Fjorgaar - Der rote Vogel

 
 
Bookspot Verlag
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen im Oktober 2018
  • |
  • 600 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-95669-097-6 (ISBN)
 
Unheilvolles braut sich in einer Welt zusammen, von deren Existenz der 22-jährige Student Ben nichts ahnt. Bis ihn ein Geschenk seines längst verstorbenen Großvaters auf einen Weg bringt, den er freiwillig niemals beschritten hätte.
Unverhofft findet Ben sich in der fremden Welt Alva wieder, in der nicht nur phantastische Wesen und Menschen mit außergewöhnlichen Fähigkeiten zum Alltag gehören, sondern auch zahllose Gefahren lauern. Letzteres muss Ben schon bald am eigenen Leib erfahren.
Wird es ihm gelingen, in Alva zu bestehen und sein Leben zu bewahren? Ist sein Schicksal vielleicht sogar tiefgehender mit dieser Welt verknüpft, als er es wahrhaben möchte?
Und was hat es mit dem wundersamen, roten Vogel auf sich, der ihn in wiederkehrenden Albträumen zu verfolgen scheint?
  • Deutsch
  • Planegg
  • |
  • Deutschland
  • 3,41 MB
978-3-95669-097-6 (9783956690976)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Dorothea Bruszies, geboren 1983 in Baden-Württemberg, lebt mit ihrem Mann nahe München.
Schon früh entwickelte sie eine Vorliebe für das Fantasy-Genre und die damit verbundene Freiheit beim Ersinnen fiktiver Welten.
Im Zuge ihres Studiums beschäftigte sie sich mit dem Schreiben von Drehbüchern, worin sich ihre Leidenschaft für das Erdenken von Charakteren widerspiegelte.
Ihr Debütroman "Fjorgaar - Der rote Vogel", der 2018 im Bookspot Verlag erscheint, verzaubert mit Bildern aus einer anderen Welt, die einen für einen Augenblick vergessen lassen, wo man sich befindet.

Prolog


Es ist wieder soweit.

Geschwächt sinkt Sanmaal gegen eine Holzsäule seines Bettes. Die kunstvoll geschnitzten Verzierungen drücken hart gegen seinen Oberarm, doch das nimmt er kaum wahr. Erschöpfung verschleiert seinen Blick. Er muss sich zur Ruhe begeben, auch wenn ihm dieses Eingeständnis seiner Schwäche widerstreben mag.

So groß waren jene Anstrengungen, die vor Kurzem noch zu unwichtig gewesen wären, um ihnen auch nur einen flüchtigen Gedanken zu schenken. Selbst die kleinste Bewegung gleicht inzwischen dem Erklimmen eines Berges.

Und nicht nur körperlich ist Sanmaals Kraft am Ende. Nein, viel schlimmer noch: Mit jedem Atemzug spürt er die nurische Energie aus seinem Körper weichen, als sei er ein Sieb gefüllt mit feinem Sand. Und umso mehr sie ihn verlässt, desto schwerer fällt es ihm, neue aufzunehmen. Sanmaal hat die Kontrolle über jene Macht verloren, die ihn am Leben erhält. Jene Macht, die ihn und seinesgleichen über die gewöhnlichen Menschen erhebt.

Er wird sterben.

Klar und unleugbar steht ihm der Gedanke vor Augen, besiegelt das unabwendbare Schicksal. Und dies, nachdem er seinem Ziel so nah gewesen ist. Nachdem er so kurz davor stand, unbeschreibliche Macht zu erlangen. Doch er wird niemals zum Höchsten emporsteigen, sondern zu Staub zerfallen. Sanmaal geht elendig zugrunde und kann nichts weiter tun, als den Verfall zu beobachten.

Eine Woge heißen Zorns steigt in ihm auf, schreit danach, all jene mit sich in den Tod zu reißen, die er hatte unterwerfen wollen, schreit gegen die Ironie des Schicksals an und gegen die Unvermeidbarkeit des Kommenden. Aber sofort kämpft er die überschäumenden Emotionen nieder. Seine Zeit ist viel zu wertvoll, als dass er sie mit sinnlosen Wutausbrüchen verschwenden kann.

Es muss eine Lösung geben. Die gibt es immer.

Sanmaal blickt auf das breite Bett, an welchem er lehnt, und sieht im schwachen Mondlicht die Silhouette seiner Gemahlin. Sie schläft still und friedlich, ahnt nichts von dem Kampf, der neben ihr tobt.

Natürlich gibt es eine Lösung. Die Frage ist nur, ob er sie rechtzeitig finden wird.

Unter Anstrengung all seiner Kraft schleppt Sanmaal sich zum Fußende des Bettes und entledigt sich seiner edlen Bekleidung: kniehohe Lederstiefel, Hemd und Hose aus feinster Wolle und das kurzärmlige Übergewand mit dunkelblauer, kunstvoll bestickter Borte aus Trield - einem Stoff, der gleichzusetzen ist mit Macht und Reichtum. So angenehm ihn diese Hülle sonst auch umschließt, will er sie im Moment nur noch von seinem Körper streifen. Das Gewicht des Stoffes lastet schwer auf ihm.

Ein Kleidungsstück nach dem anderen fällt zu Boden und breitet sich vor seinen Füßen aus.

Da zieht ein Aufleuchten im Dunkel Sanmaals Blick auf sich. Es kommt von der gegenüberliegenden Wand, an welcher ein einladend großer Spiegel hängt. Die Monde haben sich vollständig von der Wolkendecke befreit und treffen nun mit unverminderter Helligkeit auf die gläserne Fläche.

Sanmaals Blick verharrt auf dem Spiegel. Kurz meint er, dort seine Gemahlin zu sehen, wie sie sich, gehüllt in die schönsten Stoffe und neuesten Moden, begutachtet. Das Bild verschwimmt jedoch sofort wieder und ein neues formt sich, zeigt seinen nackten, entblößten Körper. Dunkelheit umwölkt seine Stirn.

Und in plötzlichem Erschrecken, einer düsteren Vorahnung gleich, wendet Sanmaal sich vom Spiegel ab, blickt zu seiner Gemahlin hinüber. Sie schläft noch immer. Kaum merklich hebt und senkt sich das Leinentuch, welches ihren Körper bedeckt.

Erleichtert atmet Sanmaal aus, merkt erst jetzt, dass er die Luft angehalten hat. Er kann auf keinen Fall riskieren, von ihr gesehen zu werden. Nicht jetzt, während seine Kraft sich dem Ende nähert und sein wahres Äußeres aus ihm herauszubrechen droht.

Es ist ein furchtbarer Anblick und zugleich ein furchtbar faszinierender. Sanmaals Blick kehrt zum Spiegel zurück. Er kann sich dem Schauspiel ebenso wenig entziehen, wie er den Vorgang zu verhindern vermag. Und so steht er da und beobachtet. Mit flacher Atmung und versteinerter Miene.

Die Veränderungen nehmen ihren Lauf, und unaufhaltsam schwindet Sanmaals Maskerade. Sie fällt in sich zusammen wie die Blume von Errn, welche jeden Abend ihre eigene Blüte nicht mehr tragen kann.

Wie lange noch wird Sanmaal durchhalten können? Seine mentale Kraft ist herausragend, sein Wille unbeugsam. Nicht umsonst ist er unter den Seinen nicht nur einer der Besten, sondern auch der Mächtigsten. Oder zumindest war er dies.

Zorn spannt Sanmaals Gesichtszüge, kaum sichtbar unter der grotesken Fratze des immer stärker werdenden Schmerzes. Verrottendes Fleisch, eiternde Narben, die seinen gesamten Körper zeichnen, zehren an seiner Menschlichkeit. Unzählige Risse zerfurchen seine Haut. Blut quillt in kleinen Rinnsalen aus ihnen heraus, trocknet sofort und bildet neue Krusten. Auch unter seinen ergrauenden Haaren bricht eine Narbe hervor und zerreißt seine Haut in beängstigender Geschwindigkeit. Jedoch ist diese Furche seit einiger Zeit nicht mehr komplett. Ein winziges Teilchen hat sich gelöst und lässt seitdem immer wieder eine kleine Blutspur über seine rechte Wange laufen.

Und erneut ist Sanmaal überwältigt von der Faszination dieses Schauspiels. Für einen kurzen Moment ist sein Zorn vergessen und sein Körper scheint der eines anderen zu sein, ein fernes Bildnis von Krankheit und Zerfall. Es ist ein gefährlicher Gedanke, eine gefährliche Wahrnehmung. Denn auf keinen Fall darf Sanmaal seinem Geist gestatten, der Situation zu entfliehen. Er blickt seinem Untergang entgegen, und dies zu verleugnen, würde zu nichts weiter führen als seinem endgültigen Ende. Während Sanmaal die Realität vor jedermann verbergen muss, kann er selbst ihr nicht den Rücken kehren.

Und so, nur um neben seiner Gemahlin ruhen zu können, beginnt er unter größter Willensanstrengung damit, sein wahres Äußeres erneut zu verschleiern. Stück für Stück ruft er die Illusion des gesunden Mannes hervor.

Dieser Vorgang ist in seinen Grundzügen nichts Neues. Schon früher hat Sanmaal wiederholt sein Aussehen gänzlich verändert, auch wenn er von Natur aus mit einem anziehenden und vor allem vertrauenerweckenden Gesicht gesegnet sein mag. Sanmaal war niemals eitel, verachtet vielmehr jene, die sich alleine auf ihr wohlgeformtes Äußeres stützen. Doch gleichermaßen war er nie blind gegenüber der Wirkung eines freundlichen Lächelns in einem ansprechenden Gesicht. Und einen bestehenden Vorteil nicht zu eigenen Gunsten zu nutzen, ist nach Sanmaals Meinung die größte aller Dummheiten.

So war ihm sein Aussehen immer ein ebenso willkommenes Werkzeug wie auch die äußerst seltene Fähigkeit der Täuschung. Denn mit Wohlwollen angesehen zu werden, kann von ebenso großem Vorteil sein, wie von Zeit zu Zeit gänzlich unerkannt umherzuwandern.

Inzwischen jedoch muss Sanmaal seine Erscheinung unablässig und gewissenhaft formen, sich hinter der Maske der Normalität verstecken. Sollte seine wahre Gestalt ans Licht kommen, würde man ihn als letzten Überlebenden der Verräter erkennen. Als jenen, der sowohl seiner Hinrichtung als auch dem endgültigen Zerfall des eigenen Körpers entkommen ist. Zumindest bis zu diesem Zeitpunkt.

Sanmaal ist nicht bereit, aufzugeben. Wird niemals bereit dazu sein. Erneut kämpft sich Zorn an die Oberfläche seines Geistes und diesmal heißt er ihn willkommen. Er hält ihn, kontrolliert ihn, formt in der Wut die Kraft seines Willens.

Sanmaal öffnet seine Augen, die sich ohne bewusstes Zutun geschlossen hatten, und sein sonst so schneller Geist braucht ein paar Momente, bevor er versteht, was ihm nun aus dem Spiegel entgegenblickt. Oder vielmehr: wer.

Sanmaals Gemahlin war schon immer zart und liebreizend. Und selbst jetzt, mit ihren großen Augen voller Schock, erscheint sie ihm wie eine märchenhafte Erscheinung.

Er wendet sich zum Bett, wo seine Gemahlin nicht mehr schläft, sondern aufrecht sitzt.

Sie blickt ihm regungslos entgegen. Das Bettlaken ist von ihrem Oberkörper gerutscht und ihr weißes Nachthemd leuchtet fast so hell wie die Monde selbst.

Auch wenn Sanmaal inzwischen wieder aussehen mag wie immer, spricht der Gesichtsausdruck seiner Gemahlin eine furchtbare Wahrheit: Sie hat die Verwandlung gesehen, den Verfall, den er so angestrengt zu verbergen sucht.

Eine Träne löst sich aus ihrem Augenwinkel und rinnt über ihre rechte Wange wie zuvor das Blut über die seine. Unwillkürlich fasst Sanmaal in sein Gesicht und spürt Feuchtigkeit, entdeckt mit dieser Geste das Blut, welches seinen Körper noch immer bedeckt. Wortlos lässt er die Hand sinken.

Sein Schweigen trifft auf das ihre, als gäbe es nichts, das sie einander sagen könnten.

Sanmaal spürt die Stille des Raumes auf sich lasten, während er langsam auf seine Gemahlin zugeht. Sein vom Mondlicht geformter Schatten fällt auf das Bett und greift nach dem weißen Nachtkleid seiner Gemahlin. Furcht und Stärke sprechen gleichermaßen aus ihrem junggebliebenen Gesicht. Es ist ein wunderschönes Spiel der Emotionen. Sanmaals Gemahlin war schon immer ein Geschöpf der Gegensätze, und sie ist die einzige, der es jemals gelang, sanfte Gefühle und wahre Zuneigung in ihm zu erwecken.

Sie ist einmalig in seinem Leben.

Sanmaal spürt den Impuls, mit beruhigenden Worten auf sie einzuwirken. Er will sich erklären, sich rechtfertigen, obwohl er dergleichen niemals tut. Aber kein Laut gelangt über seine Lippen. Denn sie hat seine wahre...

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