Die traurige Geschichte der Brüder Grossbart

Fantasy
 
 
Lübbe (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 21. April 2011
  • |
  • 464 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-8387-0650-4 (ISBN)
 
Zu behaupten, die Brüder Grossbart seien grausame Räuber, wäre sogar in den Ohren des schlimmsten Wegelagerers untertrieben. Und sie als Schweine zu bezeichnen, wäre eine Beleidigung selbst für den stinkendsten Keiler. Sie waren Grossbarts durch und durch, und in vielen Ländern sprach man ihren Namen mit Schrecken aus. Gleichwohl waren sie nicht so widerwärtig wie ihr Vater oder so durchtrieben wie ihr Großvater, nein, die Brüder waren schlimmer. Manchmal kann das Blut eines Geschlechts binnen einer Generation böse werden, oder sich im Laufe der Zeit in etwas wahrhaft Böses verwandeln, und das war bei den grässlichen Zwillingen Hegel und Manfried der Fall ¿
1. Aufl. 2011.
  • Deutsch
  • 2,33 MB
978-3-8387-0650-4 (9783838706504)
3838706501 (3838706501)
weitere Ausgaben werden ermittelt
X NEUE WEGE UND GUTE ABSICHTEN (S. 128-129)

Heinrich wankte durch den Schnee, seine Füße, erst kalt, dann gefühllos, brannten mittlerweile, als schritte er über glühende Kohlen. Natürlich waren ihnen keine entlaufenen Pferde begegnet, und natürlich war Egon umgekehrt, nachdem er Heinrich bis zu den verwitterten Felsen gebracht hatte, wo der Steig in die Berge abzweigte. Längst war das vertraute Gesicht des Freundes, der sich mit hoffnungsloser Miene von ihm abwandte, in Heinrichs Erinnerung verblasst, als läge ihre Trennung Jahre zurück und nicht erst wenige Tage.

Vergebens hatte Egon ihn angefleht, von seinem Vorhaben abzulassen: Der Winter nahe mit Riesenschritten, und es wäre sein sicherer Tod, jetzt in die Berge zu steigen. Aber Heinrich blieb fest. Schweiß, Tränen und Rotz hingen zu Eiszapfen gefroren im Schnurrbart des Bauern, doch unerbittlich zwang er sich, Fuß vor Fuß zu setzen, auch wenn ihm schwante, die sinkende Sonne könnte Symbol seines nahenden Endes sein. Er durfte nicht sterben, bevor er die Brüder eingeholt und Vergeltung geübt hatte. Durfte nicht.

Der eisige Wind schlief nicht ein, sondern steigerte sich zum Sturm. Der trübe Ball, der seinen Weg beleuchtete, wurde bleicher, je tiefer er zu den Gipfeln rechterhand herabsank. Heinrichs Wegzehrung aus Rüben, die er hassen gelernt hatte, reichte für eine ganze Woche, nur ohne Holz für seinen Zunder konnte er trotz der Decken, die er mit sich führte, nicht hoffen, so lange zu überleben. Doch die Vorsehung hatte ihn bis hierher geführt, und unermüdlich betete er, die Schufte möchten vor ihm auf der Straße erscheinen. Doch je länger der Weg wurde, desto unklarer war, an welche Macht er diese Gebete richtete. Was war das?

Durch Schneetreiben und Abenddämmer sah er eine schattenhafte Gestalt auf einem Stein sitzen. Er rieb sich die blutunterlaufenen Augen, zog sein langes Messer und taumelte darauf zu. Die Brüder hatten seine gesamte Familie ausgelöscht, ihn dazu verurteilt, in kummervoller Einsamkeit sein restliches Dasein zu fristen; vielleicht war es vom Schicksal bestimmt, dass er nur einen von ihnen tötete, auf dass der andere, um den Bruder trauernd, sich ebenfalls trostlos und allein seine Erdentage hinschleppen möge. Heinrich versuchte, seine Beine zum Laufschritt zu zwingen, doch sie verweigerten sich diesem Ansinnen und trugen ihn weiterhin nur schlurfend über das vereiste Geröll. Dann blieb er stehen, Gram verschleierte ihm den Blick, und er sank auf die Knie.

Die Gestalt hatte sich umgedreht, und die Illusion, an die er sich geklammert hatte, löste sich in Rauch auf, denn dieses vermummte alte Weib hatte nicht die geringste Ähnlichkeit mit einem der Großbarts. Sein erschöpfter Verstand fragte nicht, weshalb eine hochbetagte Frau in Eis und Schnee, fern jeder menschlichen Behausung am Wegesrand saß, wo sie in der Nacht erfrieren musste, ihn schmerzte nur sein eigenes Versagen.

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