Fluch der Ewigkeit (Romantasy)

 
 
dp DIGITAL PUBLISHERS GmbH
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 19. Mai 2020
 
E-Book | ePUB ohne DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-96087-410-2 (ISBN)
 

Ein düsteres Geheimnis hinter kalten Mauern

Die junge Krankenschwester Verena hat eine ebenso geheimnisvolle wie beunruhigende Fähigkeit: Sie kann den Gesundheitszustand von Menschen in deren Aura lesen. Als sie eines Nachts im Park einen grausigen Fund macht, ahnt sie nicht, dass sie damit eine Kette unheilvoller Ereignisse in Gang setzt, die ihr Leben für immer verändern wird … Als Verena kurze Zeit später zur Pflege einer alten Dame in das einsame Herrenhaus Weißenbach gerufen wird, fühlt sie sich unwiderstehlich zu dem charismatischen Hausherren hingezogen. Doch ihre Gefühle und ihre Gabe sprechen eine unterschiedliche Sprache. Wem kann sie noch trauen? Und welches düstere Geheimnis birgt das alte Herrenhaus?

Erste Leserstimmen „ein Buch, das man besser nicht nach Anbruch der Dunkelheit lesen sollte" „fesselnde Spannung von Anfang bis Ende" „faszinierend und geheimnisvoll geschrieben" „eine unheimliche Story voller Rätsel und dunkler Romantik"

Über die Autorin Linda Budinger wollte Schriftstellerin werden, seit sie lesen konnte, und war wild entschlossen, Kindheit und Jugend mit dem Sammeln literarisch verwertbarer Erfahrungen in Theorie und Praxis zu verbringen. Tatsächlich ist ihr Werk daher ähnlich vielseitig wie ihre (Lese-)Interessen.

  • Deutsch
  • Digitale Ausgabe
  • 0,72 MB
978-3-96087-410-2 (9783960874102)
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Kapitel 1


»Wenn ich am Kopfende des Bettes stehe, wird der Kranke nicht mehr genesen. Siehst du mich aber am Fußende stehen, so wird der Kranke gesund, so schwer sein Leiden auch sein mag.«

Die Herrin des Todes und ihr Patensohn
Märchen aus Frankreich

10 Jahre später


Frau Melzer würde nicht durchkommen, das wusste Verena gleich. Ihre Aura blutete ins Nirgendwo, rötliche Fäden faserten von ihrem inneren Licht ab und verblassten. So sah es kurz vor dem Ende immer aus, wenn die Lebenskraft eines älteren Patienten derart abgenommen hatte, dass sie sich schließlich wie ein ausbrennendes Feuer selbst verzehrte.

Bei der Übergabe an das Pflegepersonal der Frühschicht verschwieg Verena diese Beobachtungen und wies nur auf den schlechten Allgemeinzustand der alten Dame hin. Puls, Blutdruck . Werte, die jede erfahrene Schwester und jeder Mediziner deuten konnten.

Ehe sie den Raum verließ, bettete Verena Frau Melzers Kopf höher, damit ihr der Speichel nicht aus dem Mundwinkel lief. Natalie Melzer legte großen Wert auf ihr Erscheinungsbild und ausgesuchte Kleidung. Einige Kolleginnen lästerten hinter vorgehaltener Hand darüber.

Verena schluckte. Sie spürte, wie sich ihr Kehlkopf verkantete. Dem Tod eines anderen machtlos ins Auge zu sehen war nie leicht. Noch drei Stunden, vielleicht vier, dann wäre es zu Ende. Mit Anbruch des neuen Tages würde ein altes Leben erlöschen.

Verena seufzte und dachte, wie gut es war, dass das erst nach ihrer Schicht passierte. Sie hatte mit ihren Ahnungen bezüglich der Todeszeit oft bis auf die Stunde genau richtig gelegen. Seither tuschelte man über sie im Schwesternzimmer. Todesengel. Verenas Gabe war anderen Menschen unheimlich. Daher teilte sie ihr Wissen nur, sofern noch Hoffnung für einen Patienten bestand und sein Überleben daran hing, dass er rasch die nötige Versorgung bekam. Es war zermürbend genug, Revierkämpfe mit den Ärzten auszufechten, von denen einige es nicht schätzten, wenn eine Pflegekraft nach Höherem strebte. Falls sie je laut aussprach, wie sie ihr befremdliches Wissen gewann, würde man Verena in eine Klinik ganz anderer Art einweisen.

Verena hängte den Schwesternkittel in den Schrank, wickelte sich den blaugrünen Schal um den Hals und schlüpfte in ihren grauen Wollmantel. Sie machte sich auf den Weg ans andere Ende der Stadt. Nach Hause, endlich.

Es war noch dunkel draußen. Die frische Morgenluft legte sich wie ein Eispanzer auf ihr seit dem Autounfall lädiertes Knie. Die Kälte schien dort kleine Kristalle zu bilden, die bei rau über den Knochen schmirgelten. Der Schmerz sickerte bei jedem Schritt tiefer ins Gewebe.

Verena erreichte rechtzeitig den Bus und döste neben schläfrigen Frühaufstehern ihrem Bett entgegen. Das war für sie ein gewaltiger Fortschritt. Nur Dank einer langjährigen Verhaltenstherapie hatte Verena gelernt, die tägliche Fahrt in einem geschlossenen Fahrzeug angstfrei zu überstehen. Da Verena Autofahrten hasste, besaß sie weder Führerschein noch Auto und war auf den öffentlichen Nahverkehr angewiesen.

Zuhause würde sie noch die Kapitel über Gefäßkrankheiten memorieren und endlich in die Kissen sinken. Sie hoffte auf einen ruhigen Vormittag, damit sie neue Kraft schöpfen konnte und für die Vorlesung fit war. Wenigstens begannen bald die Semesterferien, dann wurden Klausuren geschrieben.

Die Welt war für Nachtarbeiter schlecht eingerichtet. Oder passten Leute wie sie einfach nicht hierher?

Verena wollte den Anflug von Selbstmitleid schon als melodramatisch abtun, ehrlich betrachtet, fühlte sie sich aber oft wie ein absonderlicher Einzelkämpfer.

Wenn sie sich dagegen die glatte Karriere von Oberarzt Karden ansah! Der war in den Fußstapfen seines Vaters leicht durchs Medizinstudium gelangt. Verena würde gerne gönnerhafte Platzhirsche wie ihn sehen, wie sie neben der Arbeit in der Klinik noch ein Studium bewältigten.

Dr. Karden hatte Verena heute zu Beginn ihrer Schicht gerügt, weil sie so müde aussah. »Bei Ihnen weiß man ja nie, ob Sie in ein Bett auf Station gehören oder ins Schwesternzimmer. Sie wissen, ich bewundere Leute, die mehr aus ihrem Leben machen wollen, Frau Seiler. Aber sind Sie den Belastungen durch ein Studium wirklich gewachsen?«

Dieser falsche Kerl! In Wahrheit hatte er Verena auf dem Kieker, seit durchgesickert war, dass sie sich weiterbildete, um eines Tages Ärztin zu werden.

So sehr sie Kardens Jovialität auch verabscheute, sie konnte es sich nicht leisten, ihn zum Feind zu haben. Deshalb behielt sie ihre Meinung für sich. Wegen ihrer Gabe war Verschwiegenheit für Verena ohnehin zur zweiten Natur geworden.

Mit asthmatischem Keuchen stieß der Bus die Tür auf, die Verena in den jungen Tag entließ. Vorsichtig, um nicht zu stolpern, setzte sie die Füße auf die Stufen des Ausstiegs.

Ein Stück weiter breiteten sich die nebelumflorten Wiesen des Blankenrainer Parks mit dem kleinen Waldstück aus. Ein erleuchteter Fußgängerweg, Promenade genannt, führte um den Park herum. Ein Kaninchen hoppelte übers morgengraufahle Grün, und seine Fährte zog einen silbrigen Streifen ins nasse Gras. Es war gesund und trächtig, wie das warme Orange um sein Fell verriet, das typisch für wachsendes Leben war.

Die Auren von Tieren waren einfach zu lesen und für Verena auf Anhieb zu erfassen, aber in denen von Menschen konnte sie sich verlieren. Deshalb hatte sie gelernt, ihren zusätzlichen Sinn die meiste Zeit zurückzunehmen und die Informationen auszublenden, damit sie nicht von der Fülle an Eindrücken erschlagen wurde.

Verena träumte einen süßen Moment lang, dem Kaninchen übers Grün hinterherzujagen, nur ein paar sorglose Minuten. Aber das Knie tat nach der ereignisreichen Nachtwache weh.

Sie seufzte und rückte den Schulterriemen der Tasche zurecht, ehe sie auf die Promenade einschwenkte.

Die Gegend erschien zu dieser frühen Stunde wie ausgestorben und die Laternen am Weg unterstrichen das übrige Dunkel. Verena ertappte sich dabei, wie sie beim Gähnen die Augen immer ein wenig länger geschlossen hielt. Als es in den Holunderbüschen raschelte, die den Pfad einfassten, wurde Verena stocksteif. Dann zwitscherte eine Amsel ihr Morgenlied. Verena atmete auf und setzte ihren Weg fort.

Der Pfad rückte näher an den Wald. Verena fröstelte und beeilte sich. Aber ausgerechnet an dieser Stelle hatte jemand ein Trinkgelage veranstaltet. Verena musste Glasscherben und Bierflaschen auf dem Boden ausweichen. Das brachte sie direkt an das Drängelgitter heran, das Radfahrern den Zugang zum Park erschweren sollte.

Prompt verhakte sich ihre Tasche an einer Metallstrebe des Gitters und sprang auf. Der Riemen spannte sich und Verena geriet aus dem Gleichgewicht. Sie prallte mit dem Hüftknochen gegen die Eisenstange. Au, verdammt!

Sie befreite die Tasche und merkte, wie ihr Atem schneller ging, wie immer, wenn sie sich gefangen glaubte. Bei dem Gitter verschmolzen die Lichtkreise zweier Laternen und leuchteten jede Einzelheit aus. Verena konnte bis in den Wald sehen und bemerkte dort einen seltsamen Ast. Sie erstarrte, und ihr Herz jagte los. Das war kein Holzstück, das da aus dem kahlen Rhododendron ragte, sondern ein menschlicher Arm!

»Hallo?« Brauchte jemand Hilfe? Instinkt und Pflicht stritten kurz miteinander, dann machte Verena widerstrebend ein paar Schritte darauf zu. Ihre Sneaker sanken in die feuchte Wiese ein. Nach einigen Metern blieb sie stehen. Kein Zweifel, dort lag ein Arm.

Eine leise Stimme in ihrem Inneren wollte ihr weismachen, es sei nur der Teil einer Schaufensterpuppe, die Spaßvögel am Waldrand versteckt hatten. Aber Verenas Gabe enthüllte die grausige Wahrheit. Im Zwielicht erkannte sie deutlich die olivgrüne Aura von frischen Leichenteilen. Tiefer im Gebüsch schimmerte ein Torso. Und dahinter schien ein Fuß .

Verena schluckte, um den Kloß im Hals loszuwerden. Sie hatte in der Klinik eine Menge Tote gesehen, und im Studium beim Präp-Kurs einen Leichnam seziert. Meistens sahen Verstorbene entspannt aus - gelöst und irgendwie entrückt, nicht nur für ihre geschärften Sinne. Das hier aber war vollkommen anders. Die Körperteile lagen zwischen den Bäumen und Büschen verstreut wie Glieder einer zerrissenen Puppe.

Kam das Keuchen von ihr?

Ihre besondere Wahrnehmung suchte die fehlenden Stücke, die zuvor ein lebendes Wesen gebildet hatten. Ein Rest ihres Bewusstseins registrierte, wie sich die feuchte Luft auf ihrem Mantelkragen niederschlug, und versuchte, den stechenden Geruch nach Fäkalien und Blut auszublenden.

Etwas knackte tiefer im Gesträuch. Verena zuckte zusammen. Ihr Blick blieb an einer Schleifspur auf der taugetränkten Wiese hängen. Dunkle Abdrücke im Schrittabstand. Die einzelne Fährte endete an einem Gebüsch.

Die Erkenntnis traf Verena wie ein Schlag: Es führte keine zweite Fußspur zurück. Der Mörder lauerte vielleicht noch hier irgendwo.

»Oh Gott!« Ihr Magen zog sich zusammen. Sie war allein mit einer Bestie in Menschengestalt! Verena wünschte sich in den Kaninchenkörper: flink davonspringen und Deckung suchen.

Sie drehte um, steif und wie vor den Kopf geschlagen. So schnell es das marode Knie erlaubte, eilte sie zum Weg zurück, während sie gleichzeitig nach ihrem Telefon tastete. Vergeblich. Hatte sie das Handy etwa beim Drängelgitter verloren? Immer wieder verhakte sich ihr Fuß im feuchten Gras, aber jedes Knistern von altem Laub und dünnen Zweigen trieb sie vorwärts. Kein Gedanke mehr an Zuhause. Sie musste fort, unter Menschen, sich in Sicherheit bringen . Die Überlegungen wirbelten durch ihren Kopf, und sie konnte kaum Schritt halten mit...

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