Operation Castus

Thriller
 
 
tolino media (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 24. März 2021
  • |
  • 260 Seiten
 
E-Book | ePUB ohne DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7521-3891-7 (ISBN)
 
Mai 2017, der »Europaflughafen« nahe Mainz wird durch Explosionen beinahe dem Erdboden gleichgemacht. Die Behörden gehen von einem Unfall aus. Doch der deutsche Abenteurer Peter Kromus findet schnell Hinweise auf eine finstere Verschwörung, die bis in die Zeit des Nazi-Regimes zurückreicht. Zusammen mit dem südafrikanischen Geheimdienstler Thabo Zuma und der Französin Catherine Morel begibt er sich auf eine spannende Jagd nach der Wahrheit, die um den halben Erdball führt. Aber ihr wahnwitziger Gegner ist bereit zu töten, und verfolgt jeden ihrer Schritte - das Schicksal der Welt steht auf dem Spiel. Eine dunkle Zukunft droht. Der Thriller »Operation Castus« greift die Spekulationen über die »Glocke« der Nazis auf und zeigt, dass dahinter weitaus mehr als nur eine Fantasie stecken könnte. (Seitenzahl der Taschenbuchausgabe: 304 Seiten)

Die Autorin Ilona Bulazel wurde 1968 geboren und lebt mit ihrem Mann in Baden-Baden. Neben ihren Thrillern und Krimis veröffentlichte sie bisher auch mehrere Kurzgeschichten.
  • Deutsch
  • 0,65 MB
978-3-7521-3891-7 (9783752138917)

Kapitel 1


 

Tagebucheintrag, 08. Mai 2017

»Operation Castus« ist gescheitert. Um 12.00 Uhr MEZ wurde das erste Ziel getroffen. Die Anlage in Grünau ist zerstört. Um 12.01 Uhr MEZ detonierten neun weitere Sprengladungen auf dem Europaflughafen bei Mainz. Die Auswirkungen waren verheerend - Terminal 1 und 2 haben schwere Schäden erlitten, während Terminal 3 fast dem Erdboden gleichgemacht wurde. Lediglich der Rohbau des neuen Terminals 4 steht noch. Auf allen Kanälen sieht man die Bilder der Zerstörung. Welch ein Anblick! Die Ergebnisse sind beeindruckend, waren jedoch so nicht geplant. Ich muss jetzt alles noch einmal durchgehen. Irgendwo steckt ein Fehler, irgendetwas habe ich übersehen . Ich muss die Tagebucheintragungen meines Vaters nochmals durcharbeiten. Ich habe ihm mein Ehrenwort gegeben und das werde ich halten. Koste es, was es wolle - wir werden siegen!

 

Deutschland, 8. Mai 2017, später Abend - SoKo »Europaflughafen«

 

»Sehen Sie das?«

Die anderen im Raum traten näher.

»Spielen Sie das noch mal ab!« Der Beamte am Computer ließ die Aufzeichnung erneut über den großen Bildschirm laufen. Erst in normalem Tempo, dann immer langsamer.

»Und das ist alles, was wir haben?«, fragte einer der Anwesenden. Der Beamte am Computer nickte. Er war erschöpft, genauso wie die anderen Mitarbeiter im Raum. Nach der Katastrophe waren sie alle hier zusammengezogen worden. Eine notdürftig eingerichtete Ermittlungszentrale, so nah wie möglich am zerstörten Europaflughafen. Sie alle waren Spezialisten auf ihrem Gebiet. Dafür ausgebildet, im Falle eines Horrorszenarios wie diesem die Arbeit aufzunehmen. Aber darauf hatte sie niemand vorbereitet. Es gab keine Spuren, keine Hinweise. Niemand wusste, was passiert war. Es gab kein Muster und keinen Anhaltspunkt darüber, was überhaupt die Detonationen ausgelöst hatte. Ein Angriff aus der Luft konnte ausgeschlossen werden. Ein Angriff von innen schien unwahrscheinlich.

In den letzten zwei Jahren war der Europaflughafen zu einem der sichersten Plätze der Welt gemacht worden. Alle renommierten Sicherheitsexperten schlossen Selbstmordattentäter oder Bombenkoffer aus. Vielleicht wäre ein Sprengstoffkoffer durchgekommen. Eine Explosion, die man nicht hätte verhindern können, aber das . Alle waren sich darüber im Klaren, dass man, was die Theorie eines Anschlags anging, komplett im Dunkeln tappte. Ein Sachverhalt, der die leitenden Beamten der Sonderkommission über einen möglichen Unfall nachdenken ließ. Eine Theorie, die man nun mit Eifer versuchte zu belegen.

 

Der Beamte fing an zu sprechen: »Sämtliche Kameras im Innenbereich sind ausgefallen, bis auf diese.« Er deutete mit dem Finger auf den Bildschirm, dann fuhr er fort: »Wir wissen, dass es kurz vor den Explosionen einen riesigen Energieanstieg gegeben hat, dann ist die gesamte Technik ausgefallen. Einige Außenkameras haben >überlebt<. Aber bis auf diese Aufnahmen aus Terminal 1 haben wir nichts wirklich Brauchbares.«

Wieder startete der Beamte die Sequenz. Die Männer und Frauen im Raum starrten reglos auf den Bildschirm. Der Anblick, der sich ihnen bot, würde sich für immer in ihre Köpfe einbrennen. Einige rangen nach Luft, hofften, dass die anderen ihren Schmerz und ihre Angst nicht bemerkten. Sie wollten stark sein für diese Aufgabe, doch die Bilder zwangen die meisten in die Knie. Auch erfahrene Ermittler schluckten schwer.

Die belegte Stimme des Beamten durchbrach das Surren der Computer: »Das Mädchen, es scheint etwas zu bemerken. Es streckt die Hand aus .« Dann brach ihm kurz die Stimme, bevor er sich räusperte und fortfuhr: »Für das Protokoll: Auf dem Bildschirm sieht man dieses Kind, vielleicht sechs Jahre alt. Es trägt eine blaue Latzhose, weiße Söckchen und kleine Turnschuhe. Die braunen Haare sind zu zwei Zöpfen geflochten. Die Anzeige auf dem Bildschirm zeigt 11.59 Uhr.« Wieder musste sich der Sprecher räuspern. Die Sekunden auf der Leinwand zählten unbarmherzig weiter, als der Beamte erneut ansetzte: »Um 12.00 Uhr dreht das Mädchen den Kopf ein wenig. Die Kamera erfasst den Blick des Kindes. Es reißt die Augen weit auf und öffnet den Mund. Dann streckt es einen Arm aus und deutet mit dem Finger in Richtung Gepäckbänder. So, als hätte es etwas entdeckt. Neben dem Mädchen steht die Mutter. Um 12.01 Uhr sieht man weiße Blitze, die Explosion.«

Die nächsten zehn Minuten vergingen für alle Anwesenden endlos langsam. Der Bildschirm blieb weiß, nur die Uhr zählte weiter. Dann konnte man wieder etwas erkennen. Den Ermittlern bot sich ein Bild der Zerstörung: Chaos, Feuer, leblose Körper und einzelne blutige Gliedmaße. Mittendrin stand das kleine Mädchen. Den Arm immer noch ausgestreckt. Es war, als hielte es etwas in seiner Hand, etwas, das tropfte. Einer der geflochtenen Zöpfe hatte sich gelöst. Das Mädchen klammerte sich mit dem anderen Arm ängstlich an das Bein seiner Mutter. Man konnte den weißen Damenpumps erkennen, die leicht gebräunte Haut; um das Knie legte sich der Rocksaum mit hübschem Blumenmotiv. Das Mädchen drückte sich ganz fest daran. Eine Beamtin konnte ein lautes Schluchzen nicht unterdrücken. Die Mutter hatte die Explosion nicht überlebt. Ihr Körper war zerfetzt worden. Alles, was von ihr geblieben war, war dieses eine Körperteil. Das Bein, das das Mädchen nun mit all seiner Kraft umschlang.

 

Südafrika, 8. Mai 2017, zur gleichen Zeit - Kapstadt

 

Peter Kromus rieb sich den rasierten Kopf. Er hatte ja schon in einigen unangenehmen Situationen gesteckt, aber dieses Mal war er in Panik. Was, wenn sie ihn foltern würden? Er hatte sich bisher immer in Sicherheit gewogen mit seinem deutschen Pass. Vielleicht zu Unrecht? Schließlich saß er in einer Gefängniszelle, die alles andere als einladend war. Was, wenn er hier nie mehr herauskäme? Wäre er dieses Mal nur vernünftiger gewesen.

Blödsinn!, dachte er. Seit seiner Kindheit hatte er sich auf das Erwachsenenalter gefreut. Diese fantastische Zeit nach all den Gängeleien der Älteren, die einem ständig Vorschriften machten. Er hatte sich damals geschworen, seine Volljährigkeit in vollen Zügen zu genießen. Und das tat er nun bereits seit seinem achtzehnten Lebensjahr sehr ausgiebig. Die letzten zwölf Jahre waren eine Aneinanderreihung von Abenteuern und leichtsinnigen Aktionen gewesen. Trotz seiner Angst musste Peter jetzt schmunzeln. Er dachte an einige verärgerte Damen aus seiner Vergangenheit, die ihm ein einsames und jähes Ende im Gefängnis prophezeit hatten und sich, wüssten sie über seine momentane Situation Bescheid, sicher die Hände reiben würden. Vermutlich käme von mindestens einer der Spruch: »Na, dann wärst du mal lieber bei mir geblieben ...« Aber mit dem »bei mir bleiben« stand Peter nunmal auf Kriegsfuß.

So hatte er dann vor drei Monaten, nach einer etwas turbulenten Geschichte mit einer Frau namens Giselle, die nächste Maschine Richtung »Weit weg« genommen und war in Kapstadt gelandet. Peter betrachtete sich in der Spiegelscherbe über dem verdreckten Miniwaschbecken. Die Bräune hatte er erfreulicherweise noch nicht verloren. Allerdings war er auch erst seit einer Nacht in dieser ungastlichen Behausung. Die Haare hatte er sich glücklicherweise gleich nach seiner Ankunft in Südafrika auf zwei Millimeter herunterrasiert. So musste er jetzt wenigstens keine Probleme mit Ungeziefer fürchten, das sich in seinen dunklen Locken sicher sehr wohlgefühlt hätte. Seine braunen Augen blickten ihn unsicher aus dem Spiegel an. Kurz flackerte erneut die Furcht auf, als er hörte, wie die Tür zum Zellentrakt aufgeschlossen wurde. Sein Herz klopfte und er bekam weiche Knie. Der Wärter öffnete die Tür seiner Zelle und gab ihm ein Zeichen mitzukommen. Peter dachte kurz über eine Flucht nach, als sie sich ihren Weg durch die Menschenmassen suchten, die beschlossen hatten, um diese Zeit die Polizeistation zu bevölkern. Der Wärter sprach Englisch mit Peter. Damit hatte er keine Probleme. Afrikaans wäre ihm jedenfalls sehr viel schwerer gefallen. Ganz zu schweigen von den vielen anderen offiziellen Amtssprachen wie zum Beispiel Siswati, Zulu oder Xitsonga.

Er äugte sehnsüchtig Richtung Ausgang. Leider wurde ihm der Fluchtweg durch eine Gruppe stark übergewichtiger Frauen versperrt, die gerade wild gestikulierend ein Schreikonzert zum Besten gaben. Er seufzte, als ihn der Wachmann unsanft weiterschob. Als sich die Tür des Verhörzimmers hinter ihm schloss, verstummten auch die Schreihälse.

Peter sah sich einem Südafrikaner gegenüber. Der Mann mochte etwa Mitte vierzig sein. Er schaute nur kurz zu Peter auf, nickte und vergrub seinen Kopf wieder in einer Akte. Peter fühlte sich unwohl und dachte an diverse Kinofilme, in denen üble Verhörtaktiken zum Einsatz kamen. Sein Gegenüber sah harmlos aus. Aber sind nicht die Harmlosen die Schlimmsten?

Die Stimme des Südafrikaners riss Peter aus seinen Gedanken. »Mein Name ist Thabo Zuma«, sagte der Schwarze in perfektem Deutsch.

Peter war perplex und verunsichert, aber er hatte keine Zeit zu antworten, der Mann sprach weiter: »Ich habe mir Ihre Aussage angesehen und ich muss schon sagen, Sie scheinen ja wirklich ein richtiger Idiot zu sein.«

Thabo Zuma ließ seine Worte wirken. Er sah die Angst in Peters Augen und hätte ihm gerne noch ein wenig auf den Zahn gefühlt. Er hatte eine ziemlich klare Vorstellung von diesem Deutschen, der sich so sträflich leichtsinnig verhalten hatte. Eine kleine Lektion täte ihm sicher gut. Aber heute war dafür nicht der richtige Zeitpunkt. Nicht nach dem, was passiert war.

Thabo wendete sich ab und lief im...

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