Das Leben wagen mit Leidenschaft

Erläuterungen zum Kurs 11 (EF) des Faches Katholische Religionslehre
 
 
Books on Demand (Verlag)
  • 1. Auflage
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  • erschienen am 26. Februar 2021
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  • 120 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7534-1273-3 (ISBN)
 
Der Mensch ist das Wesen, das sich selber zur Frage wird. In einem weiteren Band seiner Erläuterungen befasst sich der ehemalige Religionslehrer Axel Burghausen mit dem Menschen und seiner Religiosität. Er zeigt, was seine Schüler zu Beginn der Gymnasialen Oberstufe von ihm lernen konnten.
1. Auflage
  • Deutsch
  • 0,26 MB
978-3-7534-1273-3 (9783753412733)
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2 Umwege führen zum Ziel - Jakobs Weg
gegen, vor und mit Gott


2.1 Ich setze mich durch - den Bruder in mir
beiseiteschieben


Grundlage: Gen 25,19-34; 27,1-40 Gen 27,41-45: 28, 10f.

"Geschwister lieben sich spät oder nie." Diesen Satz zitierte mein Bruder häufig. Woher er ihn hatte, weiß ich nicht. Ich war ein Nachkömmling, "der Kleine", acht Jahre jünger als er und "Ersatz" für eine sehr früh verstorbene Schwester. Ich wurde umhegt und gepflegt, hatte es in allem leichter als mein Bruder, der viel strenger erzogen worden war. Ich durfte mir einiges herausnehmen und manchmal nutzte ich das aus. Aber auch abgesehen davon gewann ich eine Sicherheit, die mir in meinem Werdegang nutzte. Mit der Distanz der Jahre und des Lebensraumes konnte sich vieles versachlichen. Dass ich von meinem Bruder auch manche Impulse übernommen, manches gelernt hatte, wurde mir immer bewusster. Die Unterschiede in der Mentalität und der Lebensweise konnten in der Entfernung leichter toleriert werden.

Die Nähe zu den Geschwistern bedingt die häufige Ambivalenz dieser Beziehung, die von Vertrautheit und Konkurrenzstreben gleichermaßen geprägt ist. Man hilft sich und giftet sich an und hofft, bald ganz über sein eigenes Leben bestimmen zu können.

Die Geschichte von Jakob und Esau stellt eine äußerst problematische Bruderbeziehung dar, kann aber noch viel mehr verdeutlichen: Im Mittelpunkt der Bibel sind unvollkommene, fehlbare Menschen, die dennoch ihren Weg mit Gott finden und gehen, Beispiele für heutige Menschen mit ihren Sorgen und Hoffnungen.

Das Verhältnis der Zwillinge Esau und Jakob zeigt sich von vorneherein als Konkurrenzverhältnis. Beide sind in ihrer Art so verschieden, dass sie geradezu als Prototypen gelten können.

Esau, der Erstgeborene, wird vom Vater bevorzugt und soll den Segen erhalten, der ihm das Erbe zuspricht. Er ist Jäger, also auf seine zufallsbedingte Geschicklichkeit angewiesen, und "gleicht" auch in seinem Äußeren einem wilden Tier. Er ist rothaarig, sein Körper ist dicht behaart. Er durchstreift die Landschaft auf de Suche nach Beute, einem geordneten Leben geht er nicht nach. So ist er auch nicht vom Verstand, sondern von seinen Trieben beherrscht. Er ist gierig, unbeherrscht, denkt nicht an die Folgen, plant nicht seine Zukunft. Zugleich zeigt er heftige Gefühle.

Der Zweitgeborene, Jakob, ist der Liebling der Mutter, zu der er eine große Nähe hat, weil er zu Hause bleibt und sich als Bauer und Viehzüchter um den landwirtschaftlichen Ertrag kümmert. So hat er frühzeitig gelernt, zu planen und sein Leben zu organisieren. Er ist vom Verstand geprägt, den er aber auch einsetzt, um die Schwächen seiner Mitmenschen auszunutzen und diese zu hintergehen. Schon bei einer "Kabbelei" im Mutterleib versuchte er, seinen Bruder zu überholen (Jakob wird in Gen 25,26 als "Fersenhalter" übersetzt), und auch später unternimmt er alles, um die Reihenfolge der Geburt zu berichtigen. Er nutzt die triebgesteuerte Schwäche Esaus aus, um sich das Erstgeburtsrecht zu erhandeln, und betrügt den erblindeten Vater, indem er sich als der andere Sohn ausgibt. So erschleicht er sich den väterlichen Segen. Seine Fähigkeit zu planen, von der Mutter noch unterstützt, steht unter dem Motto: Der Zweck heiligt die Mittel.

Auf die Frage, welcher Bruder der Sympathischere ist, nennen die meisten spontan Esau, zeigen sich also mit dem Opfer solidarisch. Man sollte bei der Beurteilung aber vorsichtig sein. Wie sympathisch ist der Mensch, der offenbar keinen Wert auf das Erstgeburtsrecht und die Tradition der Familie legt, jedenfalls wenn er Hunger hat, der unfähig ist, über den Augenblick hinaus zu denken und zu planen? Aber umgekehrt: Ist der Schlauere der bessere Mensch, derjenige, der dem blinden Vater auch noch die anderen Sinnesorgane betrügt und der nur an seinen eigenen Vorteil denkt? Der Interessantere der beiden Brüder ist er aber auf jeden Fall.

Neben einer mehr existentiellen Betrachtungsweise, die dazu einlädt, den Bruderkonflikt in der Bibel mit eigenen Erfahrungen zu vergleichen und daraus Handlungskonsequenzen zu ziehen, müssen noch eine kulturgeschichtliche und eine nationalgeschichtliche Interpretationsebene genannt werden. Der Text spiegelt die schrittweise Ablösung des Paläolithikum (der Altsteinzeit) durch das Neolithikum (die Jungsteinzeit). Der "dumme" Jäger und Sammler wird durch den Bauern und Viehzüchter abgelöst. Der Mensch ist nicht mehr auf den glücklichen Zufall angewiesen, seine Nahrung zu finden, sondern er lernt, die Natur in seinem Sinne zu beeinflussen und ihren Ertrag zu planen. Unser Wort "Kultur" kommt vom lateinischen "colere" (pflegen, bebauen). Der Siegeszug der Landwirtschaft in der "neolithischen Revolution" führte zur weitgehenden Sesshaftigkeit des Menschen und war damit die wesentliche Voraussetzung dessen, was wir heute unter Kultur verstehen. Der hier geschilderte Übergang wird von Gott gesegnet ("Ja-kob-el" bedeutet als Name von seinem mesopotamischen Ursprung her "Gott schütze").

Gleichzeitig erklärt der Text aber auch Israels Überlegenheit gegenüber dem Nachbarvolk der Edomiter ("adom" = rot, "se'ir" = behaart, erinnert an das Gebirge Seir, wo die Edomiter wohnen). Der Ersatzsegen, den Isaak über Esau spricht, ist für Beduinen nicht schlecht, er wertet ihre Lebensweise nicht grundsätzlich ab. Der Segen für den Bauern Jakob ist dagegen vorzüglich ("kb" hier fälschlich von "Ferse" abgeleitet, daher die Übersetzung "Betrüger"). Die besondere Erwählung durch Gott rechtfertigt aber nicht, auf andere Völker herabzusehen.

Nach dem Tode des Vaters eskaliert der Konflikt der Brüder. Die "Niederlage" des triebgesteuerten, aber kräftigen Esau führt zu Aggressionsstau und Gewaltbereitschaft. Jakob, der sich nur auf Kosten seines Bruders durchsetzen konnte, muss die Heimat verlassen und sich auf die Flucht begeben. Er lernt, dass ein Segen kein magisches Wort ist, das automatisch wirkt. Statt die Früchte seines Betrugs zu genießen, verliert er alles: Heimat, Familie, Besitz. Jegliche Zukunft bleibt dunkel. Sein Bruder, vor dem er geflohen ist, verfolgt ihn innerlich - mindestens, was die Folgen seines Handelns betrifft. Und ob Gott ihn begleitet und schützt, ist ungewiss. Schuld macht den Menschen einsam.

2.2 Am Fußende der Leiter - Gotteserfahrungen
und Alltag


Grundlage: Marc Chagall: Die Erscheinung

Gen 28,11-15

Marc Chagall: Jakobsleiter

Gen 29,1-30; 30,25-43

Was ist ein Traum? Jeder Mensch träumt in der Zeit des Schlafs viele Male, oft in der sogenannten REM-Phase, auch wenn er es am Morgen nicht mehr erinnert. Man ist sich inzwischen sicher, dass Träume in symbolischer Form Erlebtes und (nicht nur in der Schule) Gelerntes verarbeiten und damit im Unterbewussten "grundieren", für weitere Lebensprozesse verfügbar machen. Daran arbeitet das Gehirn fieberhaft, während große Teile des Körpers ruhen. Aus der Menge sinnlicher Wahrnehmungen des Tages wird das Wichtige ausgefiltert, anderes ausgeschieden. Es fallen dabei - ohne dass wir es bewusst steuern - Entscheidungen, die das weitere Leben beeinflussen können.

Daher haben die Menschen schon seit Jahrtausenden in ihren Träumen Eingangstore zur Zukunft, Boten eines göttlichen Willens, einer von Gott hervorgerufenen neuen Wirklichkeit gesehen. Der Psychologe C.G. Jung sagte: "Im Grunde genommen sind nur die Ereignisse meines Lebens erzählenswert, bei denen die unvergängliche Welt in die vergängliche einbrach. Zu ihnen gehören meine Träume..."

Das Bild "Die Erscheinung" von Marc Chagall aus dem Jahre 1917 vermittelt dem Betrachter zunächst eine etwas neblige, schwer zu überschauende Atmosphäre. Am auffälligsten ist auf der rechten Seite des Bildes ein weißer Engel mit riesigen Flügeln, der seine rechte Hand erhoben hat und offensichtlich etwas sagt oder ruft. Er schwebt auf Wolken, die den Boden weitgehend bedecken. Auf der linken Seite erkennen wir einen Maler, im Gegensatz zum Engel schwarz bekleidet, der mit einem Pinsel ein Bild malt. Er sitzt vor seiner Staffelei und hat seinen rechten Fuß auf einem Schemel. In der linken Hand hält er eine Palette. Er dreht sich, von seinem Bild weg, zum Engel hin. Entweder malt er ihn, oder die Erscheinung hat ihn in seiner Arbeit unterbrochen. Erst bei genauerer Betrachtung des Bildes wird der Raum als Zimmer deutlich. Man erkennt Fenster und evtl. gegenüber liegende Fassaden.

Marc Chagall wurde 1887 als ältester Sohn einer jüdischen Familie in Witebsk, einer weißrussischen Stadt, geboren. Er litt unter der bedrückenden Enge des Elternhauses mit acht Geschwistern, der Armut der Familie, der harten Arbeit seines Vaters, der für eine Heringshandlung Fässer rollen und stapeln musste und nur wenig dafür bekam. Umso heller leuchtete das vertraute Licht der jüdischen Riten und Feste, die herzliche...

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