Das Jahr mit Chantal

Liebesdrama
 
 
Books on Demand (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 13. November 2018
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  • 424 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7481-5368-9 (ISBN)
 
Chantal, Norddeutsche und Johannes, Rheinländer, wohnen schon Jahrzehnte in derselben Straße. Beide sind verheiratet, allerdings nicht miteinander. Chantal könnte seine Tochter sein. Bei einem abendlichen Umtrunk in der Nachbarschaft haben sie erstmals Kontakt. Alle in der Umgebung sind gegen diese - zunächst harmlose - Bekanntschaft. Insbesondere die dortigen Frauen mögen Chantal nicht - höhere Bildung, gehobene Stellung im Ministerium, fährt ein BMW Cabriolet, Hundebesitzerin, kümmert sich um niemand. Johannes, Repräsentant einer internationalen Geflügelfutterfirma, Tierliebhaber, Multitalent, passt in kein Raster. Zwei in jeder Beziehung außerordentlich unterschiedliche Menschen. Die Liebe ihres Lebens steuert sie in verhängnisvolle Eskapaden...
1. Auflage
  • Deutsch
  • 0,41 MB
978-3-7481-5368-9 (9783748153689)
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Hans Brühl ist 1947 in Pulheim geboren, Dipl.-Verwaltungswirt, mehr als 51 Jahre Öffentlicher Dienst, seit 2012 pensionierter Oberrechnungsrat. Jahrzehnte war er damit beauftragt, der Verschwendung von Steuergeldern durch Behörden auf die Spur zu kommen. Er kennt die undurchsichtigen Strukturen, die Willkür und die Inkompetenz in staatlichen Einrichtungen in- und auswendig. Als freier Schriftsteller schrieb er unzählige Beiträge für Brieftauben-Fachzeitschriften sowie einschlägige Fachbücher, Abenteuer- und Kriminalromane. Recherchen führten ihn durch die halbe Welt. Seine Beobachtungen der Menschen und des Lebens inspirieren ihn immer wieder aufs Neue. - Seit 2008 ist er Chefredakteur von TaubenMarkt/Die Sporttaube, der größten privaten Brieftaubenfachzeitschrift der Welt.

Kapitel 1


Mitte November. Nieselregen der feineren Art ging bereits seit dem frühen Abend nieder. Ein grauer Tag, ein düsterer Abend - Novemberwetter. Nur einzelne Autos fuhren durch Morschhausen im Rheinland, eine zur Stadt Rheinbach gehörenden ländlichen Gemeinde mit ca. 3.000 Einwohnern. Kein Mensch war zu sehen, keine Katze, kein Hund - niemand. Alles düster außer den Straßenlampen. An der Hauptstraße fiel ein einziges Gebäude schon weithin durch seine Leuchtreklame auf - die Gaststätte "Zur Finnenstube". An diesem Dienstagabend war kein großer Betrieb. Drinnen im Lokal befanden sich nur wenige Gäste. An einem Tisch saßen vier Kartenspieler zusammen und waren in ein Skatspiel vertieft. Der große Fernsehapparat, ein gewaltiger Flachbildschirm an der Stirnwand des Gastraumes, war auf Radio umgestellt. Unterhaltungsmusik von Radio Bonn-Rhein-Sieg dudelte vor sich hin, ab und zu unterbrochen durch wichtige oder auch weniger interessante Lokalnachrichten. Auf der einen Seite der U-förmigen Theke, die Fenster zur Straßenseite im Rücken, standen drei nicht mehr ganz junge Männer, Vorruheständler und Frühpensionäre. Jeder hatte ein angetrunkenes Bitburger Pils vor sich stehen. Sie unterhielten sich angeregt über die Chancen von Schalke04, Deutscher Fußballmeister zu werden. Die Wirtin, eine gemütliche Dame um die sechzig, leicht korpulent, saß hinter der Theke auf einem Barhocker und nahm phasenweise an dem Gespräch teil. Alle Gäste im Lokal waren ihr bestens bekannt, also Stammgäste. Eine gewisse Fachkompetenz, auch was die Verhältnisse in der Sportwelt, sogar in der Bundesliga, betrafen, konnte man der Frau nicht absprechen.

Durch den rückwärtigen Eingang des Lokals betrat nun ein älterer Mann das Lokal. Sein Alter war schwer zu schätzen: Volles dunkelbraunes krauses Haar, einen Jürgen von der Lippe - Bart, mittelgroße, kräftige Statur, wache braune Augen. Er konnte genau so gut fünfzig wie siebzig sein. Meistens betrat er von dieser Seite aus das Lokal, denn er kürzte dadurch den Weg von seinem Wohnhaus in der weiteren Nachbarschaft in die Finnenstube ab. Dabei wurde er jedes Mal von etwa zehn bis zwölf Bewegungsmeldern, die an den Vorderseiten der Einfamilienhäuser im Plantagenweg angebracht waren, erfasst. Sein Weg war dadurch hell erleuchtet, nicht nur durch die Straßenlaternen.

Hinter der Rückseite des Lokals befanden sich Parkplätze und ein Fahrradständer. Unter der Überdachung des Hintereingangs stand ein ausrangierter Stehtisch mit drei ebenso ausrangierten Barhockern. Mitten auf dem Tisch stand ein gewaltiger Aschenbecher, in der Regel überquellend von Zigarettenkippen. Hennes, so hieß der neu hinzu gekommene Gast, rauchte nicht und deswegen scherte er sich nicht um übervolle Aschenbecher. Es sei denn, er müsste daneben etwas essen. Dazu wäre er dann zu empfindlich und würde dies rigoros ablehnen.

Mit einem freundlichen "guten Abend allerseits" zog er seinen Parka aus. Gemurmel der Anwesenden war die Antwort. Hennes blieb auf seiner Seite der hufeisenförmig angelegten Theke und hing seinen Anorak an einen Haken neben seinem Stammhocker. So könnte man diesen bezeichnen. Ein ganz gewöhnlicher Barhocker aus Holz ohne wärmendes Sitzkissen. Er war ebenfalls Stammgast in der Finnenstube und hatte die Angewohnheit, stets an der gleichen Stelle Platz zu nehmen und ein paar Gläser Bier zu trinken. Zwar nicht täglich, aber doch mehrmals in der Woche. Bier hatte er auch zu Hause stehen. Doch dort etwas zu trinken machte ihm, weder alleine oder gemeinsam mit seiner Frau, keinen Spaß. Schließlich musste man ja auch mal hören, was im Dorf so passierte. Und seitdem es schon ein paar Jahre in Morschhausen keine Frisörstube mehr gab, die üblicher Weise als Nachrichtenzentrale eines Dorfes diente, gab es für ihn auch zu diesem Zweck, jedenfalls zu Fuß und in Morschhausen, nur noch diese eine Anlaufstation. Die Wirtin erhob sich und bewegte sich Richtung Zapfhahn. Dabei sah sie ihn an und fragte: "Wie immer?"

"Ja", antwortete Hennes, "wie meistens." Er sah sich unauffällig im Lokal um und konnte nichts Besonderes feststellen. Sämtliche Gäste waren ihm persönlich bekannt und alle waren per "Du". Als die Wirtin ein frisches Bitburger Pils vor ihn auf die Theke stellte, fragte er sie: "Und, war was, ist was, gibt's was, irgendwelche Gerüchte, jemand gestorben, eine Mülltonne umgekippt?"

"Was soll denn in diesem Dorf schon passieren? Also gestorben ist keiner..."

Während dessen hatte das Gespräch der drei Schalke-Fans eine, man könnte sagen, unsportliche Wendung genommen. Sie sprachen wesentlich gedämpfter als vorher über Fußball. Obwohl das bei dem Abstand zwischen ihnen und dem neuen Gast, der gedämpften Musik aus dem Radio und dem gelegentlichen Schimpfen der Kartenspieler unnötig gewesen wäre. Der mittlere der drei Thekengäste, Waldo Doborka, meinte zu den anderen beiden: "Habt ihr gehört, was der da eben von sich gegeben hat?"

"Nein. Wieso?"

"Hier spielt er den Harmlosen und dabei ist das der größte Sittenstrolch, der in der ganzen Gegend herum läuft..."

Seine Kumpels waren ganz Ohr. "Was? Wieso?"

"Der baggert jede Frau an, die ihm näher als hundert Meter kommt..."

"Tatsächlich? Das ist doch der Vorsitzende vom Brieftaubenverein. Ich dachte, solche Leute sitzen immer auf ihrem Taubenschlag und interessieren sich nicht für Frauen..."

"Habt ihr eine Ahnung. Vorsitzender des Brieftaubenvereins war der einmal. Dort hat er den Intelligenzler gespielt und da haben die Einheimischen ihn rausgeworfen."

"Und der ist doch verheiratet mit dieser Melitta, der blonden Polin, die jeden Tag mit den Nordic Walking Stöcken ihre Runden macht."

"Das hat doch damit nichts zu tun. Im Moment hat er die Chantal Leverenz aufgerissen", dozierte Waldo.

"Wer ist das denn?", wollte sein Nebenmann wissen.

"Mensch, die müsst ihr doch kennen. Die wohnt doch nur drei Häuser neben dem. So eine große Schlanke mit lockigen langen Haaren, die immer mit ihrem Hund spazieren geht."

"Hat die immer einen dunkelblauen Jogging-Anzug an?"

"Ja meistens", antwortete Waldo.

"Dann kenne ich die auch, jedenfalls vom Sehen. Und die soll was mit dem Taubenkönig haben? Die passen doch überhaupt nicht zusammen. Ich schätze, die ist mindestens einen Kopf größer wie der..."

"Und die ist doch auch verheiratet. Wohnt nur ein paar Häuser weiter. In der direkten Nachbarschaft..."

"Das ist doch denen scheißegal."

"Und der Bursche ist doch schon ein ziemlich alter Knacker..."

"Die steht scheinbar auf alte Knacker. Der Mann von ihr ist doch auch schon so alt, dass er nächstes Jahr in Rente geht."

"Davon versteht ihr nichts. Diese Frau lebt nach dem Motto: Der älteste Bock hat das härteste Horn", gab Waldo unter süffisantem Grinsen bekannt.

"Den alten Bock, wie du ihn nennst, den kenne ich überhaupt nicht."

"Doch, den musst du kennen", ereiferte sich Waldo, "ein kleiner, krummer Kerl mit einem schwarzen Schnurrbart. Angeblich soll der saufen wie ein Loch. Der fährt jeden Tag mit dem Fahrrad zum Meckenheimer Bahnhof und von da aus mit dem Zug nach Bonn zu seiner Arbeit. Weißt du, der arbeitet in einem Hotel in Bonn im Dreischichtbetrieb. Und wenn der nicht zu Hause ist, macht die Alte was sie will. Der Hennes ist doch schon gesehen worden, wie der bei dieser Chantal am Schlafzimmerfenster eingestiegen ist."

"Wir sind doch hier nicht in Oberbayern..."

"Du meinst wegen dem Fensterln? Dem Hennes kannst du alles zutrauen. Der macht in seinem Alter fast jeden Tag Sport. Der fährt dauernd in die Mukibude nach Rheinbach oder rennt hier zwischen den Obstplantagen herum. Er hat hier an der Theke erzählt, dadurch würde das Bier besser schmecken."

"Der sieht doch aus als wenn er kein Wässerchen trüben könnte. Von dem hat man aber noch nichts Schlimmes gehört", meinte der andere Gast.

"Doch, doch. Der Bursche ist ungeheuer abgebrüht. Dem habe ich schon mal drei Monate nicht Guten Tag gesagt, und das hat der nicht einmal gemerkt. Ihr habt es jetzt von mir gehört. Meine Frau hat der doch auch schon angebaggert. Der hat Jutta ein Körbchen Erdbeeren geschenkt und gedacht, er könnte sie damit anlocken. Sozusagen ködern. Der hat auf der Straße seinen Bauch an der gerieben", erzählte Waldo seinen Zuhörern.

"Sag mal, das wird ja immer doller. Das habe ich ja noch nie gehört. Übertreib mal nicht. Zu so was gehören immer zwei. Eine, die ihren Bauch hin hält, und einer, der seinen Bauch dran reibt - war vielleicht nur ein Spaß..."

"Gar kein Spaß", hetzte Waldo weiter, "der fährt als Pensionär einen Audi A8 Quattro Diesel Sevillarot Metallic. Der Wagen kostet mindestens 120.000 Euro. Und wozu braucht der den? Nur um den Weibern zu imponieren..."

"Aber vielleicht arbeitet der noch oder hat den Wagen noch von früher, als er noch im Dienst war. Oder es ist ein Geschäftswagen von einer Firma. Der soll doch mal beruflich irgendwo ein hohes Tier gewesen sein", meinte der Nebenmann.

"Das sind meistens die...

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