Weißbuch Geriatrie

Band I: Die Versorgung geriatrischer Patienten - Strukturen und Bedarf
 
 
Kohlhammer (Verlag)
  • 3. Auflage
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  • erschienen am 27. Juli 2016
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  • 273 Seiten
 
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978-3-17-031044-5 (ISBN)
 
Die Versorgung geriatrischer Patienten durch spezielle altersmedizinische Versorgungsangebote ist eine zentrale gesundheits- wie auch gesellschaftspolitische Herausforderung. Nicht zuletzt vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung gewinnt die fachspezifische Versorgung dieser Patientengruppe zunehmend an Bedeutung. Neben der bedarfsgerechten Versorgung des einzelnen Patienten rücken so auch Fragen zur Zukunftsfähigkeit und zur Finanzierung des deutschen Gesundheitswesens in den Vordergrund.
Das im Jahr 2010 vom Bundesverband Geriatrie in Erstauflage herausgegebene Weißbuch Geriatrie hat sich dieser Thematik auf Basis umfangreicher Datenerhebungen und -analysen zugewendet und gilt heute als Standardwerk für versorgungsstrukturelle und -politische Fragestellungen der Altersmedizin.
Die 3. Auflage des Weißbuchs Geriatrie erscheint in zwei Bänden und baut auf den methodischen Grundlagen und Ergebnissen der Vorauflage auf. Der vorliegende Band I setzt die Darstellung der aktuellen Versorgungsstrukturen in den einzelnen Bundesländern sowie die Analyse und Quantifizierung der zukünftigen Versorgungsbedarfe und der sich daraus ergebenden wirtschaftlichen Fragen fort.
  • Deutsch
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  • 30,17 MB
978-3-17-031044-5 (9783170310445)
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Der Bundesverband Geriatrie vertritt als Spitzenverband die Träger der Einrichtungen, die sich unter fachärztlicher Leitung der medizinischen Versorgung geriatrischer Patienten widmen. Dazu gehören u.a. geriatrische Fach- und Rehabilitationskliniken, Krankenhausabteilungen sowie Einrichtungen der Ambulanten und der Mobilen Geriatrischen Rehabilitation.
1 - Deckblatt [Seite 1]
2 - Titelseite [Seite 4]
3 - Impressum [Seite 5]
4 - Inhalt [Seite 6]
5 - Vorwort zur 3. Auflage [Seite 8]
6 - Vorwort des Herausgebers zur 1. Auflage [Seite 10]
7 - 1 Einleitung [Seite 12]
8 - 2 Der geriatrische Patient im Mittelpunkt [Seite 14]
9 - 3 Strukturen, Inanspruchnahme und Versorgungsbedarf in der Geriatrie [Seite 18]
9.1 - 3.1 Vorbemerkungen zur Datengrundlage [Seite 18]
9.2 - 3.2 Versorgungsstrukturen der Geriatrie und deren Inanspruchnahme [Seite 19]
9.2.1 - Geriatrie im Krankenhaus [Seite 19]
9.2.2 - Geriatrie in Rehabilitationseinrichtungen [Seite 21]
9.2.3 - Demografie und Erreichbarkeit geriatrischer Versorgungsstrukturen [Seite 23]
9.2.4 - Geriatrische Patienten in anderen Fachdisziplinen [Seite 31]
9.2.5 - Demografische Entwicklung [Seite 34]
9.3 - 3.3 Prognose des geriatrischen Versorgungsbedarfs [Seite 35]
9.3.1 - Definition Versorgungsbedarf im Krankenhaus [Seite 35]
9.3.2 - Definition des Versorgungsbedarfs in Rehabilitationseinrichtungen [Seite 36]
9.3.3 - Effekte der demografischen Entwicklung [Seite 37]
9.3.4 - Einbeziehung der Patienten anderer Fachgebiete mit geriatrischem Versorgungsbedarf [Seite 38]
9.4 - 3.4 Fazit zukünftiger Versorgungsbedarf [Seite 39]
9.5 - 3.5 Sondereffekt durch neue Vorgaben im Rahmen der Pflegebegutachtung zur Überprüfung des Rehabilitationsbedarfs [Seite 40]
9.5.1 - Abschließende Bewertung [Seite 41]
9.6 - 3.6 Überprüfung der Prognose des geriatrischen Versorgungsbedarfs laut Weißbuch 2010 [Seite 42]
10 - 4 Vergütung und Finanzierung geriatrischer Einrichtungen [Seite 45]
10.1 - 4.1 Vergütungsrelevante Anforderungen an die geriatrischen Leistungserbringer [Seite 45]
10.2 - 4.2 Vergütungssituation in der Geriatrie im Krankenhaus [Seite 46]
10.3 - 4.3 Vergütungssituation der Geriatrie [Seite 51]
11 - 5 Ökonomische Effekte der Geriatrie [Seite 56]
12 - 6 Zusammenfassung der Ergebnisse und Handlungsempfehlungen [Seite 62]
13 - 7 Versorgungsstrukturen und -konzepte in den Bundesländern [Seite 64]
13.1 - 7.1 Baden-Württemberg [Seite 65]
13.1.1 - Konzept/Krankenhausplan [Seite 65]
13.1.2 - Bevölkerung [Seite 66]
13.1.3 - Erreichbarkeit geriatrischer Versorgungsstrukturen [Seite 69]
13.1.4 - Geriatrische Versorgung im Krankenhaus [Seite 70]
13.1.5 - Geriatrische Versorgung in der Rehabilitation [Seite 73]
13.2 - 7.2 Bayern [Seite 77]
13.2.1 - Konzept/Krankenhausplan [Seite 77]
13.2.2 - Bevölkerung [Seite 78]
13.2.3 - Erreichbarkeit geriatrischer Versorgungsstrukturen [Seite 81]
13.2.4 - Geriatrische Versorgung im Krankenhaus [Seite 82]
13.2.5 - Geriatrische Versorgung in der Rehabilitation [Seite 86]
13.3 - 7.3 Berlin [Seite 91]
13.3.1 - Konzept/Krankenhausplan [Seite 91]
13.3.2 - Bevölkerung [Seite 92]
13.3.3 - Erreichbarkeit geriatrischer Versorgungsstrukturen [Seite 95]
13.3.4 - Geriatrische Versorgung im Krankenhaus [Seite 97]
13.3.5 - Geriatrische Versorgung in der Rehabilitation [Seite 100]
13.4 - 7.4 Brandenburg [Seite 102]
13.4.1 - Konzept/Krankenhausplan [Seite 102]
13.4.2 - Bevölkerung [Seite 104]
13.4.3 - Erreichbarkeit geriatrischer Versorgungsstrukturen [Seite 106]
13.4.4 - Geriatrische Versorgung im Krankenhaus [Seite 108]
13.4.5 - Geriatrische Versorgung in der Rehabilitation [Seite 111]
13.5 - 7.5 Bremen [Seite 113]
13.5.1 - Konzept/Krankenhausplan [Seite 113]
13.5.2 - Bevölkerung [Seite 113]
13.5.3 - Erreichbarkeit geriatrischer Versorgungsstrukturen [Seite 116]
13.5.4 - Geriatrische Versorgung im Krankenhaus [Seite 118]
13.5.5 - Geriatrische Versorgung in der Rehabilitation [Seite 121]
13.6 - 7.6 Hamburg [Seite 123]
13.6.1 - Konzept/Krankenhausplan [Seite 123]
13.6.2 - Bevölkerung [Seite 124]
13.6.3 - Erreichbarkeit geriatrischer Versorgungsstrukturen [Seite 126]
13.6.4 - Geriatrische Versorgung im Krankenhaus [Seite 128]
13.6.5 - Geriatrische Versorgung in der Rehabilitation [Seite 131]
13.7 - 7.7 Hessen [Seite 132]
13.7.1 - Konzept/Krankenhausplan [Seite 132]
13.7.2 - Bevölkerung [Seite 132]
13.7.3 - Geriatrische Versorgung im Krankenhaus [Seite 136]
13.7.4 - Geriatrische Versorgung in Rehabilitationseinrichtungen [Seite 139]
13.8 - 7.8 Mecklenburg-Vorpommern [Seite 141]
13.8.1 - Konzept/Krankenhausplan [Seite 141]
13.8.2 - Bevölkerung [Seite 142]
13.8.3 - Erreichbarkeit geriatrischer Versorgungsstrukturen [Seite 144]
13.8.4 - Geriatrische Versorgung im Krankenhaus [Seite 146]
13.8.5 - Geriatrische Versorgung in der Rehabilitation [Seite 148]
13.9 - 7.9 Niedersachsen [Seite 151]
13.9.1 - Konzept/Krankenhausplan [Seite 151]
13.9.2 - Bevölkerung [Seite 153]
13.9.3 - Erreichbarkeit geriatrischer Versorgungsstrukturen [Seite 156]
13.9.4 - Geriatrische Versorgung im Krankenhaus [Seite 157]
13.9.5 - Geriatrische Versorgung in der Rehabilitation [Seite 161]
13.10 - 7.10 Nordrhein-Westfalen [Seite 164]
13.10.1 - Konzept/Krankenhausplan [Seite 164]
13.10.2 - Bevölkerung [Seite 165]
13.10.3 - Erreichbarkeit geriatrischer Versorgungsstrukturen [Seite 168]
13.10.4 - Geriatrische Versorgung im Krankenhaus [Seite 169]
13.10.5 - Geriatrische Versorgung in der Rehabilitation [Seite 174]
13.11 - 7.11 Rheinland-Pfalz [Seite 177]
13.11.1 - Konzept/Krankenhausplan [Seite 177]
13.11.2 - Bevölkerung [Seite 178]
13.11.3 - Erreichbarkeit geriatrischer Versorgungsstrukturen [Seite 180]
13.11.4 - Geriatrische Versorgung im Krankenhaus [Seite 182]
13.11.5 - Geriatrische Versorgung in der Rehabilitation [Seite 185]
13.12 - 7.12 Saarland [Seite 188]
13.12.1 - Konzept/Krankenhausplan [Seite 188]
13.12.2 - Bevölkerung [Seite 189]
13.12.3 - Erreichbarkeit geriatrischer Versorgungsstrukturen [Seite 191]
13.12.4 - Geriatrische Versorgung im Krankenhaus [Seite 193]
13.12.5 - Geriatrische Versorgung in der Rehabilitation [Seite 196]
13.13 - 7.13 Sachsen [Seite 199]
13.13.1 - Konzept/Krankenhausplan [Seite 199]
13.13.2 - Bevölkerung [Seite 202]
13.13.3 - Erreichbarkeit geriatrischer Versorgungsstrukturen [Seite 205]
13.13.4 - Geriatrische Versorgung im Krankenhaus [Seite 206]
13.13.5 - Geriatrische Versorgung in der Rehabilitation [Seite 209]
13.14 - 7.14 Sachsen-Anhalt [Seite 212]
13.14.1 - Konzept/Krankenhausplan [Seite 212]
13.14.2 - Bevölkerung [Seite 213]
13.14.3 - Erreichbarkeit geriatrischer Versorgungsstrukturen [Seite 216]
13.14.4 - Geriatrische Versorgung im Krankenhaus [Seite 217]
13.14.5 - Geriatrische Versorgung in der Rehabilitation [Seite 221]
13.15 - 7.15 Schleswig-Holstein [Seite 223]
13.15.1 - Konzept/Krankenhausplan [Seite 223]
13.15.2 - Bevölkerung [Seite 225]
13.15.3 - Erreichbarkeit geriatrischer Versorgungsstrukturen [Seite 227]
13.15.4 - Geriatrische Versorgung im Krankenhaus [Seite 229]
13.15.5 - Geriatrische Versorgung in der Rehabilitation [Seite 232]
13.16 - 7.16 Thüringen [Seite 233]
13.16.1 - Konzept/Krankenhausplan [Seite 233]
13.16.2 - Bevölkerung [Seite 233]
13.16.3 - Erreichbarkeit geriatrischer Versorgungsstrukturen [Seite 236]
13.16.4 - Geriatrische Versorgung im Krankenhaus [Seite 238]
13.16.5 - Geriatrische Versorgung in der Rehabilitation [Seite 240]
14 - Anhang [Seite 242]
15 - A Der Bundesverband Geriatrie e. V. [Seite 244]
16 - B Verzeichnis der Mitgliedseinrichtungen des Bundesverbandes Geriatrie e. V. [Seite 246]
17 - C Abkürzungsverzeichnis [Seite 258]
18 - D Abbildungsverzeichnis [Seite 260]
19 - E Sachverzeichnis [Seite 272]

2 Der geriatrische Patient im Mittelpunkt


Ein Optimum an Lebensqualität, Selbstbestimmtheit der Lebensführung und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben: Der ältere Mensch ist aufgrund seiner altersbedingten Lebenssituation, die oftmals geprägt ist durch eine eingeschränkte körperliche und kognitive Leistungsfähigkeit und latente oder bereits manifeste Funktionseinschränkungen, gefährdet, diese gesellschaftlichen Grundrechte im Hinblick auf seine individuellen Potenziale nicht mehr wahren zu können. Diese Gefahr steigt in dem Maße, wie zu altersbedingten Veränderungen und ggf. vorhandenen chronischen Erkrankungen akute Krankheitsereignisse hinzukommen.

Auch die persönliche Lebenssituation ist in diesem Zusammenhang für den älteren Menschen von entscheidender Bedeutung. Sein sozialer Kontext, die familiären Strukturen oder auch die Wohnsituation sind Faktoren, die bei der Bewältigung von Krankheitssituationen bzw. einer sich aus der Gesamtsituation ergebenden Fragilität wesentlich die Lebensqualität, Selbstbestimmtheit und Teilhabe beeinflussen. Daher ist es von entscheidender Bedeutung, dass sich die medizinische Behandlung älterer Menschen nicht ausschließlich auf ein akutes Krankheitsbild fokussiert, sondern die Gesamtkonstellation des Gesundheitszustandes, die Funktionsfähigkeit im Hinblick auf eine möglichst selbstständige Lebensführung und in diesem Zusammenhang auch den sozialen Kontext erfasst, bewertet und in ein umfassendes Behandlungskonzept einfließen lässt.

Dieser Aufgabe widmet sich die Geriatrie. Als medizinische Spezialdisziplin, die sich aus dem besonderen Behandlungsbedarf älterer Menschen entwickelt hat, erarbeitet sie Instrumente zur Identifikation des individuellen Therapieansatzes sowie umfassende Behandlungsziele und -strategien. Letztlich folgert aus dieser Auseinandersetzung mit dem spezifischen Behandlungsbedarf älterer Menschen die Definition des geriatrischen Patienten2, der gekennzeichnet ist durch:

  • Vorrangige geriatrietypische Multimorbidität
  • Höheres Lebensalter (überwiegend 70 Jahre oder älter)
  • Auftreten von Komplikationen und Folgeerkrankungen
  • Chronische Erkrankungen mit einhergehenden Funktionseinschränkungen
  • Erhöhtes Risiko des Verlustes von Autonomie mit Verschlechterung des Selbsthilfestatus

Insbesondere Hochbetagte ab dem 80. Lebensjahr weisen die oben genannten Ausprägungen einer erhöhten Vulnerabilität (Gebrechlichkeit, frailty) auf. Die UEMS (Union Européenne des Médecins Spécialistes) führt zu dieser Definition des geriatrischen Patienten weiter aus:

»Krankheiten im Alter können sich different präsentieren und sind deshalb oft besonders schwierig zu diagnostizieren. Das Ansprechen auf Behandlung ist verzögert und häufig besteht ein Bedarf nach (gleichzeitiger) sozialer Unterstützung. Geriatrische Medizin geht daher über einen organzentrierten Zugang hinaus und bietet zusätzliche Behandlung in einem interdisziplinären Team an. Hauptziel dieser Behandlung ist Optimierung des funktionellen Status des älteren Patienten mit Verbesserung der Lebensqualität und Autonomie.« 3

Diese Kriterien sind bei der definitorischen Abgrenzung des geriatrischen Patienten und seines spezifischen Behandlungsbedarfs zu anderen Fachdisziplinen, in denen ebenfalls ältere Menschen behandelt werden, anzuwenden.

Wird dieser spezifische Bedarf im Rahmen einer medizinischen Behandlung älterer Menschen nicht angemessen erkannt und in die Therapieplanung einbezogen, besteht die Gefahr, dass sich ein umfassender Behandlungserfolg, der auch vom Patienten hinsichtlich seiner Lebensqualität als solcher wahrgenommen werden kann, nicht einstellt.

Daher soll die Definition des geriatrischen Patienten nicht die sich aus der Multimorbidität oder einem akuten Krankheitsereignis ergebende fachmedizinische (Mit-)Behandlung anderer Disziplinen ausschließen, sondern vielmehr verdeutlichen, dass der Geriater die oftmals interdisziplinäre und intersektorale fachmedizinische Therapie im Rahmen des Gesamtbehandlungskonzeptes zu koordinieren hat.

Abb. 1: Spezifika des geriatrischen Patienten und das adaptierte geriatrische Behandlungskonzept (Darstellung in Anlehnung an Lübke 2005, S. I 36)

Die Definition des geriatrischen Patienten ist daher im Sinne einer am Bedarf orientierten Versorgung nicht als tatsächliche Abgrenzung zu anderen Fachdisziplinen zu verstehen. Deutlich wird aber, dass auf der Grundlage der Charakteristika des geriatrischen Patienten der spezifische Behandlungsbedarf als solcher zu identifizieren ist und es den Geriater als Spezialisten braucht, um, falls erforderlich, weiteres fachmedizinisches Spezialwissen in das geriatrische Behandlungskonzept zu integrieren.

Die Abbildung 1 verdeutlicht den Zusammenhang zwischen den Charakteristika des geriatrischen Patienten, seinem spezifischen Behandlungsbedarf und dem sich daraus entwickelnden geriatrischen Behandlungskonzept.

Diesem Versorgungsanspruch wird die derzeitige Situation in der Akut- und Rehabilitationsmedizin nicht vollständig gerecht. Ein großer Teil der Patienten mit geriatrischem Behandlungsbedarf wird nicht als solcher erkannt und behandelt. Dies kann für den geriatrischen Patienten gravierende Nachteile hinsichtlich des Behandlungserfolgs und seiner weiteren Lebensführung verursachen.

Beispiele hierfür sind:

  • Ein unzureichendes initiales Screening führt zu einer unvollständigen Erhebung (Assessment) des individuellen medizinischen, pflegerischen und sozialen Risikopotenzials des älteren Patienten. Hieraus ergibt sich eine unvollständige Therapieplanung, die wesentliche, den Therapieerfolg gefährdende Faktoren unberücksichtigt lässt.
  • Eine unzureichende Berücksichtigung des (früh-)rehabilitativen Behandlungsbedarfs während der Akutphase eines Krankheitsgeschehens birgt die Gefahr einer einseitigen Fokussierung oder seriellen Therapieplanung. Rehabilitationspotenziale gehen verloren bzw. werden verspätet oder nicht gefördert.
  • Gleiches gilt bei einer nicht auf Multimorbidität abgestellten Therapieplanung. Erfolgt diese nicht patientenindividualisiert und interdisziplinär koordiniert, besteht die Gefahr, dass therapeutische Wechselwirkungen im fachspezifischen Kontext nicht berücksichtigt werden oder dass akutmedizinisch notwendige Interventionen zum falschen Zeitpunkt stattfinden.
  • Im Bereich der indikationsspezifischen Rehabilitation werden bei geriatrischen Patienten zumeist nicht alle individuell vorhandenen Ressourcen und Rehabilitationspotenziale erkannt und bleiben daher ungenutzt. Der Patient erreicht in diesem Fall nicht den Grad an Selbstständigkeit, der bei einer spezifischen, auf den geriatrischen Patienten abgestimmten rehabilitativen Behandlung möglich wäre.

Diese Beispiele zeigen, dass die Definition des geriatrischen Patienten und einer somit möglichen gezielteren Identifikation dieser Patientengruppe keinem Selbstzweck folgt. Sie ist die Grundlage, möglichst vielen älteren Menschen mit einem geriatrischen Versorgungsbedarf den Zugang zu entsprechenden fachspezifischen Versorgungsstrukturen zu ermöglichen und eine fachlich indizierte, bedarfsgerechte und somit bestmögliche Behandlung sicherzustellen.

Die im Weißbuch Geriatrie 2010 durchgeführten umfassenden Analysen zur Definition des geriatrischen Patienten belegen die Spezifität des Versorgungsbedarfs4. Die Multimorbidität geriatrischer Patienten ist in der hohen Anzahl an Nebendiagnosen dokumentiert; Funktionseinschränkungen zeigen sich in dem in der Geriatrie bei der Patientenaufnahme erhobenen, in der Regel niedrigen Barthel-Index. Weitere Indikatoren, z. B. zur Mobilität (Timed-Up & Go-Test), zur Pflegebedürftigkeit oder zu kognitiven Leistungen werden im Rahmen des geriatrischen Assessments zur Analyse des Behandlungsbedarfs und als Zielindikatoren zur Sicherung des Behandlungsverlaufs herangezogen.

Erst der umfassende Einsatz dieser funktionsbezogenen Analyseinstrumente, die Berücksichtigung des individuellen sozialen Kontextes im Zusammenhang mit der medizinischen Anamnese und Diagnostik durch die gemeinsam agierenden Professionen des geriatrischen Teams ergeben ein vollständiges Bild zum patientenindividuellen Versorgungsbedarf und bewirken ein umfassendes Behandlungskonzept.

Schließlich ist diese konzeptionelle Basis der geriatrischen Versorgung auch der Schlüssel für die anzustrebende Behandlungsqualität. Dieser Sachverhalt wird im 2. Band der Neuauflage des Weißbuchs Geriatrie einen zentralen Stellenwert einnehmen. Gleichwohl sind diese konzeptionellen Charakteristika der Geriatrie auch Grundlage der folgenden Darstellungen der Versorgungsstrukturen, ihrer Inanspruchnahme und den prognostizierten Entwicklungspotenzialen und -erfordernissen der geriatrischen Versorgung in Deutschland.

2 Vgl. die Definition des geriatrischen Patienten gemäß der gemeinsamen Arbeitsgruppe der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie e.V., der deutschen Gesellschaft für Gerontologie und Geriatrie e.V. und der Bundesarbeitsgemeinschaft der Klinisch-Geriatrischen Einrichtungen, dem heutigen Bundesverband Geriatrie e.V.

3 Vgl. die Definition der Europäischen Union der medizinischen Spezialisten (UEMS), Kopenhagen, verabschiedet am 6. September 2008

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