Die Weltformel

 
 
Books on Demand (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 30. April 2020
  • |
  • 304 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Adobe DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7519-2672-0 (ISBN)
 
Kann eine einzelne wissenschaftliche Arbeit die Grundfeste eines weltumspannenden Geheimbundes zerstören? Was hat eine abtrünnige Agentin damit zu tun? Wer hat im digitalen Zeitalter noch seine Finger im Spiel?
1. Auflage
  • Deutsch
  • 0,44 MB
978-3-7519-2672-0 (9783751926720)
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Johann Buller ist Wirtschaftsphysiker und Wahl-Oberpfälzer. Sein besonderes Interesse gilt digitalisierten Prozessen, künstlicher Intelligenz und physikalischen Phänomenen. "Die Weltformel" ist sein Erstlingswerk.

Kapitel 1


München 2018 - Der Fund


Lutz saß an seinem Arbeitstisch und starrte wie in Trance auf die Blätter, die vor ihm lagen. Hunderte von wissenschaftlichen Arbeiten hatte er die letzten Monate bewertet und vernichtet. Er hatte das Pech der Neue im Büro und zu sein, also blieb ihm die undankbare Arbeit. Dazu waren die meisten Blätter und Seiten verschmutzt, feucht oder beschädigt.

Es war über ein halbes Jahr her, als er eine Festanstellung bei Max Od et Richard A. Tillmann 1711, einem kleinen traditionellen Wissenschaftsverlag in München, erhielt. Das war direkt nach seinem Physikstudium, bei dem er parallel ein Fernstudium zum Journalisten abgeschlossen hatte. Obwohl Lutz in seinem Jahrgang den besten Physikabschluss gemacht hatte, stand für ihn zum Ende des Studiums fest, dass er nicht promovieren würde. Für ihn war klar, dass er Wissenschaftsjournalist werden würde. Er fand es viel interessanter, sich mit den unterschiedlichsten Themen und Ergebnissen der Forschung auseinanderzusetzen als sich auf einem Gebiet zu spezialisieren. Er war Naturwissenschaftler und kein Ingenieur mit besserem physikalischem Verständnis, dachte er sich damals. Schon nach wenigen Tagen in seiner Tätigkeit als Journalist kam der Chefredakteur mit einer undankbaren Aufgabe auf ihn zu. Er war ein hochgewachsener sechzigjähriger Mann mit einer Halbglatze und wurde von allen nur bei seinem Vornamen Otto angesprochen. Das Archiv sollte bereinigt werden!

"Es ist eine aufregende Aufgabe für dich, bei der du sehr viel über redaktionelle Arbeit lernen wirst", umschmeichelte Otto damals die Aufgabe.

Lutz ahnte sofort, dass ihn diese Aufgabe nicht sehr fordern, aber dafür sehr lange beschäftigen würde, doch als Otto ihn in den Keller geführt hatte, war er einfach nur fassungslos. Mehrere alte Regale, teilweise noch aus Holz, gefüllt mit Kartons, Ordnern und losen Blättern, die sich bis unter das Gewölbe stapelten. Die Regale standen links und rechts vom Gang, der den Raum teilte und von einem Treppenhaus zum anderen führte. Es roch unangenehm und die Beleuchtung war gerade so ausreichend, um Beschriftungen und Kommentare lesen zu können. Der Boden war schmutzig und die Wände waren feucht. "Warum zum Teufel befindet sich das Archiv an so einem Ort?", dachte Lutz.

"Was genau soll ich machen und wo soll ich anfangen?", fragte er damals, seinen Frust so gut wie möglich unterdrückend.

"Was du hier siehst", Otto machte eine umfassende Bewegung, "sind unveröffentlichte naturwissenschaftliche Arbeiten, die es nie zu einem Peer-Review, also einem fachlichen Gutachten geschafft haben. Die Arbeiten, die wir veröffentlicht haben, werden an einem anderen Ort archiviert, wobei das meiste digitalisiert wurde. Du fängst am besten bei den Achtzigern an und arbeitest dich bis heute durch. Alles andere, bis einschließlich der Siebziger, lasse ich vom Hausmeister vernichten."

Ohne Unterbrechung und ohne Lutz zu Wort kommen zu lassen sprach Otto weiter:

"Eigentlich ist es ganz einfach. Alle Arbeiten, die keine Quellenangaben haben, werden vernichtet. Alle Arbeiten, die keine mathematische Herleitung oder eine logische Basis haben, werden ebenfalls vernichtet. Alle Arbeiten, die nicht empirisch belegt und ausgewertet sind, ebenso. Kurzum, prüf einfach, ob die Arbeit gegen gute wissenschaftliche Praxis verstößt! Sobald eine Arbeit doch einen oder mehrere von diesen Punkten enthalten sollte, dann liegt es ganz an deiner Einschätzung, ob du sie vernichten oder mir vorlegen möchtest. Ich entscheide über das weitere Vorgehen. Falls du Fragen zu fachlichen Themen außerhalb der Physik hast, kannst du jederzeit die Kollegen um Unterstützung bitten. Bei uns arbeiten selbstverständlich auch Biologen, Chemiker, Informatiker, Ingenieure und andere Akademiker."

"Gut, mache ich", sagte Lutz, ging zögerlich zum achtziger Regal und nahm sich die erste Arbeit aus der Reihe A. Als er sich wieder umdrehte, war Otto bereits weg.

Das letzte halbe Jahr hatte er viele Arbeiten durchgelesen und auf eine seltsame Art und Weise war die Aufgabe unterhaltsam. Die Zeit verging schnell. Manche Schriften belustigten ihn, andere wiederum ließen ihn träumen und phantasieren. Dabei versetzte er sich in die Autoren und dachte darüber nach, welche Umstände sie bewegt haben mussten und wie wirr ihr Leben wohl war.

Mit der Zeit wurde Lutz immer schneller, da er sich einen Automatismus angeeignet hatte, bei dem er zusätzlich zu Ottos Kriterien weitere und immer wiederkehrende Merkmale verwendete, die für die jeweilige Zeit typisch beim Erstellen von wissenschaftlichen Arbeiten waren. Dadurch konnte er die Schriften zunächst nur überfliegen und anschließend wichtige Details lesen und bewerten. Von den Achtzigern war nur noch eine Arbeit auf seinem Tisch übrig, alle anderen hatte er bereits vernichtet.

Im Großraumbüro, das er sich mit zwanzig Mitarbeitern teilte, klingelte entfernt ein Telefon und Lutz wurde aus seiner Trance gerissen. "Wieder eine Arbeit, die ich vernichten kann", dachte er sich. "Das war es mit den Achtzigern, was für ein glorreiches Jahrzehnt", amüsierte er sich selbst. Er fand es merkwürdig und verstand immer noch nicht, warum man sich überhaupt die Mühe machte, solche Arbeiten zu archivieren. Es wäre besser gewesen, diese zurückzusenden oder sofort zu vernichten. Lutz stand auf und ging leise auf dem alten knirschenden Holzboden an seinen Kollegen vorbei. Er wollte zu Otto, um genau das zu fragen.

In seiner Erscheinung fiel Lutz durch seine lockigen, braunen und halblangen Haare auf. Ansonsten war er ein drahtiger und sportlicher Typ, der aber von den anderen im Büro kaum wahrgenommen wurde, wie Lutz glaubte. Bis auf wenige Fragen zur Physik, die er den Kollegen stolz beantwortete, hatte er nur wenig mit ihnen zu tun. Dafür war er einerseits zu sehr mit seiner Aufgabe beschäftigt, andererseits herrschte auch ein eher kühles Klima zwischen den Mitarbeitern. Dennoch wirkte keiner unzufrieden oder war wütend über seine Situation. Fast jeder konzentrierte sich auf die eigenen Aufgaben, wie es Lutz schien. Gespräche waren meist nur fachlicher Natur und Privates wurde nur selten preisgegeben.

Ottos Tür, vor der ein kleiner, knallroter Fußabtreter lag, stand wie so oft offen. Also betrat er das Büro, das etwa halb so groß war, wie das von seinen Kollegen und von ihm. Zwei massive, antike Bücherregale aus Holz, gefüllt mit hunderten von Zeitschriften seines Verlages, flankierten den Raum. Ein Arbeitstisch aus alten Schiffsplanken und Wikingerverzierungen stand an der Fensterfront mit jeweils einem Lederstuhl davor und dahinter. Als Otto hinter seinem Laptop zu ihm aufschaute, ging Lutz bis an den Tisch vor und setzte sich. Dieses Ritual bedurfte keiner Worte und Otto bestand darauf. Nachdem er sich gesetzt hatte, erklärte Lutz, dass er mit den Achtzigern fertig sei und alle Arbeiten vernichtet hätte. Noch bevor Otto etwas sagen konnte, fragte Lutz ihn, warum er damit weitermachen und nicht sofort alles vernichten sollte.

"Sehr gut", antwortete Otto.

"Das zeigt mir, dass die Kollegen für unseren Verlag gute Arbeit geleistet haben. Dennoch bitte ich dich durchzuhalten, ich habe da so ein Gefühl. Ich glaube du wirst noch etwas finden, das aus heutiger Sicht doch wichtig und wertvoll erscheint."

"Na toll, ein Gefühl also", dachte Lutz.

"Nicht, dass ein falscher Eindruck entsteht, Otto; ich hatte nicht vor aufzugeben. Ich sehe auch ein, dass mir die Arbeit bei der zukünftigen Redaktionsarbeit helfen wird. Und darum geht es auch. Ich bin jetzt über ein halbes Jahr nur mit dem Archiv beschäftigt. Ich befürchte den Anschluss zu verlieren und nicht mehr auf dem aktuellen Wissensstand zu sein. Darüber hinaus habe ich nur wenig Einblick in die Aufgaben meiner Kollegen. Ich fühle mich ausgeschlossen."

"Ich verstehe deine Sorgen, dennoch kann ich dir garantieren, dass du, sobald das Archiv bereinigt ist, schnell wieder auf dem Laufenden sein wirst. Das allgemeine Verständnis hast du, davon konnte ich mich beim Einstellungstest selbst überzeugen. Von siebenunddreißig Bewerbern hast du die besten Testergebnisse erzielt. Es ist egal, wie dein aktueller Wissenstand zu einem Thema ist, da sich die Wissenschaft immer mehr spezialisiert und sich immer mehr in Details verliert, wirst du dich sowieso unweigerlich neu informieren, recherchieren oder sogar forschen müssen. Was die Arbeit bei uns betrifft, wirst du persönlich von einem Mentor eingearbeitet. Er ist sehr gut auf seinem Gebiet, aber das wirst du dann noch früh genug erfahren."

Lutz wusste nicht, was er mit diesem Versprechen anfangen sollte, zumindest hatte Otto grob beschrieben, wie es mit ihm weiterginge. Er nickte einmal kurz und entschlossen, so dass der sperrige, aber bequeme Lederstuhl, auf dem er saß, zum Schaukeln anfing. Otto lehnte sich gelassen in seinen Lederstuhl zurück und starrte Lutz eine Zeitlang an, dann stieß er sich mit den Beinen ab, wodurch er von seinem antiken Wikingertisch wegrollte. Er stand auf, ging um den Tisch und setzte sich unmittelbar vor Lutz auf die Tischkante. Lutz war die...

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