Ich vergebe dir

Kriminalroman
 
 
btb Verlag
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 12. Dezember 2011
  • |
  • 288 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-06721-2 (ISBN)
 
Was ist im Wald der verschwundenen Kinder passiert?

Eine kleine Gemeinde im Aostatal: Mehrere Kinder sind auf mysteriöse Weise verschwunden. Don Paolo, der Priester des Ortes, bittet die Mailänder Kommissarin Maria Vergani um Hilfe. Mit gemischten Gefühlen kehrt diese an den Ort ihrer Kindheit zurück und beginnt, sich im Dorf umzuhören. Sie stößt auf eine verlassene Goldmine im Wald und auf Ungereimtheiten, die den Geistlichen plötzlich in einem anderen Licht erscheinen lassen. Kurz darauf ist er tot, erhängt an einem Balken. War es Selbstmord?

  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
btb
  • Breite: 118 mm
  • 0,75 MB
978-3-641-06721-2 (9783641067212)
3641067219 (3641067219)
weitere Ausgaben werden ermittelt
16 (S. 43-44)

»Hast du diese junge Frau, die bei dir in Therapie war, eigentlich jemals wieder gesehen?«, fragte der Priester. Seine Hände ruhten im Schoß, die Finger ineinander verwoben. »Sie ist aus dem Gefängnis entlassen worden, aber nein, wir haben uns nicht mehr getroffen, wenn du das meinst. Ich begleite sie aus der Ferne.«

Die Kommissarin war in eine dunkle, eher dünne Daunenjacke gehüllt. »Und was kannst du aus der Ferne sehen?«, sagte er in einem Ton, als folgte auf die einleitenden Worte nun gleich eine Predigt. »Eine junge Frau, die versucht, sich ein neues Leben aufzubauen; das sehe ich, und das genügt mir.« »Das ist, was du sehen willst. Aber das ist schon in Ordnung. Wir alle sehen immer nur ein Zerrbild der Wahrheit. Nur so können wir überhaupt überleben.« »Wenn auch mit einer Last auf dem Gewissen. Die wird ewig bleiben.« »Sühne kann dir dabei helfen.« »Sie befreit mich dennoch nicht von der Schuld.«

»Verlange nicht zu viel von dem irdischen Dasein, dafür gibt es das ewige Leben.« »Ich habe gelernt, mit meinen Schuldgefühlen zu leben, an manchen Tagen besser, an manchen schlechter.« »Du hast es gut«, brach es unvermittelt aus ihm hervor. Dann schwenkte er sofort wieder um: »Du hast eine sonderbare Form von Unterbewusstsein, die mir völlig fremd ist.« Maria Dolores empfand wenig Lust, über jene Geschichte zu sprechen, die ihr ein Berufsverbot als Psychologin eingebracht hatte. Noch immer konnte sie sich nicht verzeihen, nicht so gehandelt zu haben, wie es eigentlich ihre Pflicht gewesen wäre.

Nämlich den eindeutigen Phantasien einer Patientin, die damit gedroht hatte, ihren gewalttätigen Lebensgefährten zu töten, das nötige Gewicht zu verleihen. Sie hätte dazu nicht mal ihre berufliche Schweigepflicht verletzen müssen. Es hätte genügt, die Inhalte der Sitzungen in ihrer Supervision anzusprechen. So hätte sie verfahren müssen angesichts ihres frischen Universitätsabschlusses und ihrer fahrlässigen Unerfahrenheit. Hochmut. Eine der Todsünden.

Eine Unterlassungssünde, so hatte Don Pablo es genannt. Und mit ihrer Untätigkeit hatte sie im Grunde, bewusst oder unbewusst, den Tod eines unliebsamen Menschen verursacht. Dieser Mord war ein Akt der Selbstjustiz. Ein Akt der Befreiung und Katharsis. Sowohl für ihre Patientin, als auch für sie. Dieser Gedanke wollte ihr bis heute nicht aus dem Kopf. Der Weg war noch weit, die Wut ständig gegenwärtig. Auch wenn ihr wahrer Ursprung nicht hier lag.

Das wusste Maria Dolores nur allzu gut. Sie beschloss, den Schlag einzustecken, und, zumindest für den Moment, nicht auf Abwehr zu gehen. Sie kehrte in die Gegenwart zurück. »Hat man das Kind wiedergefunden? In den Zeitungen war nichts darüber zu lesen.« »Noch nicht. Gott schaut auf die Erde herab. Er beschützt es, dessen bin ich mir sicher«, lautete seine beseelte Antwort. »Was haben die Carabinieri unternommen?«, fragte Maria Dolores, die mehr der irdischen Seite zugewandt war. »Sie durchforsten pausenlos die Gegend.« »Und die Mutter?« »Ist immer in meinen Gebeten eingeschlossen. Sie, das Mädchen, der Peiniger.« »Und du bittest Gott darum, dass er an den schlimmsten Qualen in der Hölle zugrunde gehen möge, richtig?« »Es gibt eine göttliche Vergebung, Maria Dolores. Eine Vergebung durch den Menschen ist ohne Bedeutung.«

Er sprach wie ein Priester, weil er ein Priester war. Durch und durch. Rigoros auch in den Zwischentönen. Man konnte erahnen, dass er noch mehr loswerden wollte, doch dass dies nicht der eigentliche Grund war, warum er sie ein weiteres Mal zu sich gebeten hatte. Gewiss nicht, um ihre beruflichen Fehler neu aufzurühren. Da war noch viel mehr. Maria Dolores sah ihn an und konnte seine Qualen regelrecht spüren. »Dem anderen vergeben bedeutet auch, sich selbst vergeben zu können. Nicht über sich zu richten, sondern zu verzeihen.

Verstehst du?«, fragte er. »Ich kann nicht den ganzen Tag am Telefon verbringen, um mich mit meinem Gewissen zu beschäftigen, und jedes Wochenende hierherkommen, um mich dafür zu rechtfertigen, dass ich nicht beichten will. Wenn du mir etwas zu sagen hast, dann tu es endlich.« »Du musst dich noch etwas gedulden«, antwortete er geheimnisvoll. »Wie lange noch? Warum? Natürlich unterhalte ich mich gerne mit dir, aber ich kann nichts tun. Ich fühle mich so untätig. Ich bin weder befugt, Ermittlungen einzuleiten, noch kann ich die Qualen der Mutter lindern. Hilf mir, sag mir, was ich tun kann. Denn darum geht es dir doch eigentlich, oder nicht?«, versuchte sie ihn aus der Reserve zu locken.

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