Ein Kind der Natur

Roman
 
 
TWENTYSIX (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 21. April 2020
  • |
  • 672 Seiten
 
E-Book | ePUB ohne DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7407-4009-2 (ISBN)
 
Der Roman spielt in Schottland des 19. Jahrhundert. Die junge Frau Mina, das Kind der Natur, wird bis zu ihrer Hochzeit begleitet. Die Handlung ist in die Lebensweise und Sitten der Highländer dieser Zeit eingebunden.
1. Auflage
  • Deutsch
  • 1,28 MB
978-3-7407-4009-2 (9783740740092)
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Robert Wiliams Buchanan, geb. 1841, ist ein schottischer Dichter Romanautor und Dramatiker. Der Roman 'A child of nature' erschien 1879. Buchanan starb 1901.

Kapitel I


Ein weißes Segel in einer grauen Einöde

Am Nachmittag eines Sommertages erscheint eine kleine Zweimasteryacht mit gerefften Segel in der langen Mündung von Loch Uribol, einem Fjord im entlegenen Norden von Schottland. Während die Yacht auf der offenen See zwischen den südlichen Böen der benachbarten Berge hin und her geworfen wird, hißt man die rote flatternde Flagge am Fockmast, als Zeichen, daß die Insassen an Bord Hilfe benötigen.

Es ist ein dunkler, trockener Tag. Der Wind bläst ständig frisch und stark aus Südost. Die Yacht, ein winziges Ding von fünfzehn oder sechzehn Tonnen und einer kleinen Kommandobrücke, hatte am frühen Morgen Kap Wrath umschifft, kreuzte das aufgewühlte Wasser, welches die dunklen zerklüfteten Berge Schottlands von der entfernten Küste Norwegens trennt. Leicht wie ein Vogel springt sie über die großen Wogen der See, wird von vorn bis hinten mit Schaum bespritzt, aber selten kommt ein Tropfen des grünen Wassers an Bord. Der Wind bläst meist von vorn, so daß ihr Fortkommen wirklich sehr langsam ist.

Die Zeit verstreicht. Die düsteren Klippen des wilden Nordkaps können bald nicht unterschieden werden. Die Ufer der Nordküste, welche zuerst am Horizont schwach zu unterscheiden waren, verschwimmen allmählich. Die Yacht nimmt eine einsame Richtung, an den hohen Bergen des Ben Derg, an den Mietskasernen von Roan vorüber, welche die dunklen und steinigen Landzungen der Kliffs säumen.

Nicht einmal an diesem langen Tag kommt die Sonne hervor. In der Atmosphäre ist ein gleißendes Silberlicht und der Himmel scheint dicht über der Erde zu sein. Die Wellen der See, die nicht gebrochen und zu weißem Schaum wurden, sehen ungewöhnlich schwarz und unheimlich aus. Es ist sicher ein passender Tag zum Segeln. Der farblose Ton aller Dinge - der See, das entfernte Land und der Himmel - sind nicht ohne Charme für Leute, die die neutrale Färbung der Melancholie der Nordküste lieben.

Aber als sich der Abend nähert, die Sonne aus einer Schlucht der abgelegenen Berge ein gespenstisches Licht über die tanzende See verbreitet und die weißen Segel der kleinen Yacht rosafarben erleuchtet, ist sie nur wenige Meilen vor der gefährlichen Küste entfernt.

Gerade zu dieser Zeit richtet der wetterfeste Hochländer, der das Schiff steuert, seinen Blick zum Sonnenuntergang und überläßt das Ruder einem jungen Mann, der neben ihm auf der Brücke sitzt und sagt ruhig:

"Sie geht unter, um die Winde im Osten zu entfesseln, denn Loch Uribol ist ein schrecklicher Ort für Stoßwinde. Wir werden das Focksegel ganz und gar einziehen und sie mit Großsegel und Klüver segeln lassen."

Kaum hatte der Sprecher mit Hilfe eines anderen Mannes, der träge im Vorderteil des Schiffes gelegen hatte, die Vorsichtsmaßnahme ausgeführt und das Focksegel eingezogen, als der erste Stoßwind weißen Schaum über die Brücke des Schiffes legt. Bö auf Bö folgt, während das Licht des Sonnenuntergangs zu hell leuchtendem Rot wächst. Der Wind weht und türmt riesige Wolken über die unermeßlichen Berge im Südosten auf. Die Yacht ist zu leicht mit Leinenstoff beladen und mehr als einmal ergreift der Wind das Schiff so brutal, als droht er es völlig zu versenken. Das Wasser ergießt sich auf der dem Wind abgekehrten Seite des Decks in grünen, reißenden Strömen und durchnäßt den Steuermann bis auf die Haut.

Jetzt ist die See verhältnismäßig ruhig, dank der Deckung durch die Berge. Aus den dunklen Schluchten und nebligen Abgründen aber schießen die Windstöße mit aller Kraft der Verzweiflung hervor. Nur jemand, der an dieser Küste ein kleines Schiff navigieren kann, ist in der Lage das Schiff hier sicher zu führen. Mit der Wut des Hasses und der Verzweiflung sozusagen, greift ein Windstoß nach dem anderen den Schoner wie ein wildes Tier an, das sich bemüht, es wütend in Stücke zu reißen. Laut lachend streicht sich der Steuermann die nassen Haare aus dem Gesicht und blickt angespannt in Richtung Land.

"Wo ist nun das Uribol-Land?" ruft er dem alten Kelten, der zuerst sprach, zu: "Kannst du die Einfahrt zur Bucht ausmachen?"

Der alte Mann schüttelt den Kopf.

"Ich denke sie liegt irgendwo dort drüben," sagt er, "aber ich habe niemals die Einfahrt passiert. Näher an den Wind, Sir, näher an den Wind! Wir werden direkt darauf zu steuern - dort ist ein gefährliches Wasser voraus!"

Der junge Mann am Steuer stößt einen Ausruf der Ungeduld aus.

"Hier Calum, nimm das Steuer und laß mich einen Blick auf die Seekarte werfen."

Während er das sagt, übergibt er das Ruder dem alten Mann und taucht in die Treppe zu den Kajüten, kehrt aber mit der Seekarte in seiner Hand schon bald zurück. Er breitet sie aus und folgt mit dem Finger der Küstenlinie und studiert sie aufmerksam. Hin und wieder wirft er flüchtig einen Blick zum Land, während die Yacht sich seitlich legt und durch jeden Windstoß näher und näher an die Küste kommt.

Er ist ein Mann von acht- oder neunundzwanzig Jahren mit einem ziemlich hübschen Gesicht, breiten hohen Augenbrauen, einer griechischen Nase und einem stolzen, sarkastischen Mund. Seine Haut ist dunkel und gegerbt, als ob er lange Zeit in der Sonne wärmeren Klimas gelebt hat. Er ist sauber rasiert, ausgenommen die Oberlippe, wo er einen dicken eleganten Schnurrbart trägt, seine Augen sind blau und sehr groß, obgleich er die Gewohnheit hat, sie zusammen zu kneifen, wenn er irgendeine Person ansieht. Seine ganze Person und in jeder seiner Gesten strahlt er ein besonderes Flair aus, welches die Geburt des Gentlemans verrät. Sein Ausdruck letztendlich ist von Keckheit und Hochmut geprägt und sein Lachen hat nicht die klingende Klarheit der Jugend, sondern klingt zuweilen hohl, eine Art krampfhafter Fröhlichkeit, die sein Gesichtsausdruck nicht teilt.

"Warum, zum Teufel, bin ich hierher ohne einen Lotsen gekommen?" ruft er, "sieh her, Calum. Die Einfahrt der Bucht ist voller versunkener Felsen in jeder Richtung. Weiter weg, rechter Hand, ist Bo Scarbh, ein bekanntes Riff, bei Flut drei Fuß unter Wasser. Sieh, dort dicht dabei ist ein anderes, dort ist ein halbes Dutzend Felsen. Die Krone des Ganzen ist, das Wasser ist dort an der tiefsten Stelle der Durchfahrt nur sechs Fuß tief. Und, beim heiligen Georg, der Durchfahrkanal selbst ist an der engsten Stelle ungefähr nur zwei Kabel breit. Ohne Lotsen werden wir wohl sicher ein Schiffswrack sein, wenn wir da durchfahren. Was können wir tun?"

Calums Antwort auf diese Frage war, die Empfehlung weiter Signale zur Küste zu geben, daß man einen Lotsen braucht.

So wird die kleine Yacht weiter vom Wind hin und her geworfen und Richtung Küste getrieben. Auf diese Weise kommt sie dichter unter die Berge. Sie konnten gerade noch etwa eine Meile voraus etwas unterscheiden. Nur wenige Yards gegenüber sehen sie den silbernen Schimmer der Einfahrt zur Bucht, die aus der Entfernung tatsächlich sehr schmal aussieht. Sie wissen, daß in der Bucht ein geschütztes Becken liegt, nahe der gegenüberliegenden Seite des 'Dorfes'.

Eine Stunde geht in großer Aufregung vorüber und es gibt von der Küste keine Antwort auf ihr Signal. Jeden Augenblick werden die Windböen schrecklicher, bis es scheint, das kleine Schiff sei wirklich verloren. Das Schlimmste von allem ist, daß die Nacht nah ist, denn die Berge sind bereits in der Dämmerung.

"Es ist eine furchtbare Küste",sagt Calum, als das Boot von einer gefährlichen Bö durchgeschüttelt wird, "ich denke eins der Hundert-Tonnen-Fischerboote ist gerade hier gesunken. Und es war nicht in irgendeiner See. Sie fuhr in den Süden mit Hering und hatte zwei oder drei leere Fässer an Deck, von den Bergen drüben kam der Wind auf und es sank wie ein Löffel in eine Schüssel mit Milch. Ich würde nicht für einen Haufen Geld mit einem offenen Boot segeln."

"Nicht einer scheint von uns Notiz zu nehmen", sagt der junge Mann, "was ist zu tun? Das Boot wird nicht standhalten."

"Das Boot ist ein gutes Boot", sagt Calum, "aber die Nacht wird schlecht sein und keine Yacht dieser Größe kann überleben, wenn sie in einen Sturm kommt. Wenn kein Mann von der Küste kommt werden wir zum Loch Uish fahren, gerade die Küste runter. Es ist nicht ungefährlich in der Dunkelheit, dort ist der Mackenzie-Felsen und das Riff, wo Sandie Gow die Wellen bricht und dort vorbei sind die Black Rocks, aber wir werden unser Bestes tun."

"Wird gemacht! Denn es ist die einzige Chance, heil aus diesem verdammten Schlamassel zu kommen."

"Oh ja, nur eine Chance", sagt Calum trocken und in einem unbewegten phlegmatischen Ton, "die Leute werden beim Fischen sein, aber es ist eine schlechte Nacht für ein Boot wie dieses in der offenen See."

Dies erregte die...

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