

Sie waren bereits am Ort des Brandes gewesen, in der Hoffnung, dass sie im Tageslicht feststellen konnten, was die Explosion der sorgfältig errichteten Konstruktion verursacht hatte.

Er verstand zwar nichts von Zündvorrichtungen und Schwarzpulver, die Männer, die alles aufgebaut hatten, aber schon, und sie waren alle gleichermaßen ratlos, wie das alles so schrecklich hatte schiefgehen können.

"Alle Beweise sind verbrannt", hatte einer von ihnen niedergeschlagen gesagt. "Es ist nur noch Asche übrig."

"Beweise?" Oliver hatte sich mit einer Spur von Sorge auf dieses Wort und auf alles, was damit angedeutet werden konnte, gestürzt. "Wollen Sie damit vielleicht sagen, dass hier ein Verbrechen stattgefunden hat?"

"Sabotage", hatte einer der anderen Arbeiter festgestellt. "Anders kann es nicht gewesen sein."

"Oder Nachlässigkeit", hatte Perceval gemurmelt, sodass ihn niemand außer Oliver hatte hören können. "Oder Betrunkenheit. Oder Unfähigkeit."

Ganz gleich, was die Ursache gewesen war, Perceval würde dem auf den Grund gehen.

"In der Zwischenzeit", entschied Oliver, "werde ich Miss Underwood aufsuchen." Er fand ohnehin keine Ruhe, solange er nicht mit eigenen Augen gesehen hatte, dass sie bei dem Zwischenfall keine bleibenden Schäden davongetragen hatte. Und das lag nicht daran, dass sie hübsch war, soweit er das im schwachen Schein der verlöschenden Flammen hatte sehen können. Es lag daran, wie tapfer sie auf die Frau zugerannt war, deren Kleidung Feuer gefangen hatte, während alle anderen selbstsüchtig und feige weggelaufen waren. Und das Mitgefühl, das sie bewiesen hatte, als sie sich hingekniet und die Hand der verletzten Frau genommen hatte. Und dass sie sich überhaupt nicht um die gesellschaftliche Stellung der Frau gekümmert hatte, als sie so selbstlos ihren Umhang geopfert hatte, um Mrs. Pagetts Beine zu bedecken, obwohl sie damit in Kauf nahm, dass er durch den Riss in ihrem Rock einen Blick auf ihre wohlgeformten Beine hatte werfen können.

Perceval steckte die Mappe zurück in die Tasche und holte Olivers Kalender hervor. "Sie nehmen morgen um fünf Uhr an einer außerordentlichen Sitzung des Komitees für die Feierlichkeiten zum Friedensschluss mit Frankreich teil."

"Und Marine View liegt auf dem Weg. Effizient wie immer, Perceval. Ich brauche mich nur eine halbe Stunde früher auf den Weg zu machen."

"Ich werde es notieren, Euer Gnaden", sagte Perceval und leckte die Spitze seines Bleistifts an.

"Der Duke of Theakstone", meldete Babbage, der an der Tür des Salons stand.

"Der Duke of Theakstone? Sind Sie sicher?" Skeptisch blickte Tante Agnes den Butler an, der von ihrem Landsitz Nettleton mit ihnen hierhergekommen war. "Mir war gar nicht bewusst, dass wir überhaupt Herzöge kennen. Ned? Tun wir das? Kennen wir diesen Herzog?"

Onkel Ned ließ die Zeitung sinken. "Theakstone? Ah, jetzt, wo ich darüber nachdenke: Er ist unser Vermieter. Vielleicht gibt es Schwierigkeiten mit dem Mietvertrag oder etwas in der Art. Führen Sie ihn ins Arbeitszimmer, Babbage, ich werde mich dort mit ihm unterhalten."

Babbage räusperte sich entschuldigend. "Seine Gnaden hat mir zu verstehen gegeben, dass er mit Miss Sofia zu sprechen wünscht, Mylord."

Onkel Ned und Tante Agnes drehte sich beide um und starrten sie an. Onkel Ned erholte sich als Erster. "Unsinn! Das muss ein Missverständnis sein. Sofia kennt keinen einzigen Herzog. Du hast sie doch ständig im Auge, Agnes, nicht wahr? Wo hätte sie dem denn begegnen sollen, hm?"

"Nirgendwo", sagte Tante Agnes bestimmt. "Das kann ich dir versichern."

Das hätte ich ihm auch versichern können, dachte Sofia, wenn er sich die Mühe gemacht hätte, mich zu fragen. Aber das war nicht seine Art. Sie war schließlich nicht, wie er so gern betonte, seine Nichte. Sie war sich ziemlich sicher, dass er nichts dagegen hatte, dass sie bei ihm wohnte. Er war nur eben davon überzeugt, dass es Frauensache war, sich um die Erziehung von Mädchen zu kümmern. Das hatte er gleich am ersten Tag gesagt, als sie nach Nettleton gekommen war, erschöpft und einen jämmerlichen Eindruck bietend nach der langen Reise. Und überzeugt davon, dass die beiden sie an die nächsten Fremden weiterreichen würden. Es war das erste Mal gewesen, dass er und Tante Agnes über sie geredet hatten, als ob sie gar nicht da wäre. In den Jahren, die darauf gefolgt waren, wurde das immer mehr zur Gewohnheit bei ihnen.

Babbage räusperte sich noch einmal, um sie alle taktvoll daran zu erinnern, dass sie einen Herzog in der Eingangshalle warten ließen. Sofia hatte allerdings keine Ahnung, wieso hier ein Mann auftauchte, der behauptete, ein Herzog zu sein, und nach ihr fragte. Soweit sie wusste, war sie ihr ganzes Leben lang noch keinem Herzog begegnet.

"Ja, ja, dann führen Sie ihn eben herein", sage Onkel Ned ungeduldig. "Das muss irgendein Missverständnis sein. Ich denke, das klären wir im Handumdrehen. Ah, guten Morgen", grüßte er und legte die Zeitung beiseite, ehe er sich erhob, um den Mann zu begrüßen, der hereingekommen war, als gehöre ihm das alles hier. Was er zwar behauptet hatte, was jedoch nicht sein konnte. Der Besucher war nämlich kein Herzog. Das war der Kellner von dem Abend, als das Feuerwerk schiefgegangen war.

Der Kellner nickte ihrem Onkel zu und kam dann direkt auf sie zu. Seine Augenbrauen waren zusammengezogen, und er sah sie besorgt an.

"Ihr armes Gesicht", sagte er und streckte eine Hand aus, als wolle er ihr über das blaue Auge streichen. Erst im letzten Moment besann er sich eines Besseren. Anscheinend war ihm gerade wieder eingefallen, was sich gehörte.

Dennoch hatte Sofia das Gefühl, dass er sie berührt hatte. Das war ein seltsames Gefühl. Sie konnte sich nicht einmal mehr an das letzte Mal erinnern, dass jemand sie voller Zuneigung berühren wollte. Oder Sorge. Tante Agnes ganz sicher nicht. Als sie sie das erste Mal gesehen hatte, hatte sie sich angeekelt geschüttelt, ehe sie sie mit einem sehr jungen Hausmädchen weggeschickt hatte, um sie auszuziehen und abzuschrubben. Seitdem hielt sie immer eine Armlänge Abstand von ihr.

"Vergiss nicht, dass du aus einer guten Familie kommst", sagte sie immer und immer wieder zu ihr. Diese Ermahnung hatte ihre erste abgelöst: "Du bist jetzt in England und musst dich auch so benehmen."

Gestern Abend jedoch, als sie das zerrissene Kleid und den Verlust von Bettys Umhang bemerkte, hatte sie Sofia mit ihrem gesamten Arsenal von Zurechtweisungen bombardiert. Und heute Morgen, als sie mit einem blauen Auge zum Frühstück erschienen war, hatte sie keineswegs eine Hand nach ihr ausgestreckt wie der Mann eben, sondern sie stattdessen an ihre eigene Stirn gelegt. "Genau wie dein Vater", hatte sie geseufzt. "Der war auch nicht glücklich, wenn er nicht bis zum Hals in Dummheiten gesteckt hat."

Das war wirklich ungerecht. Sofia hatte sich solche Mühe gegeben, eine anständige englische junge Dame zu werden, dass inzwischen alle innerhalb eines Zehn-Meilen-Umkreises von Nettleton sie für sterbenslangweilig hielten.

"Ist Ihre Nichte", fragte der Kellner, der sich als Herzog ausgab, "nach dem Brand von einem Arzt untersucht worden?" Er hatte sich sichtlich verärgert ihrem Onkel zugewandt.

"Das sind doch nur...

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