Königin Genevier 2

Aufbruch nach Britannien
 
 
Romantruhe-Buchversand Joachim Otto (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 14. Juni 2018
  • |
  • 203 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-86473-488-5 (ISBN)
 
Alarmierende Nachrichten aus Britannien! Treibt Morgan le Fey dort ihr diktatorisches Unwesen? Herrscht sie mit Folter und Mord? Ist die Person der liebevollen Diana-Priesterin nur eine Fassade? Oder steckt jemand anders dahinter? Die Königin reist nach Britannien und erlebt eine Überraschung, die sie in einen Strudel von Ereignissen stürzt, den sie kaum bewältigen kann. Nur gut, dass ihr der Wikinger Boltar und die zweite Heerführerin der Gralsburg, Sanderah, zur Seite stehen. Geneviers Mission - gesteuert von der Göttin - verlangt ihr alles ab. Oftmals völlig verzweifelt, behält aber die Kämpferin in ihr die Oberhand. Eher widerwillig muss sie dabei auch zum Schwert greifen ...
  • Deutsch
  • 1,31 MB
978-3-86473-488-5 (9783864734885)
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Aufbruch nach Britannien

 

 

1

 

»Fowey! «, schrie Boltar durch das Tosen des Meeres.

Die Gischt spritzte seitlich des Drachenkopfes vorbei, sammelte sich in kleinen Lachen, von denen wieder kleine Rinnsale irgendwo zwischen den Planken verschwanden.

Genevier starrte mit zusammengezogenen Brauen hinüber. Immer wenn das Wikingerschiff sich aus einem der tiefen Wellentäler heraus gearbeitet hatte, sah sie die   Befestigungsanlagen der britischen Hafenstadt.

Es hatte eine Zeit gegeben, in der diese Stadt, und ihr Vogt, Artus das Leben schwer gemacht hatte.

»Die herrschende Schicht ist sich ihrer Wehranlagen sehr sicher«, hatte der Hochkönig damals ernst gesagt.

»Deshalb sollte man es weniger den Waffen, denn vernünftigen Verhandlungen überlassen, eine Einigung zu erzielen«, hatte Gawan damals gesagt und seinen feinen Schnurrbart gezwirbelt. Genevier hatte gewusst, was er damit meinte.

Er hatte bereits ein diplomatisches Auge auf die junge Frau des Vogtes geworfen.

Sie näherten sich immer weiter.

»Wird uns der Hafenmeister Schwierigkeiten machen?«, rief die Königin leicht unsicher nach hinten.

»Nein«, kam Boltars Antwort. »Der Anblick eines Drachenbootes ist hier normal. Childerich hat damals bereits eine Handelsallianz mit den Nordmännern geschlossen.«

Sie wusste, dass Chlodwig zwar nicht gern mit den    Wikingern handelte, aber sie brachten doch viele Neuigkeiten und waren verwegene Erkunder. So hatte der Nachfolger Childerichs den Kontakt einfach laufen lassen.

Bisher gab es keine Schwierigkeiten - bis auf die naturbedingt ab und zu einfallenden Plünderhorden.

Genevier warf einen Blick aus den Augenwinkeln auf Boltar. Neben ihm stand stolz Sanderah. Die Königin wusste, dass dieser Knurrbär auch ganz gerne mal eine Hafenstadt auseinander nahm. Doch das war eben die Natur der Nordmänner.

Das Drachenboot lief unbehelligt in den Hafen ein. Ein buntes Treiben zeigte sich hier. Am Kai und in den Gassen. Kauffahrer aus aller Herren Länder hatten angelegt. Phönizier, Perser, Iberer - ja sogar Sarazenen.

Genevier stieg an Land. Boltar wollte sie begleiten, doch sowohl seine Gattin - Sanderah - wie auch die Königin, bestanden darauf, erst einmal allein zu gehen.

Boltar machte zwar ein bedenkliches Gesicht, doch Sanderah küsste ihn auf seine dicke Nase und gurrte: »Keine Angst, mein Dickerchen. Ich komme mit Genevier schon heil zurück.«

»Dafür sorge Odin und Neptun - oder wie sie alle heißen mögen«, knurrte der Wikinger, der gerne auch mal alle Götter durcheinander warf.

Genevier und Sanderah fielen in den Gassen kaum auf. Zu vielfältig zeigte sich die Aufmachung der Menschen hier. Auf dem Lande wäre es schwieriger gewesen.

Doch auch dafür hatten sie vorgesorgt. Die Erkundungsreise nach Dragonstone würden sie als einfache Bauersfrauen machen.

Während sie so durch die belebten Gassen schlenderten, schaute die Königin zufällig zur Tür eines Wirtshauses.

Plötzlich zuckte sie dermaßen zusammen, dass Sanderah sogleich stehen blieb.

»Was ist?«

Genevier deutete nach vorn.

»Dort! Gawan! An der Tür! Oh Diana! Aber.«

Da wandte sich der Mann um und sie erkannte das gegerbte Gesicht eines alten Mannes.

Die Schultern der Königin sackten nach unten. Sie stieß laut die Luft aus.

»Wie töricht von mir! Es konnte auch nicht sein. Lancelot hat Gawan damals durch einen unglücklichen Umstand erschlagen. Doch von hinten - das Haar, die Haltung.«

Sanderah legte fest den Arm um die Freundin. »Ich weiß, dass du oft an das Schöne der Vergangenheit denkst. An die Pracht vom Hofe Camelots! Doch - so hart es ist, diese Zeiten sind Jahre vorbei. Nichts und niemand holt sie zurück.«

Sie gingen weiter.

»Wo willst du eigentlich mit mir hin? Haben wir nichts anderes zu tun, als uns diese Hafenstadt anzusehen?«

Genevier bog in eine enge, stinkende Gasse ab.

»Ich suche jemanden, von dem ich hoffe, dass er noch lebt. Komm! Dort hinten ist es.«

Sie gelangten an ein verkommenes Haus. Die Balkentür hing schief in den Angeln.

Genevier klopfte.

Es dauerte, bis eine krächzende Stimme von innen rief:

»Verschwindet ! Ich habe nichts! Ihr habt mir schon alles genommen! Wollt ihr nun auch noch mein Leben?«

Geneviers Gesicht umwölkte sich.

»Bert! Hörst du mich?«

»Wer bist du? Verschwinde!«

»Bert - hier ist Genevier.«

Einen Moment war es still, dann kam eine vorsichtige Frage: »Was für eine Genevier?«

Die Königin trat ganz nahe an die Tür heran und rief durch die morschen Spalten:

»Deine einstige Hochkönigin.«

Ein Husten erklang. Dann die Frage - sehr nahe an der Tür: »Weshalb diese Lüge? Die Hochkönigin ist lange tot. Treibt kein Schindluder mit solch einer großartigen Frau. Auch wenn ihr mich zur Hölle wünscht! Respektiert   wenigsten ihr Ansehen und die Unbeflecktheit einer Toten.«

Genevier lehnte sich ganz dicht an die Tür.

»Ich bin's wirklich. Ich beweise es! Erinnerst du dich an den Osterabend, als wir zum Merlinturm geritten sind? Ich sagte zu dir: Sieh diesen Sonnenuntergang. Er ist wie Gottes Diamant.«

Nichts rührte sich hinter der Tür. Doch dann vernahmen die Frauen ein Schluchzen. Knarrend, nur einen Spalt, öffnete sich die Tür. Was da, halb aus dem Schatten hervorlugte, war erbarmenswürdig.

Ein Gesicht - vielleicht neunzig, vielleicht hundert Jahre alt - ausgemergelt, unter strähnigem grauen, schmutzigen Haar, wässerige Augen und ein blutleerer Mund.

»Oh nein! Bert!«, entfuhr es der Königin.

Der alte Mann bewegte die Lippen wie in Trance.

»G-e-n-e-v-i-e-r..?«, kam es ungläubig. »Nein, nein! Das kann nicht sein!«

Wenig später standen sie in der schmutzigsten und unzumutbarsten Behausung, die Genevier je gesehen hatte.

»Bert«, murmelte sie. »Was ist aus dem so stolzen Mann geworden, der einst des Königs bester Astronom gewesen ist?!«

Der Alte ließ sich auf einen wackligen Schemel fallen. Durch eine Mauerritze fiel ein Sonnenstrahl, der alles noch trostloser erscheinen ließ.

»Die Zeiten ändern sich, Genevier«, kam es mit dünner Stimme. »Es sind schlimme Zeiten.«

»Aber Chlodwig regiert doch sehr human.«

Ein brüchiges Lachen erklang. Den beiden Frauen lief ein Schauer über den Rücken.

»Chlodwig! W a s  weiß er?! Seine Vasallen sind Teufel und diese Hexe von Dragonstone ist die Ausgeburt der Hölle.«

Genevier ging vor Bert in die Hocke. »Von wem sprichst du?«

Der Alte richtete sich halb auf und krächzte: »Von wem ich spreche? Von Morgana - des Teufelsgroßmutter persönlich!«

Die Königin schluckte.

Endlich fragte sie: »Bist du dessen sicher, dass es Morgana le Fey ist?«

»Dragonstone ist ein Höllenpfuhl. Orgien, Tod und Mord regieren dort!«, kam es rau, aber bestimmt aus Berts Mund.

»Man sagt, dass sie sich jeden Tag einen neuen Liebhaber ins Schloss holt und ihn nach der Liebe ermordet. So wie die Tarantel es tut.«

Genevier konnte es nicht glauben!

»Bert«, rief sie eindringlich. »Ist das Hörensagen oder weißt du es?«

Der Alte schaute die Fragende müde an. »Oh Genevier - einst meine Hochkönigin - die beste, die Britannien je erleben durfte. Es ist wahr. Ich habe sie gesehen! Wie sie ausritt und einen jungen Bauernburschen zu Tode foltern ließ, weil er ihr nicht rasch genug Platz machte, als sie heranjagte. Mit ihrer Gesellschaft von Buhlen. Männlichen und weiblichen. Männer aus der Umgebung von Dragonstone haben berichtet, wie entsetzliche Schreie aus der Folterkammer der Burg über die Felder hallten. Oh Genevier - sie ist der Satan in der Hülle einer wunderschönen Frau.«

Die Königin war völlig durcheinander.

 

 

 

Etwas hilflos schaute sie sich in dem Loch um, das dem einstigen Ritter als Behausung diente.

»Bert, du kommst mit uns. Zuerst auf Boltars Schiff. Dann sehen wir weiter.«

Obwohl Bert sich wehrte, duldete die ehemalige Königin keinerlei Widerspruch.

»Wie kommt es überhaupt, dass du hier leben musst«

Bert ergriff die Hand Geneviers und flüsterte:

»Weil Morgana mich töten wird, wenn sie meiner habhaft werden kann.«

Boltar blickte misstrauisch mit zusammengekniffenen Augen, als die beiden Frauen - sie mussten den alten Mann stützen - das Drachenboot erreichten.

Doch dann verwandelte sich seine Miene in Staunen.

»Sir Bert ..?«, knurrte er und machte zwei Schritte vorwärts über die Stegplanken.

In kurzen Sätzen gab Genevier Bericht.

»Bei Thor!«, entfuhr es dem Wikinger.

»Das Weib braucht die Peitsche!«

Doch zu seinem Erstaunen schüttelte Genevier den Kopf. »Warte mit deinem Urteil. Noch ist nichts erwiesen. Ich werde diese Nacht noch nach Dragonstone aufbrechen. Wenn es wirklich Morgana ist, die dies furchtbare Doppelspiel inszeniert, dann wird sie mich um Gnade anwimmern. Aber ich  k a n n  es nicht glauben!«

Es ging auf Mitternacht zu, als Genevier und Sanderah sich auf einem Ochsenkarren aus der Hafenstadt stahlen. Boltar hatte für den Transport mit einigen Goldstücken gesorgt.

Die Reise war mehr als ungemütlich. Die beiden Frauen wurden derb auf dem Karren...

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